kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Warum Papst Schenuda Mubarak unterstützt 31. Januar 2011

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 17:37

Es hat mich gestört, wie einige Menschenrechtsorganisationen die Äußerung seiner Heiligkeit Papst Schenuda verurteilt haben, weil er den umstrittenen Mubarak unterstützt.

 

Erstens ist Papst Schenuda ein Vater, der seine Kinder vor den Gefahren schützen will, von denen sehr wenige wissen, und über die seit dem 25. Januar weltweit berichtet wurde. Zweitens sollte man in unsere Haut stecken und dann urteilen. Das heißt: Halt mal das glühende Kreuz in der Hand, welches Papst Schenuda seit dem 14. November 1971 tapfer hält, und welches die Kopten auf den rechten Handgelenken und um die Hälse tragen. Leicht kann doch jeder reden!

 

Was haben die internationalen Reporter zwischen den Zeilen lesen können? Dass die Ägypter seit sechs Tagen gegen den korrupten Diktator Mubarak demonstrieren? Leider habe ich fast nirgends gelesen, was wirklich zumindest am Samstag und gestrigen Sonntag geschah. Ich habe nur am 24. Januar veröffentlicht, dass wir Kopten für Ägypten beten und diesem Zorn aus dem Weg gehen sollen. Nachher habe ich mich nicht mehr gemeldet, weil ich über das entsetzt war und bin, was ich auf den koptischen Seiten wie „Christian Dogma und Free Christian Voice“ mit Bild und Ton sah und sehe. Ich publizierte aber, was die Zeitungen in Deutschland und der Schweiz berichteten. Die besten waren FAZ, ZDF, Spiegel und Welt.

 

Außerdem wollte ich mich nicht von den Lügen und Gerüchten leiten lassen, welche das Regime Mubaraks selbst verbreitete. Zum Beispiel sollen anerkannte Zeitungen und Magazine wie Daily Mail, Reuters und Foreign Policy berichtet haben, dass Gamal Mubarak samt Frau und Tochter nach London flüchtete. Dasselbe wurde über Ahmad Ezz und die Mubaraks Familie berichtet. Fakt ist, dass Susann Mubarak und ihre beiden Söhne Gamal und Alaa die englische Staatbürgerschaft besitzen. Diese Nachrichten verbreiteten auch ägyptische Zeitungen wie Elwafd, Masrawy und Albascheier. Es war gut, dass den Twittern das Handwerk gelegt wurde. Denn sie haben mit ihren Gerüchten genug Unheil angerichtet.

 

Wir sind weder utopisch, pessimistisch noch optimistisch! Wir sind nur realistisch und wir kennen unser Land und unsere Regierungen, die alle gleich sind, egal wie die Maske heißt: Gamal Abd Elnaser, Anwar Alsaddat oder Hosny Mubarak. Es ist keineswegs weise, den Kopf gegen die Wand zu knallen, um sie stürzten zu versuchen. Papst Schenuda weiß, was wir nicht wissen, weil er in den Kulissen steht. Und auf gar keinen Fall bevormundet er seine Kinder. Er gibt nur einen guten Rat. Als Oberhaupt der koptischen Kirche vertrat er die Einstellung der Kirche. Daran halten sich die heilige Synode, die Mönche und die Priester. Wer vom Volk sich für einen anderen Weg entscheidet, wird nicht verurteilt, aber er habe seine Entscheidung zu verantworten. Selbstverständlich eilt ihm die Kirche zu Hilfe, wenn er in Schwierigkeit verwickelt wird. Die lauernden Gefahren sah die ganze Welt, ungeschminkt!

 

Es wird keine Änderung geben, für die man protestiert und um die man kämpft. Ist es schön, mit dicken Knüppeln und Eisenstangen verprügelt zu werden? Ist es lustig Atemnot durch Tränengas zu erleben und vielleicht nicht zu überleben? Ist es würdig, glitschnass durch die Wasserwerfer zu werden? Ist es hinnehmbar, durch die Gummigeschosse ein Auge bzw. das Augenlicht zu verlieren oder schwer verletzt zu werden? Ist es zivilisiert, alles niederzubrennen?

