kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Ärzte: Mehrere Tote und viele Verletzte 29. Januar 2011

Filed under: Aktuelle Nachrichten — Knecht Christi @ 13:24

Ungeachtet der von Präsident Mubarak verhängten Ausgangsperre geht der Protest in Ägypten weiter. Demonstranten versuchten, das Außenministerium und die Zentrale des Fernsehen zu stürmen. Das Gebäude der Regierungspartei brennt. Es sind Schüsse zu hören, die Armee rückt mit Panzern ein. Ärzte berichten von 13 Toten alleine in Suez.

 

In Ägypten hat sich am Freitag die Konfrontation zwischen Demonstranten und der Regierung zugespitzt. In allen Landesteilen protestierten mehr als 100.000 Ägypter auf den Straßen gegen die Herrschaft von Staatspräsident Husni Mubarak und für einen Wandel. Die Zahl der Toten und Verletzten sind angeblich höher als bislang mitgeteilt. Allein in der Stadt Suez seien dreizehn Menschen getötet und 75 weitere verletzt worden, hieß es in Ärztekreisen. Dabei blieb offen, ob auch Polizisten unter den Opfern waren. Zudem seien im Großraum Kairo etwa 1030 Menschen verletzt worden, hieß es. Zuletzt hatte es in Ärztekreisen geheißen, bei den den Zusammenstößen in Kairo seien mindestens fünf Menschen getötet und etwa 870 verletzt worden.

Auch nachdem in Kairo, Alexandria und Suez eine von Mubarak angeordnete Ausgangssperre verhängt wurde und erstmals gepanzerte Einheiten der Armee in die Innenstädte vorrückten, gaben viele Demonstranten nicht auf. In Kairo versuchten sie, das Außenministerium und die Zentrale des Staatsfernsehens zu stürmen. Über der Stadt kreisten Militärhubschrauber, es waren immer wieder Schüsse zu hören. Das Hauptquartier von Mubaraks Nationaldemokratischer Partei (NDP) wurde in Brand gesteckt und geplündert. Eine Meldung über die Ausdehnung der Ausgangssperre auf das gesamte Land, von der zunächst das Staatsfernsehen berichtet hatte, wurde am Abend zurückgezogen.

 

Den ganzen Tag über war in allen Vierteln der Hauptstadt demonstriert worden. Die Regierung hatte zunächst nur Bereitschaftspolizei und andere Truppen des Innenministeriums wie Anti-Terror-Einheiten eingesetzt. Sie gingen mit Tränengas und Wasserwerfern gegen die Demonstranten vor. Immer wieder wurde berichtet, dass sich Sicherheitskräfte ihrer Uniformen entledigten und sich den Demonstranten anschlossen. Am Freitagabend meldete das Staatsfernsehen, dass das Militär die Polizei nun „unterstützen“ und Verantwortung für die Sicherheit übernehmen werde.

 

In der Stadt Mansoura sollen nach Berichten des Senders Al Dschazira am Freitag 40.000 Menschen demonstriert haben, in Luxor 15.000. In Suez, wo Demonstranten die zentrale Polizeiwache besetzten, wurden zwei Demonstranten getötet. In Alexandria zwangen Menschenmengen immer wieder die Sicherheitskräfte zum Rückzug. Auch in Ismailiya, Tanta und Damiette stürmten Regierungsgegner NDP-Büros. Am Freitag wurden mehr als 400 Demonstranten zum Teil schwer verletzt.

 

Merkel: Friedliche Demonstrationen zulassen: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die ägyptische Regierung aufgefordert, friedliche Demonstrationen zuzulassen. Die Stabilität von Ägypten sei äußerst wichtig, sie dürfe aber nicht auf Kosten der freien Meinungsäußerung gehen, sagte Frau Merkel auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.

Der amerikanische Präsident Obama forderte die ägyptische Regierung und die Demonstranten zu Zurückhaltung und zum Verzicht von Gewalt auf. Er berief sein nationales Sicherheitsteam zu einer Sondersitzung ein. An dem Treffen nahmen am Freitag unter anderem Vizepräsident Joe Biden und Obamas Nationaler Sicherheitsberater Tom Donilon teil. Nach Angaben von Regierungsberatern sind weitere Sitzungen geplant.

 

Der am Donnerstag aus Wien zurückgekehrte Regimegegner Mohamed El Baradei wurde unter Hausarrest gestellt, nachdem er am Freitagsgebet in seinem Stadtteil Gize teilgenommen hatte. Er wollte einen Protestzug anführen. Am Donnerstag hatte der frühere Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde auf dem Flughafen Kairos gesagt, er sei bereit, eine Übergangsregierung zu bilden. Der liberale Oppositionspolitiker Ayman Nour wurde verletzt, als er eine Moschee verließ, und wurde in ein Krankenhaus eingeliefert.

 

Der Vorsitzende der liberalen Wafd-Partei in Ägypten, Sajjid al-Badawi, forderte am Freitagabend die Bildung einer Übergangsregierung und eine Änderung der Verfassung. Gleichzeitig betonte er, seine Partei lehne in dieser kritischen Phase „jede ausländische Einmischung“ ab. Der Nachrichtensender Al-Arabija übertrug die Pressekonferenz. Die Wafd-Partei gilt als Traditionspartei. Sie ist die erste politische Gruppe, die sich in der unübersichtlichen Situation in Kairo zu Wort gemeldet hat. Anonym bleibende Organisatoren hatten am Donnerstagabend eine Liste von 30 Moscheen und Kirchen kursieren lassen, von denen aus Protestzüge starten sollten. Ebenfalls zirkulierten 26 Seiten umfassende Broschüren, wie sich die Demonstranten gegenüber der Polizei schützen können.

