kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Wenn Mubarak fällt, wankt die Welt 27. Januar 2011

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 00:57

Der Protest gegen Mubarak gefährdet das brüchige Gleichgewicht in Nahost

 

Der Herbst des Patriarchen Husni Mubarak geht in den Winter über. Selbst wenn der 82-jährige ägyptische Präsident die Unruhen kurzfristig im Amt überstehen sollte, sind seine Tage an der Spitze des bevölkerungsreichsten und wichtigsten arabischen Staates gezählt.

 

Seit knapp dreißig Jahren herrscht der ehemalige Kampfpilot am Nil. Länger als je ein Herrscher Ägyptens. Die meisten Landesbewohner haben keinen anderen Präsidenten erlebt. Doch allmählich verlieren die Ägypter ihre Geduld mit dem Dauerpräsidenten und seinem Clan.

 

Husni Mubarak stützt sich vorwiegend auf das Militär und den Geheimdienst. 1952 putschte sich General Gamal Abdel Nasser an die Macht, versprach den Ägyptern ein Ende der Korruption. Innenpolitische Gegner, vor allem die Führung der islamistischen Muslimbruderschaft, ließ Nasser umbringen oder einkerkern. Sein Nachfolger Sadat machte Schluss mit Sozialismus und der Verfolgung der Muslimbrüder. Mit Israel schloss Sadat Frieden. Das trug ihm die Feindschaft der Islamisten ein, die ihn 1982 ermordeten. Seither ist Mubarak moderner Pharao.

 

Die Führung Ägyptens ist eine übermenschliche Aufgabe. Das Land ist dreimal so groß wie Deutschland, doch nur ein schmaler Streifen entlang des Nils und das Flussdelta sind landwirtschaftlich nutzbar. Bodenschätze wie Erdöl fehlen. Wichtigste Einnahmequellen sind der Tourismus und die Passagegebühren des Suez-Kanals.

 

Die größte Herausforderung ist die explodierende Bevölkerung. Die 83 Millionen Menschen können nur mit Zuwendungen vor allem Saudi-Arabiens und der USA ernährt werden. Grundnahrungsmittel werden subventioniert. Doch das Geld der Armen reicht dafür kaum. 40% der Bevölkerung sind unterbeschäftigt, arbeitslos oder Hilfeempfänger. Sie werden Zeugen von ausschweifendem Luxus und unverhohlener Korruption der reichen Oberschicht. Deren Favorit für die Nachfolge Mubaraks ist dessen Sohn Gamal, ein Banker.

 

Die schreiende soziale Ungerechtigkeit ist Wasser auf die Mühlen der Muslimbrüder. Sie predigen einen rigorosen Islam, Feindschaft gegen Israel und die Christen. Jeder zehnte Ägypter ist Kopte, also Christ. Die Ermordung von zwei Dutzend Christen Anfang des Jahres war ein Alarmsignal.

 

Der Sturz des tunesischen Diktators Ben Ali ist ein böses Omen für Mubarak und eine Ermutigung für seine Feinde. Sie fordern Freiheit. Darunter versteht jeder etwas anderes. Studenten und Intellektuelle wollen Demokratie. Die mehr als eine Million Muslimbrüder, die am besten organisierte Kraft, wollen einen Gottesstaat. Die Tage von Mubaraks marodem System sind gezählt, denn die Regimegegner werden sich dauerhaft nicht von Polizei und Geheimdienst niederhalten lassen. Sie kommunizieren via Internet und sind gut vernetzt.

 

Ein Sturz seines Clans würde die Pforten der Hölle für die übrigen arabischen Regime öffnen. Denn auch sie sind korrupt und unfrei. Anders als die schiitischen Iraner sind die Ägypter Sunniten. Das erhöht ihre Anziehungskraft für die meisten Araber. Ein Sieg der Islamisten wäre eine Ermutigung für die Radikalen. Der Friede Kairos mit Israel würde ein Ende haben und eine Konfrontation mit den westlichen Demokratien beginnen.

 

Washington setzt jetzt auf Demokratie, Hillary Clinton stützte am Mittwoch Mubarak. Doch das Ansehen der USA in der arabischen Welt hat stark gelitten. Die Hoffnung auf einen Sieg der demokratischen Kräfte in der Region ist gering. {Quelle: http://www.bz-berlin.de}

Rafael Seligmann analysiert

 

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