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Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

700 Christen bei Requiem für Tote des Sonntagsattentats 4. November 2010

Filed under: Christenverfolgung — Knecht Christi @ 02:07

Kardinal-Patriarch Emmanuel Delly: Christen haben vor Tod und Todesdrohungen keine Angst – Frankreich nimmt christliche Flüchtlinge aus dem Irak auf, auch Kardinal Schönborn und Missio für Aufnahme

 

Bagdad (kath.net/KAP): Mehr als 700 Christen sowie eine große Delegation von Vertretern der Regierung und des öffentlichen Lebens haben am Dienstagnachmittag in der Bagdader Kirche St.Josef-Karrada an der Verabschiedung von 15 der 46 ermordeten Christen teilgenommen, die Opfer des Kathedralen-Attentats von vergangenen Sonntag waren.

Den Gottesdienst leitete der chaldäische Patriarch Kardinal Emmanuel Delly gemeinsam mit dem syrisch-katholischen Bischofsvikar von Bagdad, Msgr. Pios Kasha, der den noch nicht aus Rom zurückgekommenen syrisch-katholischen Erzbischof Athanase Matti Shaba Matoka vertrat. Bei der Geiselnahme in der syrischen Kathedrale in Bagdad, die im Stadtteil Karrada liegt, wurden am Sonntag mindestens 57 Menschen getötet, darunter drei Priester und 43 Gläubige. Mehr als 70 Menschen wurden verletzt. Die drei ermordeten syrisch-katholische Priester werden in ihren Gemeinden beerdigt. Patriarch Emmanuel Delly betonte in seiner Ansprache, dass die Christen vor dem Tod und den Todesdrohungen keine Angst hätten. „Wir sind Kinder dieses Landes, und wir werden im Irak bleiben, Hand in Hand mit unseren muslimischen Brüdern, um den Namen des Iraks hochzuhalten“, so Delly.

Weiterhin noch nicht völlig geklärt ist die Identität der Hintermänner des Attentats. Wie die französische katholische Tageszeitung „La Croix“ am Mittwoch berichtete, seien der Polizeikommandant von Karrada ebenso wie zwei Mitarbeiter des privaten TV-Senders Al-Bagdadiya verhaftet worden. Den dreien werden Kontakte mit den Terroristen vorgeworfen. Die Fernsehleute sollen mittlerweile wieder auf freiem Fuß sein.

Schönborn für Aufnahme von Christen: Noch in der Nacht zum Dienstag hatte sich Frankreich bereiterklärt, 150 irakische Christen aufzunehmen. Österreich gibt sich dagegen abwartend. Am Dienstag hatte es laut Bericht der Tageszeitung „Der Standard“ (Mittwoch-Ausgabe) aus dem Büro von Innenministerin Maria Fekter geheißen, ein „automatisches Settlement für irakische Christen in Österreich ist nicht angedacht“. Man beobachte derzeit die Lage, und die Ministerin sei mit Kardinal Christoph Schönborn in Kontakt.

Der Wiener Erzbischof ist seit Jahren eine starke Stimme für verfolgte Christen. Mit deutlichen Worten reagierte er auf die Ende 2008 erfolgte Ankündigung Fekters, dass Österreich keine weiteren irakischen Flüchtlinge aufnehmen werde. Der Pressesprecher der Erzdiözese Wien, Prof. Erich Leitenberger, sagte dazu auf „Standard“-Anfrage, „an der Position des Herrn Kardinal hat sich nichts geändert; er wird die Hilfe für verfolgte Christen weiter vehement einmahnen“. Der Kardinal wollte vor zwei Jahren 100 Flüchtlingsfamilien in der Erzdiözese Wien unterbringen. Es sei „beschämend, dass sich Österreich an der Aufnahme von christlichen Flüchtlingen und Flüchtlingen aus anderen religiösen Minoritäten nicht beteiligt“, sagte Schönborn damals. Angesichts der jüngsten Ausschreitungen gegen Christen im Irak appelliert das katholische Hilfswerk „Missio“ an die Bundesregierung, Flüchtlinge aus dem Land unbürokratisch aufzunehmen. Auch der deutsche Zweig der Päpstlichen Missionswerke – „Missio-Aachen – Missio-München“ – setzt sich für die Aufnahme von irakischen christlichen Flüchtlingen in Europa ein. „Missio“ spricht dabei von „bis zu 30.000“ Migranten. Bisher seien rund 2.500 Flüchtlinge tatsächlich in Deutschland angekommen.

„Der Überfall auf eine syrisch-katholische Kirche in Bagdad und die blutige Geiselbefreiung am Sonntag, die mehr als 50 Menschen das Leben gekostet haben, zeigen, dass sich entgegen anderslautender Beteuerungen die Lage im Irak nicht stabilisiert hat“, sagte der „missio“-Menschenrechtsbeauftragte Otmar Oehring am Mittwoch in München. Täglich würden auch weiterhin Menschen im Irak Opfer der Gewalt. Frankreich habe nun nach den jüngsten Ereignissen die Aufnahme weiterer Flüchtlinge angeboten; „auch wir dürfen nicht tatenlos zusehen, wie Menschen wegen ihrer Religion Opfer alltäglicher Gewalt werden und als Flüchtlinge einer ungewissen Zukunft entgegen gehen“, so Oehring.

Seit 2003 sank die Zahl der Christen im Irak laut „missio“ von mehr als 800.000 auf unter 400.000. Rund 100.000 Christen seien in die Nachbarstaaten geflohen. Die Betroffenen hätten nicht nur ihre Heimat, sondern auch ihr Hab und Gut verloren. Viele von ihnen seien traumatisiert und hätten mangels Arbeit und Einkommen keine Zukunftsperspektive. „Es liegt an uns, diese Flüchtlinge willkommen zu heißen, sie bei uns aufzunehmen“, betonte Oehring.

 

One Response to “700 Christen bei Requiem für Tote des Sonntagsattentats”

  1. GottesAuge Says:

    Einzige Lichtblicke,dass Menschen aufgnommen werden Frankreich und K.Schönborn!Ein Tropfen auf den heissen Stein.


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