kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Spinne im Netz der Muslime in Deutschland 7. November 2010

Filed under: Moslembrüder — Knecht Christi @ 00:44

Die Macht des Ibrahim El-Zayat

Der Deutsch-Ägypter Ibrahim El-Zayat ist der wohl mächtigste Mann des politischen Islams in Deutschland. Sein Ziel ist es, dem Islam in Europa Raum zu verschaffen – und zwar sowohl juristisch als auch städtebaulich.

KÖLN, im Mai. Im schwarzen Mercedes-Kombi fährt Ibrahim El-Zayat die Neusser Straße in Köln-Nippes entlang. Vorbei an türkischen Gemüsehändlern und Supermärkten, einem Juwelier, einer Niederlassung der Spendenorganisation „Islamic Relief“. Hausnummer 356: Hinter einer einstöckigen weißen Fassade liegt der Eingang zur Fatih-Moschee der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs. Zur Straße hin liegt ein Dönerladen; vom Hof der ehemaligen Kaffeerösterei gehen Türen ab zum Büro des türkischen Elternvereins und zu renovierungsbedürftigen Waschräumen. Im Vorraum der Moschee befindet sich eine Leihbücherei mit religiöser Literatur, daneben mehrere Reihen Schuhregale. Einige der etwa 150 Rentner, die an diesem Dienstagmittag zum Gebet gekommen sind, reichen El-Zayat die Hand, viele nicken ihm respektvoll zu: „Salam alaikum“.

Anderswo wird er weniger gerne gesehen: In der vergangenen Woche tauchte er bei der Islamkonferenz auf und nahm in der zweiten Reihe Platz – obwohl ihn das Innenministerium nicht eingeladen hatte. Nur aus Gründen der Höflichkeit sei er nicht des Saales verwiesen worden. Gegen sein Erscheinen protestierten später Teilnehmer der Konferenz wie auch der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach: „Ein Mann wie Ibrahim El-Zayat kann für die Bundesrepublik Deutschland kein Gesprächspartner sein.“ Er stehe nicht für Integration, sondern für Islamismus. Mitgebracht hatte ihn Ayyub Axel Köhler, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime. Köhler gilt als gemäßigt und besonnen – doch im Hintergrund führt ihm offenbar El-Zayat die Hand.

El-Zayat ist der wohl mächtigste Mann des politischen Islams in Deutschland. Sein Ziel ist es, dem Islam in Europa Raum zu verschaffen – juristisch wie städtebaulich. Er will daran mitwirken, die gesetzlichen Rahmenbedingungen so zu weiten, dass Muslime unbehelligt von staatlichen Eingriffen leben können. Die deutsche Verfassungsordnung schätzt er – zumindest in dem Sinne, dass im Namen der Religionsfreiheit kulturelle Freiräume gefordert werden können, die andere unter dem Begriff der Parallelgesellschaft kritisieren. Er will die Moscheedichte in Deutschland erhöhen, und er möchte erreichen, dass mehr repräsentative Moscheen in Deutschland gebaut werden. „Ich will nicht, dass sich ein muslimischer Jugendlicher wegen der unansehnlichen Räume schämen muss, wenn er seine Lehrerin oder seine Klasse in die Moschee einladen will“, sagt er. Das ist sein Projekt: den Islam in Deutschland sichtbar zu machen, jungen Muslimen zu mehr Selbstbewusstsein hinsichtlich ihres Glaubens zu verhelfen, älteren eine religiöse und emotionale Heimat zu geben, die ihnen niemand nehmen kann – etwa durch die Kündigung eines Mietvertrages.

