kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Leila Ben Ali hinter dem saudischen Schleier 17. Januar 2011

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 15:46

Für Leila Ben Ali gilt wörtlich, dass sie im saudischen Exil ihr Gesicht nicht zeigen darf. Aber auch ihrem Mann ist es verboten, Kontakte zu pflegen und sich öffentlich zu äußern.

 
Nun sitzt Ben Ali in einem Käfig, wenn auch einem vergoldeten. Sein Flugzeug landete in der Nacht zum Samstag gerade in der saudischen Hafenstadt Dschiddah, da brachten ihn die Saudis schon in einen gut bewachten Palast und erlegten ihm ein absolutes Politikverbot auf. Der libysche Staatschef Gaddafi soll sich nach Angaben des Nachrichtensenders Al Arabija zuvor dafür eingesetzt haben, dass Ben Ali in Malta landen könne. Ohne Erlaubnis setzte das Flugzeug seinen Kurs nach Norden fort. Doch nicht nur der EU-Inselstaat, der zu halbwegs guten Beziehungen zu seinem libyschen Nachbarn gezwungen ist, lehnte es ab, den Diktator aufzunehmen; auch Frankreich und die Vereinigten Arabischen Emirate wollten Ben Ali nicht empfangen.

 

Kein Land mit einer bedeutenden tunesischen Diaspora wollte es riskieren, dem Diktator Asyl anzubieten. Dabei hatte Dubai zwei Tage vor Ben Alis Sturz noch dessen Frau Leila aufgenommen. Von dort rief die auf das Ausgeben von Geld spezialisierte Dame den Gouverneur der tunesischen Zentralbank an, 400 Millionen Euro nach Dubai zu überweisen, was dieser nach Rücksprache mit Ben Ali auch tat. Inzwischen ist auch die Gattin des geflohenen Staatschefs in Dschiddah eingetroffen. Als zuvor ihr Mann gelandet war, hatte es sintflutartig geregnet, und in Dschiddah hatten viele gehofft, dass das Flugzeug deswegen nicht landen könne. Sie wollten nicht, dass ihr Land zu einem Zufluchtsort für gestürzte Diktatoren wird. Ugandas Diktator Idi Amin hatte ja auch in Saudi-Arabien seinen Lebensabend verbracht, bis er 2003 starb. Und der korrupte pakistanische Politiker Nawaz Sharif war ebenfalls von 2000 bis 2007 in saudischem Exil.

 

Die Mafia des Palasts von Karthago: Unklar ist vorerst, wie viele Verwandte Ben Ali in seinem Flugzeug mitgebracht hat. Widersprüchlich sind die Meldungen, wer noch am Freitag vor Ben Alis überstürzter Abreise auf dem Flughafen bei dem Versuch, das Land zu verlassen, verhaftet worden sein könnte. Einige Medien berichten, Sachr Mutairi, ein Schwager Ben Alis und mutmaßlich hoch korrupt, sei festgenommen worden; Vertraute des Mannes behaupten dagegen, er sei in Dubai. Ein Pilot der tunesischen Fluggesellschaft sagte wiederum einem tunesischen Fernsehsender, er habe sich geweigert, am Freitagnachmittag den Linienflug nach Lyon zu starten, als er erfahren habe, dass sich Verwandte von Ben Ali, der zu dem Zeitpunkt noch Präsident war, an Bord befänden. Der Zorn der Tunesier richtete sich insbesondere gegen die Familie von Ben Alis Frau, Leila al Tarablusi. Sie soll versucht haben, eine junge Verwandte von ihr mit dem Emir von Dubai, Muhammad Bin Rashid Al Maktoum, zu verheiraten. Damit brachte sie aber das jordanische Königshaus gegen sich auf, weil Muhammad mit einer Schwester des jordanischen Königs verheiratet ist. Laut Dokumenten, die Wikileaks veröffentlichte, hatte sie auch die Ausbürgerung und Enteignung der Frau des verstorbenen Palästinenserführers Arafat, Suha Aafat, angeordnet. In Tunesien ist aber ihre Familie besonders verhasst, weil ihre Brüder und Cousins ihre Macht missbraucht haben, um weite Teile der tunesischen Wirtschaft zu kontrollieren und sich zu bereichern. Der Volksmund nannte sie „die Mafia des Palasts von Karthago“ und die „Tarabulsi-Bande“. Aufgrund ihrer Immunität waren sie strafrechtlich nicht belangbar.

