kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Lieber über Geld reden als über Darfur 14. Dezember 2010

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 12:53

Die Mehrheit der Menschen in Afrika ist bitterarm, doch der Kontinent ist reich an Rohstoffen. Die Aussicht auf gute Geschäfte wird die Europäer beim gemeinsamen Gipfel in Lissabon zahm machen: Konfliktthemen wie die Massaker in Darfur werden höchstens oberflächlich behandelt.

 

 

Zwei Kontinente, 80 Länder. Das erste Gipfeltreffen zwischen der Europäischen Union und der vor fünf Jahren gegründeten Afrikanischen Union (AU) könnte dem Programm nach ein historischer Wendepunkt sein. Die Regierungschefs wollen in Lissabon über alles reden – über mehr Sicherheit, bessere Menschenrechte, weniger Menschenflucht, faire Handelsbedingungen. Ein übler Afro-Pessismist, wer da nicht Hoffnung schöpft.

Der Alltag in Europa und der Alltag in Afrika könnten allerdings ungleicher nicht sein. Von dem Beginn einer „Partnerschaft auf Augenhöhe“, die sich der EU-Entwicklungskommissar Louis Michel erhofft, wäre man selbst bei beachtlichen Fortschritten in Portugal noch Jahrzehnte entfernt. Die grausamen Bürgerkriege in Somalia, dem Sudan und im Kongo, die hausgemachte wirtschaftliche Kernschmelze in Simbabwe, der Grenzkonflikt zwischen Eritrea und Äthiopien und das Dauerchaos in ölreichen Ländern wie Nigeria, Angola und Äquatorialguinea – das sind nur die beklemmenden Höhepunkte auf der Negativliste Afrikas. Die abgrundtiefe Armut der Mehrheit der 850 Millionen Afrikaner wurde auch durch die seit Jahren hohen Wachstumsraten nicht gelindert – weil die korrupten und unersättlichen Eliten die Bildung einer Mittelklasse nicht zulassen.

Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel einem Schurken wie dem Simbabwer Robert Mugabe (83) am Samstag zum Auftakt des Gipfels unverblümt die Leviten lesen will – zu den Themen Menschenrechte und gute Regierungsführung -, dann wird sie rasch auf das stoßen, was in Afrika unter Solidarität verstanden wird. Denn nach Merkel spricht der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki, der Mugabe seit Jahren die Stange hält. Warum, das legte der Südafrikaner im April vor der Staatengemeinschaft des südlichen Afrika (SADC) dar, als man von ihm – wenigstens hinter verschlossenen Türen – Kritik an Mugabe erwartet hatte.

„Der Kampf gegen Simbabwe ist ein Kampf gegen uns alle“: Stattdessen unterstrich Mbeki in Dar es Salaam: „Der Kampf gegen Simbabwe ist ein Kampf gegen uns alle. Heute ist es Simbabwe, morgen wird es Südafrika sein oder irgendein anderes afrikanisches Land. Und jede Regierung, die dem Anschein nach stark ist, und die sich den Imperialisten widersetzt, würde zur Zielscheibe und untergraben werden. Also dürfen wir in unserer SADC-Solidarität nie einen Schwachpunkt zeigen, denn das würde sofort auf den Rest Afrikas übertragen werden.“ So zitierte Mugabe Mbeki wörtlich in dem Magazin New African – und der Südafrikaner hat ihn nie korrigiert.

Was die Europäer, mit 300 Milliarden Dollar pro Jahr der größte Handelspartner und daneben auch der größte Spender in Afrika, nun zu neuen Taten drängt, ist das bedingungslose Vorstoßen Chinas auf den schwarzen Kontinent. Peking duldet stillschweigend auch die gröbsten Verstöße gegen die Menschenrechte, von gestohlenen Wahlen und korrupten Ministern ganz zu Schweigen. China geht es allein darum, sich die Rohstoffe zu sichern: schon jetzt liegen zehn Prozent aller Ölvorräte in Afrika, weitere Funde stehen bevor. Und nirgendwo lagern mehr Gold, Diamanten, Platin, Kobalt und Chrom im Boden.

Aus diesem Grunde darf der Gipfel in Lissabon nicht platzen, auch wenn der Brite Gordon Brown wegen Mugabes Anwesenheit nicht erscheinen wird. Brechts Frage nach dem Fressen und der Moral ist damit wohl im Vorfeld bereits beantwortet: Zugriff auf wirtschaftliches Potenzial geht vor Menschenrechten und guter Regierungsführung. Da können Autoren wie Václav Havel, Günter Grass, Jürgen Habermas, Wole Soyinka und John M. Coetzee über „politische Feigheit“ wettern wie sie wollen: Weder die Massaker in Darfur noch die Verbrechen in Simbabwe werden beim Gipfel in Portugal nachhaltig erörtert werden, sondern lukrative Rohstoffaufträge, die elende Massenflucht über das Mittelmeer und das übliche Sich-Näher-Kommen der Mächtigen. {Quelle: Die Welt – EU-Afrika-Gipfel – von Thomas Knemeyer}

 

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