kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Aktueller Begriff: Die Koptisch-Orthodoxe Kirche 3. Februar 2011

Filed under: Kirche Zu Hause,Reportagen — Knecht Christi @ 00:10

Von den Wissenschaftlichen Diensten des deutschen Bundestags

 

Am 17. Dezember 2010 debattierte der Deutsche Bundestag über den Schutz der Religions- und Glaubensfreiheit. Eine der Kirchen, die wiederholt Ziel terroristischer Angriffe war, ist die Koptisch-orthodoxe Kirche. Die jüngsten Anschläge gegen koptische Christen zu Jahresbeginn in Alexandria (Ägypten) hat die Situation der größten christlichen Minderheit im Nahen Osten wieder in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken lassen.

Die koptische Kirche zählt zu den ältesten christlichen Gemeinden überhaupt. Sie führt ihren Ursprung auf den Evangelisten Markus zurück, der eine erste Gemeinde in Alexandrien gründete. Unter der Führung des Patriarchen von Alexandria existierte bereits im 2. Jahrhundert nach Christus die Kirche von Ägypten, die in der Spätantike eine bedeutende Rolle in der christlichen Welt einnahm. Unter der Christenverfolgung im Römischen Reich litt die Kirche Ägyptens besonders.

 

Die koptisch-orthodoxe Kirche datiert den Beginn ihrer Zeitrechnung auf das erste Regierungsjahr Kaiser Diokletians 284 n. Chr. Koptisch – inzwischen eine sogenannte tote Sprache – ist nach wie vor die Sprache der Liturgie. Das Konzil von Chalkedon (451) entzündete sich an dem Streit um die Lehre von der Person Jesu Christi. Die Kirchen schieden aus der Reichskirche des Imperium Romanum aus, die besonderes Gewicht auf die eine göttliche Natur Christi legten. Zu ihnen gehörte auch die koptisch-orthodoxe Kirche.

 

Die in altkirchlicher Zeit entstandenen Patriarchate von Alexandria – die der griechisch-orthodoxen und der koptisch-orthodoxen Kirche, die sich beide in der Nachfolge Markus‘ sehen– existieren bis heute nebeneinander, wobei von ersterem nur noch wenige, meist griechische Christen betreut werden. Ebenfalls seit der Zeit der Alten Kirche dürfen beide Kirchenoberhäupter neben dem Titel „Patriarch“ auch den Titel „Papa“ (Papst) führen.

 

Nach der Eroberung Ägyptens durch die Muslime im 7. Jahrhundert bezeichneten diese die autochthone Bevölkerung als „Kopten“. Mit dem arabischen Wort „qubti“ wurde das griechische Wort „aigyptos“ („Ägypter“) wiedergegeben. Bald fand der Ausdruck „Kopte“ Verwendung zur Bezeichnung der antichalkedonensischen Christen, die noch einige Jahrhunderte lang die Mehrheit der Bevölkerung bildeten. Um in der Nähe der regierenden Kalifen zu residieren, siedelten die Patriarchen der koptisch-orthodoxen Kirche seit 1061 dauerhaft in der hundert Jahre zuvor errichteten Hauptstadt Kairo.

 

Während der Regierungszeiten verschiedener muslimischer Herrscherdynastien waren die Christen Ägyptens den Bestimmungen der islamischen Gesetzgebung unterworfen und besaßen nur den Status von „Schutzbürgern“. Gesellschaftlicher Aufstieg und Dienst in Regierung und Verwaltung waren für sie so gut wie ausgeschlossen. Zudem war der Druck zur Konversion hoch, so dass die Zahl der Kopten stetig abnahm. Gegen Ende des 18. Jahrhundert bezeichneten sich schätzungsweise 10-12 % der Bevölkerung als koptische Christen. Im 19. und 20. Jahrhundert kam es zu weitreichenden Veränderungen in Ägypten, die besonders Auswirkungen auf die christliche Minderheit hatten. Einige diskriminierende Gesetze wurden aufgehoben und Christen wurde es möglich, in hohe Ämter aufzusteigen. Zu ihnen gehörte der ab 1908 amtierende koptische Premierminister Boutros Ghali, der 1910 ermordet wurde. Sein Enkel, Boutros Boutros Ghali, war unter Sadat zunächst Staatsminister und seit Mai 1991 stellvertretender Außenminister Ägyptens, bevor er von Januar 1992 bis Dezember 1996 sechster Generalsekretär der Vereinten Nationen war.

