kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Zum Christentum gehören auch ein Immendorf, Matisse, Dali, Rilke, Hugo Ball und Hesse 12. Februar 2011

Filed under: Christenverfolgung — Knecht Christi @ 01:58

„Zwischen Indifferenz und Christophobie“ – Christenverfolgung in Medien und Politik…

 

Zu diesem Themenkomplex findet am Mittwoch den 16. Februar 2011 um 19. 30 Uhr in Frankfurt eine große Podiumsdiskussion statt. Ort der Veranstaltung ist der Saal des Saalbaus Bockenheim, Schwälmer Straße 28. Veranstalter ist die überkonfessionelle Vereinigung „Engagierte Christen für Frankfurt“, dessen Sprecher Mathias Mund auch zu dem Veranstaltungsteam der Großdemo gegen Christenverfolgung am 12. März gehört.

 

Im Podium diskutieren: Der Publizist Mathias v. Gersdorff, Der Geschäftsführer der IGFM Karl Hafen, Eine Spitzenkandiatin der Freien Wähler Martha Moussa, Mitglied der Koptischen Gemeinde, sowie der Illustrator und Autor Klaus Lelek.

Ziel der Veranstaltung ist es, jenseits von religiösen Dogmen auf eine regelrechte antichristliche Hysterie aufmerksam zu machen, die sich als eine neue Form von Intoleranz auch auf andere Bereiche des Öffentlichen Lebens auswirkt und dabei auch Werte aushöhlt und in Frage stellt, die eigentlich „humanistisches Menschheitserbe“ sind und auf vorchristliche Quellen zurückgehen.

 

Dabei verbreiten einige Eliten in Deutschland, darunter auch viele Intellektuelle des Kulturbetriebes, und vor allem Vertreter der Medien, die postmoderne Mär, daß so gut wie nichts mehr an „Christlicher Substanz“ in unserer Gesellschaft existiert. Sie setzten Christentum mit den Scheiterhaufen der Inquisition gleich, mit pädophilen Pfarren, leeren Kirchen und behaupten sogar – wie in einem Dossier des Deutschen Kulturrates – das Abendland wäre vielfach islamisch geprägt.

 

Beinah zynisch äußerten sich am 17. Dezember Bundestagsabgeordnete der SPD, die bei der Debatte um „Christenverfolgung“ von Islamophobie und Fremdenfeindlichkeit“ sprachen. Vertreter der Grünen meinten „ein besonderer Schutz für christliche Minderheiten würde die anderen religiösen Minderheiten diskriminieren“.

 

Im Klartext: Die unter ständigem Terror leidenden orientalischen Christen in Ägypten, Irak, Pakistan und Nigeria sind zum Abschuß freigegeben.

 

Im Leitartikel der FR vom 8.1. 2011 schreibt der Chefredakteur Joachim Frank zum blutigen Massaker in Alexandria an koptischen Christen: „Wer angesichts dessen einfach von Christenverfolgung spricht macht sich unglaubwürdig.“

 

Das inzwischen zum Schimpfwort degradierte „Christliche Abendland“ reicht jedoch weit über die Kirchturmspitze hinaus. Ein von der Idee des Urchristentums begeisterter Thomas Müntzer, der 1524 im Namen Jesu die geschundenen Bauern in die erste Revolution führte gehört ebenso dazu wie die Wiedertäufer von Münster und die Katharer in Frankreich.

 

Auch die Aufklärung ist maßgeblich von christlich humanistischen Idealen geprägt. Zum Christentum gehören ein Dürer, Rembrandt, Bach, Haiden, Händel und Mozart. Und auch ein Rilke, Baudelaire, Hugo Ball, Tolstoi und Hermann Hesse gehören dazu. Und erst recht ein Barlach, Matisse, Dali und sogar ein Immendorf, der vor seinem Tode eine Bibel illustrierte und sie als „Himmelsgeschenk“ pries. Einige der angeführten standen zeitlebens den Amtskirche ablehnend, gleichgültig oder zumindest skeptisch gegenüber. Dennoch ist ihr Werk von einem christlichen humanistischen Geist geprägt. Angesichts dieser Umstände ist es befremdlich, wenn das Land Hessen einen Kulturpreis an einen Iranischen Dichter vergibt, der sich „von der Kreuzigungsdarstellung Christi angeekelt fühlt“.

