kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Die christlichen Nachfolger der Pharaonen 19. Oktober 2010

Filed under: Koptische Kirche im Ausland — Knecht Christi @ 06:25

Kopten – Ägypten ist ein muslimisches Land mit einer starken christlichen Minderheit. Die koptischen Christen, die einen eigenen Papst haben, führen ihre Ursprünge auf den Evangelisten Markus zurück. Rund 6.000 von ihnen leben in Deutschland. Ein Besuch bei der Gemeinde des Heiligen Mina in München.

 

Es riecht nach Weihrauch. Schelle und Triangel erklingen. Deutsche, arabische und koptische Worte dringen durch das Kirchenschiff. Links sitzen die Männer, rechts die Frauen. Hinter den Sitzreihen tragen Mütter ihre Babies auf dem Arm, kleine Kinder laufen herum. Es ist viel los bei den Kopten in Sankt Mina in München. Die Kopten sind die Christen Ägyptens. Sie bilden eine sogenannte altorientalische Kirche. Die Altorientalen trennten sich im 5. Jahrhundert von der Mutterkirche. Heute findet man sie unter anderem auch in Äthiopien, Armenien und Syrien. Seit 1996 nutzt die koptisch-orthodoxe Gemeinde in München die Kirche Sankt Mina als Pfarrkirche. Jeden zweiten und vierten Sonntag im Monat wird hier Gottesdienst gefeiert. Dieser dauert zwei bis drei Stunden. Im Jahr 2000 wurde das 1851 erbaute und auch als Loretokirche bekannte Gotteshaus in eine koptische Kirche umgestaltet. Ein Taufbecken und die Ikonostase wurden eingebaut. Die Ikonostase ist eine Trennwand zwischen Kirchenschiff und Altarraum. Sie ist typisch für Ostkirchen. 75 Familien mit jeweils drei bis vier Personen gehören zur koptischen Gemeinde. Der Heilige Mina, nach dem die Kirche benannt ist, starb als koptischer Märtyrer im 3. Jahrhundert nach Christus.

Ein Mönch an der Spitze: Erzpriester Pater Deuscoros El-Antony ist das Oberhaupt der Kopten in Bayern und zuständig für Sankt Mina. Vor 25 Jahren wurde er Mönch des Antoniusklosters am Roten Meer, seit sieben Jahren betreut er die koptischen Gemeinden in Bayern. „Die Kopten sind die Nachfolger der Pharaonen“, erklärt El-Antony. „Unser Patron ist der Heilige Markus. Er hat die christliche Tugend nach Ägypten gebracht, und wir sind seine Nachfolger. Wir haben einen eigenen Papst, eine eigene Sprache und einen eigenen Gottesdienst. Das unterscheidet die Kopten von den anderen christlichen Kirchen“, sagt er. „Und wir beten viel, zum Beispiel für Verstorbene, Kranke, Reisende, für die Natur und die ganze Welt“. Im Kirchenjahr feiern die Kopten drei große Feste: Weihnachten, Ostern und das Tauffest. „Wir glauben, dass sich zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Liturgie Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi verwandeln. Deshalb müssen wir regelmäßig zur Kommunion kommen, damit wir Gott immer in uns haben“. Diakon Georg Alfons kennt auch die Bräuche der anderen Kirchen“. „Unser heiliges Brot sieht anders aus. Es wird zwei Mal im Monat um drei Uhr in der Früh gebacken“. Der Teig wird mit Hefe, jedoch ohne Salz und Zucker zubereitet. Kinder dürfen ab der Taufe am Abendmahl teilnehmen.

Zahlreiche Fasttage: Die Kopten fasten jeden Mittwoch und Freitag, 43 Tage vor Weihnachten und 55 Tage vor Ostern. Es gibt ein 15-tägiges Marienfasten und ein Apostelfasten. „Es gibt Leute, die lange fasten, und dieselben Sünden wie zuvor begehen“. Deshalb sei es wichtiger für Gott, dass der Fastende auch sein geistliches Leben betrachte und schaue, wo er den Mitmenschen keine Liebe gezeigt habe, so Alfons. „Wir konzentrieren uns im Christentum nicht so sehr auf das Essen, sondern wir konzentrieren unsere Gedanken auf das Himmelreich“. Gefastet wird von Mitternacht bis zum Nachmittag.