 

Deckmantel der islamischen Solidarität: Die Herrscher Saudi-Arabiens haben Ben Ali verboten, auch nur Erklärungen zu verbreiten oder Interviews zu geben. Ben Ali könne nicht nach Tunesien telefonieren und niemanden treffen, der mit den Ereignissen in Tunesien zu tun hat, heißt es in Riad. Schmerzen wird ihn, der etwa das islamische Kopftuch bekämpft hat, dass er nun einen anderen Lebensstil führen muss. Denn die Saudis erwarten von ihren Asylanten, dass sie regelmäßig zum Gebet in der Moschee erscheinen. Seine Frau Leila wird in der Öffentlichkeit den Schleier zu tragen haben. Nach außen verkauft die saudische Regierung ihr Handeln mit der islamischen Solidarität, ergänzt mit dem Aufruf, dem tunesischen Volk nun beizustehen. Auch der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Musa, wünschte in ähnlicher Formulierung dem tunesischen Volk eine gute Zukunft. Auch die arabischen Medien verstecken sich hinter diesem Begriff und beschwören die Solidarität mit dem tunesischen Volk. Ein kritisches Wort zu Ben Ali war aus hoheitlichem Munde bisher nicht zu hören.

 

Im Gegenteil drosch Ben Alis Nachbar Gaddafi auf die Tunesier ein. Nicht nur bis zum Jahr 2014 hätte Ben Ali verdient, Präsident Tunesiens zu sein, sondern bis zu seinem Lebensende. Er warf den Demonstranten vor, ihr Blut umsonst zu vergießen und unterstellte ihnen, ohne Sinn einen Präsidenten durch einen anderen auszutauschen. Dabei täten sie doch gut daran, seine, also Gaddafis Regierungsform der „Dschamahiriyya“ zu übernehmen, von der Gaddafi behauptet, sie sei eine Form der Basisdemokratie, in der das Volk das Sagen habe.

 

„Freies Tunis, Sanaa grüßt“: In Kuweit hingegen feierte der liberale Parlamentsabgeordnete Ahmad Saadun, dass der Sturz von Ben Ali allen Tyrannen in der arabischen Welt eine Lektion sei, und die ebenfalls liberale libanesische Zeitung al Nahar titelte, „Ben Ali ist der erste von einer Intifada gestürzte Führer“. Der Nachrichtensender Al Dschazira zog Parallelen zum Sturz des Schahs 1979 in Iran und des rumänischen Diktators Ceaucescu 1989. Die staatlichen ägyptischen Medien kommentierten den Sturz von Ben Ali lieber gar nicht. In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa skandierten mehr als Tausend Demonstranten, überwiegend Studenten, vor der tunesischen Botschaft: „Freies Tunis, Sanaa grüßt“, und sie forderten den Sturz von Staatspräsident Saleh. „Geht, bevor ihr abgesetzt werdet“, stand auf einem der Plakate. In Kairo hatte am Samstag eine kleine Gruppe vor der tunesischen Botschaft den Demonstranten in Tunis gratuliert, bevor die Polizei sie auseinandertrieb. Nervös mag die jordanische Regierung geworden sein. In der Hauptstadt Amman hatten am vergangenen Freitag mehr als 5000 Demonstranten gegen die steigenden Benzin- und Lebensmittelpreise demonstriert und den Rücktritt von Ministerpräsident Rifai gefordert. {www.faz.net  – Von Rainer Hermann}

 

 

„Heute Ben Ali, morgen Mubarak“

 

Die Machthaber in der Region bezeichnen den Umbruch in Tunesien meist als „innere Angelegenheit“ des Landes – nur Gaddafi ist „schmerzhaft berührt“.