 

Die Frage, die sich stellt lautet: Durch welche Werte wollen die Eliten den „christlichen, sozialen Humanismus“, der maßgeblich zur Gestaltung des modernen demokratischen Europas beigetragen hat ersetzen? Darüber werden die oben genannten Referenten mit einem hoffentlich zahlreichen Publikum diskutieren. Mathias v. Gersdorff hat in seinem letzten Buch „Christenhaß im Visier“ das Thema bereits angeschnitten. Der Dipl. Volkswirt leitet zudem seit 1993 die Aktion „Kinder in Gefahr“ der DVCK. Karl Hafen setzt sich als Geschäftsführer der IGFM und führendes Mitglied des Arbeitskreises Religionsfreiheit seit vielen Jahren für verfolgte Christen ein. Die Koptin Martha Moussa ist als ehrenamtliche Koordinatorin und internationale Sekretärin in verschiedenen Menschenrechtsorganisationen tätig.

 

Klaus Lelek

 

9 Responses to “Zum Christentum gehören auch ein Immendorf, Matisse, Dali, Rilke, Hugo Ball und Hesse”

  1. bazillus Says:

    Christentum ist erheblich vielschichtiger als einige das Chrstentum hassenden Schmalspurdenker meinen. Christentum besteht doch nicht nur aus Dogmen der Kirche oder Kirchen. Christentum in seiner säkularen Ausprägung geht viel weiter und gehört somit zum christlichen Kulturgut des christlichen Abendlandes. Selbstverständlich gehören nicht nur Menschen der engeren kirchlichen Kreise zum „Kulturgut“ des Christentums, sondern die gesamte Denkstruktur, die sich auf den Lehren des Christentums aufgebaut haben, ja, letztlich sogar die Freiheit des Denkens. Denn dieses hatte nur Entwicklungschancen vor jüdisch-griechisch-christlichem Denkhintergrund. Besonders deutlich wird dieses freie Denken schon in der Schöpfungsgeschichte. Adam und Eva haben sich in Ungehorsam gegenüber ihrem Schöpfer gezeigt. Ein Akt des freien Denkens. Gott ließ die Freiheit des Denkens zu. Er tötete sie nicht. Er tötete selbst Kain nicht, als er seinen Bruder Abel mordete. Er sprach in den 10 Geboten keine absoluten Verbote aus, sondern Handlungsgebote, die befolgt werden konnten oder aber auch nicht. Anders als im Koran wurde die Bibel seit jeher kontrovers diskutiert, interpretiert und ausgeleuchtet. Noch heute wird die Person Jesu in den Medien von allen Seiten beleuchtet. Das ist exemplarisches freies Denken. Die Übernahme von Schuld und Selbsterkenntnis sowie die daraus resultierende Selbstreflexion förderte die Eigenverantwortung und spornte den Einzelnen immer wieder an, sein Leben zu verbessern. Die Beichte – mag sie auch noch so einen repressiven Ruf haben – versetzte den Menschen immer wieder in einen gewissen Befreiungszustand. Er war frei von Schuld und Sünde und sie gewährte ihm immer einen Neuanfang. Aber auch säkulare Menschen, die die Kirchendogmen ablehnten, waren jedoch kulturell vom Christentum geprägt und entwickelten den Humanismus aus Elementen der Soziallehren der kirchlichen Denker.

    Klöster waren ein Hort der Wissenschaft.

    Selbstverständlich hat die Kirche auch Wissenschaft verhindert. Aber indem sie sie verhindert hat, boten die Menschen aufgrund ihres freien Denkens und insbesondere in der Übernahme von Eigenverantwortung ihr die Stirn und entwickelten somit noch stärker den Drang auf die Beantwortung der Fragen des Lebens.

