kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Wie sehen koptische Christen in Ägypten ihr Leben nach Mubarak? 9. Februar 2011

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 23:41

Am Sonntag bei der koptischen Mittagsmesse auf dem Tahrir Platz erzählt Sarah, eine Ärztin, wie sehr sie das gemeinsame Beten mit den Muslimen bewegt hat: “Ich war so gerührt, und ich habe gesehen, wie die Muslime geweint haben… “ Schon zwei Tage zuvor haben die Muslime auf dem Platz der Freiheit gebetet: die muslimischen Freitagsgebete. Und dabei haben sich die Christen um die Muslime gestellt, um sie zu schützen. http://twipic.com/3w3lt8

 

“Zum ersten Mal in meinem Leben fühle ich mich sicher mitten in einer Menschenmenge in meinem Land,” freut sich die Moderatorin des christlichen TV-Senders Miracle, Nawal Tawfik. Sie findet, dass die Proteste das Gute in den Menschen hervorheben. “Zum ersten Mal habe ich auch das Gefühl, dass ich wirklich mitmache, dass ich tatsächlich ein Teil Ägyptens bin.” Und Nawal Tawfik sagt auch: “Wir hätten uns nie träumen lassen, dass es eine solche Bewegung geben könnte. Für mich war das ägyptische Volk wie tot. Ich konnte mir nichts anderes vorstellen, als dass Gamal (der Sohn des Präsidenten -RED.) Husni Mubaraks Nachfolger wird“.

 

Ihrem Leben nach Mubark sieht Nawal Tawfik mit Optimismus entgegen: “Ich glaube, die Beziehungen zwischen Kopten und Muslimen können sich verbessern. Das sieht man hier, die Leute sind vereint, das ist ein gutes Zeichen. Es ist unglaublich, koptische Christen und Muslime so zusammen beten zu sehen.” Die Menschenrechtsaktivistin Magda Boutros von der Nichtregierungsorganisation EIPR erklärt: “Das Regime stachelt den Konflikt zwischen den Religionen an. Ich glaube nicht, dass das ägyptische Volk zum Fanatismus neigt.” http://www.eipr.org/en

 

Die junge Koptin Sarah erklärt weiter: “Für viele Kopten hatte Mubarak eine Schutzfunktion. Aber nach den Anschlägen der vergangenen Jahre – auch nach dem von Alexandria bei der Mitternachtsmesse am 31. Dezember – haben viele verstanden, dass sie auch Opfer der Unterdrückung des Regimes sind – genau wie die ägyptischen Muslime“. “Am Anfang wollten viele Kopten nicht bei der Protestbewegung mitmachen, weil sie dachten, sie würde von der politischen Partei der Muslimbrüder angeführt”, sagt Sarah. “Aber nach und nach haben sie gemerkt, dass die Bewegung viel breiter ist, dass alle politischen, religiösen und gesellschaftlichen Kräfte vertreten sind. Danach sind viel mehr Leute gekommen“.

 

Wie Sarah war auch Magda Boutros schon bei der ersten Demonstration am 25. Januar dabei. Sie war von der Anfangsposition der koptischen Kirche enttäuscht: “Ich hatte nicht von Papst Shenouda erwartet, dass er bei der Revolution mitmacht, aber er hätte sich neutral verhalten können statt Mubarak zu verteidigen.” Sarah meint, Shenouda solle politisch Stellung beziehen.

 

Die koptischen Christen, die ungefähr 10 Prozent der Ägypter repräsentieren, sind seit dem Umsturz von 1952 nicht mehr wirklich in der Politik vertreten. Aber in den vergangenen Jahren nachdem sich die Spannungen zwischen koptischen Christen und Muslimen verstärkt hatten und die Regierung offenbar nichts dagegen unternehmen konnte, haben die Kopten angefangen, auf die Straße zu gehen, um gegen die religiös motivierte Gewalt zu protestieren.

 

Auf die Frage der Gefahr, dass die Partei der Muslimbrüder die Macht übernehmen könnte, sagen einige Teilnehmer der Protestbewegung, dass man die Nachteile der Demokratie in Kauf nehmen müsse. Einige Kopten sind aber viel skeptischer.

