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Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Al-Buleihi: „Wir Araber können nicht selbstständig denken“. 15. Februar 2011

Filed under: Pater Zakaria & co. — Knecht Christi @ 02:00

Ibrahim al-Buleihi: „Er (der Araber) ist unfähig zu selbstständigem Denken. Und daher lehnt er stets ab, was die Gesellschaft ableht und akzeptiert, was die Gesellschaft akzeptiert“.


 

Ibrahim al-Buleihi (Foto) ist Mitglied einer Gruppe von muslimischen Denkern, die versuchen, die islamische Welt den wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Bedingungen des 21. Jahrhunderts anzunähern und gleichzeitig die eigenen religiösen Grundlagen zu respektieren. Er bekleidete mehrere Staatsstellen in Saudi-Arabien und war Mitglied des saudi-arabischen Schura-Rates (Berater der saudi-arabischen Regierung).

 

Er unterzieht im folgenden Video den aktuellen Zustand der arabischen Welt einer schonungslosen Kritik. Dabei thematisiert er ein zentrales Merkmal der muslimischen Welt: Das Nicht-Anerkennen der Existenz des Individuums und die damit verbundene fehlende Menschenwürde, fehlende Freiheit und fehlende Kreativität. „Der islamisch geprägte Mensch geht in der Herde unter“, sagt al-Buleihi.

 

 

Der Mensch ist ein Individuum mit einem ihm innewohnenden Wert: Wie er das dramatische Gewaltpotential und den politisch zu verstehenden Herrschaftsanspruch des Islam zu reformieren gedenkt geht aus folgendem Porträt nicht hervor. Hingegen nimmt er eine brillante Zustandsanalyse der arabischen Welt vor. Und er vermittelt uns Abendländern wertvolle Denkanstöße betreffend der herausragenden Größe unserer eigenen Kultur, die uns durch das kulturrelativistische Diktat [1] verloren gegangen ist.

 

[1] Die linke Doktrin (Lehre) des Kulturrelativismus geht davon aus, daß alle Kulturen gleichwertig sind. Wie kann aber eine islamische Kultur der europäischen Kultur gleichwertig sein, in der es weder Demokratie, Menschenrechte, Frauenrechte, Presse- Religions- und Meinungsfreiheit gibt, in der der Austritt aus dem Islam mit dem Tode bedroht wird und in der die Scharia existiert, die die Steinigung, die Prügelstrafe, die Todesstrafe für Blasphemie (Gotteslästerung) toleriert und in der jegliche politische Opposition von Gefängnis, Folter und vom Tod bedroht ist.

„Es fehlt uns nichts. Wir sind Menschen wie andere auch und wir haben eine hochstehende Religion welche uns aufruft, uns zu engagieren [2], zu arbeiten und welche den individuellen Menschen mahnt, mehr für den Staat als für sich selbst dazusein. Ich möchte mich mit anderen daran beteiligen, die islamische Gemeinde aufzuwecken damit sie ihre innewohnende Kraft gebrauche welche bis jetzt nur destruktiv eingesetzt wurde.“

 

[2] Ich finde es immer wieder beeindruckend, daß selbst solche herausragenden Personen, wie Ibrahim al-Buleihi, sich nur bedingt aus den Fesseln der Religion befreien können, denn sonst käme er sicherlich nicht zu der Ansicht, daß der Islam eine hochstehende Religion ist. Aber ist man erst einmal vom Gift der Religionen infiziert, ganz egal von welcher, dann ist es sehr schwer, sich davon wieder zu befreien. Die Ursache für das Haften an der Religion scheint mir psychisch bedingt zu sein. Die Menschen klammern sich an die Religion, weil sie ihrem Leben Sinn und Halt gibt. Ohne diese Religion würden sie sich vollkommen haltlos fühlen und den Boden unter den Füßen verlieren. Sie würden nackt und ganz alleinauf der Welt sein und niemand würde ihnen Halt geben.

Sie wären gezwungen, ganz allein die Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen. Da dieses Alleinsein ihnen aber große Angst bereitet, suchen sie in der Religion Zuflucht, wie das Kind Zuflucht bei der Mutter sucht. Aus dieser Urangst des Alleinseins heraus kommt es erst gar nicht dazu, die Religion zu hinterfragen bzw. sich von ihr zu lösen. Und wenn Ibrahim al-Buleihi sagt, daß die Religion, in diesem Fall der Islam, die Menschen dazu aufruft, sich zu engagieren, dann darf man dabei nicht vergessen, daß einer dieser Aufrufe darin besteht, Nichtmuslime zu töten, und ein anderer, Menschen, die sich vom Islam abwenden, ebenfalls zu töten.

