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Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Christen in Ägypten: „Wir wollen endlich Religionsfreiheit“ 12. Februar 2011

Filed under: Koptenverfolgung — Knecht Christi @ 22:29

Die Kopten lehnen die Scharia als Quelle des ägyptischen Rechts ab – und sie fürchten die Muslimbrüder.

Ein Interview mit dem koptischen Rechtsanwalt Naguib Gobraiel

 

Naguib Gobraiel (57) ist Professor für Internationales Recht und Vorsitzender der Union ägyptischer Menschenrechtsgruppen (Euhro). Der christliche Rechtsanwalt gehört zu den wichtigsten Stimmen der Kopten, die in Ägypten gegen die Diskriminierung ihrer Kirche kämpfen.

 

Frage: Vizepräsident Omar Suleiman hat ein Komitee eingesetzt, das eine Reform der Verfassung vorbereiten soll. Wie sind die Kopten in dem Gremium vertreten?

Naguib Gobraiel: Nur ein Mitglied ist Christ, ein Richter. Die anderen zehn sind Muslime, darunter ein Professor von Al-Azhar, aber auch der Präsident des Obersten Verwaltungsgerichts, der früher in allen Fällen von Konversionen gegen die Kopten entschieden hat. Ein anderes Mitglied steht den Muslimbrüdern nahe. Wir haben kein volles Vertrauen in dieses Gremium, dass es die Interessen der Kopten wirklich berücksichtigt.

 

Frage: Was sind Ihre Hauptforderungen?

Naguib Gobraiel: Wir wollen, dass in Ägypten endlich Religionsfreiheit hergestellt wird. Dazu aber muss der Artikel 2 der Verfassung gestrichen werden, der die Scharia als wichtigste Quelle des Rechts in Ägypten festschreibt. Das widerspricht dem Gleichheitsgrundsatz in Artikel 40 und dem Artikel 46 über die Religionsfreiheit. Wir wollen künftig in Ägypten einen zivilen, religiös neutralen Staat. Aus unserer Sicht muss nicht die gesamte Verfassung geändert werden, nur die Punkte, die einen zivilen Staat verhindern. Für diese Korrektur ist ein Zeitraum von drei Monaten völlig ausreichend. Wir brauchen kein Referendum über eine vollkommen neue Verfassung.

 

Frage: Warum ist Ihnen Artikel 2 so wichtig?

Naguib Gobraiel: Er ist die Quelle aller Probleme, die wir Kopten in Ägypten haben. Es fängt an bei den Konversionen, wenn der Vater in Ägypten Muslim wird, werden seine Kinder automatisch auch Muslime und bekommen sogar ihre Namen geändert. Wir werden daran gehindert, Kirchen zu bauen, ja sogar vorhandene Kirchen zu renovieren. Ich treffe mich demnächst mit Omar Suleiman. Ich werde bestürmt von Kopten, die mich anrufen und alle sagen, ich solle mit dem Vizepräsidenten über Artikel 2 sprechen.

 

Frage: In dem Verfassungsrat sitzt auch ein Vertreter der sunnitischen Lehranstalt Al Azhar. Warum nicht auch ein koptischer Bischof?

Naguib Gobraiel: Wir sind sehr enttäuscht von der Leitung unserer Kirche. Zu der Protestwelle im Land hat sie keine Stellung genommen. Papst Shenouda III. hat bisher kein Wort der Ermutigung gesagt an die Adresse der Jugend. Er will unter allen Umständen den Eindruck vermeiden, die koptische Kirche mische sich politisch ein.

 

Frage: Wie beurteilen Sie die Rolle der Muslimbrüder?

Naguib Gobraiel: Wir Christen haben Angst vor den Brüdern. Sie haben eine lange Geschichte. Und sie treiben in unseren Augen Spielchen. Ihr eigentliches Ziel ist es, an die Macht zu kommen. Sie geben sich zunächst ganz harmlos, dann aber werden sie sich auf die Macht stürzen wie die Wölfe.