 

Für die Menschenrechtskämpferin Magda Boutros sind die Kopten nicht in Gefahr. Ihrer Meinung nach ist es die Regierung, die die Muslimbrüder verteufelt. Viele Leute wissen auch, dass das eine Strategie der Regierung ist. Die Demonstrationen sind übrigens auch nicht von den Muslimbrüdern organisiert. Und sie wurden nicht von ihnen ‘geklaut’, wie das Staatsfernsehen behauptet hat. Tatsächlich sind die Muslimbrüder zahlreich an den Protesten beteiligt, aber sie sind nicht die Mehrheit der Demonstranten. Es gibt Kopten, Menschen, die nicht religiös sind, Muslime, die die Muslimbrüder nicht unterstützen…”.

Magda Boutros glaubt auch nicht, dass die Muslimbrüder an die Macht gelangen werden. “Sie haben schon angekündigt, dass sie keinen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl aufstellen. Ich glaube auch nicht, dass die Mehrheit der Ägypter die Scharia (das islamische Recht) will“. Moderate Muslime unterstreichen, dass auf jeden Fall die Verfassung geändert werden muss – und dass selbst wenn die Muslimbrüder an die Macht kommen, sie die Unterstützung des Volkes dafür benötigen. Sarah hofft, dass in der Demokratie auch die Kopten endlich am politischen Leben in Ägypten beteiligt sein werden: “Nicht in einer religiösen Partei, aber in allen Parteien – wie alle anderen Ägypter auch“.

 

Kopten beschützen die Moslems, während sie beteten!

Aber die Fernsehmoderatorin Nawal Tawfik meint: “Die meisten Kopten haben Angst vor den Muslimbrüdern, und sie sind in der Mehrheit für Mubarak. Alle meine Freunde auf facebook haben mir davon abgeraten, bei den Demonstrationen mitzumachen. Ich habe keine Angst vor den Muslimbrüdern. Ich glaube auch nicht, dass die Mehrheit der Ägypter sie wählen würden. Und selbst wenn es so wäre, dass die Muslimbrüder eines Tages an die Macht kämen, dann wäre das Schicksal. Vielleicht müssen wir diese Etappe hinter uns bringen, damit die Leute danach ihre Meinung ändern. Schlimmstenfalls könnte ich immer noch das Land verlassen. Auch das gehört zur Freiheit. Für mich ist die Freiheit wichtiger als unter Mubaraks Schutz zu bleiben“. Ein junges Mädchen unterbricht uns und fragt sehr höflich: “Darf ich Sie mit Ihrer Freundin fotografieren? Die Leute sagen immer wieder, dass hier nur Muslimbrüder sind. Ich will ihnen zeigen, dass das nicht wahr ist“.

 

Moïna Fauchier Delavigne und Hussein Emara
Für euronews aus Kairo – http://de.euronews.net –  Foto von Asmaa Youssef

 

 

 

Dass Ägypten ein heißes Pflaster ist, weiß Juliana Baldinger spätestens seit dem 24. Jänner 1995. An diesem Tag legte die gebürtige Meggenhofenerin in El Berba beim Orden der Sionsschwestern ihre Ewigen Gelübde ab. Die damit verbundene Feier mussten abgesagt werden, weil es in den Nachbardörfern zu mehreren Terroranschlägen gekommen war.

 

Jetzt erlebt Schwester Juliana wieder turbulente Zeiten. Dabei ist es in El Berba, 250 Kilometer südlich von Kairo, ruhig, relativ ruhig zumindest. Die Männer haben wie anderswo im Land auch eine Bürgerwehr gebildet, um die Plünderer abzuschrecken. Gelegentlich bekommen die katholischen Schwestern ein Schimpfwort zu hören. Aber das ist normal hier in dem Dorf mit seinen fünf Moscheen und der einen Kirche. Die koptischen Christen, die ein Viertel der 10.000 Einwohner stellen, sind daran gewöhnt, Bürger zweiter Klasse zu sein. Die Hilfe der Sionsschwestern nehmen aber auch Muslime gerne an. In der von Schwester Juliana geleiteten Tagesheimstätte für behinderte Kinder beten 15 ihrer 18 Schützlinge zum Propheten Mohammed. Auch im örtlichen Entwicklungshilfezentrum achten die Schwestern darauf, dass allen gleichermaßen geholfen werden kann. Deshalb haben sie die zwei neuen Computer für ein Lernprojekt nicht in der Bibliothek aufgestellt. Dort gibt es nämlich auch christliche Literatur, was Muslimen nicht zumutbar ist.

