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Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Integrationsprobleme in Berlin: Moschee mit Macht 27. Februar 2011

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 17:01

Die fundamentalistische Al-Nur-Moschee im Berliner Brennpunktbezirk Neukölln zieht Hunderte Gläubige an. Lehrer und Sozialarbeiter klagen bereits, die Moschee sei zu einer Macht in der Stadt geworden. Ultrafromme, junge Prediger locken immer mehr Jugendliche an.

 

Berlin: Ein Mädchen, klein wie eine Grundschülerin, dünn und mit eng um den Kopf gebundenem Kopftuch, öffnet die Tür. Sie läuft in einen Raum, hockt sich im Schneidersitz auf einen Stuhl. Hier, hinter Gardinen, sitzen vier Frauen zusammen. Es geht um die Pflichten der Muslime, das fünfmalige Beten. Darum, „innere Ausgeglichenheit“ zu finden. Neu in der Runde ist Abiturientin Yasmin*. „Es ist das Miteinander hier“, sagt sie. „Draußen werde ich nach Äußerlichkeiten beurteilt“. Sie fühle sich sehr geborgen in der Moschee.

 

Die große Gebetshalle ist gefüllt. Männer sammeln sich, viele in Turnschuhen, Jeans. Der junge Imam spricht mit reicher Mimik und in geschliffenem Deutsch. Er spricht von Depressionen. Davon, dass einzig der Islam Rettung bringen kann. Die ARD hatte die Predigt gefilmt. Es sind Szenen aus der Al-Nur-Moschee in Berlin. Die Moschee steht im Brennpunktbezirk Neukölln am Rande eines Industriegebiets, das Gebäude ein grauer Betonblock. Aber die triste Fassade trügt: Das islamische Gotteshaus ist voll, und der Zulauf wird immer größer. Auf Internetportalen wirbt die Gemeinde um Jugendliche, zeigt auf ihrer Homepage Videos von Übertritten zum Islam, bietet Gesprächsgruppen, in denen Jugendliche über Probleme reden können. Für ein Islamseminar stellt die Gemeinde eigens einen Shuttle-Dienst von den Berliner Flughäfen zur Verfügung. Service wird in der Al-Nur-Moschee groß geschrieben.

 

Und das zeigt Wirkung: Zu den Freitagsgebeten kommen rund tausend Gläubige, Hunderte Schüler pilgern in dem sozial schwachen Berliner Bezirk regelmäßig in das Gotteshaus – gepredigt wird auf Deutsch. Das Problem: Die Al-Nur-Moschee ist ein Hort der Radikalen. Um ihren Einfluss ist Streit entbrannt.

 

„Wir erreichen diese Jugendlichen nicht“: Sozialarbeiter, Lehrer, Politiker beklagen, dass die Moschee rasant an Einfluss gewinne, „normative Kraft“ entwickle, eine enorme Ausstrahlungskraft für Jugendliche habe. Seinen Namen nennen will dabei kaum jemand – die Sorge vor Reaktionen der Moschee ist groß. Aus ganz Berlin sollen Familien wegen der al-Nur in die Gegend gezogen sein, angeblich sogar aus anderen deutschen Städten. Längst ist die Moschee zu einer eigenen Macht geworden.

 

In der Al-Nur-Moschee predigen fundamentalistische Imame einen extrem strengen, ultrafrommen Islam – nach der Richtung der Salafisten. Salafisten legen den Koran wörtlich aus, ihre Haltung zum Dschihadismus ist unklar: Die meisten wenden sich öffentlich gegen Gewalt, aber eine Minderheit befürwortet sie. Integration lehnen Salafisten ab, die Gläubigen sollen unter sich bleiben, die Geschlechter ebenfalls. Gemischte Klassenfahrten sind verpönt, gemeinsamer Sportunterricht von Jungen und Mädchen ein Problem. Auch innerhalb der muslimischen Community beäugt man Salafisten mit großer Distanz. Deren Imame seien oft extrem missionarisch, ihr Absolutheitsanspruch sei verstörend, ist zu hören.

 

Tatsächlich haben Salafisten einen großen Zulauf unter Jugendlichen, nicht nur in Berlin. Parallelwelten entstehen: Wenn sie aus der Moschee wieder raus gehe auf die Straße, in die normale Welt, dann sei das wie ein Schock, sagt Abiturientin Yasmin* in der Frauenrunde. Die Schülerin beschreibt genau das, was Sozialarbeiter und Lehrer zunehmend ratlos hinterlässt. In der Moschee bilden sich Gruppen, die sich von der Außenwelt abgrenzen, die ein Gegeneinander aufbauen und die Gemeinde als einzigen Zufluchtsort, als Heimat begreifen. „Wir müssen leider ganz klar sagen: Wir erreichen diese Jugendliche nicht“, so eine Behördenvertreterin. Sie warnt vor den Auswirkungen: Ein Teil der Jugendlichen in Neukölln laufe in ultrafromme Moscheen und die, die immer gut integriert waren und sich engagiert für ein Miteinander in Neukölln eingesetzt hätten, würden sich vor allem seit der Sarrazin-Debatte komplett zurückziehen. „Die Mischung wird immer brisanter.“

 

In den Schulen gebe es Probleme, insbesondere arabische Mütter würden immer unkooperativer auftreten, beklagt eine Lehrerin. Für sie sei die Schule keine Autorität mehr, sie stünden den Lehrern grundsätzlich feindlich gegenüber. Ein Sozialarbeiter berichtet, Moscheevertreter würden intrigieren, bei Gesprächen absichtlich falsch übersetzen. Die Gemeindevertreter gebe sich nach außen offen, aber verweigerte jeglichen Zusammenarbeit. „Für sie sind wir nicht richtige Muslime, das merkt man an der Verhaltensweise„, so der Sozialarbeiter, der selbst Migrant ist. Für Gewalt an Schulen sei die Moschee kein Partner.

