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Mayr-Harting im UN-Sicherheitsrat: Große Sorge um Christen im Irak 17. November 2010

Filed under: Christenverfolgung — Knecht Christi @ 01:58

Österreichs Vertreter beim UN-Sicherheitsrat, Thomas Mayr-Harting, erinnert daran, dass von den mehr als eine Million Christen, die vor 2003 im Irak gelebt hätten, inzwischen deutlich mehr als die Hälfte das Land verlassen haben dürften.

 

New York: Mit den jüngsten Anschlägen auf Christen im Irak hat sich am Mittwoch auch der UN-Sicherheitsrat beschäftigt. Österreich – das bis Jahresende einen nichtständigen Sitz in diesem mächtigsten UN-Gremium innehat – äußerte gegenüber der APA „große Besorgnis“ über die jüngsten Attacken gegen die syrisch-katholische Kathedrale in Bagdad. Österreichs Vertreter beim Sicherheitsrat, Botschafter Thomas Mayr-Harting, erinnerte daran, dass von den mehr als eine Million Christen, die vor 2003 im Irak gelebt hätten, inzwischen deutlich mehr als die Hälfte das Land verlassen haben dürften. „Was auf dem Spiel steht, ist die viele Jahrhunderte alte multiethnische und multireligiöse Tradition des Landes“, warnte der Diplomat. In den Beratungen des Sicherheitsrates habe Österreich deshalb auch besonders darauf gedrängt, dass sich die UNO-Mission im Irak und die irakischen Behörden mit der Frage des Minderheitenschutzes befassen müssen. Es sei auch zu begrüßen, so Mayr-Harting, dass irakische Führungspersönlichkeiten aus allen Gruppierungen des Landes, quer durch das politische Spektrum, den Terrorakt klar verurteilt hatten. Bei einer Anschlagsserie gegen Christen in Bagdad waren am Mittwoch wieder mindestens fünf Menschen getötet worden. Wie die Polizei mitteilte, explodierten in der Früh innerhalb von einer Stunde elf Sprengsätze in überwiegend von der christlichen Minderheit bewohnten Bezirken der irakischen Hauptstadt. Mehr als 20 Menschen erlitten nach Angaben der Sicherheitskräfte zudem Verletzungen. {Quelle: http://www.tt.com}

 

UNO-Sicherheitsrat ergreift Partei für Christen im Irak

Österreich-Vertreter im UN-Gremium, Mayr-Harting: „Jahrhunderte alte multiethnische und multireligiöse Tradition des Landes steht auf dem Spiel“

New York-Bagdad (KAP): Der UNO-Sicherheitsrat hat in New York die jüngste Serie von Christenmorden im Irak scharf verurteilt. Bei einer Anschlagsserie gegen Christen in Bagdad waren am Mittwoch wieder mindestens sechs Menschen getötet worden. Wie die irakische christliche Presseagentur „Ankawa“ am Donnerstag berichtet, wurde von den Terroristen u.a. gezielt eine Familie ausgewählt, die bereits mehrere Tote im Zuge der Geiselnahme in der Bagdader syrisch-katholischen Kathedrale am 31. Oktober zu beklagen hatte.

Es gebe offensichtlich „den Willen, die christliche Gemeinschaft im Irak auszulöschen“, erklärte der französische UNO-Botschafter Gerard Araud. Österreichs Vertreter beim Sicherheitsrat, Botschafter Thomas Mayr-Harting, erinnerte daran, dass von der mehr als einer Million Christen, die vor 2003 im Irak gelebt hätten, inzwischen deutlich mehr als die Hälfte das Land verlassen haben dürften. Österreich hat bis Jahresende einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat, dem mächtigsten UN-Gremium, inne. „Was auf dem Spiel steht, ist die viele Jahrhunderte alte multiethnische und multireligiöse Tradition des Landes“, warnte Mayr-Harting am Donnerstag in einem Gespräch mit der „Austria Presse Agentur“ (APA). In den Beratungen des Sicherheitsrates habe Österreich deshalb auch besonders darauf gedrängt, dass sich die UNO-Mission im Irak und die irakischen Behörden mit der Frage des Minderheitenschutzes befassen müssen. Es sei auch zu begrüßen, so Mayr-Harting, dass irakische Führungspersönlichkeiten aus allen Gruppierungen des Landes, quer durch das politische Spektrum, den Terrorakt klar verurteilt hatten. Der vatikanische Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone verwies in einer Erklärung neuerlich auf die Verfolgungen und Leiden der Christen in dem Land. Auf extremistischen Websites ist mit weiteren Anschlägen gegen irakische Christen gedroht worden.