 

„Weg mit den Christen“ Ziel der Muslimbrüder? Man nimmt Rücksicht. Die Christen am Nil ducken sich, wissend, dass sie sich immer irgendwie arrangieren werden müssen. Die Revolution in Kairo verfolgen sie daher mit ambivalenten Gefühlen. „Es ist ungut, weil man nicht weiß, wer hinter diesen Demonstrationen steht“, sagt Schwester Juliana zum VOLKSBLATT. Die Jugend auf dem Kairoer Tahrir-Platz sieht sie positiv, weil diese Veränderung, nicht die Macht wolle. „Aber die Muslimbrüder“, fürchtet die 55-jährige Oberösterreicherin, „wollen ganz andere Veränderungen als die Jugend.“ Schwester Juliana spricht von der „riesigen Angst der Christen“ davor, dass die Muslimbruderschaft durch den Umbruch mehr Einfluss gewinnt. Ist die Angst nicht übertrieben, geben bei den Muslimbrüdern nicht längst auch die Gemäßigten den Ton an? Schwester Juliana hat da ihre Zweifel: „Hier im Dorf haben wir Moslembrüder — ich sehe da keinen Gemäßigten.“ Die Muslimbruderschaft würde sich vielleicht am Anfang gemäßigt geben, aber dann…? „Wenn die größer werden, ist ihr Ziel: Weg mit den Christen“!

 

Weiter allen helfen, wenn man sie lässt: Nach 19 Jahren in Ägypten ist Schwester Juliana daher „eigentlich nicht optimistisch, was die Zukunft anlangt“. Bei den Verhandlungen der Opposition mit der Regierung in Kairo seien zwar diese Woche auch zwei christliche Vertreter dabei gewesen. Aber als die einen besseren Status für die Christen im Land aufs Tapet bringen wollten, sei ihnen beschieden worden, dass dieses Thema jetzt nicht so wichtig sei. Die Oberösterreicherin hofft, das ihre Befürchtungen nicht eintreffen. Sie will den Menschen in El Berba weiter helfen — Christen wie Muslimen. Wenn man sie lässt. {Quelle: www.volksblatt.at – Von Manfred Maurer}

 

3 Responses to “Wie sehen koptische Christen in Ägypten ihr Leben nach Mubarak?”

  1. Cajus Pupus Says:

    Cajus Pupus hat gelauscht:

    Lieber Gott,

    ich bin klein, mein Herz ist rein, soll niemand drin wohnen als Jesus allein!

    Weißt Du noch lieber Gott, als meine Mama und mein Papa mir das erste Gebet beigebracht haben? Ich konnte noch nicht so richtig sprechen; aber es kam aus meinem Herzen. Leider starb mein Papa, als ich 4 Jahre alt war. Aber ich glaube, dass er nun auch bei Dir ist und sich mit Dir unterhält.

    Jetzt, wo ich größer und älter geworden bin, muss ich doch einmal nachfragen. Du hast bei der Erschaffung des ersten Menschen Lehm verwendet. Laut Deiner Aussage hast Du die Menschen nach Deinem Ebenbild geschaffen.

    Kann es vielleicht sein, lieber Gott, dass Du bei der Entnahme des Lehmes aus der Erde, verseuchten Lehm aufgenommen hast? Anders kann ich mir die Boshaftigkeit mancher Menschen nicht erklären. Man kann schließlich nicht alles auf den so genannten Sündenfall zurückführen! (Zumal das die erste Werbebotschaft war: Esst mehr Obst…)

    Als Papa gestorben war, brachte mir meine Mama noch viele Gebete bei. Auch das Vater unser. Da heißt es doch wirklich: …Dein Wille geschehe…

    Lieber Gott,
    ich mag es kaum glauben, dass alles, was hier auf der Erde passiert nach Deinem Willen geschieht! Kann es sein, dass Du zur Zeit mit meinem Papa Schach spielst und so vertieft bist, dass Du das Elend hier auf der Erde nicht mitbekommst?

    Hallo Papa, lass mal den lieben Gott los und spiele mal mit einem Engel Schach! Der liebe Gott soll sich mal um seine „Ebenbilder“ kümmern!