 

Muslime und Christen gehörten gleichermaßen der Anfang der 1920er Jahre gegründeten Wafd-Partei an, die im antikolonialistischen Sinne agierte. Kopten und Muslime waren auch gemeinsam an der im Jahr 1919 ausgebrochenen Revolution gegen die britische Fremdherrschaft beteiligt. 1922 wurde das Königreich Ägypten gegründet, dessen Verfassung die Gleichheit aller Ägypter ungeachtet ihrer Religion erklärte. Nach Gründung der Republik 1952 unterhielt Staatspräsident Gamal Abdal Nasser mit dem Patriarchen der koptisch-orthodoxen Kirche, Kyrill VI., enge Beziehungen.

 

Zu dessen Nachfolger wurde 1971 der nach wie vor amtierende Papst Schenuda III. gewählt. Als Staatspräsident Anwar Al-Sadat den islamischen Charakter des Landes betonte, protestierte Papst Schenuda III. gegen die zunehmenden Benachteiligungen koptischer Christen. Daraufhin wurde er am 05. September 1981 in ein Wüstenkloster verbannt. Erst am 05. Januar 1985 konnte Schenuda III. unter Sadats Nachfolger Mubarak nach Kairo zurückkehren. Seither hält sich der Papst mit Kritik zurück.

 

Die ägyptische Verfassung von 1971 erhob den Islam zur Staatsreligion. Mit der Verfassungsänderung von 1980 wurden die „Prinzipien der Scharia“ als „die Hauptquelle der Gesetzgebung“ festgelegt. Religionsfreiheit wird nun, wie der Kirchenhistoriker Pinggéra feststellte, als Freiheit interpretiert, zum Islam zu konvertieren. Christinnen, die mit Muslimen verheiratet sind, werden in ihren Rechten der Religionsausübung erheblich eingeschränkt. Neubau und Renovierungen christlicher Kirchen wurden zunächst per Präsidentenerlass und werden inzwischen per Gouverneurserlass geregelt. Das Antragsverfahren ist lang und kann zudem von muslimischen Anwohnern in der Verwaltungspraxis leicht verhindert werden.

 

Der Anteil der Kopten an der Bevölkerung beträgt Schätzungen zufolge maximal 12 %. Nicht zuletzt aufgrund der beständigen Emigration dürfte er tatsächlich wohl eher bei 8-10 % der 80 Millionen Ägypter liegen. Weltweit leben schätzungsweise über zwei Millionen Kopten, davon die Hälfte in den USA. In Deutschland leben schätzungsweise über 7.000 Kopten.

 

Quellen:
= Pinggéra, Karl: Die koptische Kirche, in: Ursula Spuler-Stegemann (Hrsg.) (2009): Feindbild Christentum, Freiburg/Breisgau: Herder, S. 77-104.
= Ders.: Die Koptisch-Orthodoxe Kirche, in: Christian Lange/ders. (Hrsg.) (2010): Die altorientalischen Kirchen. Glaube und Geschichte, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, S. 63-76.
= Velden, Frank van der: Brennpunkt Ägypten, in: Philipp W. Hildmann (Hrsg.) (2007): „Sie werden Euch hassen“ Christenverfolgung weltweit, München: Hans-Seidel-Stiftung, S. 75-84.
= Ibrahim, Fouad/Ibrahim, Barbara (2006). Ägypten, Darmstadt: WBG.

Verfasserin: ORR’n Dr. Jana Leichsenring

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s