kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Protest der Iraner eskaliert 22. Februar 2011

Filed under: Aktuelle Nachrichten — Knecht Christi @ 02:25

Schäden am Generalkonsulat – Polizeieinsatz bis in die Abendstunden – 45 Festnahmen

 

Eine Demonstration vor dem iranischen Generalkonsulat hat gestern Mittag einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst, der bis in die Abendstunden dauerte. Nachdem am Konsulat randaliert worden war, pferchten Beamte fast 100 Protestler zusammen und nahmen 45 von ihnen fest. Auch Bürgermeisterin Jutta Ebeling (Grüne) rückte an, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

 

«Nieder mit der islamischen Regierung!», ruft einer der Demonstranten ins Megafon, und sofort brandet lauter Jubel durch die Reihen. Fast 100 Iraner haben sich vor dem Generalkonsulat in der Raimundstraße (Ginnheim) versammelt, um gegen das «Terror-Regime» in ihrer Heimat zu demonstrieren. Auf den Schildern, die sie tragen, stehen Parolen wie «Meinungs- und Pressefreiheit im Iran!» oder «Free political Prisoners!» («Befreit politische Gefangene!»). Frei bewegen können sich aber auch die Protestler nicht: Die Polizei, die mit Dutzenden von Autos angerückt ist, hat sie hinter einer Absperrung zusammengepfercht, weil am Konsulat randaliert wurde.

 

Spuren der Zerstörung:

 

Die Spuren dessen, was sich um kurz vor 15 Uhr zugetragen hat, sind noch deutlich zu sehen: Fünf große Jalousien des Konsulats sind völlig demoliert, offenbar haben sich Demonstranten mit ihrem ganzen Gewicht an die Lamellen gehängt. Der untere Teil einer Jalousie ist komplett abgerissen und liegt ein paar Meter weiter am Straßenrand. Auch Gegenstände sind geworfen worden: Eine große Scheibe über dem Haupteingang hat Risse, die an ein Spinnennetz erinnern, die Einschlagstelle ist deutlich zu erkennen. Beschädigt wurden außerdem: eine Scheibe rechts der Pforte und ein Kameraauge, das zur Klingel gehört.

 

Als die Polizei über Lautsprecher verkündet, dass sie alle Personalien kontrollieren wird, geht ein Buhen durch die Menge, die sich am Mittag noch weitgehend friedlich verhält. Später wird’s brenzliger: Die Beamten müssen 45 Personen festnehmen, die sich nicht ausweisen wollen oder können. Einige Protestler leisten Widerstand, es kommt zu Rangeleien. Und eine Frau erleidet einen Schwächeanfall, so dass ein Rettungswagen kommen muss. Die Einsatzkräfte bringen die Festgenommenen ins Polizeipräsidium. Insgesamt werden die Personalien von 97 Menschen aufgenommen.

 

Gegen Abend kommt Bürgermeisterin Jutta Ebeling (Grüne) am Konsulat vorbei, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Für Ruhe sorgt der Auftritt nach Einbruch der Dunkelheit aber nicht. Eine der Demonstrantinnen ist Iran Azadi, die ein Schild mit der Aufschrift «Nein zu Hinrichtungen!» trägt. «Ich will mich mit den Menschen im Iran solidarisieren, die jetzt ebenfalls demonstrieren», sagt die 52-Jährige. Ein Protestler an ihrer rechten Seite skandiert, dass die Diktatur im Iran weg und eine Demokratie westlicher Prägung her müsse. Die Zerstörungen am Generalkonsulat verurteilen die beiden: «Vandalismus ist nicht in unserem Sinne und auch nicht im Sinne der Menschen im Iran.»

 

Einzelkämpfer und Gruppen:

Wer sich unter den Teilnehmern der Kundgebung umhört, stellt fest, dass völlig verschiedene Strömungen vertreten sind: Royalisten und Linke, viele Einzelkämpfer, aber auch Organisationen wie United4Iran – ihr gemeinsames Ziel ist es, für die Menschen- und Bürgerrechte in ihrer Heimat einzutreten. Viele von ihnen haben über Internet-Netzwerke von der Demonstration erfahren. «Ich zum Beispiel über Facebook», sagt Frau Azadi.

 

Hassan, ein anderer Demonstrant, gibt sich besonders kämpferisch: «Außenminister Westerwelle ist in den Iran geflogen, um zwei freigelassene, deutsche Journalisten nach Hause zu begleiten», empört sich der 56-Jährige. «Um die zwei Millionen iranischen Geiseln, die das Regime noch in seinen Klauen hat, kümmert sich aber niemand.» Von Bundeskanzlerin Merkel erwartet Hassan, «dass sie ein klares Zeichen setzt, dass sie zum Beispiel die deutsche Botschaft in Teheran schließt».

 

Auch Hassan spricht sich gegen die Leute aus, die randaliert haben: „Das Konsulat ist ein Terrorhaus, weil die falschen Leute drinsitzen – es ist aber auch mein Haus, denn jede Birne, die dort kaputtgeschlagen wird, muss ich als Iraner bezahlen“. Gegen 20 Uhr hat die Polizei die Demonstration aufgelöst. Ein Sprecher schätzt, dass der Schaden am Generalkonsulat «mindestens 10 000 Euro» beträgt. Eine Sicherheitsmaßnahme sei schon getroffen worden: «Es wird über Nacht einen Objektschutz geben.» {Quelle: www.fnp.de}

 

 

Konflikt in Iran eskaliert: Mussawi ruft Iraner zu weiteren Protesten auf

 

Der Konflikt zwischen Irans Staatsmacht und der Opposition eskaliert weiter: Mindestens 13 Menschen sind bereits gestorben, jetzt hat Präsidentschaftskandidat Mussawi zu weiteren Demonstrationen aufgerufen. Indes hat die Führung in Teheran den Ton gegenüber dem Westen verschärft.