 

Denken Sie, dass das der Preis der Freiheit und den Weg zur Veränderung ist? Dann haben Sie keine Ahnung von unserem Land und der gesamten Region. Alle arabischen Länder werden von Diktaturen beherrscht. Die Namen brauche ich nicht zu nennen, aber überraschenderweise kommen jetzt sogar die Könige unter die Räder. Mein Ratschlag: Nehmen Sie bitte einen Jordanier, Marokkaner und einen Saudi zu Brust, bevor Sie über ihre Länder aus Ihrer Press urteilen. In solchen Ländern werden die Menschen von Tyrannen beherrscht, wie damals in dem Ostblock. Die Länder wie Ex-Jugoslawien, ehemalige Sowjetunion, Rumänien, Ungarn und Bulgarien wurden mit Hilfe der mächtigen Staaten von ihren Diktaturen befreit. Jedoch leiden sie bis zum heutigen Tag unter denselben Problemen: Korruption, Tyrannei und Mangel an Gerechtigkeit und Menschenrechten, was auch in den meisten Staaten Asiens und Südamerikas der Fall ist.

 

Wir müssen gestehen, dass Amerika, Israel und die meisten Staaten Europas bestimmen, wer von den Diktaturen weitermachen darf und abdanken muss. Keiner will, dass die Moslembrüder an die Macht kommen, was sehr gefährlich für Israel und die gesamte Region sein wird. Das wollen wir Kopten auch keineswegs, weil das unser Ende sein könnte. Das Regime Mubarak hat nur zum Schein einen kalten Krieg gegen Israel geführt. Allerdings ist alles in Butter. Erdgas fließt locker nach Israel. Jüdische Experten haben Wunder auf vielen Bereichen wie Landwirtschaft vollbracht. In den Badeorten, Sinai und Taba verbringen jüdische Touristen ihren Urlaub. In der Öffentlichkeit predigen die Scheichs auf den wahabitischen Kanälen und in den Moscheen ägyptensweit Hass auf Zionisten und Amis. Die Alazhar verurteilt den Bericht des amerikanischen Außenamtes, in dem die Verfolgung der Kopten erwähnt wird. „Amerika und der Mossad sind für das weltweite Unheil verantwortlich“. In den Kulissen aber ist Mubaraks Regime der stärkste Verbündete Amerikas und Israels. Schizophren, aber das ist halt Politik!

 

Ich gebe Ihnen nur Beispiele aus den letzten zwei Tagen. Jeder von uns Kopten im Ausland drehte durch, weil wir nicht wussten, wie es unseren Familien geht. Seit zwei Tagen können wir wieder mit ihnen Telefonieren. In vielen Städten mussten unsere Familien und auch die Moslems sich selbst beschützen, weil die Polizisten spurlos verschwanden und die Ganoven auftauchten.

 

Das Regime betrieb ein ekelhaftes Spiel. Das Innenministerium zog seine Polizisten zurück und heuerte die Detektive und Wachmänner im Zivil an. In Alexandria wurden viele Läden, Supermärkte und Einkaufszentren geplündert und zerstört. Die Bürger erwischten einige dieser Ganoven: Alle waren Polizisten! Es wurde vorgetäuscht, dass viele Polizeistationen, in denen viele vor grausamer Folter starben, niedergebrannt und entwaffnet wurden. Verängstigt fragte jeder: Wer hat die Waffen an sich gerissen? Etwa die Moslembrüder? Die schlimmsten Gefängnisse wie Abu Zaabal, Liman Toraa und Wadi Elnatron öffneten ihre Pforten aus heiterem Himmel, obwohl man Menschen fand, die seit 1981 ohne Prozess eingesperrt sind.

 

Tausende dieser Häftlinge brachen aus! Mohamed Osama, Direktor der Kairoer Dienststelle der Moslembrüder, sagte gegenüber Reuters: „34 Moslembrüder sind ausgebrochen, unter ihnen sind sieben der führenden Funktionäre“. Die Nachrichtenagentur France Press meldete: „Auf den Straßen vor dem Gefängnis Abu Zaabal und rundherum lagen dutzende Leichen“.

