kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Mehr als ein Gebot der Toleranz 29. Januar 2011

Filed under: Christenverfolgung,Koptenverfolgung — Knecht Christi @ 12:27

Muslimische Denker fordern aktives Engagement angesichts der Gewalt gegen Christen im Nahen Osten

 

Die Nachrichten von blutigen Übergriffen auf christliche Gemeinden in Ägypten und im Irak beschäftigen auch die arabische Öffentlichkeit. Profilierte Stimmen fordern eine klare Stellungnahme seitens der religiösen Autoritäten.

 

Ridwan Al-Sayyid scheut vor massiver Kritik nicht zurück. Der 61-jährige Islamwissenschafter von der Libanesischen Universität in Beirut, der seine Ausbildung sowohl an der renommierten islamischen Hochschule Al-Azhar in Kairo als auch an westlichen Universitäten erhielt, bemängelt die Tatenlosigkeit einflussreicher islamischer Institutionen und religiöser Autoritäten gegenüber den sich häufenden Attacken auf Christen in der islamischen Welt. Das Pochen auf die im Islam verankerte Toleranz genüge nicht. As-Sayyid fordert die klassischen Lehrstätten islamischer Theologie – die Zaituna in Tunis etwa, die Qarawiyyin in Fes oder die Al-Azhar und die obersten Muftis – auf, sich für die Rechte aller Bürger in ihren Staaten einzusetzen: «Es muss einen Aufschrei geben und vehemente Forderungen an die Adresse arabischer Regierungen, die Bürgerrechte wiederherzustellen! Sie müssen die Religionsfreiheit und die Gleichheit aller Bürger einklagen.»

 

Mangelnde Selbstkritik: Das geschieht aber nicht. Nach der Meinung von as-Sayyid nicht etwa, weil die islamischen Institutionen diese Rechte anzweifeln würden: «Sondern weil sie genau wissen, dass sie damit die Machthaber verärgern. Aber dem darf man keine Rechnung tragen. Was es heute an Problemen bei uns gibt, mit den Christen oder zwischen Sunniten und Schiiten, geschieht im Namen der Religion, und die Al-Azhar oder die Muftis vertreten nun einmal den Islam. Also müssen sie auch etwas unternehmen, denn sie sind dafür verantwortlich!»

 

Der Einfluss der klassischen islamischen Institutionen ist zwar in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. Sie sind in die staatlichen Strukturen eingebunden worden, sind den Herrschern loyal ergeben und haben es versäumt, sich zu modernisieren. Hinzu kommt, dass sie eine starke Konkurrenz durch islamistische Strömungen unterschiedlichster Couleur erfahren. Trotzdem haben diese Lehrstätten bei der Rekrutierung von Imamen und in der theologischen Ausbildung ihre beherrschende Rolle nicht verloren. Sie erreichen Hunderttausende junger Muslime. Das sollten sie sich zunutze machen. Sogar ein Muslim mit radikalen Tendenzen würde seinen Sohn in die Al-Azhar schicken, meint Al-Sayyid.

 

Ridwan Al-Sayyid meldet sich immer wieder in überregionalen arabischen Zeitungen zu Wort. Er konfrontiert die Leser mit der bitteren Tatsache, dass die vielgerühmte historisch gewachsene Tradition des Zusammenlebens zwischen den Anhängern verschiedener Religionen in den orientalischen Gesellschaften am Ende sei. Er wählt drastische Worte und sieht in der gegenwärtigen, von Gewalt geprägten Entwicklung im Nahen Osten einen selbstzerstörerischen Prozess, der ohne nennenswerten Widerstand seinen Gang nimmt.

 

Die Morde an Christen im Irak und in Ägypten und die massive Auswanderung der christlichen Bevölkerung aus der Region sind durchaus ein Thema in der arabischen Öffentlichkeit. Die Sorge ist gross, dass die Abnahme der religiösen Pluralität eine weitere Einschränkung der gesellschaftlichen und politischen Freiheiten für alle nach sich ziehen wird. Auffällig ist, dass in vielen Analysen zwar die radikalen Islamisten und die Gewaltakte verurteilt, aber die Hauptschuldigen für die Vertreibung der Christen im Ausland gesucht werden. Diese Sichtweise findet sich sowohl unter Intellektuellen als auch bei Vertretern des islamischen Establishments, wie etwa dem Mufti des Mount Liban oder dem Imam der Al-Azhar-Moschee; sie sehen hinter der Entwicklung Pläne westlicher Mächte, Israels und diverser Geheimdienste, den Nahen Osten weiter zu destabilisieren. Die Frage nach Fehlern der muslimischen Mehrheitsgesellschaften und nach den Folgen des radikalen Islamismus dagegen wird nicht mit der nötigen Dringlichkeit gestellt. Dass die Al-Azhar-Universität auf die Forderung des Vatikans, die Christen in Ägypten besser zu schützen, jüngst mit dem Abbruch der interreligiösen Dialogtreffen reagiert hat, kann als eine direkte Folge dieser verzerrenden Optik gesehen werden.