Der 39 Jahre alte Deutsch-Ägypter im eleganten schwarzen Mantel und mit leicht angegrauten Schläfen ist ein panislamischer Multifunktionär, Teil der europäischen muslimischen Elite. El-Zayat verwaltet als Generalbevollmächtigter der Europäischen Moscheebau- und Unterstützungsgesellschaft die etwa 300 Milli-Görüs-Moscheen in Deutschland. Daneben besetzt er mit seiner 1997 gegründeten Firma „Spezial-Liegenschafts-Management“ ein Marktsegment, das vor ihm in Deutschland niemand als Geschäftsfeld erkannt hatte: Er kauft Grundstücke für Moscheebauten, berät die Vereine beim Vorgehen zur Erlangung von Baugenehmigungen sowie bei der Finanzierung. „Der Beratungsbedarf der Gemeinden in juristischen, versicherungstechnischen, aber auch in politischen Fragen ist hoch“, sagt er. Sein drittes berufliches Betätigungsfeld ist der Kauf und Verkauf von Büro- und Geschäftsimmobilien für Privatinvestoren aus arabischen Ländern. Denn wegen des Verbots der Zinsnahme im Koran ist es nicht leicht, als gläubiger Muslim sein Geld gewinnbringend anzulegen. Immobiliengeschäfte gelten als korankonform („halal“), Mieteinnahmen sind erlaubt. Europäische Banken legen erst seit kurzem in größerem Stil korankonforme Fonds auf – also ohne Anteile an Rüstungsfirmen, Brauereien, Spielbanken, Bordellen oder Pornoproduktionsfirmen. Mit korangemäßen Wirtschaftsformen hatte sich El-Zayat schon in seiner Diplomarbeit in Volkswirtschaftslehre befasst.

Zugute kommen dem Immobilienmakler seine zahllosen Kontakte in der islamischen Gemeinschaft Europas. Seit seiner Jugend ist der in Marburg aufgewachsene El-Zayat Mitglied in muslimischen Organisationen. Der Sohn eines ägyptischen Vaters und einer deutschen Mutter sitzt als Vorsitzender der Islamischen Gemeinschaft Deutschlands im Zentralrat der Muslime. In dieser Funktion war er an der Gründung des Koordinierungsrats der Muslime beteiligt. Die Islamische Gemeinschaft Deutschlands gilt den Verfassungsschützern in Bund und Ländern als der islamistischen ägyptischen Muslimbruderschaft nahestehend. Sein eigenes Verhältnis zum deutschen Verfassungsschutz sieht er eher sportlich, da die Erwähnungen ihm auch die eigene Bedeutung innerhalb der muslimischen Szene bestätigen – und ihm nichts passieren kann, solange er sich im Rahmen der Gesetze bewegt. Anders verhält es sich mit dem ägyptischen Militärgericht, das ihn im März zusammen mit 39 Funktionären der Muslimbruderschaft der „Nutzung terroristischer Methoden zur Durchsetzung ihrer Ziele“ anklagte. Nach Ägypten reisen wird er in Zukunft nicht mehr, denn ein Prozess nach rechtsstaatlichen Methoden würde ihn dort nicht erwarten.

In Deutschland hat El-Zayat immer wieder – auch vor Gericht – bestritten, Teil der Muslimbruderschaft zu sein. „Die Muslimbruderschaft ist die wichtigste islamische Reformbewegung im 20. Jahrhundert“, sagt er. „Sie setzt sich ein für die Befreiung der Frau, für die Lösung sozialer Probleme, sie fördert eine an Raum und Zeit angepasste Interpretation des Korans – alles Ziele, die ich unterstütze“.

Auch El-Zayats türkische Ehefrau Amina ist eine Berühmtheit in der muslimischen Szene; die Ehe der beiden gilt als perfekte Verbindung von arabischem und türkischem Islam in Deutschland. Amina El-Zayat ist die Schwester von Mehmet Sabri Erbakan, des zeitweiligen Milli-Görüs-Vorsitzenden in Deutschland. Necmettin Erbakan, der Gründer der Milli-Görüs-Bewegung, ist ihr Onkel. Das Paar lernte sich kennen, als beide 1991 zu einer Podiumsdiskussion über Muslime in Deutschland in eine Fernsehsendung eingeladen waren. Dass Blut dicker ist als Wasser und familiäre Bande geschäftliche wie politische Vorteile bringen, lässt sich im muslimischen Umfeld häufig beobachten – aber nicht nur dort. Ohne seine quasi-dynastische Einheirat in den Erbakan-Clan wären jedenfalls El-Zayats Immobiliengeschäfte für Milli Görüs nicht denkbar.

