kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Grace Kelly von Saudi-Arabien 22. Oktober 2010

Filed under: Von hier und dort — Knecht Christi @ 03:40

Ihr Leben gleicht einem Märchen: Mouna Ayoub jobbt in einem Lokal, trifft einen saudischen Prinzen, konvertiert zum Islam, heiratet.

 

Der Steward geleitet den Besucher ins Büro. Dort wartet Mouna Ayoub an ihrem Schreibtisch. Dies ist kein gewöhnliches Büro: Der Kirschholztisch ist in den Rumpf ihrer Jacht Phocea montiert, die Bugkabine ist Mouna Ayoubs Arbeitsplatz. Die Phocea, eine der elegantesten und schnellsten Segeljachten der Welt, liegt im Hafen von Palma de Mallorca, wo sich Ayoub in diesem Winter immer wieder aufhält. Nach einer kurzen Begrüßung setzt sie sich an den Konferenztisch und stellt den Fernseher lauter. „Ist es Ihnen recht, wenn wir die Nachrichten schauen“?

 

Die einstige saudische Prinzessin ist bekannt für ihre opulenten Auftritte. Erst vor wenigen Wochen lud sie in ihrem Salon zu einem Empfang. Es gab Häppchen und Champagner, und Madame erschien mit Brillantschmuck, Cashmerepullover und Stiefeln. Das hüftlange Haar trug sie offen, am Finger blitzte ein 50-Karat-Diamant.

Zwischen den beiden Ereignissen liegt Weihnachten und ein Vorfall, der diese schillernde Frau, der man ihr Alter von 50 Jahren kaum ansieht, verstört hat. In Saudi-Arabien wurde ein 19-jähriges Mädchen, das sieben Mal vergewaltigt worden war, zu 90 Peitschenschlägen verurteilt. Ihr wurde vorgeworfen, dass sie sich, unmittelbar bevor sie missbraucht wurde, mit einem ihr nicht verwandten Mann in einem Auto getroffen hatte. Das aber ist in Saudi-Arabien, wo die konservativ-dogmatische Lehre des Wahabismus Staatsräson ist, streng verboten. Weil ihr Anwalt die Weltöffentlichkeit alarmierte, erhöhte das Gericht die Strafe auf 200 Schläge und sechs Monate Haft. Auf internationalen Druck hin hat sich König Abdullah eingeschaltet und die Strafe ausgesetzt. Doch für Mouna Ayoub ist der Fall damit längst nicht erledigt. „Auch wenn sie nicht bestraft wird“, sagt sie, „die Ehre dieses Mädchens ist für immer ruiniert, sie wird das Land verlassen müssen“.

Mouna Ayoub greift nach den Cashewnüssen und lässt sich ihre Zigarren bringen, dazu Tequila. Auf dem Fernsehbildschirm sieht man den französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy beim saudischen König, danach steigt George W. Bush in Riad aus dem Flugzeug. Der Reporter von France 24 berichtet von Aufträgen in Milliardenhöhe, dann Händeschütteln, Limousinen, Schwertertanz. „Glauben Sie, auch nur einer von denen würde nach der Menschenrechtslage in Saudi-Arabien fragen“, raunt Ayoub mit ihrer rauen Stimme. „Da sitzt Bernard Kouchner, legt die Stirn in Falten, er macht sich ja gut in der Regierung, weil er so eine schöne linke Vergangenheit hat, aber das Schicksal der Menschen in Saudi-Arabien ist ihm offenbar egal“.

Dass sich diese Frau so echauffiert, liegt nicht zuletzt auch an ihrer eigenen Biografie. Ayoub ist eine der reichsten und eine der schillerndsten Frauen der arabischen Welt. Ihr Leben umfasst Motive gleich mehrerer Märchen, von Aschenputtel bis zum Zaren Saltan. ­Ayoub wächst als Kind libanesischer Eltern in Kuwait auf, später besucht sie ein Jesuitenkolleg in Beirut. Als der Bürgerkrieg im Libanon ausbricht, schicken ihre Eltern sie nach Marseille zum Studium. Doch die junge Frau schlägt sich lieber in Paris durch, jobbt in einem libanesischen Restaurant. Dort bedient sie 1977 Nasser al Rashid. Der saudische Prinz aus der Dynastie von Harun al Rashid, ist damals ein junger Mann, der alsbald in den Dienst von König Khaled tritt. „Ich habe nie so geliebt wie damals“, sagt Ayoub. Mit 19 Jahren heiratet sie, konvertiert zum Islam und wird zur sprichwörtlichen Prinzessin im Morgenland, lebt in Palästen und Privatflugzeugen und mit einer unzählbaren Dienerschar. Kehrt ihr Mann von einer Reise zurück, ist er beladen mit Schmuck, Haute Couture und technischem Schnickschnack.