 

Aufruf zur Rückbesinnung: Mohammad Al-Sammak ist Generalsekretär des nationalen christlich-islamischen Komitees für Dialog in Libanon. Auch er sieht in der fehlenden Selbstkritik ein grosses Problem: «Bei uns wird niemand zur Rechenschaft gezogen. Als etwa Gamal Abdel Nasser nach der Niederlage im Sechstagekrieg 1967 vor dem grössten Desaster der jüngeren arabischen Geschichte stand, da hat niemand die Verantwortung übernehmen wollen. Selbstkritik als Mittel der Korrektur fehlt fast gänzlich bei uns.» Al-Sammak sieht zwar auch die israelische Politik als Unruhestifter in der Region, aber für ihn ist sie ein Faktor unter vielen. Oberste Priorität bei den Muslimen sollte im Moment die Rückbesinnung auf einige Grundlagen des islamischen Glaubens sein: «In erster Linie geht es um die Beziehung zum Anderen, sei er Christ, Jude oder religionslos. Es existieren Texte, die in unserer Kultur wenig bekannt und im allgemeinen Bewusstsein nicht präsent sind.» Von zentraler Bedeutung sei beispielsweise der Vertrag, den der Prophet Mohammed mit den Christen von Najran geschlossen habe. Dieser Vertrag geht nach der Lesart von Al-Sammak viel weiter als der bisherige Konsens unter islamischen Gelehrten betreffend den Schutz von Leben und Eigentum der Christen. Der Vertrag verpflichte sogar die Muslime, so der Generalsekretär des christlich-islamischen Komitees für Dialog, Christen beim Bau und bei der Finanzierung von Kirchen zu unterstützen.

 

Anders als Ridwan Al-Sayyid glaubt Mohammad as-Sammak allerdings nicht, dass es die Aufgabe der islamischen Institutionen sei, für die bürgerlichen Rechte einzustehen. Das sei die Pflicht des Staates. Hingegen sollten sie klarmachen, dass diese Rechte im Einklang mit dem Islam stehen.

 

Der einflussreiche ägyptische Gelehrte Youssef Al-Qaradawi hat sich nach dem Anschlag auf die koptische Kirche in Alexandria in die Diskussion eingeschaltet. Im Fernsehsender al-Jazira antwortete er auf Fragen, die der orthodoxe libanesische Pater und Professor an der Balamand-Universität George Massouh gestellt hatte. Al-Qaradawi gestand zu, dass in Ländern, welche die islamische Gesetzgebung als erste Quelle ihres Rechts festgelegt haben, wie etwa Ägypten, einige Reformen und eine neue Lesart der aus dem Islam abgeleiteten Bestimmungen nötig seien. Als Beispiel nannte er die Regeln zum Bau von Kirchen. Und er bekräftigte in diesem Zusammenhang, dass Christen und Muslime nach seinem Verständnis vor dem Gesetz gleich behandelt werden müssten. Massouh führt die Diskussion auf den Seiten der libanesischen Tageszeitung «An-Nahar» weiter und fragt, ob diese Gleichheit vor dem Gesetz in einem Land, dessen Staatsreligion der Islam sei, auch bedeutet, dass das Staatsoberhaupt Nichtmuslim sein könne. Die Antwort al-Qaradawis ist noch nicht bekannt.

 

Gerade in diesen Tagen ist es Mohammad as-Sammak wichtig, ein deutliches Signal an die Christen zu senden. Er kündigte noch für diesen Monat ein Treffen hochrangiger sunnitischer und schiitischer Würdenträger an, die eine Fatwa verabschieden sollen. Der Entwurf liegt bereits vor. Angriffe auf Christen und Kirchen sollen Übergriffen auf Muslimen und Moscheen gleichgesetzt werden.

 

Handeln statt reden: Obwohl dieser Schritt reichlich spät kommt, stösst er auf positive Reaktionen. Kassim Qassir, Journalist und Mitarbeiter der schiitischen Stiftung «Zeitgenössisches islamisches Denken», hält jede Bemühung, Gewalt gegen Zivilisten zu unterbinden, für sinnvoll. Er plädiert für ein zweigleisiges Vorgehen, das eine innerislamische Diskussion über radikale Tendenzen im Islam mit dem Kampf für Bürgerrechte verbinden würde. Von den Eliten der mehrheitlich islamischen Gesellschaften fordert er, ihren Unmut über die Gewalt nicht nur in Konferenzsälen gepflegter Hotels zu äussern, sondern mit Gleichgesinnten aktiv zu werden: «Die Lösung heisst Demokratisierung, bürgerliche Rechte und ein nichtreligiöser Staat. Das ist der richtige Weg, und wir müssen uns dafür einsetzen!»

