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Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Die Bibel und Prophetie 17. Oktober 2010

Filed under: Spiritualität — Knecht Christi @ 01:25

In welchem anderen bekannten Buch finden wir sowohl Ankündigungen für eine ferne Zukunft als auch viele Jahrhunderte später ein Protokoll ihrer Erfüllung? Erfüllte Prophezeiungen sind der schlagende Beweis für die Wahrhaftigkeit der Bibel. Obwohl die Erfüllung zahlreicher Bibelvoraussagen noch aussteht, zeigt uns die Geschichte, daß viele bereits eingetroffen sind. Gelingt es uns nachzuweisen, daß sich Prophezeiungen – mit großer Genauigkeit – erfüllt haben, wird es schwer, die Beweise zu ignorieren.

Wie mit den in der Bibel festgehaltenen Geschichten, so steht es auch mit den Prophezeiungen: Gott gibt dem Skeptiker großzügig Gelegenheit, die Bibel zu widerlegen, sofern dies überhaupt möglich sein sollte. Jesaja, Daniel und andere Propheten haben vieles nämlich in größter Ausführlichkeit angekündigt. Gott gibt uns mit diesen Vorhersagen Gelegenheit nachzuprüfen, inwieweit er zu seinem Wort steht. Durch sein Sprachrohr Jesaja fordert Gott den Zweifler heraus: „Ich bin Gott, und sonst keiner mehr, ein Gott, dem nichts gleicht. Ich habe von Anfang an verkündigt, was hernach kommen soll, und vorzeiten, was noch nicht geschehen ist. Ich sage: Was ich beschlossen habe, geschieht, und alles, was ich mir vorgenommen habe, das tue ich“ (Jesaja 46,10). Um Einblick in die Zukunft zu gewinnen, wandten sich die Israeliten des Altertums häufig an falsche Propheten und Wahrsager. Im Vertrauen auf solche Quellen entstand ein sinnloser Götzendienst.

Gott fordert den Skeptiker heraus

Gott selbst bezeichnet die Prophetie als Beweis für seine Existenz: „Sie sollen herzutreten und uns verkündigen, was kommen wird. Verkündigt es doch, was früher geweissagt wurde, damit wir darauf achten! Oder lasst uns hören, was kommen wird, damit wir merken, daß es eintrifft! Verkündigt uns, was hernach kommen wird, damit wir erkennen, daß ihr Götter seid!“ (Jesaja 41,22-23). Prophezeiungen und ihre Erfüllung sind als Beweis für die Inspiration biblischer Prophetie schriftlich festgehalten. Wenn Gott Ereignisse Jahrhunderte im Voraus ankündigen und dann herbeiführen kann, haben wir einen unwiderlegbaren Beweis für seine Existenz sowie für die Tatsache, daß die Bibel wirklich sein inspiriertes Wort für uns ist. Wenn er seine Vorhersagen eintreten lassen kann, dürfte es offensichtlich sein, daß es ebenfalls in seiner Macht steht, alle anderen biblischen Vorhersagen in Erfüllung gehen zu lassen.

Bedenken wir die Schwierigkeit, die Zukunft vorherzusagen. Der kartenhausartige Zusammenbruch der Sowjetunion oder der plötzliche Fall der Berliner Mauer zum Beispiel haben die Welt überrascht. Auf der anderen Seite traten im Jahre 1991 selbsternannte Propheten auf, die den damals tobenden Golfkrieg als Vorstufe zu Harmagedon sahen. Das angekündigte Harmagedon wird zwar noch kommen, doch der Golfkrieg war es nicht. Ihm fehlten wesentliche Aspekte des in der Bibel beschriebenen Harmagedons. Alle, die sich in den biblischen Prophezeiungen gut auskannten, wussten, daß einige Merkmale, die für die Krise des Endes dieses Zeitalters vorhergesagt sind, in diesem Krieg nicht vorhanden waren.

Wieviel können wir über die Zukunft wissen?
Wieviel kann man über die Zukunft wissen? Die Bibel macht klar, daß zahlreiche Prophezeiungen mit der Wiederkehr Jesu Christi zur Erde, der Auferstehung der Toten und der Errichtung einer tausendjährigen Friedensordnung ihre Erfüllung finden werden (siehe 1. Thessalonicher 4,16-17; Offenbarung 5,10). Es ist anzunehmen, daß manche wichtige Ereignisse, die zur Endzeitkrise führen, erst bei oder kurz vor ihrem Geschehen vom Volk Gottes als Erfüllung bestimmter Prophezeiungen verstanden werden können (Daniel 12,9-10; Amos 3,7). Möchten wir wissen, an welchem Punkt wir zeitlich in Gottes Plan stehen, ist es erforderlich, mit bestimmten Ankündigungen vertraut zu sein. Die Bibel hat vieles vorhergesagt, was wir als Geschichte kennen, und kann uns gleichermaßen helfen, die Zukunft zu sehen.

