kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Im Gespräch mit einem „halben“ Märtyrer 9. Februar 2011

Filed under: Koptenverfolgung — Knecht Christi @ 18:33

Zur 40-tägigen Gedenkfeier der 24 Märtyrer von Alexandria

 

Es ist ein Brauch im ganzen Ägypten, der Verstorbenen nach 40 Tagen des Todes zu gedenken. Am 01. Januar 2011 erlitten 24 Kopten den Märtyrertod, als eine Autobombe vor der Kirche der Heiligen Markus und Papst Petrus in Alexandria die Freude über das neue Jahr zerschmetterte. Ich habe mich mit einem der Terroropfer getroffen, dessen Identität ich auf keinen Fall preisgeben darf, weil man bis jetzt Angst vor den islamischen Terroristen habe.

 

Aus Spaß, und um ihn aufzumuntern, nenne ich ihn „Halber Märtyrer“. Denn es ist nicht lustig, diese seelischen und körperlichen Schmerzen ertragen zu müssen. Nur der Glaube an Christus hilft jedem der Terroropfer, die um ein Haar der „Martyriumskrone“ entgingen. Bei diesem verheerenden Attentat wurden über 100 Kopten schwer verletzt. Seltsamerweise kamen vor wenigen Tagen zwei Terroropfer nach Höxter (Deutschland), denen es schlecht geht. Das erinnert mich an die verdatterten Ärzte in England, wo Samuel, der Märtyrer Nr. 24, seinen Verbrennungen erlitt, und welche sagten: „Dieser Mann kann keinesfalls in einem Krankenhaus behandelt worden sein. Wir haben 18 Splitter aus seinen Beinen entfernt, obwohl sie mit keinem Wort in dem Bericht der Uni-Klinik in Alexandria erwähnt wurden, der uns vorlegt“. Auch den zwei Kopten, die momentan in Höxter behandelt werden, wurden Splitter aus den Körpern entfernt. Alle, die in ausländischen Krankenhäusern liegen, blieben mindestens 20 Tage in ägyptischen Krankenhäusern. Warum entfernte man ihnen diese Splitter nicht? Warum vernachlässigte man ihre Wunden, sodass das Bein (bis zum Schenkel) eines der Terroropfer amputiert werden müsste, weil der Eiter die Leber erreichte. Das war eines der Wunder, die wir hautnah erlebten. Wenn der Transport sich um ein Tag verzögert hätte, wäre es schon zu spät gewesen. Auch Hiob (Name verändert) erzählt, wie Christus ihn und seine Familie errettete und ihnen beistand und beisteht. Er selbst erfuhr einige Wunder!

 

Knecht Christi: Na, du „halber Märtyrer!
Hiob: Ich bin es nicht würdig, dass du mich so nennst.

 

Knecht Christi: Tja, immerhin hast ja gesehen, wie die Martyriumskrone aussieht, die unsere 24 Märtyrer von Christus aufgesetzt bekamen. Außerdem verdienst du vielleicht eine halbe Krone, weil du so tapfer eine Operation nach der anderen erduldest, und ohne zu jammern.
Hiob: Ich glaube und liebe Christus vom ganzen Herzen, aber ich gehe nicht regelmäßig zu Kirche und ich bete auch nicht, wie es sein sollte. Daher verdiene ich das keineswegs.

 

Knecht Christi: Immerhin hast du dich am Silvester entschieden, das neue Jahr in Anwesenheit Christi zu empfangen. Und wenn du meinst, unwürdig zu sein, erinnerst du mich an den Räuber, der zur Rechten Jesu Christi gekreuzigt wurde. Mit einem knappen Satz erlang er die Erlösung und Christus sagte ihm: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lk.23:43).
Hiob: Ja, aber ich bin noch am Leben und befinde mich auf Erden. Was mich beschäftigt, ist die ständige Frage: Warum? Warum mussten diese Menschen auf diese grauenvolle Art sterben? Warum müssen ihre Familien so sehr leiden? Warum müssen die Verletzten den Rest ihres Lebens mit Behinderung und vielen Narben leben? Was haben wir verbrochen?