{Quelle: Neue Zürcher Zeitung AG – von Mona Naggar}

 

5 Responses to “Mehr als ein Gebot der Toleranz”

  1. Walter Says:

    Meiner Meinung
    Es sollte eher die Gesetzesgerechtigkeit im Mittelpunkt stehen als die vom Westen vergötterte Demokratie!!!!

  2. bazillus Says:

    Es ist an der Zeit, auch in einem Blog wie diesem Respekt und auch Achtung einem hohen mulimischen Geistlichen zu zollen, der hier das ausspricht, was die meisten Islamkritiker bereits seit langem mit der wichtigsten aller Thesen, nämlich der fehlenden Selbstkritik islamischer Führer so offen und deutlich ausspricht. Es tut gut zu hören, dass es auf islamischer Seit und dann auch noch in Führunsposition einen solchen Herrn nicht nur gibt, sondern dies in islamischen Kreisen, was für ihn nicht ungefährlich ist – mutig in aller Öffentlichkeit sagt. Mit solchen islamischen Menschen sollte der Dialog mit Kirchenführen konkret geführt werden und nicht mit islamischen Führern, die ihrer Religion trotz aller offenkundigen Mängel den Persilschein verpassen.

    Er sucht nicht nur die Schuld bei anderen, im Ausland, sondern auch bei den islamischen Länderführern selbst. Das ist der richtige Schritt in die richtige Richtung.

    Aber: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Trotzdem danke, Herr Ridwan Al-Sayyid .

    ich persönlich sage ihm unbekannter Weise herzlichen Dank für diese klaren Worte.

  3. Christ-*** Says:

    «Es muss einen Aufschrei geben und vehemente Forderungen an die Adresse arabischer Regierungen, die Bürgerrechte wiederherzustellen! Sie müssen die Religionsfreiheit und die Gleichheit aller Bürger einklagen.»

    Dass könnte einem gut gefallen ,und viele Mitstreiter sich beteiligen,dass auch auszuführen,wenn geht noch in diesem Jahrzent.

    «Die Lösung heisst Demokratisierung, bürgerliche Rechte und ein nichtreligiöser Staat. Das ist der richtige Weg, und wir müssen uns dafür einsetzen!»

    Die Ziet liegt gut um das durchzuführen jetz und baldigst.Wir wünschen es Euch!

    • Walter Says:

      Ja genau Demokratie ist das Heilmittel, das sagt Onkel Sam auch damit ist dann der Weg geöffnet für Beate UHse und Co und der Abfall vom lebendigen Gott eingeleitet und perfekt!

      Und die alte Schlange sprach: Ihr werdet keinesfalls sterben, sondern so sein wie Gott!!!

      Nur nebenbei auch der Gott der Bibel ist kein Demokrat!!!!!!!

  4. Johannes Says:

    Alle Gewalt und alles Chaos bauen auf dem Koran auf, der Allahs/Mohammeds unfehlbares, unveränderbares Wort zum Inhalt hat.

    Wer den Koran kritisiert, hat im Prinzip bereits den Islam verlassen. „Geistliche“ gibt es im Sinne der Bibel im Islam nicht.

    Wer seinen Geist dem Islam öffnet, betrübt den heiligen Geist Gottes (Eph 4,30). „Darum prüft (als Christen) die Geister, ob sie von Gott sind; denn es sind viele falsche Propheten ausgegangen in die Welt. Daran sollt ihr den Geist Gottes erkennen: Ein jeder Geist, der bekennt, dass Jesus Christus in das Fleisch gekommen ist, der ist von Gott; und ein jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, der ist nicht von Gott. Und das ist der Geist des Antichrists, von dem ihr gehört habt, dass er kommen werde …“ (1 Joh 4 1-3).

    Der Geist Allahs ist ein satanischer Geist. Folglich ist ein islamischer Geistlicher vom Geist Satans besessen. Der Koran belegt das, deckt er doch die zerstörerischen Eigenschaften und Verstellungen Satans auf, die nur Elend über die Menschheit gebracht haben und in immer stärkerem Maße Terror und Tod verbreiten.

    „Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden, wie dies, den Glauben durch das Schwert zu verbreiten.“ So der Kaiser Manuel II. von Byzanz im Jahre 1391, zitiert von Papst Benedikt XVI. in seiner Regensburger Rede.

    Jesaja schreibt: „Wie bist du gefallen, du schöner Morgenstern!“ ( Jes 14,12) und beschreibt den Fall Luzifers (=Satans), der sich sogar als Lichtgestalt zeigen konnte und doch so unendlich fern von Gott war/ist.


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