Und dann beginnt der zweite Teil von Ayoubs Biografie: Der Mutter von fünf Kindern wird das Leben in Saudi-Arabien zu eng, der Palast zum Käfig, der Reichtum zur Last. Sie macht, was kaum eine saudische Frau wagt: Beim dritten Anlauf verlässt sie ihren Mann, lebt noch drei Jahre als gefallene Prinzessin unter unsäglichen Demütigungen im Wüstenstaat und zieht dann nach Europa. Von ihrer Abfindung – Schmuck, Kunst, Immobilien – kauft sie 1997 die Phocea aus der Konkursmasse des französischen Unternehmers Bernard Tapie. Aus ihrem Handel mit Immobilien und Edelsteinen macht sie ein Vermögen, das konservativ auf 380 Millionen Dollar (Arabian Business) geschätzt wird. Ayoub lebt zwischen Monte Carlo und Los Angeles, und die Gazetten überschlagen sich mit Beiträgen über „die Luxusshopperin“ (Vanity Fair), „Madame maßlos“ (Le Temps) oder „die Milliardärin mit dem gebrochenen Herzen“ (Paris Match). Orientalische Medien nennen sie „Madame Bovary der Wüste“.

„Ich bin ein Kuriosum in der arabischen Welt“, sagt Ayoub. Jeder Auftritt, jede Geste werde zwischen Kairo und Karatschi von Millionen verfolgt. Jetzt wolle sie weg von dem Image der „Lady Super­yacht“, weg von den Chanels („trage ich, wenn ich bei Königshäusern eingeladen bin“) und Gallianos („für mich der begabteste zeitgenössische Designer“), weg von dem Glamour und hin zur Provokation. „Ich bin es leid, zum Jetset gezählt zu werden“, sagt sie. „Wäre ich Jetset, wäre ich heute Abend auf einer Party in Paris“. Aber genau das will sie nicht mehr. „Ich will frei sein, trotz meines Geldes, und mit meiner Bekanntheit anderen Frauen zeigen: Das könnt ihr auch“.

Ihr Kalkül ist einfach: Tritt sie mit spektakulären Publikationen auf, liest das die halbe arabische Welt, eine Debatte könnte ausgelöst werden, Frauen sich animiert fühlen, ihr nachzueifern. Noch sind die Pläne vage: Die Fortsetzung ihres Buches „La Verité – Die Wahrheit“ ist in Vorbereitung. Es soll „La Suite – Die Folge“ heißen und schonungslos abrechnen mit der Zeit nach ihrer Trennung. Aber es soll erst nach ihrem Tod erscheinen. Sie könnte ein paar aufsehenerregende Fotos publizieren. Erotisches, was man einer saudischen Prinzessin nicht zutraut. Dass sie dazu den Mut hat, hat sie bewiesen: In Cannes knöpfte sie sich 2004 vor den Kameras die Bluse auf. „Das war das ‚Jahr des Busens‘, Sophie Marceau glitt in der Öffentlichkeit ein Träger herunter, ich dachte, wieso soll ich das nicht absichtlich machen“, erzählt sie lakonisch. „Ich möchte niemanden beleidigen, aber was ich mit meinem Körper mache, ist meine Sache, nicht die meines Mannes, meines Vaters oder der Scharia“. Das sei die Freiheit, für die sie gekämpft habe, und koste es eines Tages ihr Leben. „Wenn ich es nicht mache, wer sonst sollte es tun“?

Nun gibt es in Saudi-Arabien indes zaghafte „Fortschritte“: Das saudische Handelsministerium hat Ende Januar Anweisung gegeben, ab sofort Hotelzimmer auch an unbegleitete Frauen zu vermieten. Das Schicksal einer nach einem Streit von ihrem Mann vor die Tür gesetzten Mutter, die in keinem Hotel unterkam, hatte Aufsehen erregt. Im Fall des Vergewaltigungsopfers herrscht offiziös Einigkeit, dass das Urteil unangemessen war. „Aber an 200 Peitschenschlägen kann man sterben“, wirft Ayoub ein, derlei Justiz sei nicht hinnehmbar. Es ist zudem ein Schicksal, dem sie selbst nur knapp entgangen ist: In Riad wäre Ayoub beinahe von der Religionspolizei Muttawa verhaftet worden, weil sie mit ihrem Fahrer, einem nicht mit ihr verwandten Mann, im Auto saß. „Von all den Staaten, in denen Menschenrechte verletzt werden, ist Saudi-Arabien dasjenige, das am wenigsten angeprangert wird.