 

BAGDAD taz: Die meisten Herrscher in der arabischen Welt hüllen sich über den Umbruch in Tunesien in Schweigen. Verständlich, müssen sie doch ein Überspringen der Revolution fürchten. Nur einer konnte sich ein Wort nicht verkneifen – der libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi. Er sei „schmerzhaft berührt“ von dem, was in Tunesien geschehe, sagte er. Tunesien werde Opfer von Gangs und Dieben, dabei habe niemand das Land besser regiert als der geflüchtete Präsident Ben Ali, sagte Gaddafi, der selbst seit mehr als 40 Jahren an der Macht ist.

 

Im Rest der arabischen Welt beschränkten sich die Herrscher auf dürre Worte, in denen sie die Revolte als innere Angelegenheit Tunesiens bezeichneten, oder sie erklären, man respektiere den Willen und Wunsch der Tunesier. Selbst im Irak, neben dem Libanon das einzige Land, das freie Wahlen kennt, wollten sich Regierungsvertreter nicht äußern.

 

Bei den Unzufriedenen ist der Jubel groß. In Kommentaren und Foren sehen sie eine neue Ära anbrechen. „Die Jasmin-Revolution in Tunesien beweist wie zuvor der Sturz von Saddam, dass das Ende der Tyrannen unvermeidlich ist“, schreibt die irakische Zeitung al-Mada. Doch anders als die Iraker haben die Tunesier ihren Despoten selbst verjagt, erinnert al-Mada. „Dass das Volk erstmals in der arabischen Welt einen Diktator gestürzt hat, wird andere inspirieren.“

 

„Heute Ben Ali, morgen Husni Mubarak“, schreibt ein ägyptischer Twitterer über den Präsidenten Ägyptens. Der ägyptische Blogger Hossam el-Hamalawy hofft: „Revolutionen sind wie Dominosteine.“ Mehrfach zogen Kommentatoren Vergleiche mit anderen Revolutionen, besonders in Osteuropa. Wie die Berliner Mauer würden auch die Regime in der arabischen Welt hinweggefegt werden. In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa riefen am Sonntag rund tausend Studenten zum Sturz der Regierung auf. „Freies Tunis, Sanaa grüßt dich tausendmal!“, rief die Menge, die zur tunesischen Botschaft gezogen war.

 

Bereits im Januar hatte es in Algerien wegen eines starken Anstiegs der Preise für Grundnahrungsmittel tödliche Unruhen gegeben. Und in Jordanien gingen am Freitag tausende Menschen in mehreren Städten auf die Straße, um gegen die hohe Arbeitslosenquote, die Inflation und auch gegen die Führung zu demonstrieren.

 

Vom Maghreb bis zu Euphrat und Tigris leiden die meisten Länder an den gleichen Defiziten: Chancenlosigkeit der Jugend, Korruption, Missachtung der Menschenrechte und das Fehlen von Freiheitsrechten. Die Golfstaaten sind bislang dank des Öls reich genug, um diese Defizite wirtschaftlich auszugleichen. Alle anderen Länder, besonders unser eigenes, sollten die Botschaft aus Tunis hören, sagte der irakische Abgeordnete Wail Abdul Latif.

{www.taz.de  – von Inga Rogg}

 

One Response to “Leila Ben Ali hinter dem saudischen Schleier”

  1. Paola Says:

    Alles ist für alle auf den Planeten zugänglich.
    Bis ihr das begreift wird keine Ruhe und Frieden einkehren,nicht in den Gadanken und Herzen
    Eures Geistes Ihr POLITIKER!!


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