Nach Kirchen nun auch Wohnhäuser im Visier: Nach Ansicht des römisch-katholischen Erzbischofs von Bagdad, Jean Benjamin Sleiman, haben die Anschläge gegen Christen eine „neue Qualität“ erreicht. Zuerst seien im Sommer 2004 Kirchen angegriffen worden, nun richte sich die Gewalt auch gegen Wohnhäuser von Christen, sagte Sleiman in einem Interview mit der Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ (Donnerstag). Der Terror ziele darauf, Angst zu verbreiten und die Christen zur Flucht zu veranlassen.

Der Erzbischof forderte den Einsatz zusätzlicher Polizisten in den von Christen bewohnten Zonen. Vor den kirchlichen Einrichtungen seien in den vergangenen Tagen bereits Sicherheitskräfte postiert worden. Der Schutz der von Christen bewohnten Häuser sei jedoch schwierig, weil viele von ihnen in gemischtreligiösen Quartieren lebten. Als mögliche Urheber des Terrors gegen Christen kommen nach Sleimans Auffassung sowohl Sunniten als auch Schiiten in Betracht. Grund für die gegenwärtige Zunahme der Anschläge seien möglicherweise die Verhandlungen über die Regierungsbildung im Irak. Anders als unter der Herrschaft Saddam Husseins gebe es für Christen im Irak gegenwärtig keine Sicherheit, sagte der lateinische Erzbischof von Bagdad. Der Preis für die vormalige „Sicherheit“ sei jedoch eine Diktatur gewesen, die den „Tod der Seele“ bedeutet habe. Wegen der anhaltenden Anschläge auf Christen im Irak soll es am Freitag in mehreren deutschen Städten Mahnwachen geben. Der Vorsitzende des Zentralverbands der Assyrer in Deutschland, Shlemon Yonan, rief am Donnerstag dazu auf, gemeinsam die Stimme gegen die Ausrottung der Christen im Irak zu erheben. Er sprach von einem Völkermord. Nach seinen Angaben wurden im Irak seit 2003 Anschläge auf mehr als 60 christliche Kirchen verübt. Bereits mehr als die Hälfte von 1,5 Millionen Assyrern habe ihre irakische Heimat verlassen müssen. Die Mahnwachen sind in Augsburg, Gütersloh, Gießen, Heilbronn und Wiesbaden geplant. Veranstalter sind 10 Organisationen, darunter Kirchen, kirchliche NGOs und Menschenrechts-NGOs.

Kompromiss über neue Regierung: Unterdessen fand am Donnerstag im Irak eine Einigung auf eine neue Regierung statt. Acht Monate nach der Parlamentswahl kam es zu einem Konsens der politischen Kräfte im Irak auf die Bildung einer neuen „Regierung der nationalen Partnerschaft“. Das bestätigte der Präsident der autonomen Kurden-Region im Nordirak, Massud Barzani, in Bagdad. Barzani sprach von einer „fairen Einigung“, auf deren Grundlage der bisherige schiitische Ministerpräsident Nurial-Maliki für weitere vier Jahre im Amt bleiben soll. Den Kern des Kompromisses zwischen Malikis Schiitenbündnis und dem säkularen Al-Irakiya-Block von Ex-Premier Iyad Allawi bildet die Schaffung eines neuen Sicherheitsrates, an dessen Spitze Allawi stehen wird. Der Kurde Jalal Talabani soll Staatspräsident bleiben, das Amt des Parlamentsvorsitzenden wird ein Al-Irakiya-Vertreter, der sunnitische Politiker Osama al-Nujaifi, übernehmen. Aus den März-Wahlen war Al-Irakiya als stärkste Einzelfraktion hervorgegangen. Doch verbündeten sich zwei religiöse Schiiten-Parteien – der pro-iranische „Oberste Islamische Rat“ (SIIC) von Ammaral-Hakim und die Anhängerschaft des radikal anti-westlichen Predigers Muktada al-Sadr – zuletzt mit Malikis schiitischer „Allianz für den Rechtsstaat“. Die USA befürchten, dass der Iran über die religiösen Parteien direkten Einfluss auf die irakische Regierung gewinnen könnte. Erst der Vorschlag Washingtons, einen „Nationalen Politischen Strategierat“ mit ausgedehnten Vollmachten zu schaffen, führte schließlich einen Kompromiss zwischen Allawi und Maliki herbei. „Jetzt soll eine neue Ära der Nächstenliebe und der Versöhnung beginnen“, erklärte Barzani, der bei den Verhandlungen der vergangenen Tage als Vermittler aktiv gewesen war. Nachdem auch der Iran, die Türkei und Syrien in den vergangenen Monaten vergeblich versucht hatten, zwischen den irakischen Parteien zu vermitteln, hatten sich zuletzt noch einmal Washington und London eingeschaltet. Ihr Ziel war es, zu verhindern, dass die Allawi-Liste von den religiösen Kräften und den Kurdenparteien ausgeschlossen wird.

{www.kathpress.co.at}

 

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