Man kann sich sicherlich auch nicht so ohne weiteres von der mit der Muttermilch aufgesogenen Kultur (Religion) trennen, weil sämtliche Wertvorstellungen, Emotionen und die ganze Sozialisation damit verbunden ist, die unser ganzes bewusstes und unbewusstes Denken beeinflusst. Sobald man es wagt, diese Wertvorstellungen anzuasten, sie zu hinterfragen, melden sich massive Ängste und man verliert leicht den Boden unter den Füßen. Veränderungen solcher Art sind stets sehr schmerzhaft, weil sie auch die emotionalen Verletzungen berührt, die man in dieser Gesellschaft erfahren hat. Darum haben viele Menschen nicht den Mut, diesen schmerzhaften Weg zu beschreiten. Also beginnt man, sich manche Dinge schön zu reden, um sich nicht damit auseinander setzen zu müssen, und um dem Schmerz, der damit verbunden ist, aus dem Wege zu gehen. Hinzu kommt, daß man sich bei solchen Fragestellungen sehr leicht außerhalb der Gesellschaft stellt, was besonders in der islamischen Gesellschaft mit massiven Konsequnzen verbunden sein kann.

Lieber Ibrahim al-Buleihi, ich weiß, du meinst es gut, wenn du die islamische Gemeinde aufwecken und sie von ihrer destruktiven Haltung befreien möchtest. Aber du wirst selbst Realist genug sein, um zu wissen, daß du mit deinem Anliegen nur einen kleinen Teil der islamischen Gemeinde erreichen wirst. Aber ich weiß es zu schätzen, wenn Menschen wie du ihre ganze Kraft diesem Ziel widmen. Ich hoffe, daß deine Arbeit auf fruchtbaren Boden fällt.

So fasst Ibrahim Al-Buleihi, ein liberaler saudischer Autor und Denker, die Vision für sein gesellschaftliches Engagement zusammen.

Er sieht keinen Widerspruch zwischen „muslimisch“ und „liberal“. „Ich bin zuerst Muslim und zweitens liberal. [3] Ich bin betreffend Prinzipien ein Muslim, und im handeln ein Liberaler. Ich glaube, dass der Islam nur dann erfolgreich sein kann, wenn durch seine Handlungen und Mechanismen die Anwendung von Gerechtigkeit unter die Menschen gebracht werden kann.“

[3] Die Aussage, daß es keinen Widerspruch zwischen „muslimisch“ und „liberal“ gibt, ist das Ergebnis der toxischen (giftigen) Wirkung des Islam und der von mir oben beschriebenen psychischen Wirkung. Lieber Ibrahim Al-Buleihi, man kann den Islam nicht so auslegen, wie man ihn gerne hätte, denn dann ist es kein Islam mehr, sondern eher eine christliche Religion, die die Nächstenliebe und die Spiritualität ins Zentrum seiner Mission stellt und nicht den Wunsch, die Welt zu beherrschen, wie der Islam es fordert.

Für mich stehen „muslimisch“ und „liberal“ eindeutig im Widerspruch. Das zeigt auch die Realität in den islamischen Staaten seit 1.400 Jahren. Ich bin sehr dafür, den Islam zu reformieren, aber wie gesagt, dann ist es kein Islam mehr. Und es sei darauf hingewiesen, daß sich jede Reformation des Islam in Richtung des Christentums, des Buddhismus oder in Richtung anderer toleranter Religionen bewegen wird, bzw. in Richtung des Humanismus. Dieser Wandel aber kann sich nur in einer freien und aufgeklärten Gesellschaft vollziehen und nicht in einer Gesellschaft, in der die Meinungfreiheit unterdrückt wird.

Al-Buleihi hatte verschiedenen Regierungsposten in Saudi Arabien inne, bevor er von seinem Amt als exekutiver (regierender) Direktor der Provinz Qassim zurücktrat. Er war dann Mitglied der saudischen Schura (der nationale Rat, deren Mitglieder den König und die Minister beraten) sowie anderer Organisationen und Institutionen. Seine beruflichen Aktivitäten haben ihn jedoch nie davon abgehalten, seinen intellektuellen Interessen auf passionierte Weise nachzugehen.

