kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Sind wir zu leise? 30. November 2010

Filed under: Christenverfolgung — Knecht Christi @ 02:33

Wo ist Papa?Rede von Junge Aramäische Union
anlässlich der Demonstration von Aramäern am 28. November in Köln 

„Sie haben aus dem Haus Gottes eine Räuberhöhle gemacht“ (Mt. 21:13).

 

 

Meine lieben Freunde, Liebe Aramäer, Liebe deutschen Freunde, die ihr mit uns trauert und eure Solidarität zeigt… Wir alle stehen noch  unter Schock. Wir kriegen diese Bilder nicht aus dem Kopf. Die Bilder zerschossener, zerfetzter Körper, die Bilder einer Kirche, die nur noch  ein Trümmerhaufen ist.  Ein Ort, wo niemals zu Hass und Gewalt aufgerufen wurde. Ein Ort des Friedens. Nun ist dieses Gotteshaus ein Friedhof. Ein Grab. Eine Gruft. Ein Ort des Grauens. Aber wenn wir uns so umschauen.. Außer uns Aramäern und ein paar deutschen Freunden trauert niemand. Warum auch? Die meisten wissen ja gar nicht was am 31. November in einer Kirche in Bagdad geschah. Ein kurzes Bild in der Tagesschau. Das war’s.

Ein Anschlag von Al-Kaida, hieß es da lapidar. Die üblichen Verdächtigen. Viele Zeitungen schrieben am nächsten Tag ganze zehn Zeilen. Geiselnahme endet mit Blutbad. Und Tschüß!!! Es gab wichtigeres zu berichten. Ein Sprengstoffpaket im Flugzeug. Auch von Al-Kaida, das nicht explodierte. Vor einem Monate stand die Welt Kopf, weil ein Verrückter den Koran verbrennen wollte. Die Kommentatoren überschlugen sich. Entrüstung überall im deutschen Blätterwald. Wütende Demonstranten auf den Titelseiten. Deutscher Journalismus. Wie tief bist Du gesunken. Sind 60 friedliche Menschen, die von Islamisten abgeschlachtet werden, weniger wert, als ein rechtzeitig entdecktes Paket in einem Frachtflugzeug? Ist die Androhung Papier zu verbrennen schlimmer als das Massaker an 60 unschuldigen Menschen?

Ich kann nur laut ausrufen.  Nein ich möchte es hinaus schreien:
DER   MORD  AN ARAMÄISCHN CHRISTEN IM IRAK MUSS EIN ENDE HABEN!!!!

Das Schweigen von Politikern, Kirchenvertretern und Medien ist ein fatales Signal für die  Leute, die uns systematisch ermorden und vertreiben wollen. Und das ist keinesfalls nur Al-Kaida. Die Gewalt gegen uns kommt mitten aus der irakischen Bevölkerung. Das kann ein muslimischer Nachbar sein, der gerne das Haus seines christlichen Nachbars haben will und dann ein Killer Kommando schickt. Das kann ein kurdischer Bauer sein, dessen Grundstück an das eines Aramäers grenzt. Und dann natürlich die Drahtzieher aus den großen Zentren fundamentalistischer Muslime, die nur eins wollen: Uns auslöschen. Vernichten. Für immer!

Natürlich haben diese schrecklichen Morde nichts mit dem Islam zu tun. Denn der ist ja eine Religion des Friedens. Kein Scherz, meine lieben Landsleute. So stand es kurz nach den Morden auf der offiziellen Homepage der evangelischen Kirche, kurz EPD. Verkündet vom Auslandsbischof der EKD Schindelhütte. Er spricht vom Mißbrauch des Islam. Und schreibt weiter wortwörtlich „dem Christentum wird im Koran große Achtung eingeräumt“.

Wie klingen solche Worte in den Ohren von Menschen, die Tag für Tag schikaniert, stigmatisiert, gejagt, verfolgt, vergewaltigt und geschlachtet werden? Die nur noch unter Lebensangst ihr Haus verlassen geschweige denn eine Kirche betreten können? Wie klingen solche Worte in den Ohren von Menschen, die durch die Hand fanatischer Muslime gerade eben ihre Frau ihren Mann und ihre Kinder verloren haben. Ich sage dazu nur eins: Ich sage das, was Jesus gesagt hätte, wenn er heute leben würde: „Herr  Schindelhütte,  Sie haben  aus  dem Haus Gottes eine Räuberhöhle gemacht“! (Math.21.13).