Zwölf Millionen Kopten leben in Ägypten, eine Million in den USA und eine weitere Million in Lateinamerika, Afrika, Europa und Australien. In Asien gibt es nur sehr wenige koptische Kirchen. In Deutschland verteilen sich die rund 6.000 Kopten auf 20 Gemeinden. „Ich habe das Gefühl, die Christen sind in Deutschland eine Minderheit“, sagt Diakon Alfons. Die Nonnen und Mönche in Deutschland hätten die Trümmerfrauen nach dem Krieg seelisch unterstützt. Dadurch konnten sie das zerstörte Land wieder aufbauen. Die jüngere Generation habe das verdrängt. Jetzt gebe es Atheismus und andere Religionen. Dass viele aus der Kirche austreten, da sie keine Kirchensteuer bezahlen möchten, kann er nicht nachvollziehen.

Beim Ökumenischen Kirchentag dabei: Die Kopten wirken beim Ökumenischen Kirchentag mit, der im Mai 2010 in München stattfindet. „Die Kopten sind sehr stolz auf ihre Religion und ihre Geschichte“, betont Nassef Bishara, eines der Gemeindemitglieder von Sankt Mina. Die koptische Kirche gehöre zu den ältesten Kirchen der Welt. Den Kirchentag möchten sie nutzen, um ihre Kirche und ihren Glauben vorzustellen. „Wir gehen als Gemeinde zum Marienplatz. Wir werden singen und nehmen koptische Bücher, Ikonen, Bilder und Kreuze mit. Wir wünschen uns gute Beziehungen zu den anderen Christen“.

Diakon Georg Alfons ergänzt: „Ich will, dass sich die katholische, evangelische und orthodoxe Kirche öfter treffen, und dass die Kirche irgendwann eins wird. Das ist sehr wichtig, denn wir werden immer weniger und weniger. Und ich hoffe, dass wir in Zukunft das Christentum nicht nur noch im Museum finden“. Auf die Integration in Deutschland angesprochen, antwortet er: „Die Kopten haben ähnliche Traditionen und Prinzipien wie die Europäer. Wir sind sehr gut integriert und können mit anderen in Frieden leben“.

{Quelle: http://www.evangelisch.de – Von Bettina Scriba}

 

3 Responses to “Die christlichen Nachfolger der Pharaonen”

  1. WiKle Says:

    Das koptische Landesrecht.
    Unter Ramses III. ist der unaufhaltsame Abstieg des einst größten Reiches in der Antike nicht mehr aufzuhalten. Die innere Anarchie und der Einfall indoeuropäischer Völkerschaften Ende des 2. Jahrtausends in Lybien, Asien und dem ganzen Mittelmeerraum zerbrechen das schon prekäre Gleichgewicht in seinem Inneren.

    Ab ca. 1075 v.Chr. beginnt die sogenannte Spätzeit (inkl. dritte Zwischenzeit). Ägypten war keine Großmacht mehr und fremde Mächte wechselten sich auf dem Pharaonenthron ab. In dieser Epoche eroberte Alexander der Große, ein Makedonier, im Jahre 332 v.Chr. Ägypten. Nach seinem Tod übernahmen die Herrschaft von da an die Ptolemäer für einige Jahrzehnte. Die letzte bedeutende herrschende Persönlichkeit in Ägypten war die Ptolemäerin Kleopatra VII. Für uns bekannt durch die ungewöhnlichen Verbindungen zu den römischen Herrschern Cäsar und Antonius. Ihre Herrschaft über Ägypten sollte nur von kurzer Dauer sein, schon um 31. v.Chr., scheitert sie an den Römern, die mit Octavian ihr Land in Besitz nahmen. Ägypten wurde zur Kornkammer Roms. Nach der Teilung des Römischen Reichs, 395 n.Chr., fällt Ägypten an Ost-Rom.