 

Frage: Wie stark schätzen Sie den Rückhalt der Muslimbruderschaft in der Bevölkerung ein?

Naguib Gobraiel: Die Muslimbrüder sind sehr gut organisiert. Wir schätzen, dass etwa 40 Prozent der Bevölkerung hinter ihnen steht. Auf dem Tahrir-Platz aber halten sie sich auffallend zurück. Da sieht man sie kaum. Wir haben vor allem Angst vor denjenigen Muslimbrüdern, die in den Verwaltungen sitzen – zum Beispiel in den Regierungsbehörden.

 

Frage: Haben Sie Kontakt zu den Muslimbrüdern?

Naguib Gobraiel: Ja, sie haben sich bei mir gemeldet. Ich bin aber nicht darauf eingegangen. Ihr Sprecher Essam el-Erian allerdings hat am Mittwoch bereits in einem Interview mit der BBC klargestellt, dass Artikel 2 der Verfassung für die Muslimbrüder nicht zur Debatte steht. {Quelle: www.zeit.de}

 

2 Responses to “Christen in Ägypten: „Wir wollen endlich Religionsfreiheit“”

  1. Cajus Pupus Says:

    Ich glaube nicht daran, dass der Artikel 2 der Verfassung gestrichen wird. Das Ruder in Ägypten werden die Moslembrüder an sich reißen. Wenn jetzt schon 40 % der Bevölkerung hinter den Moslembrüdern stehen, dürfte es für die Moslembrüder ein Kinderspiel sein, die Mehrheit zu erreichen.

    Warum wohl halten sie sich bei den Protesten zurück? Weil sie aus dem Hinterhalt agieren!

    Es tut mir nur leid für die Christen. Denn diese werden in der Zukunft es noch schwerer haben wie sie es jetzt schon haben.

  2. bazillus Says:

    Was erwarten wir von den Protesten von jungen Leuten, die so leben wollen wie wir in Europa und am Wohlstandskuchen teilhaben wollen. Das ist ihnen weiß Gott nicht zu verübeln. Leider ist es Tatsache, dass eine andere Regierung, wer immer sie auch stellen wird, die wirtschaftlichen und sozialen Probleme nicht wird von heute auf morgen lösen können. Es ist halt nicht möglich, dass die schnellstens nachwachsende Jugend in Arbeit zu vermitteln ist. Das Problem wird sich nicht lösen lassen. Nach Mubarak, dem Diktator, kann die Muslimbruderschaft an die Macht durch Wahlen an die Macht kommen. Dies wird den Christen nicht zum Vorteil gereichen. Artikel 2 steht nicht zur Disposition sagt im Grunde alles. Da die Muslimbruderschaft geistlich und geistig mit der Hamasführung verbunden ist, wird der Nahe Osten mit Sicherheit durch diese Organisation destabilisiert werden.

    Aber es hat auch sein Gutes. Sie werden sich outen müssen, wenn sie in der Regierungsverantwortung stehen. Sie werden ihre Fans zufrieden stellen müssen, auch in sozial-wirtschaftlicher Hinsicht, was ihnen genauso schwerfallen wird wie allen Regierungen dieses Landes. So wie eine vergreisende Gesellschaft ein Fluch sein kann, so kan aber auch eine zu schnell wachsende Gesellschaft ein Fluch sein. Der Rest der Welt wird sehen, wie die Muslimbruderschaft agieren wird, wie ihr Verhältnis zu Amerika und Israel sich politisch ausdrückt. Ehrlichkeit wird in der Politik möglicherweise durch sie Einzug halten. Der Islam, wie ihn die Muslimbrüder (gibt es auch Muslimschwestern?) interpretieren, wird möglicherweise an Ansehen verlieren, je nachdem wie sie agieren werden. Warten wir es ab. Die Gelehrten der muslimischen Uni werden einen Jubelruf ausstoßen, wenn diese „Politiker“ an die Macht kommen.

    Ich denke, dass es die Christen noch schwerer haben werden, wenn die Muslimbrüder den koranischen Islam auf ihre Agenda setzen werden.


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