Es sind die niedersten Instinkte, mit denen man uns nach dem Leben trachtet. Wir erleben im Irak das gleiche wie die Juden 1938 in Deutschland. Ganz normale Leute, nicht nur die SA und SS, haben ihren jüdischen Nachbarn den Henkern ausgeliefert. Am 9. November 1938 wurden hier in Köln sieben Synagogen von den Nazis zerstört oder verwüstet. 800 Juden wurden verhaftet und später ermordet, Geschäfte und Wohnungen geplündert. Diese Morde an unschuldigen Menschen hat in Köln und anderswo niemand verurteilt. Niemand hat protestiert. Wer das tat, verschwand im KZ. Die Zeitungen waren in den Händen der Nazis. Oder besser gesagt, Deutsche Journalisten haben sich den  Nazis angebiedert und Hitler sogar den Weg  zur Macht bereitet. Wie man in einem Hollywoodfilm so schön sehen kann.

Heute brennen im Irak unsere Kirchen. Heute überfällt systematisch ein blutgieriger Mob unsere Häuser, vergewaltigt unsere Frauen. Und wieder wird geschwiegen. Warum? Haben wir es immer noch nicht gelernt? Heute haben wir Pressefreiheit. Wer bindet heute Journalisten, Politikern und auch Kirchenvertretern in Deutschland die Hände? Wer stopft ihnen den Mund. Warum sind Christenverfolgungen in Deutschland ein Tabuthema?

Die Drahtzieher der Überfälle auf Aramäer sitzen im Irak, Arabien, der Türkei und Pakistan. Wo aber sitzen die Drahtzieher des Schweigens? Arbeiten nicht beide Hand in Hand? Die einen morden, die anderen schweigen die Morde tot. Damit endlich der Plan fundamentalistischer Muslime aufgeht, alle Christlichen Minderheiten im Nahen Osten zu vernichten oder zur Aufgabe ihrer Heimat zu bewegen.  „Sympathie mit dem Aggressor“ nennt man so etwas in der Sprache der Psychologen. Aber ich sage euch: Wer schweigt ist genau so schuldig.

Meine lieben Freunde… Haben wir nur noch unsere Stimme, um uns Gehör zu verschaffen dann wollen wir alle zusammen ganz laut rufen:    DAS  SCHWEIGEN ÜBER DIE  MORDE AN ARAMÄISCHEN CHRISTEN MUSS  EIN ENDE HABEN!

Und wenn Herr Wulf am 3. Oktober sagt: „Der Islam gehört zu Deutschland“ – warum sagt er denn nicht auch im gleichen Atemzug. Das Christentum gehört zum Irak! Dort im Irak, in Mesopotanien und dem vorderen Orient standen die ersten Kirchen. In der Heimat der Aramäer wurden die ersten Gemeinden gegründet. Die ersten Christen waren Aramäer. Jesus selbst lehrte in Galiläa, in dem damals größtenteils Aramäer wohnten. Er lehrte und predigte auf Aramäisch! Er hat in einem Gleichnis einem Aramäer ein Denkmal gesetzt. Der barmherzige Samariter  war der erste echte Christ. Dieser Mann wollte nicht weg schauen, so wie wir heute, angesichts der Morde, nicht weg schauen und einfach weitergehen wollen. Einfach wieder zur Tagesordnung übergehen wollen. Denn Christentum bedeutet nicht große Kathedralen bauen. Das Kind in der Krippe hat mit dem Kaufrausch an Weihnachten nicht das Geringste zu tun. Christentum bedeutet nicht mit Prunk und Protz zu prahlen. Und erst recht nicht das Vertrauen von Minderjährigen mißbrauchen. Christentum bedeutet vor allem nicht, sich mit Menschen zu verbrüdern, die uns in unserer Heimat das Messer an die Kehle setzen.

Sondern Christentum heißt in erster Linie: Menschen in ihrer Not beistehen! Ihre Trauer teilen – Sie trösten und ihnen Mut machen! Das wollen wir gemeinsam tun:  Hier und heute in Köln: Mit unseren Deutschen  Freunden und allen  die für Menschenrechte  eintreten:

Das Christentum gehört zum Irak! Und alle, die das Abstreiten stellen sich auf die Seite unserer Mörder und sind Wegbereiter eines neuen Faschismus, einer neuen Barbarei, die irgendwann auch mal Europa in den Abgrund ziehen wird!