    Die besten Beispiele der freien Entscheidung und der sich daraus entwickelnden christlichen Kulturelemente sind
    a) die Segnung des Menschen als Ebenbild Gottes
    b) die Trennung von Staat und Kirche als Voraussetzung der mehrgleisigen freien geistigen Entwicklung, gründend auf das Wort Jesu, dass man dem Kaiser geben solle was des Kaisers ist und Gott was Gottes ist.
    c) die freie Möglichkeit, den Missionsversuch der Apostel ohne Nachteile für die eigene Person ablehnen zu können, wenn diese den Missionsauftrag Jesu versuchten zu erfüllen.
    d) der hohe Stellenwert der Vergebung nach begangenem Unrecht oder Schuld.

    Während Rache im Christentum verpönt ist und als Sünde gilt, ist sie im Islam erlaubt, noch heute und trägt so zur Verhärtung und des „Insichgeschlossenseins“ des Denkens beiträgt. Die Vergebung ist es, die das Christentum und seine Anhänger und somit auch die säkular geprägten Menschen unmittelbar prägte und sich sogar auch auf staatliches Handeln auswirkte. Die Strafgesetzgebung ist voll davon. Der Straftäter wird heute gepampert, so dass der Eindruck entstehen kann, dass der Täterschutz dem Opferschutz vorzuziehen ist. Die Resozialisierung des Täters steht im Judenstrafrecht besonders im Vordergrund, aber auch im Erwachsenenstrafrecht. Resozialisierung ist doch im Grund nichts anderes als den Täter als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft anzusehen und ihm die Möglichkeit zu geben, sich in ihr zu integrieren. Vergebung: Löschung der Eintragung im Bundeszentralregister. Vergebungselemente im Strafrecht sind Gang und Gäbe im christlichen Abendland. Wenn sich einer in einer Talkshow öffentlich entschuldigt, erwartet diese Gesellschaft förmlich, dass die Vergebung auf dem Fuße folgt. Verweigert diese Person sie, wird sie ausgebuht. so weit ist christliches Vergebungsgedankengut in den Menschen eingedrungen, obwohl sich die Menschen eher als nichtchristlich ansehen.

  2. bazillus Says:

    Sorry, letzter Absatz: anstelle Judenstrafrecht sollte es heißen: Jugendstrafrecht.

  3. Joachim Frank Says:

    Wenn Sie schon den Einsatz für Christentum und christliche Werte reklamieren (was Ihr gutes Recht ist), dann trüge ein Stück eigener Wahrhaftigkeit gewiss zur Glaubwürdigkeit bei. Was soll man hingegen von der sinnentstellenden, bruchstückhaften Wiedergabe eines einzigen Satzes aus meinem Leitartikel halten?

    Vielsagend, finde ich.
    J.Frank

  4. Klaus Lelek Says:

    Sehr geehrter Herr Frank

    Wie schön, daß wir inzwischen auch vom Chefredakteur der Frankfurter Rundschau gelesen werden. Wir werden gesehen. Als ehemaliger Zeitungsredakteur (Politik und Nachrichten) weiß ich, daß die Überschriften eines Artikels den Sinngehalt eines Artikels noch mal in komprimierter Form wiedergeben.
    Wenn in einer Zwischenüberschrift steht. „DIE REDE VON CHRISTENVERFOLGUNG IST EINE FALLE“ und auf der anderen Seite weltweit Christen buchstäblich von der Straße gekratzt werden, dann frage ich mich, auf welchen „sinnenstellenden Satz“ Sie anspielen.

  5. Hajo Says:

    Ach ja, die „FR“ … Man kennt das zur Genüge auch andernorts: Falsch zitiert, missverstanden, aus dem Zusammenhang gerissen. Der Satz des Chefredakteurs J. F. steht aber da – wenn man seine Worte „so nicht“ verstanden haben will, sollte man vorher genauer überlegen, was und wie man schreibt. Es überzeugt keinesfalls, hinterher zu jammern, so habe man es nicht gemeint. Also: erst denken, dann schreiben. Das gilt auch für FR-Redakteure.
    Entlarvend ist im Übrigen der Satz im Kommentar „… Einsatz für Christentum und christliche Werte …(was Ihr gutes Recht ist) …“ Das klingt sehr „großzügig“, herablassend und überheblich – als ob hier eine Gnade gewährt würde, sich für diese Werte aussprechen zu dürfen. Vielmehr ist ist eine Selbstverständlichkeit, für unsere Grundwerte einzutreten – und darauf hinzuweisen, wo diese nicht gewährleistet sind und zunehmend bekämpft werden.

