kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

„Mubarak will Ägypten brennen sehen“ 31. Januar 2011

Filed under: Aktuelle Nachrichten — Knecht Christi @ 03:00

Geöffnete Gefängnisse, Plünderungen, Brandstiftungen: Der politische Protest der Ägypter droht in Chaos und Anarchie zu versinken. Verantwortlich dafür sei das Regime selbst, behaupten die Demonstranten. Die Bilder der Gewalt, so ihr Vorwurf, sollen ihren Aufstand diskreditieren.

 

Der Mann hat Angst um sein Leben. Seine Stimme zittert, als er im ägyptischen Privatsender al-Mekhwa spricht. „Ich kann meinen Namen nicht nennen. Sie werden mich in tausend Stücke reißen, wenn sie erfahren, dass ich geredet habe.“ Er sei dabei gewesen, erzählt der Polizist, wie in der Nacht zum Samstag das Tura-Gefängnis im Süden von Kairo geöffnet und 3500 Häftlinge freigelassen wurden. Auch im Wadi Natrun, zwischen Kairo und Alexandria, berichteten ihm Kollegen, seien mindestens 4000 Gefangene befreit worden. Der Befehl an die Beamten lautete überall, sich zurückzuziehen. „Wir sollten nach Hause gehen. Ich schwöre bei Gott, genau das wurde uns befohlen.“

 

Es sind Szenen, wie sie Ägypten seit dem Volksaufstand gegen die britische Besatzung vor einem halben Jahrhundert nicht mehr gesehen hat; Szenen, die nichts mehr gemein haben mit jenem moderaten und faszinierenden Ägypten, das dem Westen bislang als Garant regionaler Stabilität galt und Millionen von Touristen aus aller Welt anzog. Bilder von verwüsteten Straßenzügen, Plünderern und Brandstiftern erinnern eher an den Nachkriegs-Irak, wo die Mobs das Sagen hatten – und nicht mehr die staatlichen Sicherheitskräfte.

 

Hinweise auf Beteiligung des Regimes:

Dabei verdichten sich die Hinweise, dass ein Großteil der Gewalt vom Regime selbst initiiert wurde, um die Auseinandersetzungen bewusst eskalieren zu lassen. Was zunächst wie eine Verschwörungstheorie klang, wird mittlerweile nicht nur von Augenzeugen und seriösen Analysten, sondern sogar von Leuten des ägyptischen Establishments bestätigt. „Es ist klar, dass die Bilder ausartender Gewalt dem Regime nutzen“, sagt etwa Tarek Heggy, ein ehemaliger Manager und Politikprofessor, der sich schon vor Jahren auf die Seite der Mubarak-Kritiker geschlagen hat. „Mit diesen Bildern kann der Präsident sein hartes Vorgehen gegen die Demonstranten rechtfertigen, vor allem gegenüber dem Ausland. Er bekommt die beste Entschuldigung geliefert, warum er nicht zurücktreten soll.“ Auch Emad Gad, ein Analyst des eigentlich regierungstreuen Al-Ahram-Zentrums für politische Studien, hat keine Zweifel: „Ich weiß aus sicherer Quelle, dass es Anweisungen von ganz oben gab, bekannte Schwerverbrecher aus den Gefängnissen zu holen, zu bewaffnen und sie unter die Protestierenden zu mischen.“

 

Sollte sogar der Anschlag auf die inzwischen fast völlig ausgebrannte Parteizentrale der verhassten NDP, der Regierungspartei von Präsident Husni Mubarak, von Provokateuren ausgeführt worden sein? Das Bild der noch immer qualmenden Hochhausruine am zentralen Tahrir-Platz von Kairo, das seit Tagen um die Welt geht, galt vielen Demonstranten zunächst als Symbol ihrer Revolution. Die Plünderer, die alles aus dem Gebäude holten, was nicht niet- und nagelfest war, wurden zunächst beklatscht. Immer wieder ließen sich Schaulustige vor dem riesigen, halb abgefackelten Werbeplakat („Gib der NDP deine Stimme“) fotografieren.

 

„Die wurden dafür bezahlt, das Feuer zu legen“:

Schnell aber schlug die Stimmung um, als am späten Samstagabend junge Ägypter dabei behindert wurden, die Spuren der Verwüstung zu beseitigen. „Lasst es brennen, das Volk will es so!“, schrien einige Vermummte, die sich Handgreiflichkeiten mit anderen Demonstranten lieferten. Eine Frau berichtete SPIEGEL ONLINE zudem, dass in der Nacht zum Samstag Löschfahrzeuge zwar durchgewinkt, aber in ihrer Arbeit behindert wurden. „Das waren NDP-Schergen“, sagte die Frau. „Die wurden dafür bezahlt, das Feuer zu legen.“ Von einem „ägyptischen Reichstagsbrand“ – einem inszenierten Akt der Regierung, um mit Gewalt antworten zu können – geht auch ein Wirtschaftsmagnat aus, der mit Namen nicht genannt werden will. „Mubarak will Ägypten brennen sehen.“

 

Denn kein Zweifel: Dass selbst am Sonntag noch Rauchwolken aus den obersten Fenstern der Parteizentrale wehen und im ganzen Land immer neue Brände entfacht wurden, liefert den ausländischen Fernsehteams eindrucksvolles Material – und den Zuschauern weltweit eine neue Lesart der ägyptischen Revolution: Seht nur, der Protest dieser Araber ist gewalttätig und anarchistisch.

Mit dem „höchst seltsamen Verschwinden der Polizei“, so eine Überschrift der Oppositionszeitung „Wafd“ am Sonntag, solle der politische Protest von Millionen gezielt diskreditiert werden. „Dies ist eine Verschwörung der Sicherheitsdienste, um das Szenario des Chaos zu verstärken“, schreibt auch das Oppositionsblatt „Misr Al-Yom“. Wer am Ende wieder für Ordnung und Sicherheit sorgen soll, ist klar: der verhasste, aber vermeintlich unentbehrliche Präsident selbst. Husni Mubarak. {Quelle: www.spiegel.de – Aus Kairo berichten Daniel Steinvorth und Volkhard Windfuhr}

 

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