 

Schon lange hat ihn der Verfall des Zustandes von Arabien interessiert und besorgt. Dieses Anliegen ließ ihn über das hinwegschreiten, was von der dominanten saudischen Kultur als erlaubt gilt. Darüber sagt er folgendes: „Die Situation in der arabischen Welt ist traurig und beschämend. Aus dieser Erkenntnis heraus ist es notwendig, sich nicht nur Sorgen zu machen, sondern auch ein tiefes Unbehagen zu empfinden. Ich habe schon früh in meinem Leben erfahren, dass ein schrecklicher Mangel dem Leben von Arabern und Muslimen innewohnt, dessen Gründe ich aber erst einmal nicht erkannte. Mein starkes Unwohlsein verlangte von mir, dass ich Geschichte und Kultur vertieft studierte um die Quelle dieses Mangels herauszufinden. Ich sah mich auch veranlasst, der erfolgreichen westlichen Zivilisation meine Aufmerksamkeit zu widmen, mit dem griechischen philosophischen Gedankengut beginnend, studierte ich die politischen, sozialen, wissenschaftlichen, anthropologischen [4], sowie andere brillante Errungenschaften des Westens.

[4] Unter der Anthropologie versteht man einerseits die genetisch-biologischen Veränderungen, die der Mensch im Laufe seiner Evolution erfahren hat, andererseits versteht man darunter auch die Veränderungen, die die Menschheit durch den Einfluß von Naturwissenschaftten und Philosophie erfahren hat. Man spricht daher auch von der physischen (genetisch-biologischen) und von der philosophischen bzw. kulturellen Anthropologie.

Ich überzeugte mich davon, dass die westliche Zivilisation außergewöhnlich, bahnbrechend und nicht lediglich als Weiterführung vorangegangener Zivilisationen zu betrachten ist. Vielmehr ist sie Zivilisation par excellence (schlechthin). Die Vorzüglichkeit des Westens liegt jedoch nicht in seinen Errungenschaften in Wissenschaft, Kunst und Technologie; diese Leistungen sind lediglich das Resultat des Respekts für das menschliche Wesen, die Anerkennung seiner Individualität, die Freiheit, welche ihm gewährt wird und die Schaffung einer Regierung im Dienste der Bürger. Die Regierung gehört den Menschen und nicht umgekehrt. Dies ist eine qualitative Veränderung, noch nie dagewesen in der Geschichte der Menschheit; die Quelle von allem, was der Mensch von den erstaunlichen Veränderungen aller Lebensaspekte erfährt.“

 

Al-Buleihi behauptet, dass der Individualismus das hauptsächliche Fundament der modernen Zivilisation ist. Dagegen fördert die arabische Kultur die „Auflösung“ des Individuums in der Gesamtheit. Menschen sind ursprünglich Individuen, aber Kulturen wie die arabische lösen das Individuum in der Sippe, der Sekte (der Religion) oder dem Staat auf. Der individuelle Mensch war so nicht mehr in der Lage, seine eigene Identität zu erkennen, beziehungsweise wieder zu entdecken. Nur durch die Verbreitung philosophischer Ideen aus Griechenland war dies möglich, als (die griechischen Philosophen) im fünften Jahrhundert v.Chr. zum erstenmal in der Weltgeschichte die Philosophie erhebende Ideen zum menschlichen Wesen per se (aus sich selbst heraus) entwickelte. Sie erklärte den Menschen zum Individuum. Mit diesem untrennbar verbunden ist ein ihm innewohnenden Wert. Die Entwicklung dieses Individuums wurde das letztendliche Ziel. Der Mensch soll nicht nur Mittel und Zweck für die Interessen anderer sein.

Betreffend der heutigen Situation der Araber und Muslime sagt er: „Ich glaube, es ist eine sehr schlechte Situation. Der Grund dafür ist die abgeschlossene Kultur, ihre Unfähigkeit, moderne Zivilisation zu absorbieren (anzunehmen, aufzunehmen) und sich ihrer eigenen Unzulänglichkeiten sowie der Verdienste anderer Kulturen bewusst zu sein.“

 

Denjenigen, denen seine Rezepte (die Konzepte der westlichen Zivilisation) zu harsch erscheinen und die behaupten, dass potentielle Empfänger frustriert damit wären, sagt er folgendes: „Meine Ansichten sind nicht frustrierend … die eigentliche Frustration hingegen ist, dass wir uns preisen, während wir in einer schrecklichen Situation sind. Die Araber und Muslime sind zu Witzfiguren für den Rest der Welt geworden. Ich meine, wir sind ein Witz und niemand ist besorgt um uns. Und nun kündigen wir an, dass wir das köpfen, töten und bombardieren als Neuerung verkaufen. Das ist das Ausmaß unserer Innovation (unseres Fortschritts, unserer Orientierung). Dies ist ein großes Problem. Ich meine, dass wir nicht nur eine Bürde für uns selber, sondern für die ganze Welt sind. Ich bin der Ansicht, dass die ganze Welt wegen unseren Handlungen Rückschritte macht. Zum Beispiel haben westlich-demokratische Länder wie Amerika, England und andere ihre Gesetze dergestalt geändert, dass sie nun in ihrer Freiheit eingeschränkt sind. Das Reisen wurde beschwerlich, weil … Menschen für einen Sicherheitscheck in einer langen Schlange stehen müssen, bevor sie abfliegen können, etwas, was es früher nicht gab. Wie schon erwähnt, wir sind eine Bürde für uns und die ganze Welt geworden.“