 

Imame dienen sich als Sozialarbeiter an

 

Aber nicht nur aus Sicht von Integrationspolitikern ist die Ausrichtung der Moschee bedenklich. Sicherheitsbehörden haben die Moschee auch deshalb im Blick, weil eine Gruppe von Berlinern, die 2009 in ein Terrorcamp nach Waziristan gereist sind, zuletzt auch in der al-Nur verkehrt haben sollen. Immer wieder geriet die Gemeinde in die Schlagzeilen: Ende Mai 2010 soll es nach Erkenntnissen des Berliner Verfassungsschutzes in der Moschee ein Missionierungsseminar für Jugendliche gegeben haben. Für Weihnachten war ein Seminar mit dem bekannten Islamisten Pierre Vogel geplant, das nach öffentlicher Empörung in letzter Minute abgesagt wurde, angeblich aus finanziellen Gründen. „Die Masse der Jugendlichen wird hier weitergereicht an Hardcoreleute, die ihren Einfluss privat geltend machen“, so ein Fachmann. Die Moschee fungiere als Kontaktbörse für Extremisten, sei ein „Durchlaufbahnhof“.
 

Vor zwei Jahren wurde in der Moschee eine Broschüre gefunden, die das Schlagen von Frauen gerechtfertigt hat. Die Berliner Grünen-Abgeordnete Canan Bayram beklagt den Umgang der Moschee mit Frauen. „Die Imame dort fühlen sich nur den Männern verpflichtet.“ Frauen würden schrecklich behandelt. Sie habe von mehreren Fällen gehört. Wer als Journalist die Moschee besucht, wird extrem höflich begrüßt. Gleich wird der Reporterin aber auch weisgemacht, wie groß ihre Verantwortung bei der Berichterstattung sei, wie schlecht die Erfahrungen mit der Presse in der Vergangenheit.
 

Die Moschee wirkt wie ein Magnet: Auf einem grünen Sofa im Büro der Moschee sitzt bei süßem Fruchtsaft Imam Nasser el-Issa, schwarzer Bart, Strickjacke. Er wurde im Libanon geboren. Die Ausrichtung der al-Nur nennt er „mittelstreng“ – leider gebe es mit den Schulen keine Zusammenarbeit, er würde nicht gefragt. Die Moschee hole die Jungs von der Straße weg, sagt er. „Wir haben erreicht, dass viele Jugendliche sich von Kriminalität und Drogen entfernt haben“, so Nasser. Gott leite sie in die Moschee. „Und wir wissen dann, wie wir mit ihnen umgehen können, die sind andere Menschen geworden.“ Aber darüber werde ja leider nicht berichtet, so der Imam.
 

Dass sich die jungen Imame der al-Nur als Sozialarbeiter andienen, beschreibt auch die Berliner Islamismusexpertin Claudia Dantschke. Zwar würden sich die Jugendlichen von Kriminalitat und Drogen abwenden und auch versuchen, eine Ausbildung nachzuholen, aber bekämen gleichzeitig von den Predigern eine religiös-fundamentalistische und antidemokratische Weltsicht verpasst.
 

Eine Droge wird durch eine andere ersetzt: „Die Jungs finden es faszinierend, die fühlen sich da verstanden, sie fühlen sich irgendwie geborgen, auch wenn sie kritisch sind und Abi haben“, so ein Behördenvertreter. Dabei geht die Moschee mit geschickten Manövern auf Werbezug. Bekannte Rapper besuchten das Gotteshaus, die Prediger der al-Nur sind jung. „Sie sind sexy und cool für die Jugendlichen“. Insbesondere der Jugendimam Abdul Adhim, der Sonntags in der Moschee predigt, zieht die Massen an.
 

Die Moschee wirkt wie ein Magnet – für kleinkriminelle Jugendliche, für Migrantenkinder aus zerrütteten Elternhäusern, aber auch für Deutsche: Auf der Suche nach einer neuen Identität konvertieren in der Al-Nur-Moschee nach eigenen Angaben 10 bis 15 Leute pro Monat. In Neukölln gibt es eine Gruppe, in der Mütter, deren Kinder zum Islam übergetreten sind, über ihre Sorgen sprechen.
 

In der Al-Nur-Moschee indes wird weiter an einem umfangreichen Jugendprogramm gefeilt. Ihr Gefühl sei, je größer draußen die Vorurteile gegen den Islam, „desto mehr Leute kommen in die Moschee“, sagt eine junge Frau. Sie will in der Moschee zusammen mit ihren „Schwestern“ noch ein neues Angebot planen – eine Mädchengruppe. „Wir wollen Spaß, die Mädchen sollen zelten gehen, verreisen.“

 

 Es klingt nach einem verlockenden Angebot im armen Neukölln

{Quelle: http://www.spiegel.de  Von Anna Reimann}.
 

2 Responses to “Integrationsprobleme in Berlin: Moschee mit Macht”

  1. Rampage Says:

    Wir haben vor der Al Nur Mosche Flagge und Gesicht gezeigt und den Vortrag von Pierre Vogel der zum Weihnachtsfest 2010 geplant war, gestoppt.

  2. Rechtsdrall Says:

    http://www.pro-deutschland.net

    Hier spricht Manfred Rouhs (Vorsitzender von Pro Deutschland) vor der Al Nur Moschee.


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