 

Das alles ist schlicht und ergreifend ein abgekartetes Szenario. Mubaraks Regime will das Volk dazu zwingen, auf Knien gekrochen zu ihm  kommen zu lassen. Das Volk selbst soll um Schutz bitten, vor den Plünderern und aus Heidenangst vor den Gefangenen, die ausbrachen. Die Familienväter sehen die Moslembrüder mit den Schwertern und kriegen mit der Panik zu tun. Dann sagt jeder: „Na gut, Mubarak ist besser als das, was wir nicht ahnen. Es könnte schlimmer werden“. Sauber wird niemals gespielt. Nur hinterhältig und einfach skrupellos.

 

Omar Sulaiman existiert sowieso seit einer halben Ewigkeit. Der neue Innenminister ist für seine Bestialität bekannt. 70%  der Minister wurden ausgetauscht. Allerdings bleibt die NDP an der Macht: mit derselben Taktik, Vorgangsweise, Politik und Skrupellosigkeit. Nichts hat sich geändert. Mubarak ist nicht das Regime, sondern nur die Fassade, die von vielen Mächtigen gestützt wird. Sie darf nicht fallen, weil das der Fall von diesen Mächtigen bedeutet.

 

Soll man weiter mit der enthusiastischen Jugend träumen oder auf dem Boden der Realität bleiben?

 

6 Responses to “Warum Papst Schenuda Mubarak unterstützt”

  1. APC Says:

    Ein Artikel mit Hintergrundinfos, die tlw. sonst so nicht gesagt werden, danke! Mal sehen, was der morgige Tag mit den geplanten großen Demos so bringt oder auch nicht bringt.

  2. Walter Says:

    Der Papst Schenuda ist ein sehr weiser Gottesmann, der zuerst an seine Christen denkt!
    Keiner von uns hier ist in der Situation der Koptenchristen.
    Sie haben bisher soviel praktisch gelitten!

    Möge Gott es schenken, das eine Regierung entsteht unter der Christen nicht noch weiter benachteiligt werden!

  3. deadman Says:

    Ich verstehe dass Papst Shenouda dazu aufruft sich aus den Protesten rauszuhalten, jedoch denke ich dass dies aus anderen Gründen passiert: und zwar dass Religion und Politk getrennt gehören. Deswegen unterstütze ich seinen Aufruf voll und ganz wenn es darum geht dass stark religiöse Funktionäre im Namen ihrer Religion protestieren gehen sollen. Sie stellen Leitbilder da denen viele Folgen. Die Proteste die gerade abgehalten werden sind für politische Stabilität, Sicherheit und Demokratie, und stehen nur wenig mit Religion in Verbindung, da Religion von längerfristiger Dauer und in vielen Regierungsformen vorhanden war und sein wird.

    Dass aber die Proteste überflüssig bzw. vermeidbar sind, wage ich zu bezweifeln, denn die Lage der einfachen Leute in Ägypten ist schlicht und einfach nicht mehr zu ertragen gewesen. Obwohl einiges an Schaden seitens Demonstranten angerichtet worden ist, verlaufen die Proteste relativ friedlich und meiner Meinung nach ist dies völlig legitim. Das Verbrecher aus dem Gefängnis freigelassen worden sind weist umso mehr auf die Schlechtigkeit der Regierung Mubaraks hin, und auf die Dringlichkeit diese Regierung das Handwerk zu legen. Welche Regierung nachher die Macht ergreift, können nur jene Leute wissen denen Gott die Gabe der Prophetie gegeben hat. Alle anderen können ihrer Bestes geben ihre Stimme im friedlichen, humanistischen Sinne zu erheben um ihre Forderungen zu stellen. Daran ist meiner Meinung nach nichts auszusetzen denn legitim ist der Einwand der Bevölkerung schon seit Jahrzehnten.

