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WM in Katar – eine Provokation für die arabische Welt 11. Dezember 2010

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 22:26

Herbe Kritik an Entscheidung der FIFA

Al-Qaradawi bejubelt die FIFA-Entscheidung für Katar als „den ersten Sieg eines muslimischen Landes über die USA in der Geschichte„.


Zum ersten Mal hat die FIFA eine Weltmeisterschaft in ein arabisches und mehrheitlich muslimisches Land vergeben. Ein Grund zum Jubeln, könnte man meinen. Doch in weiten Teilen der arabischen Welt sieht man Katar 2022 eher kritisch.

 

„Wieso Katar“, lautet der Titel eines Kommentars in der ägyptischen regierungsnahen Al Ahram. „Kein arabisches Kind hüpft vor Erwartung auf die Weltmeisterschaft 2022 in Katar“, schreibt Salah Muntassir und lässt kein gutes Haar an dem kleinen Emirat am persischen Golf.

Katar und Feiern passt nicht zusammen: Muntassir weiter: „Dort gibt es gerade einmal eineinhalb Millionen Einwohner und unter ihnen nur 200.000 Kataris (der Rest sind Ausländer). Hinzu kommt die Temperatur von über 40 Grad Celsius. Sicher, die Stadien werden klimatisiert, aber man kann ja nicht auch noch die Straßen klimatisieren.“ Er bezweifelt, dass in solch einem Land ein Fußballfest gefeiert werden kann.

Der bekannte islamische Gelehrte Scheich Yussef al Qaradawi bejubelt die FIFA-Entscheidung für Katar als „den ersten Sieg eines muslimischen Landes über die USA in der Geschichte“. Allerdings lebt er in Katar im Exil, da war diese positive Reaktion zu erwarten. Gerade aus dem religiösen Lager gibt es viel Kritik an Katar 2022. Vor allem die Zusage des Emirs, selbstverständlich auch das israelische Team und seine Fans willkommen zu heißen – in den meisten arabischen Ländern dürfen Israelis nicht einreisen – wird als Verrat an der arabischen Sache gesehen. „Doha hat Israel die Türen weit geöffnet“, schreibt der islamische Gelehrte Samah Abbas auf der Seite „Islamstory“.

Verrat der muslimischen Werte: Auch die Versicherung, dass die Fans während der WM natürlich Alkohol trinken dürfen, sorgt für Kritik. „Was bringt ein islamisches Land wie Katar dazu, seine islamischen Werte zu verraten und so einen hohen Preis zu bezahlen?“ fragt Islam Mohammed im ultra-religiösen „Alsalafway“-Forum.

Wo eigentlich liegt Katar?  Besonders wenig Katar-Begeisterung findet man in Ägypten. Die unabhängige ägyptische Masry Al Yaum führt die Anti-Katar-2022-Stimmung am Nil auf Ägyptens eigene enttäuschte WM-Absichten zurück. „Katars Erfolg lässt in Ägypten die finstersten Erinnerungen wach werden: Ägyptens Bewerbung um die WM 2010 … bekam nicht eine einzige Stimme der FIFA… …Ägyptens Null-Stimmen-Niederlage wird oft als Zeichen des ägyptischen Niedergangs als Führungsmacht in der Region gesehen“, schreibt Ahmed Zaki Osman.

Politischer Hintergrund: Er weist auch darauf hin, dass algerische Medien es nicht versäumten, den Finger in diese Wunde zu legen. Algerien ist seit der Niederlage der Pharaonen bei der WM-Qualifikation Ägyptens Fußballfeind Nummer eins. Während es Katar gelungen sei, Amerika zu besiegen, sei Ägypten dies eben nicht gelungen.  Zitat: „Was bringt ein islamisches Land wie Katar dazu, seine islamischen Werte zu verraten und so einen hohen Preis zu bezahlen“?
Hintergrund sind aber auch die politischen Spannungen zwischen Ägypten und Katar: Dauerstreit ist der Satellitensender Al Dschasira. Die ägyptische Regierung reagiert zunehmend gereizt auf die sehr kritische Berichterstattung des Senders aus Katar. Der Sender hatte besonders deutlich auf die Unregelmäßigkeiten bei der gerade abgehaltenen Wahl hingewiesen. Erst kürzlich war er wieder Thema beim Besuch des Emirs in Kairo.

Ägyptens Vormachtstellung bedroht: Katar fordert nicht nur auf diese Art Ägypten und die anderen Länder am Mittelmeer heraus: Zunehmend schlüpft Doha in die Rolle des Vermittlers in regionalen Konflikten und droht Ägypten aus seiner Schlüsselstellung zu verdrängen. Kein Wunder also, dass in Kairo kaum jemand Katar als WM-Standort bejubelt. Am Golf sieht man dies – wie sollte es anders sein – ganz anders: Die saudische „Al Shams“ berichtet über einen Mann, der seinen Sohn Katar genannt hat, weil die beiden schönsten Ereignisse, die er sich vorstellen kann, auf einen Tag gefallen waren: Endlich ein Sohn und endlich eine arabische WM. {Quelle: http://fussball.zdf.de – von Julia Gerlach, Kairo}

 

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