    So, lieber Gott. Ich hoffe Du hörst mir jetzt zu! Hattest Du nicht mal zu Petrus gesagt:

    „Du bist Petrus, der Fels. Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen…“ (Mt. 16, 18)

    Schau doch mal zu Deinem heutigen „Petrus“. Unserem Papst. Glaubst Du wirklich, dass er der Fels in der Brandung ist von dem Du damals gesprochen hast? Er und sein Vorgänger erinnern mich eher an eine Wanderdüne und nicht an einen Felsen!
    Warum lässt Du zu, lieber Gott, dass Deine Stellvertreter auf Erden dem Islam huldigen und dadurch dem Teufel Tür und Tor öffnen?
    Warum lässt Du zu, lieber Gott, dass das die Hölle, in Form des Islams, diese Welt überschwemmt?
    Warum lässt Du zu, lieber Gott, dass im Namen des Islam Christen bei lebendigem Leib verbrannt werden?
    Warum lässt Du zu, lieber Gott, dass im Namen des Islam Christen bei lebendigem Leib enthauptet werden?
    Warum lässt Du zu, lieber Gott, dass im Namen des Islams christliche Rituale zerstört werden?
    Warum lässt Du zu, lieber Gott, dass im Namen des Islams Kirchen geschändet, gebrandschtzt, geschlossen und auch vernachlässigt bzw. abgerissen werden?
    Warum lässt Du zu, lieber Gott, dass im Namen des Islams die Regierungen auf der ganzen Welt dem Islam huldigen?
    Warum lässt Du zu, lieber Gott, dass im Namen des Islams die Regierungen auf der ganzen Welt dem Islam Tür und Tor öffnen?
    Warum lässt Du zu, lieber Gott, dass im Namen des Islams von den rotrotgrünenschwarzen Islamhelfern, Kreuze abgehangen werden; das christliche Schulen geschlossen werden; dass das ganze Christentum langsam aber sicher sich dem Teufel zu wendet?
    Ist Dir denn nicht bewusst, dass der Islam keine Religion ist? Du ermahnst uns Menschen immer, seid lieb zu einander. Hast Du das mal den Moslems auch einmal gesagt?

    …Dein Wille geschehe… So steht es im Gebet. Aber ist das wirklich alles Dein Wille? Ich glaube nicht!

    Hast Du selber nicht verkündet:
    Ich bin der Herr, Dein Gott. Du sollst keine fremden Götter neben mir haben!

    ???

    Ist das aber komisch. Wieso gibt es dann Allah, Buddha, Jahwe, Vishnu und wie sie alle heißen mögen. Anscheinend bist Du dann gar nicht so einzigartig wie Du Dich immer gibst!

    Ach lieber Gott. Zum Schluss habe ich noch eine Frage:
    Warum hast Du Noah bei der Sintflut nicht die Erlaubnis gegeben, die Mücken aus der Arche zu schmeißen

  2. Walter Says:

    Lieber Cajus,

    schau in die Heilige Schrift. Der Herr Jesus Christus hat von Verfolgung Umweltkaos Erdbeben Kriege Christenverrat und Abfall vom Glauben und bösen Zeiten gesprochen bevor ER wiederkommt!

    Diese Erde wird vergehen nun beschwerst Du dich, das Gott sein Wort erfüllt???

  3. Johannes Says:

    Und ich möchte Cajus noch ergänzen.

    „Dein Wille geschehe“ heißt doch, dass wir darum bitten, dass Sein Wille geschehe in unserem Leben und im Leben der anderen. Der HERR hat uns 10 gute Weisungen für unser Verhalten mit auf den Weg gegeben, damit unser Leben vollkommen werde. Und dabei will ER uns nahe sein und uns helfen.

    Wenn es uns gutgeht, neigen wir dazu, nicht an IHN zu denken und alles als selbstverständlich und oft auch ohne Dank hinzunehmen. Gibt es ein Unglück, so neigen wir dazu, uns dem HERRN zuzuwenden und fragen „Warum?“. Die Menschen sind es aber, die einander Böses zufügen und sich nicht an GOTTES Weisungen halten. Deshalb müssen sie auch die Folgen ihres Verhaltens auslöffeln. Damit lässt sich nicht alles klären, aber doch vieles. Manches bleibt für unser Denken im Dunkeln. Vielleicht wird es uns der HERR später einmal wissen lassen. Wir dürfen aber darauf vertrauen, dass denen, die IHN lieben, alles zum Besten dient. Wir dürfen auch wissen, dass ER uns liebt und dass ER nicht einmal Seinen eigenen Sohn um unserer Sünde willen verschont hat.

    Und wo sind die Christen, die so leben, wie es JESUS uns vorgelebt hat? Ein solches Vorbild würde auch Muslime zum Fragen bringen.


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