kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Dankbar für fabelhafte Begegnung 4. März 2011

Filed under: Koptische Kirche im Ausland — Knecht Christi @ 01:22

Evangelischer Militärbischof besucht koptischen Amtskollegen – Guttenberg-Rücktritt zentrales Thema

 

Brenkhausen: Die Umarmung ist spontan, der Umgang wirkt vertraut: Anba Damian, koptischer Bischof für Deutschland, und Martin Dutzmann, Superintendent der Lippischen Landeskirche und zugleich evangelischer Militärbischof, sind sich durch die ökumenische Arbeit in der Region bekannt. Gestern besuchte Dutzmann zum ersten Mal den koptischen Bischofssitz in Brenkhausen, wo er unter anderem mit Offiziersanwärtern der Luftwaffe über den Guttenberg-Rücktritt diskutierte.

 

Bundeswehrsoldaten zu Gast in einem koptischen Kloster – was ungewöhnlich klingt, ist in Brenkhausen gängige Praxis. Mehrmals im Jahr werden dort Offiziersanwärter der Luftwaffe in Fragen der Ethik geschult, eine bundesweit einzigartige Kooperation. „So bin ich in zweifacher Weise froh, heute hier zu sein“, sagte Dutzmann. Denn gestern, bei seinem lange geplanten Besuch im koptischen Kloster, waren auch 22 Offiziersanwärter vor Ort. „Das hat Bischof Damian gut eingefädelt“, so Dutzmann.

 

Der Gastgeber fühlte sich durch den Besuch seines evangelischen Amtskollegen geehrt: „Wir sind sehr dankbar für diese fabelhafte Begegnung“, so Bischof Damian. Neben dem ökumenischen Austausch und einem Rundgang durch das Kloster und den Bischofssitz dominierte ein Thema den Diskurs des gestrigen Tages: der Rücktritt des ehemaligen Verteidigungsministers zu Guttenberg, der für Bischof Damian ein „großer Verlust“ sei. „Ich bin darüber schockiert und traurig, denn er hatte in nur kurzer Zeit viel erreicht“.

 

Er würde für sein Heimatland von „so einem Politiker, wie der zurückgetretene Minister träumen“ und sei überzeugt, dass von Guttenberg seine Talente bald wieder zur Entfaltung brächte. Eine ähnliche Meinung vertrat auch Martin Dutzmann: „Er ist ein politisches Talent und wird sicherlich wiederkommen“. Den Rücktritt hätte er bedauert, denn zu Guttenberg sei ein den Soldaten sehr zugewandter Verteidigungsminister gewesen, das könne er aus persönlicher Erfahrung unterstreichen. „Gleichzeitig habe ich den größten Respekt vor seiner Entscheidung“, sagte der Militär-Bischof, der auch mit den anwesenden Offizieranwärtern lange über das Thema diskutierte.

 

Das Stimmungsbild unter den Soldaten war eindeutig – der Rücktritt wird bedauert. „Er war einer von uns und für uns da“, sagte ein Offiziersanwärter, der zu Guttenberg in Afghanistan nachdem Tod dreier Bundeswehrsoldaten vergangenes Jahr in Afghanistan erlebte. Die unrechtmäßige Erlangung des Doktortitels sei für die anwesenden Soldaten ein „Kavaliersdelikt“. Das sah Dutzmann anders, betonte aber die Problematik, verbindliche Grenzen festzulegen. „Kein Mensch ist unfehlbar, aber nach welchen Verfehlungen darf jemand kein öffentliches Amt mehr ausführen“? Diese Frage sei nicht einfach und pauschal zu beantworten, so Dutzmann.

