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Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Israel und Google veröffentlichen Qumran-Schriftrollen 20. Oktober 2010

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 06:24

Jerusalem (APA/dapd): Gemeinsam mit Google will die israelische Altertumsbehörde die Schriftrollen von Qumran im Internet veröffentlichen. Der 2.000 Jahre alte Text wurde in den 1940er Jahren in Höhlen nahe des Toten Meers entdeckt und gilt als einer der bedeutendsten archäologischen Funde des vergangenen Jahrhunderts.

Experten haben kritisiert, dass bisher nur wenige Forscher Zugang zu den Schriftstücken hatten. Das Dokument enthält unter anderem die ältesten bekannten Handschriften der Bibel. Durch die Veröffentlichung im Internet werde das Original-Dokument einerseits geschützt und andererseits einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht, sagte die Sprecherin der Altertumsbehörde, Pnina Schor, am Dienstag. Die ersten hochauflösenden Bilder sollen im Laufe der kommenden Monate kostenlos im Internet zu sehen sein. {Quelle: http://www.tt.com}

Die Schriften von Qumran und ihre Bedeutung für das Christentum

Qumran – Essener-Kloster oder einfaches Dorf? Die Schriftrollen vom Toten Meer, auch Schriftrollen von Qumran genannt, wurden in unmittelbarer Nähe von Qumran oder Khirbet Qumran, einer Ruinenstätte im Westjordanland am Toten Meer im Jahre 1947 von Beduinen entdeckt. Sie wurden in elf Höhlen direkt an der Küste des Toten Meeres gefunden.

Etwas vorschnell wurden nach dem Fund Siedlung, Höhlen und Rollen mit der Sekte der Essener in Verbindung gebracht. Man hielt die Siedlung für eine umfangreiche Schreiberwerkstatt und den Ort einer monastischen Glaubensgemeinschaft. Heute ist man in vielen Punkten sehr viel vorsichtiger geworden. Das genaue Verhältnis zwischen Rollen, Siedlung und der Gemeinschaft der Essener muss heute als unsicher und höchst umstritten bezeichnet werden. Wenn die Rollen von Qumran aus in die Höhlen gebracht wurden, wurden sie auch in Qumran geschrieben? Und wurde das, was geschrieben wurde auch so geglaubt und so praktiziert in Qumran? Oder vervielfältigte man nur Rollen im Auftrag anderer? Oder deponierte man sie nur? Oder wurden sie sogar von ganz anderem Ort in die Höhlen gebracht, und die räumliche Nähe zur Siedlung ist eher zufällig?

Und ist die Gemeinschaft hinter den Texten der Rollen wirklich essenisch? Ist es überhaupt eine einzelne Gemeinschaft, oder sind es mehrere Gruppen, die die Schriften verfassten und nur mehr oder minder zufällig am selben Ort deponierten? Immerhin wurde ermittelt, dass die Rollen von insgesamt 500 verschiedenen Schreibern stammen. Darunter sind viele Kopien. Die Psalmen z.B. in 36 Ausführungen. Ist hier also doch eher eine Schreiberwerkstatt aktiv, die für verschiedene Auftraggeber arbeitet? Sind die verschiedensten hymnischen, biblischen, apokalyptischen und ethischen Texte überhaupt auf einen Nenner zu bringen, oder ist sogar der Versuch dies zu tun schon verkehrt?

Neuere Grabungen lassen Zweifel daran aufkommen, dass die Siedlung eine Art Kloster war, man spricht von einem ganz normalen Dorf, in dem etwa 100 Bauern und Handwerker mit ihren Frauen und Kindern lebten und Viehzucht und Dattelanbau betrieben. Auch eine Funktion als Militärlager und als bedeutende Keramikwerkstätte (worauf die Absetzbecken für Ton deuten) oder Parfümproduktionsstätte wurde diskutiert.

Die umfangreichen Rollendepots in den nahe gelegenen Höhlen gehören möglicherweise also gar nicht den Leuten der Siedlung, sondern wurden in politisch bedrohlicher Zeit, etwa während des jüdischen Krieges, oder des großen Aufstands der Israeliten um 70 n. Chr. gegen die Römer, zum Schutz vor Vernichtung angelegt. Sie müssen also gar nicht in der Nähe der Höhlen entstanden oder gelesen worden sein.

 

Die Schriftrollen von Qumran

Die Geschichte besagt, die Schriftrollen seien von einem Beduinenhirten gefunden worden, der eine entlaufene Ziege suchte. Als er sie mit Steinwürfen aus einer der Höhlen jagen wollte, hörte er es scheppern. So entdeckte er die Schriftrollen, die in Tonkrügen aufbewahrt wurden und offenbar unversehrt die Jahrhunderte überstanden hatten.

Im Januar 1949 wurden vier Schriftrollen durch den Metropoliten Samuel in die USA gebracht. Er hatte sie den Beduinen abgekauft. Am 01. Juli 1954 kaufte Yigael Yadin (Archäologe und Dozent an der Hebräischen Universität, früherer Stabschef der israelischen Streitkräfte) die Rollen für 250.000 Dollar und brachte sie nach Israel. Der Kaufpreis wurde von einem reichen Geldgeber aufgebracht.

Bei den Rollen handelt es sich in der Regel um Lederrollen aus Ziegenhaut. Papyrus oder Pergament kommen nicht vor, eine Rolle ist aus Kupferblech. Der Zustand der Rollen ist sehr unterschiedlich gut bzw. schlecht. Neben der spektakulären Jesajarolle, die fast komplett erhalten ist, sind andere Rollen stark zerstört und in zum Teil nur daumennagelgroßen Fragmenten erhalten. Die Zahl der Texte und Textreste beläuft sich auf ca. 800.

Sie sind in Hebräisch, Aramäisch, Nabatäisch oder Griechisch verfasst. Die Handschriften haben unterschiedliches Alter. Sie stammen aus der Zeit zwischen dem 3. Jahrhundert v. Chr. und der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. (genauer: dem Jahr 68, als die nach Jerusalem ziehende römische Legio X Fretensis Qumran zerstörte). Die Datierung in die letzten Jahrhunderte v. Chr. erfolgte durch C14-Methode und verwandte Verfahren und mit der Methode der Paläographie, das heißt anhand bestimmter erkennbarer Schriftstile und Abkürzungen, die sich zeitlich einordnen ließen. Nicht zuletzt helfen auch „innere Kriterien“, d.h. den in den Texten erwähnte historische Zusammenhänge. Daher kann die Datierung als relativ sicher gelten.

Dem Inhalt nach handelt es sich teilweise um Tora- und andere liturgische Rollen, wie sie auch heute noch im jüdischen Synagogenkultus und seinerzeit im Jerusalemer Tempel und an möglicherweise anderen Kultorten für den Gottesdienst Verwendung fanden. Die Texte beinhalten Teile des Altes Testament der Bibel, Kommentare zu biblischen Texten, sowie bislang unbekannte Schriften, die teilweise einer oder mehreren vorher unbekannten jüdischen Sekten zugeschrieben werden. Andere Rollen zeigen mehr profanen Inhalt wie Inventarlisten.

{Quelle: http://www.basiswissen-christentum.de}

Foto: Alexander Schick (c) http://www.bibelausstellung.de

 

One Response to “Israel und Google veröffentlichen Qumran-Schriftrollen”

  1. Malte Says:

    Lesenswerter Artikel ueber Google.


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