kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Tag des Zorns in der arabischen Welt 3. Februar 2011

Filed under: Aktuelle Nachrichten — Knecht Christi @ 00:46

Erst Tunesien, jetzt Ägypten – und welches Land folgt als nächstes? Überall in Nordafrika und im Nahen Osten brodelt es. Ein Überblick über die Krisenherde.

 

Ägypten: Präsident Hosni Mubarak erklärte sich am Dienstag bereit, nicht mehr zur nächsten Wahl im September anzutreten. Den meisten Ägyptern genügt dies nicht, sie verlangen seinen sofortigen Abgang. Die Proteste dürften vorerst weitergehen, vieles hängt nun von der Armee ab. Der Wandel im bevölkerungsreichsten arabischen Land hin zu mehr Demokratie scheint jedoch nicht mehr umkehrbar.

 

Algerien: Stark gestiegene Lebensmittelpreise waren der Auslöser für die Unruhen in der ehemaligen französischen Kolonie. Seitdem kommt es immer wieder zu öffentlichen Selbstverbrennungen und Protesten. Für die nächsten Tage sind massive Streiks angekündigt. Der algerische Präsident Abdelaziz Bouteflika hält sich bislang aber zurück. Hinter ihm steht das Militär. Es hat bei der ersten pluralistischen Wahl Ende 1991 einen Erdrutschsieg der Islamischen Heilsfront (FIS) verhindert. Das führte zu einem mehrjährigen Bürgerkrieg mit schätzungsweise 200 000 Toten.

 

Jemen: Der jemenitische Präsident Ali Abdullah Saleh hat nun auch angekündigt, er wolle nach 32 Jahren auf eine weitere Amtszeit verzichten. Oppositionsgruppen haben für Donnerstag zu einem «Tag des Zorns» aufgerufen. Saleh kündigte weitere Zugeständnisse an. Er warnte sein Land – in dem praktisch jeder Mann über Schusswaffen verfügt – vor Unruhen. In der Hauptstadt Sanaa hatten in der vergangenen Woche Tausende Oppositionelle, unter ihnen auch Islamisten, gegen die Politik Salehs demonstriert.

 

Jordanien: In Jordanien ist es an den vergangenen Freitagen jeweils zu grossen Demonstrationen gekommen. König Abdullah II. entliess am Mittwoch das Kabinett und beauftragte den Ex-Ministerpräsidenten Maruf Bachit mit der Bildung einer neuen Regierung. Sie solle möglichst schnell einen politischen Reformprozess einleiten. Die Regierung hatte zuvor schon die Preise für Lebensmittel subventioniert und Steuern auf Benzin gesenkt. Die Opposition – vor allem die Islamisten – fordert umfassende Reformen und mehr Mitsprache. Die Position des Königs wird allerdings nicht in Frage gestellt.

 

Libyen: «Revolutionsführer» Muammar al Gaddafi ist seit 42 Jahren an der Macht und damit der amtsälteste Staatschef der arabischen Welt. Ein erdrückender Polizei- und Geheimdienstapparat sorgt dafür, dass allfällige Proteste im Keim erstickt werden. Ausserdem verfügt das Land über grosse Ölreserven. Über den Sturz seines tunesischen Kollegen Ben Ali zeigte sich Gaddafi «schmerzhaft berührt». Sein reformfreudiger Sohn Saif al-Islam gilt als möglicher Nachfolger, es ist jedoch unklar, ob er den Rückhalt des Militärs hat.

 

Marokko: In mehreren Städten flammten in den vergangenen Tagen Proteste auf, bei denen Hunderte für Demokratie demonstrierten. Die Polizei löste die Kundgebungen auf. Die Wirtschaftsdaten des westlichsten Maghreb-Staates spiegeln ein ähnlich deprimierendes Bild von Analphabetismus und Arbeitslosigkeit wie in Tunesien und Ägypten. König Mohammed VI. hat einige politische Reformen umgesetzt, von echter Demokratie aber ist das Land weit entfernt. Moulay Hicham, der als liberal geltende Cousin des Monarchen, warnte vor einem Übergreifen der Unruhen: «Marokko wird wohl keine Ausnahme sein. Fast alle autokratischen Systeme werden durch die Protestwelle erreicht.»

 

Sudan: Mehr als 1500 sudanesische Studenten sind am Sonntag gegen das islamistische Regime von Präsident Omar al Baschir auf die Strasse gegangen. Ein Student wurde von der Polizei zu Tode geprügelt. Ursprünglich richteten sich die Proteste gegen Preiserhöhungen und die Verhaftung des Oppositionsführer Hassan al Turabi. Präsident Baschir wird aber auch für die bevorstehende Teilung des bisher grössten Landes Afrikas verantwortlich gemacht, nachdem sich die Bevölkerung im Südsudan mit überwältigender Mehrheit in einer Volksabstimmung für einen unabhängigen Staat ausgesprochen hat. Für Donnerstag haben die Studenten über soziale Netzwerke zu neuen Demonstrationen in Khartum und anderen Städten nach dem Vorbild Ägyptens und Tunesiens aufgerufen.

 

Syrien: Für Samstag haben Regimegegner zu Protesten gegen Unterdrückung und Korruption aufgerufen. Diese seien auch Ausdruck der Unterstützung für das ägyptische Volk, hiess es auf Websites von Oppositionsgruppen. Wie weit ihr Aufruf angesichts des repressiven Systems auf Resonanz stösst, ist unklar. Präsident Baschar al Assad zeigte sich in einem Interview aufgeschlossen für politische Reformen. Seit 1963 gilt in Syrien der Ausnahmezustand. Menschenrechtler beklagen willkürliche Verhaftungen und Folter.

 

Tunesien: Mit der Selbstverbrennung des Gemüsehändlers Mohamed Bouazizi am 17. Dezember 2010 in der Stadt Sidi Bouzid begann die beispiellose Protestwelle, die seither auf die ganze Region übergeschwappt ist. Am 14. Januar 2011 flüchtete Präsident Zine al Abidine Ben Ali, der das Land 23 Jahre lang autokratisch regiert hatte, nach Saudi-Arabien. Seither kam es fast täglich zu Demonstrationen gegen die verbliebenen Gefolgsleute Ben Alis in der Regierung. Das Land ringt derzeit um einen demokratischen Neuanfang. {Quelle: www.20min.ch}

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s