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Java: Islamist ruft bei Prozess zu neuer Gewalt gegen Christen auf 4. März 2011

Filed under: Christenverfolgung,Islamischer Terror — Knecht Christi @ 22:35

Indonesische Zeitung: Der Hauptangeklagte in einem Prozess wegen antichristlicher Ausschreitungen hat im Gerichtssaal zum „Heiligen Krieg“ gegen Christen aufgerufen

 

Jakarta (kath.net/KAP): In Indonesien hat der Hauptangeklagte in einem Prozess wegen antichristlicher Ausschreitungen (kath.net hat berichtet) den Gerichtssaal für neue Gewaltaufrufe genutzt. Murhali Barda, ehemaliger Anführer der militanten „Islamischen Verteidigungsfront“ (FPI), drohte der Batak Christian Protestant Church (HKBP) mit einem „Heiligen Krieg“, wie die Tageszeitung „Jakarta Globe“ (Onlineausgabe Mittwoch) berichtet. Weiter warnte Murhali die Christen im Gericht von Bekasi (Insel Java), sie sollten nicht „den gleichen Fehler wiederholen“ und wie dumme Schafe in den Stall zurückkehren, aus dem man sie hinausgetrieben habe. „Wenn ihr nicht hört, dann wundert euch nicht, wenn der Eigentümer des Stalls euch mit Steinen und Stöcken herauszwingt“, wird der Angeklagte zitiert.

 

In den vergangenen zwei Wochen hat es in Indonesien eine Welle der Gewalt gegen religiöse Minderheiten gegeben. Bei einem Angriff radikaler Muslime gegen die messianisch-synkretistische islamische Glaubensgemeinschaft Ahmadiyya wurden Anfang Februar drei Menschen ermordet. Wenige Tage später verübten Unbekannte in einer Stadt in Zentraljava Brandanschläge auf zwei protestantische Kirchen.

 

Die jüngsten Gewalttaten gehen nach Ansicht politischer Beobachter auf das Konto der militanten „Islamischen Befreiungsfront“ (FPI) und ihrer Verbündeten. Die schätzungsweise 200.000 Mitglieder zählende radikale „Front Pembela Islam“ geht seit Jahren mit Gewalt gegen religiöse Minderheiten und „unislamisches Verhalten“ vor. Indonesischen Bürgerrechtlern zufolge genießt die FPI die Unterstützung von Teilen der Polizei, der Armee und von hohen politischen Kreisen.

 

 

Staatsfeind Schattenspieler

In Indonesien hat der Prozess um den Angriff auf Christen begonnen / Auch Schwule und Theatergruppen im Visier der Islamisten

 

In Indonesiens Hauptstadt Jakarta steht der Anführer der „Islamischen Verteidigerfront“ (FPI) Murhali Barda gemeinsam mit zwölf Anhängern seiner Gruppierung vor Gericht. Im September hatten mutmaßliche FPI-Anhänger in der Großstadt Bekasi östlich von Jakarta einen evangelischen Priester und einen weiteren Christen angegriffen und lebensgefährlich verletzt. Während des Prozessauftakts am Mittwoch bewachten mehr als 100 Polizisten das Gerichtsgebäude. Staatsanwalt Priorenta erklärte, FPI-Chef Murhali habe den Angriff „provoziert“. Er fordert sieben Jahre Gefängnis für ihn.

 

Dem Angriff im September war eine monatelange Hetzkampagne der FPI vorausgegangen. Bereits im Juni musste die protestantische Gemeinde ihre Kirche im Stadtteil Pondok Timur Indah schließen. Zuvor hatten islamistische Hardliner gegen die Kirche in dem Viertel protestiert. Die Polizei in Bekasi wurde dafür kritisiert, dass sie nicht noch mehr Mitglieder der FPI festgenommen hat, die hinter einer ganzen Reihe von Bedrohungen und Angriffen auf Vertreter religiöser Minderheiten stehen soll.

 

Der Angriff vom September war nur eine von etlichen Attacken auf religiöse Minderheiten durch islamistische Gruppen. Erst vor rund zwei Wochen erzwangen rund 200 Anhänger der FPI und anderer Islamisten-Gruppen das Ende eines Gottesdienstes in der Stadt Bandung. Vor wenigen Monaten hatte die FPI Schlagzeilen gemacht, als sie die Proteste für die Festnahme des Chefredakteurs der indonesischen, sehr zurückhaltenden Ausgabe des Playboy-Magazins anführte. Schließlich wurde er tatsächlich in Haft genommen. In Jakarta stürmten FPI-Anhänger Asiens größtes homosexuelles Filmfestival und erzwangen ein Ende der Veranstaltung. Im javanischen Hinterland haben in den vergangenen Monaten Anhänger verschiedener islamistischer Gruppen mehrfach traditionelle „Wayang“-Schattenspielaufführungen angegriffen. Sie sehen in den Schattenspielen, die seit jeher integraler Teil der javanischen Kultur sind, einen Verstoß gegen islamisches Recht.

 

Die FPI versteht sich als „Moralpolizei“ und behauptet, im gesamten Land 15 Millionen Anhänger zu haben. Zu den Angriffszielen zählen Prostituierte, Glücksspiele, liberale Muslime, evangelikale Christen und der Verkauf von Alkohol. Ihren selbsternannten Kampf bezeichnet die Gruppierung offen als „Dschihad“.

 

Die islamistische Gewalt trifft Indonesien in seinen Grundfesten. Denn das Land ist als bevölkerungsreichster islamischer Staat der Welt stolz auf seine kulturelle und religiöse Vielfalt. Zwar sind mehr als 80 Prozent der rund 240 Millionen Einwohner der Landes Muslime. Doch Indonesiens Islam ist durchsetzt von Traditionen aus vorislamischer Zeit und von großer Toleranz geprägt.

 

Jedoch verschärfen sich durch die neoliberale Modernisierung des Landes die sozialen Kontraste. Durch das rasante Wachstum vor allem seit Beginn der 90er Jahre ist vor allem in den Städten eine neue kaufkräftige Mittelschicht entstanden. In den Slums der Millionenstädte und auf dem Land nimmt die Zahl derer, die sich von der Modernisierung ausgeschlossen fühlen, hingegen stark zu. Hier finden die Islamisten-Gruppen mit ihrer vermeintlich „egalitären“ Botschaft ihre Anhänger: Frustrierte junge Männer, deren Wut die religiösen Gruppen für sich nutzen.

 

Dabei fällt auf, wie wenig die Politik in diesen Tagen gegen die religiöse Gewalt unternimmt. Präsident Susilo Bambang Yudhoyonos Regierungskoalition ist auf die betont religiöse „Prosperous Justice Party“ angewiesen. Einige Beobachter vermuten zudem, dass die Armee insgeheim einige islamistische Gruppen unterstützt, um sich auf diesem Weg verlorenen Einfluss zurückzuholen. Nach dem Sturz des Suharto-Regimes 1998 hat sich Indonesiens Oberschicht beinahe geschlossen gegen die Armee gestellt und bis heute verhindert, dass die Generäle erneut nach der Macht greifen konnten. {Quelle: www.pnn.de – Von Sascha Zastiral, Bangkok}

 

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