    Was ich aber nicht verstehe ist, wie Sie, Knecht Christi, Autor dieses Blogs in so vielen zahlreichen Beträgen zuvor Ägypter und Nicht-Ägpyter dazu auffordern die Augen auf zu machen und zu erkennen dass die Regierung nicht dem Volke hilft, sondern schadet,
    und jetzt einen plötzlichen Sinneswandel haben und die Meinung Papst Shenudas so auslegen dass man klein beigeben muss und sein Leid still und leise ertragen muss. In diesem Beitrag verteidigen Sie den Gottesmann Papst Shenuda, aber was sollte man Ihrer Meinung nach machen (sodass realistische Ergebnisse zu erwarten sind)? Ich sehe nur wenige Möglichkeiten nämlich weiterhin sein Leid hinzunehmen oder seine Stimme zu erheben, was meinen Sie?

  4. Jetzt findet gerade ein vielleicht weltweit epochaler Wandel statt, wie er nur alle paar hundert Jahre geschieht. Ägypten und Tunesien sind meiner Meinung nach erst der Anfang. Weltweit haben wir ähnliche Probleme wie Jugendarbeitslosigkeit und Armut. OK im Deutschland läuft es eben etwas edler mit Arbeitslosengeld, Kurzarbeit, 1€ Jobs und Hartz IV ab. Als ich von dem Aufruf Papst Schenudas las nicht mitzudemonstrieren, dachte ich gleich: „Typisch Dhimmidenken!“ Sie lieben wohl diejenigen, die ihnen die Freiheit nehmen. Gut hier in Deutschland mussten wir nicht über 1000 Jahre unter der Knute des Islams unser Dasein fristen. Hoffentlich wird der nächste Papst dieser Kirche ein Ausländer der die Dhimmitude nicht schon in die Wiege gelegt bekam und der voll heiligen Geistes ist und auch den Mut hat die Obrigkeit zurechtzuweisen. So wie Johannes der Täufer es in Lk 3,19-20 mit dem König Herodes tat.

    Priester haben schon gelegentlich die Aufgabe die Obrigkeit zurechtzuweisen, wenn sie gegen das Wort Gottes handelt. Das diese es nicht toll findet, ist etwas ganz anderes. Johannes der Täufer musste wegen seiner Ermahnung sogar sterben, siehe Mt 14,10.

    Mir ist wohl bewusst, dass Herr Papst Schenuda das beste für seine Herde will. Doch brauchen die Christen im Orient und im Westen jetzt mehr denn je die Gabe der Geisterunterscheidung und die Fähigkeit die Zeichen der Zeit richtig zu erkennen. Auch ist es wichtig dem Wort und dem Kreuz treu zu bleiben und sich nicht von Verfolgung oder Verführung davon wegbringen zu lassen.

    • Walter Says:

      Ja es stimmt, hier in Deutschland ist das Wort vom Kreuz verloren gegangen!
      Leben verlieren um Jesu Willen und das Kreuz auf sich nehmen um Jesu Willen mag man nicht gern hören
      Wohlstandsevangelium Jesus als Wünsche Erfüller schon.
      Aber Gott ist anders manchmal sogar schrecklich und menschlich nicht zu verstehen!
      Nur der von Gott demütigt gemachter Mensch versteht

      Herr Dein Wille geschehe!!!!!

  5. Felizitas Küble Says:

    Ich glaube nicht, daß das koptische Oberhaut in erster Linie aus Unterwürfigkeit oder wegen der Trennung von Religioin und Politik davon abrät, sich an den Protesten zu beteiligen.
    Der Hauptgrund dürfte vielmehr sein, daß er die Gefahr eines „zweiten Iran“ bzw. „zweiten Algerien“ fürchtet.
    Tatsächlich wäre im Vergleich dazu das jetzige Regime das kleinere Übel, mag es auch noch so kritikwürdig und korrupt sein – ähnlich wie es den Iranern unter dem Schah besser ging als nachher unter den Mullahs.
    Ganz zu schweigen von den außenpolitischen Verwicklungen und Bedrohungen, falls die Muslimbruderschaft und Co. in Ägypten an die Macht kämen.


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