Herr Bundespräsident. Sie haben auf ihrer Türkeireise die Hagia Sophia, besucht. Die damals größte Kirche des Abendlandes. Heute ein Museum. Das Kloster Mor Gabriel lag nicht auf ihrer Reiseroute. Schade! Denn dort hätten sie sehen können, wie das älteste Kloster der Welt zum Abschuß freigegeben wird. Gemeinsam ausgelöscht. Von der türkischen Regierung und kurdischen Landräubern. Geschäftskontakte waren wichtiger. Geht es in der Politik immer nur um Märkte und Geld? Ist das der Grund, weshalb die westliche Welt allen voran die USA auch zu den Morden in Bagdad schweigt. Haben wir Aramäische Christen nichts zu bieten Mr. Präsident Obama? Werden wir deshalb von denen, die vorgaben uns zu retten, jetzt schmachvoll im Stich gelassen?

Wir haben kein Land. Das haben uns andere längst genommen. Wir besitzen keine Ölfelder. Die werden von Muslimen ausgebeutet. Wir können nicht mit Rohstoffen und Diamanten punkten. Wir besitzen etwas anderes Mr. Obama, Frau Merkel, Herr Westerwelle. Herr Wulf.
Etwas, das man nicht Geld bezahlen kann. UNSERE MENSCHENWÜRDE. Das Recht unsere Religion auszuüben, ohne erschlagen, erschossen, entführt und vergewaltigt zu werden. Und darum stehen wir hier in Köln und rufen laut unseren Prostest hinaus: MISTER PRÄSIDENT! STOP THE MURDERER OF THE ARAMÄIC PEOPLE! YES YOU CAN! Schaffen Sie ein Aramäisches Autonomiegebiet. So wie es ihr Vorgänger für die Kurden geschaffen hat.  Schaffen sie einen Raum, wo wir in Frieden leben arbeiten, unsere Kinder großziehen, Freunde einladen, Feste feiern und in Frieden unsere Gottesdienste abhalten können.

MISTER PRÄSIDENT. ES IST GENUG!

Was machen wir falsch? Sind wir zu leise? Werden nur die Lauten gehört? Ein Deutscher Dichter hat mal gesagt: „Es ehrt der Knecht nur den Gewaltsamen“.  Wir Aramäer haben stets friedlich unter anderen Völkern gelebt. Zusammen mit Juden, Griechen, Persern, Phöniziern, Arabern, Türken, Kurden, Libanesen, Armeniern und vielen anderen Völkern.

Auch unser Protest ist friedlich. Wir verbrennen keine Fahnen, Wir drücken unseren Kindern keine Spielzeuggewehre in die Hand und erziehen sie zum Hass. Bekommt nur der Recht, der Terror ausübt? Ist nur der sympathisch und findet Unterstützung, der Raketen auf Wohngebiete abfeuert und vollbesetzte Omnibusse in die Luft sprengt? Die Nato warf Bomben auf Serbien und erzwang einen unabhängigen Kosovo. Die Palästinenser und die Hamas haben sich an die Verhandlungstische geboomt. Trotz ihres Terrorsystems im Gazastreifen finden sie überall Freunde und Unterstützer, vor allem unter linken und liberalen Journalisten. Wir dagegen werden von Islamisten weggeboomt. Unsere Jahrtausende alte Kultur, zu der auch die ersten christlichen Gemeinden der Welt zählen, werden für immer zerstört. Später könnt ihr Deutschen sagen. Wir haben von all dem nichts gewußt. Wie eure Väter, die geglaubt haben in den Vernichtungsöfen von Dachau und Buchenwald würde Brot gebacken. Habt ihr so wenig aus eurer eigenen Geschichte gelernt?

Meine lieben Aramäischen Freunde und deutsche Unterstützer. Ich danke noch mal, daß ihr hier seit, daß ihr gemeinsam Solidarität zeigt. Ich danke auch den anwesenden Vertretern der Presse, die es geschafft haben, endlich die Mauer des Schweigens zu durchbrechen und über diese Demonstration zu berichten.