 

Knecht Christi: Meine Vorbilder, was den Willen Christi anbelangt, sind Mose und Josef. Sieh mal, wie Gott sie vorbreitete, damit sie in der Lage sein können, sein Volk und die Welt zu führen und zu retten. Christus schickt dir eine Botschaft. Mach sie auf und denke über ihren Inhalt nach. Sag ihm mit dem Propheten Samuel: „Rede, Herr, denn dein Diener hört“ (1Sam.3:9). In unserem Leben gibt es keine Zufälle. Alles geschieht durch einen gewissen Plan.
Hiob: Ich bin ganz Ohr! Was ich erlebte, lehrt mich, in mich zu gehen und zu grübeln, wie ich das Beste aus diesem traumatischen Erlebnis zu machen. Auf alle Fälle hat dieses Attentat das Leben aller Familien der 24 Märtyrer und der Schwerverletzen grundsätzlich verändert.

 

Knecht Christi: Leg alles in die Hände Gottes und lass dich von ihm führen. Folge seinen Schritten nach, indem du sein Wort liest und ihn zu Hause besuchst. In der koptischen Kirche sollst du ihn suchen. Fange mal an zu dienen, und du wirst ihn unter den Kindern, die du zu ihm führst und ihn ihnen vorstellst, den Häftlingen, den Bedürftigen und Behinderten finden.
Hiob: Ich weiß nicht, ob ich das machen kann, aber ich werde es zumindest versuchen.

 

Knecht Christi: Was du jetzt brauchst, ist viel zu lesen: die Heilige Schrift und spirituelle Bücher über die Liturgie, Kirchengeschichte und die Heiligen der koptischen Kirche. Das alles und viel mehr lernst du, wenn du dich als Diener ausbilden lässt. Erst sollst du dich von deinem Beichtvater beraten lassen. Gelegentlich sollst du ein paar Tage in einem Kloster verbringen.
Hiob: Dein Wort in Gottes Ohr. Bettet für mich, damit ich das Bett verlasse.

 

Knecht Christi: Wie viele Wunder hast du vom 01. Januar bis heute erlebt?
Hiob: Ich kann sie nicht mehr zählen, aber einige kann ich dir verraten. Meine Beine wurden fast zerfetzt. Das rechte Bein war schwarz, weil 18 Stunden kein Blut dadurch geflossen ist. Weil ich beim vollen Bewusstsein war, bekam ich alles mit. Ein Arzt wollte es amputieren und ein anderer wollte es so gar eingipsen, bis Christus ein muslimischer Chirurg schickte, der sich entschied, das Bein zu operieren. Er hat die zwei durchtrennten Venen genial wiederhergestellt. Dieser muslimische Chirurg sagte: „Eine andere Hand hat mit mir die Operation durchgeführt, sodass alles kinderleicht verlief“. Das andere Bein war gekrümmt und die Zehen waren fast durchgetrennt. Hier im Ausland erlebte ich ein neues Wunder!

 

Drei sechsförmige „Schraubenmütter“ wurden von meinem Körper entfernt. Zwei aus meinen Oberschenkeln. Eine davon ließ die Ärzte durchdrehen, weil keiner wusste, wie sie den Schenkel durchdrängte. Die dritte aber ist der Oberhammer! Sie drängte durch meinen Rücken (unter dem Nacken) ein, wo man die Narbe noch sieht. Keiner weiß aber, wie ich trotzdem noch am leben bin!?! Denn sie blieb nur drei Zentimeter unter dem Herzen stehen. Sie konnte eine Lunge oder das Herz zerfetzen, weil die Wucht der Detonation enorm war.