  6. Joachim Frank Says:

    Hätte mir klar sein müssen, wie das hier läuft – zumal Sie mit N.Kermani auf ähnliche Art verfahren. Es war mein Fehler, was anderes anzunehmen.

  7. Klaus Lelek Says:

    Auch die Aussagen von N. Kermani brauchen nicht mißverstanden oder anders interpretiert werden wie sie gemeint sind. Sie sind ein Schlag ins Gesicht eines Rembrandts, Dürers, C. D. Friedrichs, Man kann fast ein gutes Kunstlexikon von A-Z zitieren. Hier zeigt sich eine neue Form von Barbarei, Dummheit und Borniertheit, die 1500 Jahre Kunst und Kulturgeschichte mit Füßen tritt. Das ist der selbe Ungeist der Ehrenmorde als „islamische Folklore“ reklamiert und über die Todesurteile meint, man dürfe sie nicht nach unseren Wertmaßstäben beurteilen. Hier zeigt sich die gleiche Schizuidität der Intellektuellen, welche die Stalinistischen Säuberungen relativierten. Wir können gerne darüber öffentlich diskutieren. Aber wie ich die FR kenne, wird sie diese Veranstaltungen ohnehin totschweigen, wie sie auch den feigen infamen Mord an einer 11köpfigen koptischen Familie während der von ihnen gefeierten „Ägyptischen Revolution“ totgeschwiegen hat. Darunter sogar ein 3 jähriges Kind. Passen Sie auf, daß die Seelen der Ermordeten sie nicht Nachts in ihren Träumen verfolgen.

  8. bazillus Says:

    Es sollte hier nicht um persönliche Eitelkeiten gehen, sondern um die Sache selbst. Fakt ist, dass Morde an Christen in der deutschen Presse nur ungern veröffentlicht werden. Selbst die EU will eine ausdrückliche „Christenverfolgung“ nicht auf ihren Plan setzen. Das könnte doch andere Religionen beleidigen. Christen haben in Europa keine gute Lobby mehr. Damit müssen wir uns abfinden. Die großmütige Erlaubnis, sich für das Christentum zu engagieren, ist hier „dankbar“ aufgenommen worden.

    Solange Christen vornehmlich in kommunistischen und islamischen Ländern durch schlechtere Rechtsstellung benachteiligt werden sowie aktiver Verfolgung ausgesetzt werden, bleibt das Thema uns erhalten. Selbstverständlich dürfen Christen dieses Thema nicht nur zum Selbstzweck verfolgen. Es geht um alle Menschen, die Verfolgung erleiden müssen, auch um Muslime, die nicht die richtige Konfession hatten und von ihren Glaubensgeschwistern ebenso verfolgt werden wie Christen.

    Wer jedoch die Christenverfolgung einfach negiert oder relativiert, tut der Sache selbst keinen Gefallen. Da sind alle wohlfeilen Worte Worte in die falsche Richtung. Das Christentum ist nun einmal die weltweit am häufigsten verfolgte Religion. Wer das negiert, negiert einfache Tatsachen.

    Herr Lelek ist m. E. hier auf dem richtigen Weg. Er engagiert sich öffentlich gegen die Christenverfolgung. Mehr kann von Niemandem erwartet werden. Schreiben in einer Redaktionsstube ist einfach, engagiertes Tun in der Öffentlichkeit dagegen verlangt durchaus Standfestigkeit. Ich bin sicher, dass er auch für verfolgte Atheisten, Muslime und andere Menschen Einsatz zeigen würde.

  9. Hajo Says:

    Herr Lelek, seien Sie bedankt für Ihre Kommentare in Sachen FR und zu Joachim Frank. Mir scheint, wir sind uns hier sehr einig – aber was soll auch anderes kommen von dieser Zeitung (wobei ich den dort ohne Scheuklappen Schreibenden nicht Unrecht tun möchte) … J. F. ist unbelehrbar und gefangen in seiner engen Sicht der Dinge. Er tut mir leid.


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