kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Nach der Demo ist vor der Demo 15. März 2011

Filed under: Christenverfolgung — Knecht Christi @ 16:43

(abgewandelte Fußballtrainer Weisheit)

Kleine Nachlese zum Nachdenken, Weiterdenken und vor allem Weitermachen von Klaus Lelek

Die treuen Leser von „Kopten ohne Grenzen“ und „Quotenqueen“ können sich vielleicht noch an meinen Bericht, besser gesagt Analyse nach der Großdemonstration in Köln erinnern, bei der ich mich ein wenig der Fußballersprache bedient habe. Heute muß ich meinen Lesern ein Geständnis machen: Ich habe wenig Ahnung von Fußball. Dafür um so mehr Erfahrung mit der Planung und Durchführung politischer Veranstaltungen. Meine erste Analyse lautet: Wir haben alles richtig gemacht. Jeder hat sich toll ins Zeug gelegt, vor und hinter den Kulissen. Auch meinem Mitorganisator Mathias Mund, der persönlich verhindert war, aber im Vorfeld sehr viel Verwaltungs- und Organisationsarbeit gestemmt hat, sei hier noch mal ein herzliches Dankeschön gesagt. Und natürlich Herrn Hans Günter Müller, der kurzfristig für ihn eingesprungen ist.

 

Leider hat es im Vorfeld immer wieder unschöne Versuche gegeben die Freien Wähler in die Rolle eines politischen Trittbrettfahrers zu drängen. Dabei hat die SPD genau so zum gelingen dieser Veranstaltung beigetragen. So konnte Dank der guten Kontakte von Herrn Mina Ghattas von der Wiesbadener SPD – selbst Kopte – der Hauptredner Bischof Damian für die Kundgebung gewonnen werden. Dessen Vortrag im SPD-Haus wiederum darf als Vorbereitungsveranstaltung für die Demo angesehen werden. Was sogar die FR protokollierte. Die vorletzte Kundgebung gegen die Verfolgung von orientalischen Christen im Februar 2010 wurde wiederum vom koptischen CDU-Mann Maghdi in Wiesbaden ausgerichtet. Dies zeigt, daß eigentlich fast alle demokratischen Parteien sich mit dem Thema „Christenverfolgung“ auseinandersetzen. Warum hier vereinzelte Medien auf den Rücken von Exilchristen wider besseres Wissen eine politische Schlammschlacht ausgelöst haben,  bleibt auch nach der Veranstaltung ein bitterer Wehrmutstropfen.

    
Doch nun zurück zu den erfreulichem Ergebnis: Unserer gemeinsamer Demonstration.

Im Grunde genommen ist so eine Veranstaltung beinah wie ein Theaterstück oder ein Filmprojekt. Jeder von uns ist ein Akteur der mit seiner Anwesenheit die Bühne ausfüllt. Das beste Drehbuch taugt nichts, wenn es niemand umsetzt. Unsere große Bühne war die Stadt Frankfurt mit ihrem monokulturellem Bahnhofsviertel, den Glitzerfassaden, Einkaufsmeilen und vor allem Bankhochhäusern, den neuen Kathedralen der Konsumgesellschaft.  Ein Teilnehmer hat dies in einem schönen Schwenk auf die Katharinenkirche mit seiner Kamera herrlich eingefangen. Der Turm des zweitgrößten „Gotteshauses“ der Innenstadt wird vom neuen Hochhaus Mainzeil fast um die Hälfte überragt. Das Hochhaus selbst ist im Vergleich zum Maintower oder Komerzbankturm ein Zwerg. Und dabei rede ich hier nur von der Optik nicht von religiösen Inhalten. Was von diesen in Antifa-Pfarrers ehemaligen Amtssitz noch übriggeblieben ist, darüber will ich mich ausschweigen.