An etwa 100 Moscheebauprojekten war ElZayats Firma in der Vergangenheit beteiligt; aktuell sind es 30. Die Leitz-Ordner in seinem Büro, nach Städtenamen alphabetisch sortiert, füllen einen raumhohen Schrank. Die Zusammenarbeit der Verbände im Moscheebau ist gut. „Wir konkurrieren zum Beispiel nicht um Liegenschaften, um die Preise nicht in die Höhe zu treiben.“ Die Fatih-Moschee an der Neusser Straße etwa hat Milli Görüs vor sieben Jahren mit seiner Hilfe erworben. Zuvor war die Gemeinde Mieter und zahlte rund 7000 Mark im Monat, die Hälfte kam durch die Pacht der Läden im vorderen Teil wieder herein. „Wenn man die Mieten der vergangenen Jahre hochrechnet, hatte die Gemeinde das alles ja schon einmal bezahlt“, sagt er. „Es wäre wirtschaftlicher Unsinn, etablierte Moscheestandorte auf Dauer nicht zu kaufen.“ Die Gemeinde (etwa 500 Männer kommen zum Freitagsgebet) finanzierte die Miete aus Spenden; ebenso auch das Eigenkapital für den Kauf. Nun hängen im Vorraum Listen mit Spenden zwischen 20 und mehreren tausend Euro für die Erneuerung des Daches. Eigentlich sollte nach dem Erwerb des Grundstückes ein größerer, bis zu fünfgeschossiger Neubau her, mit Praxis- und Ladenflächen zum Vermieten. Doch die Stadt Köln erteilte keine Genehmigung. Von den 2500 Moscheen in Deutschland befindet sich bisher nur etwa ein Drittel im Eigentum der Gemeinden – noch genug Arbeit also für El-Zayat.

Was Beobachter misstrauisch macht, sind El-Zayats Kontakte in die nationale und internationale islamistische Szene. Er war Vorsitzender der Muslimischen Studentenvereinigung und leitete die Vereinigung muslimischer Geistes- und Sozialwissenschaftler (zeitweise gehörte er auch dem Ring Christlich-Demokratischer Studenten in Marburg und Darmstadt an, gab dann aber den Weg in eine deutsche Partei wieder auf). Er war jahrelang Europa-Vertreter im Aufsichtsrat der „World Assembly of Muslim Youth“, die der saudi-arabischen Regierung nahesteht. Er ist Vorstandsmitglied im 1989 gegründeten Dachverband „Föderation Islamischer Organisationen in Europa“, der verschiedene, der Muslimbruderschaft zuzurechnende nationale Organisationen vereint. Ebenfalls ist er im Vorstand des „European Trust“, einer in Großbritannien angemeldeten Wohltätigkeitsorganisation, die gegründet wurde, um die Föderation unabhängiger von Spendern aus der Golf-Region zu machen.

Als Vertreter des „European Trust“ hat El-Zayat zum Beispiel den Kaufvertrag für ein 2600 Quadratmeter großes, knapp 400 000 Euro teures Grundstück in Berlin-Neukölln unterschrieben. Dort will der Verein „Inssan“ (arabisch für „Mensch“) ein Kulturzentrum mit Moschee errichten. Im vergangenen Sommer kam es dabei zu einer denkwürdigen Pressekonferenz. Während die Neuköllner Baustadträtin Stefanie Vogelsang (CDU) auf dem Podium die anwesenden Journalisten von der Gefährlichkeit El-Zayats überzeugen wollte, stand der auf, stellte sich vor und beantwortete ausführlich und charmant alle Fragen – für Frau Vogelsang interessierte sich niemand mehr.