 

Polizisten hätten sich den Demonstranten angeschlossen: Die Regierung hatte angekündigt, keine Proteste mehr zu dulden. Die Sicherheitskräfte hatten Anweisung, Demonstrationen zu verhindern und notfalls direkt auf Demonstranten zu schießen. In Kairo vertrieben Demonstranten ein gepanzertes Fahrzeug von einer Nil-Brücke und kontrollierten dort den Verkehr. Der Nachrichtensender Al Arabija meldete, Demonstranten seien in die Nähe des Präsidentenpalasts vorgedrungen, der hermetisch abgeriegelt sei. Der Sender berichtete aus Kairo ebenfalls, dass sich Polizisten den Demonstranten angeschlossen hätten.

 

Um die Kommunikation unter den Demonstranten zu erschweren, hat der Staatsapparat bereits am frühen Freitag die Medien Facebook, Twitter und den E-Mail-Dienst von Google blockiert. Im Laufe des Freitag funktionierten auch die Mobilfunknetze nicht mehr. Die Regierung hatte das gegenüber den privaten Betreibern angeordnet. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon kritisierte diese Maßnahmen. In Davos sagte er: „Eines der obersten Gebote der Demokratie sollte der Schutz der Redefreiheit sein.“

 

Safwat Sherif, der Generalsekretär der Staatspartei NDP, hatte am Donnerstagabend vage einen „Dialog mit der Öffentlichkeit, Jugend und den legalen Parteien“ in Aussicht gestellt, einschränkend aber hinzugefügt, dass „die Demokratie ihre Regeln“ habe. Nachdem die islamistische Muslimbruderschaft am Donnerstagabend angekündigt hatte, sich am Freitag erstmals an den Protesten zu beteiligen, wurden acht ihrer führenden Repräsentanten verhaftet, unter ihnen ihr Sprecher Issam al Iryan.

 

Angesichts der blutigen Proteste hat das Auswärtige Amt seine Reisehinweise für das Land verschärft. Von nicht unbedingt notwendigen Reisen nach Kairo, Alexandria und Suez sollte derzeit Abstand genommen werden, hieß es am Freitagabend auf der Internetseite des Außenamtes. „Reisenden in Ägypten wird dringend empfohlen, Menschenansammlungen und Demonstrationen weiträumig zu meiden und die örtliche Medienberichterstattung aufmerksam zu verfolgen“, hieß es weiter. Die Demonstrationen richteten sich nicht gegen Touristen. Die Situation in den Touristengebieten an der Küste sei nach derzeitigen Erkenntnissen weiterhin ruhig, sagte eine AA-Sprecherin. Die Lufthansa strich aufgrund der Ausgangssperre einen Flug von Kairo nach Frankfurt am frühen Samstagmorgen. Internationale Gesellschaften strichen ebenfalls Flüge oder verschoben sie.

 

„Mubarak war sehr hilfreich“ – Obamas Ägypten-Spagat: Die amerikanische Regierung spricht zwar von „legitimen Anliegen“ der protestierenden Ägypter, stärkt ihrem Verbündeten Mubarak aber den Rücken. Präsident Obama, der sich im Internet Bürgerfragen stellte, hielt Regierung wie Demonstranten in Ägypten zur Gewaltfreiheit an. Das State Department teilte mit, diese Forderung habe Außenministerin Clinton Außenminister Gheit telefonisch vorgetragen. Präsidentensprecher Gibbs sagte, es gehe nicht darum, sich für eine Seite zu entscheiden: „Dies ist keine Wahl zwischen der Regierung und dem Volk Ägyptens.“

 

Befragt zur Abschaltung von Mobilfunknetzen und Internetseiten in Ägypten, erwiderte Obama, er wolle zuerst festhalten, dass Ägypten „in vielen heiklen Fragen unser Verbündeter ist“. Obama erwähnte Ägyptens Friedensschluss mit Israel und ergänzte: „Präsident Mubarak war in vielen schwierigen Fragen im Nahen Osten sehr hilfreich.“ Nötig seien aber politische und wirtschaftliche Reformen.

 

Vizepräsident Biden verneinte im Sender PBS die Frage, ob es für Mubarak an der Zeit sei, abzutreten. Man könne ihn auch nicht als Diktator bezeichnen. Biden sagte, viele Demonstranten in Ägypten suchten lediglich „ein bisschen mehr Zugang, ein bisschen mehr Chancen“. Er hoffe, dass Mubarak darauf eingehen werde. Biden wandte sich dagegen, den ägyptischen Fall mit dem tunesischen zu vergleichen. Washington hatte den tunesischen Diktator Ben Ali sehr viel früher als die EU heftig kritisiert. Biden wandte sich auch gegen Vergleiche, in der arabischen Welt könne eine Kettenreaktion bevorstehen wie seinerzeit in Osteuropa.

{Quelle: www.faz.net}

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s