 

Der Konflikt zwischen der iranischen Staatsmacht und der Opposition ist am Wochenende weiter eskaliert. Bei schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und regimetreuen Kräften kamen am Samstag nach offiziellen Angaben 13 Menschen ums Leben. Nach der kritischen Reaktion des Westens auf die Präsidentenwahl griff die iranische Führung einige europäische Staaten scharf an. Die Polizei und regierungstreue Bassidsch-Milizen gingen mit Schlagstöcken, Tränengas und Wasserwerfern gegen Demonstranten vor, deren Zahl von verschiedenen Quellen auf etwa 3000 geschätzt wurde. Iranischen Staatsmedien zufolge schossen die Sicherheitskräfte mit Platzpatronen in die Luft, während die Demonstranten auch scharfe Munition verwendet hätten. Zwei Tankstellen, eine Moschee und eine Militärstation seien von „Terroristen“ in Brand gesetzt worden.

 

Nach Angaben von Krankenhäusern wurden 19 Menschen getötet. Am Mausoleum des Staatsgründers Ayatollah Ruhollah Chomeini in Teheran sprengte sich ein Mann in die Luft und verletzte zwei Menschen. Am Sonntagabend waren im Norden Teherans Rufe von „Allahu Akbar“ (Gott ist der Größte) zu hören, eine Protestform, die auf den Aufstand gegen den Schah 1979 zurückgeht. Hubschrauber kreisten über der Stadt, Zeugen berichteten von Schüssen.

 

Zu den Kundgebungen am Samstag hatte keiner der unterlegenen Präsidentschaftskandidaten aufgerufen, die die Wiederwahl Präsident Mahmud Ahmadinedschads anfechten. Der ehemalige Reform-Präsident Mohammed Chatami äußerte indes die Befürchtung, dass Iran sich auf das Kriegsrecht zubewege. Chatami, der an der Seite des erfolglosen Präsidentschaftsbewerbers Mir Hussein Mussawi steht, beklagte auf dessen Internet-Seite, die Atmosphäre des Landes werde immer mehr von „Sicherheit und Militär beherrscht“.

 

Er warf dem Regime vor, es beleidige die Demonstranten, indem es sie der Verbindung zu ausländischen Regierungen bezichtige. Indem man dem Volk legale Proteste verbiete, werde der Weg zu „gefährlichen Schritten“ geöffnet. Ferner forderte Chatami, die während der Unruhen Verhafteten freizulassen sowie die Sperren von Internet und Mobiltelefonen aufzuheben. Mussawi selber rief am Abend zu neuen Protesten auf. Dabei solle Zurückhaltung geübt werden. Zuvor hatte er in einer Botschaft aus den Ereignissen der Woche die Folgerung gezogen, das Regime wolle der Nation nicht nur eine unerwünschte Regierung aufzwingen, sondern strebe nach „einer neuen Form des politischen Lebens im Lande“.

 

Er spielte auf Tendenzen radikaler Kräfte um Ahmadinedschad an, welche die „Islamische Republik“ in einen „Islamischen Staat“ umwandeln wollten. Da der geistliche Führer Ayatollah Ali Chamenei in seiner Freitagspredigt die Partei Ahmadinedschads ergriffen hatte, zielt Chatamis Vorwurf indirekt auf ihn. Ex-Präsident Ali Akbar Haschemi Rafsandschani, den Ahmadinedschad im Wahlkapf der Korruption beschuldigt hatte, wurde von Chamenei in seiner Freitagspredigt rehabilitiert. Dagegen wurden seine Tochter Faiseh und vier weitere Angehörige am Samstag verhaftet. Faiseh Rafsandschani war Parlamentsabgeordnete und ist in der Frauenbewegung aktiv. Letzte Woche hatte sie während einer Demonstration vor dem Fernsehhaus eine Rede gehalten.

 

Der Parlamentsvorsitzende Ali Laridschani bestätigte im Rundfunk teilweise den Fälschungsvorwurf der Opposition, indem er sagte: „Eine Mehrheit des Volkes ist der Meinung, dass die wirklichen Wahlergebnisse sich von dem unterscheiden, was offiziell verkündet wurde.“ Die Meinung dieser Mehrheit solle berücksichtigt werden. Zwischen ihr und Krawallmachern müsse eine Linie gezogen werden.

 

Ferner bedauerte Laridschani, dass einige Mitglieder des Wächterrates Partei für „einen bestimmten Kandidaten“ der jüngsten Wahl ergriffen hätten. Damit kann nur Ahmadinedschad gemeint sein. Der Wächterrat, das geistliche Verfassungsgericht, überprüft die Auszählungsergebnisse in einem Zehntel der Stimmbezirke. Die Opposition will dagegen Neuwahlen.

 

Heftige Kritik übte Laridschani an den Reaktionen des Westens auf die Wahl. Sie seien eine Schande. Die Beziehungen zu Deutschland, Frankreich und Großbritannien müssten überdacht werden. Er habe den Ausschuss für Außen- und Sicherheitspolitik aufgefordert, die Beziehungen zu den drei EU-Ländern zu überprüfen. Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte eine Neuauszählung der Wahlzettel, gegebenenfalls könnte dies unter Aufsicht internationaler Beobachter stattfinden. Der Korrespondent des britischen Rundfunksenders BBC, Jon Leyne, wurde des Landes verwiesen. Er habe die Unruhen in Teheran „unterstützt“, meldete die regierungsnahe Nachrichtenagentur Fars. {Quelle: www.sueddeutsche.de}

 

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