 

Auf so einer von Hedonismus und Materialismus geprägten, durch und durch weltlichen Bühne auf die Christenverfolgungen von Kopten, Aramäern und anderen Volksgruppen  aufmerksam zu machen, war für uns alle ein enormer Kraftakt. Das funktioniert nur, wenn jeder einzelne – und damit meine ich vor allem die Demonstrationsteilnehmer – vollkommen präsent ist. Wenn jeder einzelne Schwingungen und Signale aussendet, jeder zum Sprachrohr oder Medium wird. Dann erreicht auch eine kleinere Menschenmenge die gleiche Wirkung wie eine Große. Das war am Samstag vollständig gelungen. Immer wieder ein schöner und bewegender Anblick ist das wogende Meer von roten Fahnen und Tüchern unserer aramäischen Mitstreiter.

 

Auch die übrigen Teilnehmer, darunter viele Kopten und ebenso viele Deutsche mit ihren Transparenten, Bannern und Plakaten und vor allem „Bildern von Opfern“ haben rein optisch gut rüber gebracht, um was es hier geht: Die Christenverfolgung und das Schweigen anzuprangern. Je einheitlicher und zielorientierter so eine Botschaft ist, je besser wird sie draußen verstanden.  Das sollten wir bei künftigen Aktionen weiterhin beachten. Denken wir immer dran, daß ein Teil unserer „Zuschauer“ zunächst gar nicht sichtbar ist. Das sind die Leute vor dem Fernseher (Hr-Landesschau) und natürlich die Zeitungsleser, die, wenn auch durch eine Zensur verzerrt, am nächsten oder über nächsten Tag von  unsere Demo lesen.

  
Mich hat diese Kundgebung daher ein wenig an die alten griechischen Dramen erinnert, die ja nicht umsonst mit der Geburtsstunde der demokratischen Verfassungen des Pelepones zusammenfallen und so ganz nebenbei auch etwas mit Religion und der damaligen aktuellen Tagespolitik  zu tun haben.   In den Stücken von Aichylos und Sophokles hat der „Chor“ eine herausragende Bedeutung.  Er verkörpert das „Volk“, das Gewissen, er ist die „moralische Instanz“ die Brücke zwischen den Menschen und den Göttern. Wie bei einem archaischen Theaterstück so ist auch jedes einzelne Chormitglied dafür verantwortlich wie der Gesamteindruck herüber kommt. Jedes Demonstrationsbanner, jede Parole,  jedes Flugblatt, jeder Infotisch  ist eine Textzeile im Bühnenraum.  Diese Bühne-  darüber müssen wir uns immer wieder im Klaren sein –  ist kein Kirchentag, keine Zeltmission, keine christliche Jugendfreizeit. Wir befinden uns einem absolut agnostischen, hedonistischen, mitunter sogar antichristlichen Raum, in dem uns, wie einige ja hautnah gespürt haben nicht nur Ablehnung sondern sogar offene Feindschaft entgegen schlägt. Hier gilt es Sympathien aufzubauen,  Sympathien für die Opfer fundamentalistischer Gewalt und ihnen in Deutschland ein öffentliches Forum zu schaffen. Das ist unser Hauptaufgabe, unabhängig von unserer privaten religiösen und politischen Ausrichtung.

Ich könnte mir eine ähnliche Aktion wie in Frankfurt beim Papstbesuch in Freiburg im September vorstellen, mit dem Vorteil, daß man dort im Gegensatz zu Frankfurt eine „christliche Zielgruppe“ vorfindet, die sich bislang – durch Dialügpartner geknebelt – nur sehr verhalten zum Thema Christenverfolgung geäußert hat und nicht einmal ihre administrativen Einrichtungen – dazu gehören auch Museen, Veranstaltungsräume Tagungszentren, nutzt, um den Protest von Exilchristen zu unterstützen..    

Klaus Lelek

 

Ps: Hier noch ein Nachtrag der mit sehr am Herzen liegt: In folge der großen Hektik habe ich vorgestern vergessen Herrn Schelte von der „Gesellschaft für bedrohte Völker“ erwähnen, dessen kurze aber prägnante Rede mir sehr gut gefallen hat.