Das Geld für solche Projekte hat der „European Trust“ nach El-Zayats Auskunft aus Spenden. „Bis in die neunziger Jahre haben die Saudis den Islam in Europa mit ihrem Geld unterstützt, doch seit dem 11. September verringerten sich auf amerikanischen Druck hin und auch wegen eigener Probleme die finanziellen Zuwendungen“, sagt er. Mit dem Versiegen dieses Geldflusses wurden die europäischen Organisationen zugleich auch unabhängiger vom Einfluss des wahhabitischen Islam. „Dort wurde noch ernsthaft diskutiert, ob es korangemäß sei, im nichtmuslimischen Ausland zu leben. Als ich dann fragte, ob sie etwa 35 Millionen europäische Muslime bei sich aufnehmen wollten, wurde es still.“ Er kritisiert die Buchstabentreue und Enge des saudischen Islams: „Da geht es um die Länge des Bartes oder der Kleider. Für uns ist eine bessere Ausbildung der Jugendlichen viel wichtiger.“ Dass seine beiden Töchter nicht auf die von der saudischen Regierung finanzierte König-Fahd-Akademie nach Bonn gehen, ist vor diesem Hintergrund auch ein politisches Signal.

Gerne hätte sich El-Zayat im Februar 2006 von der Mitgliederversammlung des Zentralrats der Muslime zu dessen Präsidenten wählen lassen. Doch das misslang. Stattdessen wurde der deutsche Konvertit Köhler, ein besonnener älterer Herr mit Fliege, der die freiheitliche Ordnung aus tiefster Überzeugung verteidigt, zum Nachfolger von Nadeem Elyas in diese gut beleumdete Führungsposition gewählt. „Der Name El-Zayat ist doch verbrannt“, sagt ein Insider. El-Zayat selbst gibt unumwunden zu: „Durch die Erwähnung im Verfassungsschutzbericht schließen sich mir viele Türen“.

Auf europäischer Ebene gilt das nicht: El-Zayat ist heute Repräsentant des Brüsseler Büros des „Forum of European Muslim Youth and Student Organisations“. In dieser Funktion betreibt er Lobbyarbeit in den europäischen Institutionen, zum Beispiel gegen Kopftuchverbote. Und manchmal hat man den Eindruck, dass Europa-Parlamentarier nicht so genau hingucken, mit wem sie es eigentlich zu tun haben. Doch El-Zayat ist vorsichtig geworden. Er weiß, dass seine Äußerungen aufmerksam registriert werden und jede Unachtsamkeit, jede allzu große Offenheit, ihm noch jahrelang schaden kann – selbst dann, wenn sie in abseitigen Magazinen mit kleinster Auflage verbreitet wird. Klar ist: Glaube und Politik sind für ihn nicht zu trennen. Auf dem von El-Zayat organisierten Jahreskongress der Islamischen Gemeinschaft Deutschlands 2003 in Berlin wurde der ägyptische Prediger Omar Abdel Kafi deutlich: „Integration darf nicht zu weit gehen. Unsere wichtigste Aufgabe ist es, den Islam zu verbreiten. Wir müssen die ganze Welt besiedeln und zum Islam bekehren“.

{Quelle: FAZ, 11.05.2007 – Von Uta Rasche}

 

One Response to “Spinne im Netz der Muslime in Deutschland”

  1. Mohamed Ali Khaire Says:

    As-Salamu alaikum Bruder,

    Wir, somalisch/belgische Eheleute sind auf der Suche nach einem moslemischen Immobilienberater beim Haus-od.Wohnungskauf.
    Sind wir richtig bei Ihnen? Wenn ja, können wir Sie besuchen? Wenn nicht, könnten Sie uns dabei behilflich sein?

    Wir sind unter die Rufnummer 0160-5223642 zu erreichen

    Mit freundlichen Grüssen.


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