    Die Zeit der Kopten (früheste Christen in Ägypten) dauerte von 2. Jh. n.Chr. bis 7. Jh. n.Chr.
    Im Jahre 646 n.Chr. wird Ägypten den Arabern unterworfen und ist bis heute Islamisch-Arabisch geblieben. Da Ägypten auch einmal christlich !

    war, bilden die Kopten in Ägypten noch eine kleine Minderheit, die ihre christliche Religion weiterhin praktizieren. Vom einstigen pharaonischen Glauben ist, bis auf die Denkmäler und religiösen Hinterlassenschaften, so gut wie nichts mehr übrig geblieben.

  2. WiKle Says:

    Es sind die Wesentlichen genannt und kurz beschrieben; das Pharaonenreich brachte insgesamt um die 300 Pharaonen (Herrscher) hervor. Der Pharao galt im Alten Ägypten als lebender Gott und er stand an der Spitze des Volkes. Die Pharaonen selbst nannten sich »Herr Beider Länder« auf altägyptisch Neb-taui. Eine weitere Bezeichnung ist: »nesut-bit« = »Der welcher zur Biene und Binse gehört« (= König von Ober- und Unterägypten). Desweiteren trugen die Pharaonen eine Königstitulatur, bestehend aus fünf einleitenden Titeln. Abb. links: König Neferhotep

    Am Beginn der pharaonischen Zeit, um die 3000 v.Chr., stehen die frühzeitlichen Könige, deren Vorgänger das ägyptische Reich einten. Die Wissenschaft ist sich allerdings noch nicht einig, wer der tatsächliche Reichseiniger war. Es könnte Narmer (für seine Reichseinigung spricht die berühmte „Narmer-Palette“), prädynastische Zeit, 0. Dynastie, gewesen sein oder auch Menes (Meni, Aha?), frühdynastische Zeit, 1. Dynastie, welcher die alte Reichsstadt Memphis gründete. Menes und seine Nachfolger der ersten beiden Dynastien, die zusammen etwa 400 Jahre herrschten, haben von Memphis aus das Land regiert, indem sie für die enge Verknüpfung der beiden Landesteile Ober- und Unterägypten sorgten. Diese Zeit wird allgemein als „Thinitenzeit“ (Frühzeit) benannt – es ist die Zeit der Könige der 1. und 2. Dynastie. Diese Könige wurden in den Nekropolen Abydos und Sakkara bestattet.

  3. WiKle Says:

    lesenswert.
    Koptisch -eine Mischung aus Altägyptisch und Griechisch
    Die Sprache der Pharaonen

    Koptisch – das ist die Bezeichnung für das Endstadium einer rund 4.000 Jahre lang gesprochenen und schriftlich dokumentierten Sprache. Die ältesten ägyptischen Texte stammen etwa aus der Zeit um 3000 v. Chr., irgendwann viel später, wohl im 14. nachchristlichen Jahrhundert, wurde das Koptische dann nur noch als Kirchensprache verwendet und verwandelte sich damit von einer gesprochenen in eine tote Sprache. Heute wird die christliche Bevölkerung Ägyptens als „koptische“ bezeichnet

    Für das Koptische hat die Statistik den Nachweis gebracht: Gerade Übersetzungsliteratur aus dem Griechischen – so zum Beispiel die koptische Übersetzung des Neuen Testaments – weist teilweise eine auffällig geringere Zahl an griechischen Wörtern auf als nachweislich auf Koptisch verfasste Texte. Ganz offensichtlich versuchten die Übersetzer, bei der Übertragung der Texte einen möglichst hohen Prozentsatz des genuin ägyptischen Wortmaterials zu verwenden. Es fällt in diesem Zusammenhang auf, dass die kleinen Partikel der Fremdsprache – ein „dass“ oder ein „und“, ein „damit“ und „jedoch“ – in den Alltagstexten Ägyptens so gut wie nicht zu finden sind. Das ist sehr wichtig. Das Vorkommen solch kleiner Partikel kann einen Hinweis auf die ursprüngliche Sprache eines Textes geben.

    Das Zusammentragen des griechischen Wortmaterials verbessert also nicht nur das Verständnis der Texte, indem Spezialbedeutungen erschlossen werden. Auch die geistige Welt Ägyptens im ersten nachchristlichen Jahrhundert erschließt sich besser. Nicht zuletzt wird dadurch ein kleiner Beitrag für die Alters- und Herkunftsbestimmung von literarischen Texten geliefert


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