Heute trauern wir um 60 ermordete Christen im Irak. Aber schon morgen kann eine Bombe in einer Koptischen Kirche in Alexandria hochgehen. Jemand mit einem Maschinengewehr ein Massaker in einer Kirche in Pakistan anrichten. Auch in der Türkei sind Christen vogelfrei. Zum Beispiel Armenier, die in einem Holocaust dort fast ausgerottet wurden und bis heute auf eine Entschuldigung warten. Wenn wir ernst genommen werden wollen, dann müssen wir auch an das Leid der anderen Denken. Die Zahl der ermordeten Christen in Ägypten geht in die Tausende. Ebenso die Zahl entführter, vergewaltigter, mit Muslimen zwangsverheirateter Koptinnen. Auch das was hier in Europa und in Deutschland passiert, kann uns nicht egal sein.

Deutschland ist unsere neue Heimat. Wir bekennen uns zu seinen demokratischen Werten, zur Meinungs- und Religionsfreiheit, die in unsere Heimat unter islamischer Vorherrschaft mit Füßen getreten wird.  Darum mein Appell: LASST UNS  ENDLICH  ALLE  ENGER ZUSAMMENRÜCKEN.

Wenn in Alexandria koptische Frauen entführt und zwangsverheiratet werden… Dann müssen wir alle wie die  Kopten gegen Terror kämpfen! Wenn In Frankfurt ein Rabbiner von einem Islamisten abgestochen wird… Dann müssen wir alle wie die  Juden gegen Terror kämpfen. Wenn In den Niederlanden ein Künstler wegen seiner Islamkritik mit einem Küchenmesser im Bauch auf der Straße verblutet… Dann müssen wir alle wie die  Niederländer gegen Terror kämpfen! Wenn Im Iran zwei  Deutsche Journalisten vom Regime verhaftet und als Spione vorgeführt werden… Dann müssen wir alle wie Deutsche fühlen und handeln und zusammen mit Ihnen gegen diese neue Form von Faschismus kämpfen. Wenn die Armenier im April an die Ermordung von einer Million Landsleute erinnern, dann laßt uns zusammen mit den Armeniern trauern, denn beim Völkermord 1916 wurden auch die  Aramäer in der Türkei fast ausgerottet. Umgekehrt sollten auch die Armenier Anteil an unserem Leid nehmen. Solidarität ist keine Einbahnstraße. Das gilt für uns wie für andere verfolgten Christen. Nur gemeinsam sind wir stark! Nur gemeinsam durchbrechen wir die Mauer des Schweigens!

Wir können keine Solidarität, kein Mitgefühl von anderen erwarten, wenn wir selbst nicht bereit sind Mitgefühl mit anderen zu empfinden. Auch die, die nicht unsere Religion teilen, aber für unsere Menschenrechte eintreten sind unsere Freunde. Jesus hat einmal gesagt. „Wer nicht gegen mich ist, ist für mich“. Lasst uns darum alle zusammen gegen diese neue Form von Barbarei und Diktatur, gegen diese Neue Form von Rassismus und Faschismus kämpfen.

Unsere Heimat Beth Nahrin, auch bekannt als Mesopotanien ist nicht nur eine Wiege des frühen Christentums. Hier wurde das erste Buch der Welt geschrieben. Der Gilgamesch-Epos. Es handelt von zwei Helden die sich bekriegen, aber dann Freunde werden. Es ist das erste  Zeugnis menschlichen zivilisierten Denkens. In diesem Buch wird nicht dazu aufgefordert seinen Nachbarn umzubringen. Nein. Freundschaft und Liebe sind die Werte der beiden ungleichen Männer. Freundschaft und Liebe nicht Haß und Vernichtung sind auch die Grundwerte jeder Zivilisation. Aus dieser Quelle speist sich auch unser aramäisches Christentum.  Kämpfen wir dafür, daß diese Quelle niemals versiegt und mit Dreck zugeschüttet wird.

Bieten wir dieser neuen Form von Rassismus, Intoleranz und Menschenverachtung die Stirn.
Wenn wir diesen Kampf verlieren, dann wird auch die Welt um uns herum in Terror, Angst,
und Dunkelheit versinken.

Meine Freunde ich Danke euch für eure Aufmerksamkeit.

Lukas Saliba

 

2 Responses to “Sind wir zu leise?”

  1. Alex Says:

    Gut geschrieben, Lukas!

  2. bazillus Says:

    Dank und Lob an die aktiven Jugendlichen der Jungen Aramäischen Union. Vorbildlich.

    Schade und traurig, dass sich die offiziellen Kirchen im deutschsprachigen Raum feige aus diesen Themen heraushalten. Ich als Katholik schäme mich für meine Kirchenvertretung.


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