Ist sie eine orientalische George Sand? Eine arabische Alice Schwarzer mit Sexappeal und High Heels? „Die Befreiung der islamischen Frau werden wir in unserem Leben nicht mehr erleben“, schränkt Ayoub ein. Dennoch will sie etwas bewegen, und ihr Medium bleibt die Ikonografie. „Wir sind alle Voyeure“, sagt Ayoub, „wenn eine Frau etwas erreichen will, muss sie sich ihres Körpers bewusst werden“. Nicht allein deshalb geißelt sie sich täglich, geht zwei Stunden joggen, springt auch im Winter ins Meer. Politik und Foto, Emanzipation und Körper, das sind für Ayoub zwei Seiten einer Medaille – im krassen Gegensatz zum europäischen Feminismus der siebziger Jahre. „Ein klarer Geist kommt von einem guten Körper, das zeigt uns schon Michelangelo“, sagt Ayoub. Deshalb reißt sie sich in übertragenem Sinne jeden Tag aufs Neue den Schleier herunter, gibt sich als Popstar wie Madonna, die sie bewundert. Angebote vom Playboy schlug sie hingegen aus. „Das ist nicht vereinbar mit der Familienehre, es wäre eine Belastung für meine Kinder“.

France 24 berichtet inzwischen von einem Attentat in Karatschi. „Pakistan ist ein Pulverfass“, diagnostiziert Ayoub. „In so einem Land kann eine Frau wie Benazir Bhutto nicht überleben“. Bhutto habe die „pakistanische Indira Gandhi“ sein wollen, sei aber in eine Mission impossible gestartet, als sie in ihre Heimat zurückkehrte. „Sie sah zu gut aus, sie war zu emanzipiert, so etwas geht in einem islamischen Staat nicht.“ Vergewaltigungsopfer oder Spitzenpolitikerin – Ayoub ist in die Rolle einer Feministin gerutscht, was sie, darauf angesprochen, vehement ablehnt. „Ich kann nur nicht anders, als meinen eigenen Weg zu gehen und damit andere Frauen zu ermutigen, dasselbe zu tun“. Jetzt soll es nicht mehr bei Wohltätigkeitsaktionen bleiben. Seit Jahren spendet sie für die Aidsforschung, für Waisenkinder, für das UN-Flüchtlingshilfswerk und die Bekämpfung der Kinderpornografie. Reisen in Krisengebiete wie Afghanistan oder Sudan hat sie mit Rücksicht auf ihre eigenen Kinder, die in den USA studieren oder internationale Karrieren eingeschlagen haben, verworfen: „Meine Kinder schrien auf: Mama, die werden dich umbringen“!

Dass sie, wie die aus Somalia stammende niederländische Politikerin und Buchautorin Ayaan Hirsi Ali ins Fadenkreuz von Islamisten geraten könnte, schreckt sie nicht. „Ich habe keine Angst vor einer Fatwa“, sagt Ayoub, drückt ihre Zigarre aus und trinkt den Tequila. Ins Logo der Phocea hat sie das Motto „Animus et Veritas – Courage und Wahrheit“ geschrieben.

{Quelle: http://www.cicero.de  von Nikolaus Nowak: lebt als Journalist in Spanien. Er schreibt unter anderem für „Die Welt“ und „Die Presse“ in Wien – Foto: Picture Alliance}

 

2 Responses to “Grace Kelly von Saudi-Arabien”

  1. schreibtmit Says:

    konvertiert zum Islam, heiratet.
    da gehört Sie dazu=<um sie fern zu halten um den christlichen Glauben zu beschmutzen.

    Religion wird immer dann zuKraft des Guten=====<

    , solange die Eigenverantwortlichkeit nicht infrage gestellt wird. Sobald ich aber die Konsequenzen meines Handelns auf fremde Schultern verteilen kann (z.B. auf Gottes Schultern, wenn ich in Gottes Namen töte, stehle oder strafe oder züchtige), und ich negatives Handeln mit Göttlichem Auftrag begründen kann, wird aus jeder noch so gut gemeinten Religion eine Waffe gegen die Menschlichkeit. Also Religion ja, aber bitte immer unter dem Gesichtspunkt, dass ich selber immer für mein Handeln alleine einstehe

  2. schreibtmit Says:

    Zwischen den beiden Ereignissen liegt Weihnachten und ein Vorfall, der diese schillernde Frau, der man ihr Alter von 50 Jahren kaum ansieht, verstört hat.
    will sie nicht mehr. „Ich will frei sein, trotz meines Geldes, und mit meiner Bekanntheit anderen Frauen zeigen: Das könnt ihr auch

    —————woher nehmen sie die Mittel?
    Ein klarer Geist kommt von einem guten Körper,
    wer bezahlt den nicht gut gestellten Frauen dies alles,wer schult ihr Wissen dazu.

    Eigentlich eine naive dumme Frau!
    Ein unchristliches Vorleben ,das man niemals nachahmen sollte.
    Die Masse veränder aber kein unmoralischer Durchbruch.

    Einfältige Geschichte dessen Frau nicht bewundernswert nachamend sei,
    herablassend für Frauen ohne Reichtum,Frauen die versklaft sind,Frauen die gedemütigt werden und nicht heraus kommen,Frauen die verfolgt werden……ectr.

    Europas Frauen wurden auch frei, mit keinem reichen Ehegatten,oder gut situierten Eltern.


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