 

9 Responses to “Nach der Demo ist vor der Demo”

  1. bazillus Says:

    Ich danke den Veranstaltern, den Aktiven und den Rednern, aber auch insbesondere den Teilnehmern für ihr große Engagement, welches sie bewiesen haben. Keine radikalen Sprüche, nur Fakten. Das kommt besser als alles Theoretisieren. Fakten, die von Bildern beglaubigt werden. Das ist die Sprache, die verstanden wird.

    Nochmals ein herzliches Dankeschön aus dem Münsterland.

  2. Jörg Says:

    Zitat“Ich könnte mir eine ähnliche Aktion wie in Frankfurt beim Papstbesuch in Freiburg im September vorstellen“

    gute Idee!

    • M-A Says:

      Ergebnis:
      unserer G emeinsamer Demonstration.
      ———————————

      Und in Österreich
      ———

  3. ßicvrith Says:

    die Gier und der Geiz ist das Problem unserer Zeit .Man wollte früher das beste für seine Nachkommen , heute muß es das billigste sein.Gott sagte einmal : Machet euch die Erde untertan. Das USamerkanische Gift hat die ganze Welt vergiftet.

  4. Hajo Says:

    Zur „kleinen Nachlese“ von Klaus Lelek:

    „Fast alle demokratischen Parteien …“ – welche haben gefehlt und gekniffen beim Thema Christenverfolgung?

    „… vereinzelte Medien auf dem Rücken von Exilchristen …“ – welche haben … eine politische Schlammschlacht ausgelöst?

    Herr Lelek, das hätte ich als Nichtfrankfurter gerne gewusst – weshalb nennen Sie nicht Ross und Reiter? Es werden wohl wieder die üblichen Verdächtigen gewesen sein …

  5. stefanus1m Says:

    Nicht vergessen: der Papst kommt als Oberhaupt des Vatikanstaates ja auch in die deutsche Hauptstadt auf „Staatsbesuch“. Will eine Messe vor dem Charlottenburger Schloss zelebrieren usw. Wenn ein paar echte Aktivisten vielleicht „mitkommen“ würden, müsste doch auch hier etwas zu machen sein, zumal es ja koptische und Syrisch-orthodoxe Gemeinden auch in Berlin gibt. Kleine Gemeinden zwar, aber dennoch. Klar gibts vermutlich hier mehr „Antifa“-Störfeuer und noch weniger engagierte Aktivisten, aber denken wir auch darüber mal nach.

  6. Klaus Lelek Says:

    Hallo Herr Hajo,

    Die Schlammschlacht hat die FR (Frankfurter Rundschau) ausgelöst. Mehr darüber im letzten Artikel, aber auch die FNP hat immer wieder die Demo mit den Freien Wählern in Verbindung gebracht. Ich bin jetzt nicht mehr so sehr drauf eingegangen, weil der unsägliche Artikel der FR, der mit der Überschrift „Heißes Pflaster“ im Namen von Stoodt regelrecht zum Bürgerkrieg aufgerufen hat inzwischen überall Empörung ausgelöst hat.
    Diese Medienhetzte im Vorfeld hat den Steuerzahler eine Stange Geld gekostet, weil die Demo von einem Großaufgebot der Polizei geschützt wurde. Wir hätten gar keine Ordner gebraucht. So dicht wurden wir von Polizisten flankiert.

  7. Hajo Says:

    Dank für die Antwort, Herr Lelek – dacht ich mirs doch, die „Üblichen“ wie FR vor allem … Es ist zum Kübeln. Wäre meine Tochter doch etwas sensibler (auf diesem Gebiet) und politischer – dann hätte ich Infos aus erster Hand bekommen können. Sie setzt aber andere Schwerpunkte und ist Lehrerin in Ffm.


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