 

Er meint, daß die arabische Gesellschaft keine Fortschritte machen kann, außer die Araber engagieren sich in kritischem Denken. „Die Geschichte und die Erfahrungen der gegenwärtigen Menschen zeigen, dass aufgeklärtes kritisches Denken eine wichtige Rolle für den Fortschritt und Wohlstand spielt und dass eine Gesellschaft ohne sie nicht florieren (sich nicht weiterentwickeln (wachsen)) kann. Erstens sind Gesellschaften Geiseln herrschender Ideologien, Rollen und Handlungsweisen und sie können aus diesem Hamsterrad nicht ohne kritisches Denken aussteigen. Sie können nur durch Denker, welche Komponenten ihrer eigenen Kultur sowie die qualitativen Veränderungen in der menschlichen Zivilisation absorbiert (aufgenommen, übernommen) haben, zur Erneuerung angeregt werden. Ich habe von den hauptsächlichen Mitteln wie Schreiben, Vortragstätigkeit und TV-Diskussionsrunden Gebrauch gemacht, so wie sie mir gerade über den Weg liefen. Wir Araber sind noch immer eine Kultur der mündlichen Überlieferung.“ (die das Überlieferte nicht hinterfragt und analysiert)

Schließlich behauptet Ibrahim Al-Buleihi, daß die Lösung der arabischen Tragödie innerhalb des Systems zu finden sei. „Die erste Pflicht arabischer Intellektueller ist die arabische Kultur Revue passieren zu lassen, die einzelnen Komponenten zu analysieren um dann die kulturellen Barrieren aufzudecken, welche uns daran hindern, Wohlstand zu erreichen. Der Versuch, andere für unseren Misserfolg verantwortlich zu machen, bedeutet vor der Wahrheit zu flüchten, ist eine Verfälschung der Realität, eine Irreleitung der Bürger und hält die üblen Bedingungen des Status quo (momentanen Zustandes) aufrecht.“

  

{Quelle: „Zölibat und mehr“ – Hier das Video auf  http://www.youtube.com/watch?v=pnKGeih02jU&feature=player_embedded } 

 

One Response to “Al-Buleihi: „Wir Araber können nicht selbstständig denken“.”

  1. bazillus Says:

    Der Autor von Zölibat und mehr geht mit diesem Herrn zu hart ins Gericht, auch wenn er Recht hat. Soll dieser Denker im arabischen Fernsehen öffentlich sagen, dass der Islam schuld ist an der Misere der Gesellschaftsstruktur? Das käme einem Todesurteil gleich.

    Im Rahmen seiner Möglichkeiten ist Herr Ibrahim al Buleihi sehr viel mutiger in seiner Analyse als westliche Politschranzen und Kirchenvertreter. Diesem Mann zolle ich echten Respekt. Haben wir schon einmal einen muslimischen Menschen gehört, der zu einer solch radikalen Selbstreflexion, der zur einer solch weitgehenden Selbstkritik fähig wäre? Ich nicht. Er geht sogar so weit, öffentlich die Araber als „Witzfiguren“ hinzustellen. Seit wann hat je ein Muslim die Errungenschaften des Westens nicht nur in Technik und Erfindung, sondern auch in der Erkenntnis des Individuums als Wert an sich so schonungslos im arabischen Fernsehen offenbart?

    Er will kritisches Denken in die arabische Gesellschaft eingeführt sehen. Selbstverständlich kann er nicht soweit gehen, dass diese Gesellschaft ihren Gott und seinen Propheten kritisch hinterfragt. Das wäre sein Todesurteil gewesen.

    Seien wir dankbar für solche Menschen, die es in dieser Gesellschaft wahrlich nicht einfach haben und Selbstkritik und Übernahme von Verantwortung für eigenes Handeln von seinen Landsleuten fordert. Er ist ein hoffnungsvolles Zeichen des Wandels auch in der arabischen Welt.


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