 

Knecht Christi: Das erinnert mich an den biblischen Vers: „Denn er verwundet und verbindet. Er schlägt, doch seine Hände heilen auch“ (Hiob 5:18).  Das heißt, dass Gott vielleicht erlaubt, dass eines seiner Kinder auf die Probe gestellt wird, aber er steht ihm trotzdem bei. Was du erzählst, habe ich von vielen anderen Terroropfern gehört. Was ich von dir wissen möchte, wie sich die Explosion ereignete? Kannst du dich an den grünen Skoda erinnern?
Hiob: Ich war bei vollem Bewusstsein, aber bekam nichts mit. Ich sah die zerfetzten Körper um mich. Jedoch vernahm ich nichts. Ich konnte keinen klaren Kopf haben und wusste nur, dass meine Beine schwer verletzt wurden. In der koptischen Klink des Heiligen Markus neben dem Tatort telefonierte ich sogar mit meinem Vater. Ich erinnere mich, dass ich den Pulli und das Hemd auszog, die blutgetränkt waren, weil ich eine tiefe und lange Wunde am Kopf hatte.

 

Alles, was ich über das weiß, was sich ereignete, stammt von meinen Verwandten und Freunden, die noch in der Kirche beim Gebt blieben und uns zur Hilfe eilten. Sicherlich kann ich bestätigen, dass ich den dreimaligen Ruf „Allah Akbar“ aus der gegenüberliegenden Moschee hörte. Mit Bildern kann ich beweisen, wie die Moslems, die uns nicht bekannt sind, den Supermarkt „Georg, der Held“, das Hochhaus „Hl. Maria“ und etliche Autos der Kopten zerstörten. Darum haben einige Kopten diese Moschee mit Steinen beworfen, die mit eigenen Händen die überall zerstreuten Körperteile sammelten. Sie konnten nicht fassen, wie herzlos man sein kann, während man diese furchterregende Szene sah? Wie kann man sich freuen und in Jubel brechen, während man das Leid, Verzweiflung, literweise Blut und Tote sieht. Ich kann niemals vergessen, was einer der Offiziere zu den versammelten Kopten sagte: „Los, bringt diese Hunde schleunigst weg“. Um die Moschee zu beschützen, kam eine Einheit der Sicherheitsgarde und stellte sich davor. Anstatt die muslimischen Randalierer zu verhaften, gingen die Polizisten auf uns los. Die traumatisierten Kopten kassierten Knüppel und Tränengas.

 

Knecht Christi: Das alles haben wir minütlich verfolgt und darüber berichtet. Vielleicht ist es nicht schlecht, dass du dich mit der Geschichte der Koptenverfolgung beschäftigst, und zwar von der Eroberung der Araber im siebten Jahrhundert an bis jetzt. Wenn du verstehen willst, warum dies alles geschah, empfehle ich dir, den Koran und die Hadithe Mohameds zu lesen.

 

Ich und alle Kopten wünschen dir und allen Terroropfern die schnellste Genesung und die erfolgreiche Rehabilitation. Für eure Familien und die Familien der 24 Märtyrer beten wir zu Gott, jeden von ihnen zu trösten und zu stärken. Wir beten zu unserem Heiland, unser Land Ägypten zu beschützen und zu segnen. Möge das Blut dieser Märtyrer das letzte sein, welches in unserem geliebten Heimatland geflossen ist. Wir vergessen euch Märtyrer niemals und ihr sollt für uns vor dem Thron der Herrlichkeit Fürbitte einlegen, damit wir angesichts der harten Verfolgung und Diskriminierung nicht verzagen. Möge Christus in Ewigkeit verherrlicht werden.        

Die Grabstätte der 24 Märtyrer im Kloster des Hl. Mina in Maryot bei Alexandria

 

2 Responses to “Im Gespräch mit einem „halben“ Märtyrer”

  1. teofil Says:

    Wenn man über diese Mord´s Geschichten (Pogrome) Muslime gegen die Christen in Ägypten liest, bleibt man sprachlos. Man kann für die Opfer nur beten: Herr Jesus Christus, gib ihnen Frieden und das ewige Licht leuchte ihnen. Und in Richtung der muslimischen Dschihadisten: Herr verzeih diesen Besessenen, denn sie wissen nicht was sie tun.

  2. Weitermann, hans D. Says:

    wortlos
    Hans D. W.


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