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Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Ägyptens Führung will Massenproteste unterbinden 28. Januar 2011

Filed under: Allgemein — Knecht Christi @ 16:37

Mit aller Härte versucht die ägyptische Regierung, neue Massenproteste gegen Präsident Husni Mubarak zu unterbinden. Kurz vor den für heute geplanten Großkundgebungen wurden in weiten Teilen des Landes die Internetverbindungen unterbrochen.

 

Sicherheitskräfte nahmen zahlreiche Oppositionelle fest. Nach Informationen des arabischen Nachrichtensenders Al Dschasira waren darunter acht Führer der islamistischen Muslimbruderschaft. In der Nacht kam es zu neuen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften.

 

Die Opposition hat für heute zu Massenkundgebungen in Kairo und anderen Städten aufgerufen. Mehrere Gruppen forderten die Bürger auf, nach dem Freitagsgebet von den Moscheen aus loszumarschieren. Auch die Christen sollten nach dem Kirchgang auf die Straße gehen. An die Spitze der Protestbewegung will sich der ägyptische Friedensnobelpreisträger Mohammed el Baradei stellen, der am Donnerstagabend in Kairo eintraf. Der frühere Direktor der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA hat sich bereits als Chef einer Übergangsregierung angeboten.

 

Die Muslimbruderschaft hat ihre Anhänger aufgerufen, sich an den Protesten zu beteiligen. Es wird daher erwartet, dass bei den geplanten Großdemonstrationen, die am Mittag nach dem Freitagsgebet beginnen sollen, erstmals auch eine große Zahl von Anhängern der offiziell verbotenen Organisation gegen die Regierung demonstrieren wird. Sie hatte sich bei den Protesten, die das Land seit Dienstag in Atem halten, bislang zurückgehalten. Trotzdem wurden seit Donnerstag nach Angaben aus Sicherheitskreisen 25 führende Mitglieder der Islamisten-Bewegung festgenommen.

 

In weiten Teilen des Landes wurden inzwischen die Internetverbindungen gekappt. Wie der US-Nachrichtensender CNN unter Berufung auf Webdienste, die das Funktionieren des Internets überprüfen, berichtete, waren die Server des Hauptanbieters in Ägypten am Freitagmorgen nicht erreichbar. Auch die Server für Webseiten der ägyptischen Regierung und der US-Botschaft in Kairo waren offenkundig unterbrochen.

 

Auch Textnachrichten konnten nicht mehr mit Blackberry versendet werden. Webseiten wie Twitter, Facebook und der Email-Dienst von Google waren vollständig blockiert. Eine offizielle Erklärung dafür gab es nicht. Beobachter vermuten jedoch, dass die Regierung dadurch den Demonstranten die Möglichkeit nehmen will, ihre politischen Botschaften über das Netz zu verbreiten und große Kundgebungen zu organisieren. Die Regierung hatte angekündigt, keine weiteren Proteste zu dulden. Jedoch seien Menschen in Kairo von Tür zu Tür gegangen, um ihre Mitbürger zur Teilnahme zu ermutigen.

 

Am Donnerstagabend war der ägyptische Minister für Handel und Industrie, Raschid Mohammed Raschid, vorzeitig vom Weltwirtschaftsforum in Davos zurückgekehrt. Dies schürte in Kairo Spekulationen, dass Raschid, der als kompetenter Technokrat gilt, zum neuen Ministerpräsident ernannt werden könnte, um den Protesten damit eventuell die Spitze zu nehmen.

 

Auch am Donnerstagabend kam es wieder zu Protesten. In Kairo demonstrierten am späten Abend auf einer der Hauptstraßen mehr als 1000 Menschen. Seit Beginn der Proteste am Dienstag – den größten seit der Machtübernahme von Mubarak vor 30 Jahren – gab es mindestens sieben Tote, etwa 1000 Menschen wurden festgenommen.

 

Wieder Tote bei Protesten

Die Lage in Ägypten bleibt weiter explosiv. Nach blutigen Zusammenstößen mit vier Toten kam es am Mittwoch zu neuen Ausschreitungen. Nach Angaben von Krankenhausärzten starb ein Demonstrant, der am Mittwoch bei Protesten in der Kairoer Innenstadt verletzt worden war. Bei Ausschreitungen vor einem Gebäude von Präsident Husni Mubaraks Nationaldemokratischer Partei kam ein Polizist ums Leben, wie ein Arzt berichtete. Damit stieg die Zahl der Toten binnen zwei Tagen auf sechs. Ägyptens Führung versucht mit aller Härte, die vom Volksaufstand in Tunesien inspirierten Proteste gegen Korruption und soziale Ungerechtigkeit zu beenden. Online-Aktivisten riefen jedoch zu neuen Aktionen nach dem Freitagsgebet auf.

 

Besonders heikel war die Lage am Mittwoch in der Hafenstadt Suez, wo Demonstranten Feuer am Rathaus und einem Polizeigebäude legten. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurden 52 Demonstranten und Polizisten verletzt. Das Innenministerium verhängte in der Stadt eine nächtliche Ausgangssperre. Der Konflikt war eskaliert, nachdem die Polizei eine große Trauerfeier für die vier Männer verboten hatte, die in der Nacht zuvor getötet worden waren. Wütende Demonstranten stürmten einen Polizeiposten. Die Polizei trieb sie mit Gewalt auseinander.

 

Auch in Kairo versammelten sich an verschiedenen Orten Menschen, um gegen die Regierung und Präsident Mubarak zu protestieren. Die Polizei konnte die einzelnen Gruppen jedoch diesmal leichter vertreiben als am Vorabend, als sich rund 10 000 Menschen auf dem zentralen Tahrir-Platz befanden.

 

Die Führung unter Präsident Husni Mubarak schweigt weiter zu den anhaltenden Protesten. Das einzige Zugeständnis war am Donnerstag eine Meldung der staatlichen Medien, wonach das Parlament am kommenden Sonntag über Maßnahmen zur Armutsbekämpfung debattieren soll, sowie über eine Anhebung des staatlichen Mindestlohnes und eine bessere Gesundheitsversorgung. Die Führung ist bemüht, die Demonstrationen nicht als politische Herausforderung zu betrachten, sondern als Sicherheitsproblem. {Quelle: http://www.stuttgarter-nachrichten.de}

 

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