 

{Bilder: Ökumenischer Austausch: Manfred Dutzmann, Superintendent der Lippischen Landeskirche und evangelischer Militärbischof (l.), mit Bischof Damian. Im Hintergrund Offiziersanwärter der Luftwaffe, die zwei Tage im koptischen Kloster zu Gast waren. Gastfreundlich: Bischof Damian serviert Major Klaus Eveld (l.) und Oberfähnrich Daniel Koch Suppe im Speisesaal des Klosters}. Von KARL-HENDRIKTITTEL

 

Fall Guttenberg ist tragisch

 

Evangelischer Militärbischof diskutiert im Kloster Brenkhausen mit Offiziersanwärtern

B r e n k h a u s e n (WB): Karl Theodor zu Guttenberg wird in die Politik zurückkommen. Davon sind Offiziersanwärter der Fachschule der Luftwaffe in Faßberg überzeugt. Gestern haben sie mit dem evangelischen Militärbischof Dr. Martin Dutzmann im Koptisch-Orthodoxen Kloster Brenkhausen diskutiert. Im Rahmen der Themen „Soldatische Tugenden und Werte“ sowie „Interkulturelle Kompetenzen“ weilten zwei Offiziere und 24 Offiziersanwärter der Fachschule aus Faßberg in der Lüneburger Heide gestern im Kloster Brenkhausen. „Zufällig stattete der neue evangelische Militärbischof, Dr. Martin Dutzmann, ebenfalls gestern dem Kloster einen Besuch ab. Dieses Zusammentreffen haben wir zu einem intensiven Meinungsaustausch genutzt und über den Rücktritt des Ministers diskutiert“, sagte Militärpfarrer Torsten Ameling aus Faßberg im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT.

 

„Die Diskussion war sehr interessant, insbesondere weil einige der Offiziersanwärter den Minister von ihren Einsätzen in Afghanistan kannten. Fast alle haben ihn und seinen Einsatz für die Soldaten schätzen gelernt und hatten großes Vertrauen in ihn und seine Arbeit. Und auch bei der Diskussion habe ich große Solidarität zum bisherigen Minister gespürt“, informierte Bischof Dutzmann über die Diskussionsrunde. „Dass der Minister die berühmte Messlatte sehr hoch gelegt hatte und er sich nach seiner Plagiatsaffäre an seinen eigenen Aussagen zu Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit selbst messen lassen musste, war allen Teilnehmern dieses Gesprächs in Brenkhausen klar. Trotzdem wurde der Rücktritt sehr kontrovers diskutiert“, sagte der Militärbischof weiter.

 

Natürlich sei kein Mensch unfehlbar, in fast jeder Doktorarbeit sei sicherlich etwas Unkorrektes zu finden. Doch der Fall Guttenberg müsse als sehr tragisch und schwierig angesehen werden. „Die Opposition wollte den für sie unbequemen, aufstrebenden Politiker und insbesondere in Soldatenkreisen recht beliebten und geschätzten Unionsminister unbedingt in Schwierigkeiten bringen. Das ist gelungen, denn zu Guttenberg ist wegen früherer Fehler angreifbar geworden“.

 

Es sei den Teilnehmern dieser Diskussionsrunde klar geworden, dass Karl-Theodor zu Guttenberg durch die Plagiatsaffäre immer ins Zentrum von Kritik gerückt werden könne. Denn er müsse immer damit rechnen, dass jemand an diese Affäre erinnern würde, bei welcher Gelegenheit auch immer. Koptenbischof Damian meinte abschließend: „Als Ägypter blutet mir das Herz, dass solch ein herausragender Politiker gehen muss“.

{Foto: Offiziere und Offiziersanwärter der Fachschule der Luftwaffe in Faßberg nutzen den Besuch des evangelischen Militärbischofs Dr. Martin Dutzmann im Kopten-Kloster Brenkhausen zur Diskussion über den Rücktritt des bisherigen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg. Unser Foto zeigt die Soldaten mit Torsten Ameling, Militärpfarrer in Faßberg, sowie (vor den Soldaten) Anba Damian, Generalbischof der Koptisch-Orthodoxen Kirche Deutschlands und Dr. Martin Dutzmann, evangelischer Militärbischof}. Von Herbert S o b i r e g

 

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