kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Meilenstein oder Fata Morgana? 19. Februar 2011

Filed under: Pater Zakaria & co. — Knecht Christi @ 15:34

Auflösung des Parlaments - Änderung der Verfassung - Abschaffung des AusnahmezustandesgesetzesDer zweite Artikel der ägyptischen Verfassung gehört abgeschafft

 

Jeden Tag wird das Gestank der Skandale furchtbarer. Einer der ärgsten Skandale aber ist die weitere Gegenwart der Verbündeten Mubaraks: Zakaria Azmy, Chef der präsidialen Kammer, schreibt von seinem alten Büro aus die täglichen Berichte und schickt sie an Mubarak. Er sagt gegenüber den ägyptischen Medien, dass er bis zum letzten Tag seines Lebens Mubarak treu bleibt. Fathi Sourur, der abgesetzte Parlamentschef, kandidiert nicht mehr und will zur Uni als Professor zurückkehren. Safwat Elscharif, der zweite Mann in der NDP und Chef des Schura-Parlaments, kandidiert auch nicht mehr und zieht sich aus der Politik zurück. Marschall Tantawy ist als Mubaraks Pudel bekannt. Viele andere Mubaraks Männer sind noch anwesend!

Der aller schlimmste Skandal ist und bleibt der Rummel um den zweiten Artikel der ägyptischen Verfassung. In diesem Artikel, aus dem alle Unruhen und Probleme Ägyptens stammen, heißt es: „Die offizielle Religion des Staates ist der Islam. Die Grundsätze der islamischen Schariaa sind „die hauptsächliche Quelle“ der Gesetzgebung„.

 

Man darf nicht vergessen, dass diejenigen, die dem tyrannischen und korrupten Regime Mubaraks ein Ende bereitet haben, die Jugendlichen sind. Von dem ersten Tag an lehnten sie den berühmten Slogan der Moslembrüder „der Islam ist die Lösung“ ab. Ihr Slogan lautete und lautet bis jetzt: „Freiheit – Demokratie – Gerechtigkeit – Gleichberichtigung“. Sie alle setzten sich für einen „säkularen“ Staat ein. Vehement lehnen sie alle die religiöse Einfärbung der Regierung.

 

Leider Gottes gibt es aber Leute, die den Jugendlichen diesen Traum wegschnappen wollen, bevor er verwirklicht wird. Darunter sind nicht nur die Moslembrüder und ihre vielen Zweige und Filialen, wie die Salafisten, die verschiedenen islamischen Terrorgruppen wie Al-Kaida und Alazhar unter Großscheich Altayeb, sondern aber die Mehrheit der Ägypter. Ich erinnere mich an die rassistischen Kommentare der Leser, als der koptische Menschenrechtler und Journalist Medhat Kilada einen Artikel bei der ägyptischen Zeitung Aljom Alsabaä schrieb. Sie alle waren genau wie vor der Revolution, als ob sie intolerant darauf bestehen, stehenzubleiben!

 

Die Kopten, die gemäßigten Denker und die hoffnungsvollen Jugendlichen träumen von einem säkularen Staat, in dem die Religion von der Politik ferngehalten wird. Allerdings sind sie pessimistisch, weil sie sehen, dass alles auf das Gegenteil von dem hindeutet, für das sie 18 Tage aufs Spiel setzten, und für das über 400 Ägypter ums Leben kamen und unzählige verletzt wurden. Eines dieser Zeichen ist die Tatsache, dass Marschall Tantawy die Fäden ziehen darf, obwohl er nichts anderes als Mubaraks Schatten ist. Das erschreckende Zeichen aber ist die Kommission, die von der Armee beauftragt wurde, die Verfassung zu reformieren.

 

Diese getarnte Kommission ist an und für sich ein Skandal, weil sie von einem „gemäßigten“ Moslembruder im Schafspelz der Diplomatie geführt wird. Dieser Vorsitzende heißt Tarek Albischry und ist als „Vater des politischen Islam“ bekannt. Der Oberhammer kommt noch! Einige Moslembrüder sitzen in dieser Kommission, während kein einziger der 15 Mil. Kopten daran beteiligt ist. Der bekannteste Blogger Ägyptens, Wail Abbass, der vor einem Jahr zur Gefängnisstrafe verurteilt wurde, sagte zur britischen Zeitung „Daily Telegraph“: „Die Demonstranten am Tahrir-Platz und sonst wo in allen Bundesländern wollten das Ende des zweiten Artikels sehen. Anscheinend wird die Verfassung nicht komplett reformiert, sondern scheinbar restauriert. Die Gegenwart der Islamisten bei dieser Kommission wird verhindern, dass dieser Artikel abgeschafft wird. Wir wünschen uns Gleichberichtigung für alle Ägypter; damit meine ich die Juden, Christen, Bahais und auch die aus Überzeugung Atheisten“.  

 

Hosni Mubarak singt „I Did it My Way“

http://www.youtube.com/watch?v=WWvb1bt3RNk&feature=youtube_gdata_player

 

3 Responses to “Meilenstein oder Fata Morgana?”

  1. bazillus Says:

    Wenn ich diesen Artikel lese, beschleicht mich das Gefühl des Verrats an den Wünschen und Forderungen der demonstrierenden Jugendlichen. Wenn ich lese, welche Figuren wieder die Fäden in der Hand behalten, hätte im Grunde alles so bleiben können wie es war. Es tritt – wie allerdings zu erwarten war – eine lähmende Ernüchterung ein, die wohl auch in die politischen und religiösen Realitäten münden wird.

  2. Walter Says:

    Hoffentlich irre ich mich, denn ich vermute die jugendlichen Christen waren nur NI“s ( nützliche Idioten) für die Ziele der Muslimbrüder, die ja die Scharia beibehalten wollen und von den guten Gehirnwäschen der Mehrheitsbevölkerung wissen!!!

    Demokratie, Religions- Meinungsfreiheit Märchen aus 1000 und einer Nacht???

  3. almani2000 Says:

    Sieht so aus, dass die ganze Revolution der Masse umsonst war!


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