Nicht ohne Grund wird biblische Prophetie als „im voraus geschriebene Geschichte“ bezeichnet. In diesem Kapitel geht es uns darum, Prophezeiungen zu betrachten, die bereits erfüllt wurden. Damit sind wir in der Lage, die Bibel noch deutlicher als eine zuverlässige Quelle zu erkennen.

Schlüsselprophezeiungen

Im Buch Daniel sind Ereignisse vorhergesagt, von denen einige bereits vor vielen Jahrhunderten erfüllt wurden, während die Erfüllung der anderen noch vor uns liegt. Gott gab Daniel folgende Anweisung: „[Verbirg] diese Worte, und versiegle dies Buch bis auf die letzte Zeit. Viele werden es dann durchforschen und große Erkenntnis finden“ (Daniel 12,4). Damit ist angedeutet, daß der prophetische Inhalt des Buches erst kurz vor der Endzeit verstanden werden soll.

Die Prophezeiungen Daniels sind wichtige Schlüssel zum Nachweis der grundsätzlichen Richtigkeit der Vorhersagen der Bibel. Viele seiner Weissagungen sind so detailliert und spezifisch, daß selbst der voreingenommenste Skeptiker sie akzeptieren muss. Bezeichnend ist, daß verschiedene Skeptiker nicht gewagt haben, die inhaltliche Wahrhaftigkeit der Prophezeiungen Daniels anzuzweifeln. Weil sie aber nicht bereit sind, zuzugeben, daß seine Worte inspiriert sind, haben sie sein Buch als Betrug hingestellt. Sie bestreiten, daß es im 6. Jahrhundert vor der Geburt Christi von Daniel geschrieben wurde, wie es eindeutig aus dem Inhalt hervorgeht. Nach ihren Aussagen wurde es von einem unbekannten Schriftsteller im 2. Jahrhundert v. Chr. niedergeschrieben, als schon viele der darin angekündigten Ereignisse in ferner Vergangenheit lagen. Daher, so die Kritiker, sei es überhaupt nicht überraschend, daß der Inhalt des Buches den geschichtlichen Tatsachen genau entspricht.

Ausgerechnet diese Genauigkeit spricht jedoch gegen ein spätes Abfassungsdatum: „Die exakten Details, die im Buch [Daniel] enthalten sind, könnten sich wohl kaum über etwa 400 Jahre mündlicher Tradition erhalten haben“ (Das Alte Testament erklärt und ausgelegt, Hänssler Verlag, 1998, Band 3, Seite 383). Darüber hinaus behaupten die Kritiker, Daniel könne nicht der Verfasser des Buches sein, weil er in den ersten Kapiteln von sich selbst in der dritten Person spricht, als schreibe er über jemand anderen. Wie Gleason L. Archer jr. im Bibellexikon The Expositor’s Bible Commentary schreibt, „war das bei antiken Autoren geschichtlicher Memoiren eine völlig übliche Praxis“ (Band 7, Seite 4).

Außerdem hat Daniel in einigen Erzählungen auch die erste Person benutzt (siehe Daniel 7,15; 8,15; 9,2; 10,2). Ferner ist die Identität der Kritiker Daniels von Bedeutung. Der erste, der ihn als Autor in Frage stellte, war der griechische Gelehrte und Historiker Porphyr (233 bis 304 n. Chr.). In der Geschichtsschreibung gilt er als Neoplatoniker, was bedeutet, daß er eher die Lehrmeinungen des griechischen Philosophen Platon als die der Bibel vertrat. „Porphyr ist als heftiger Gegner des Christentums und Verteidiger des Heidentums bekannt“ (Encyclopedia Britannica, 11. Ausgabe, Band 22, Seite 104, Artikel „Porphyry“).

Da Porphyr ein Feind des Christentums war, sind Zweifel an seiner Objektivität erlaubt. Seine Meinung zum Buch Daniel entbehrt jeglicher Grundlage und widerspricht dem Zeugnis Jesu Christi, der Daniel als Verfasser des Buches bezeichnete (Matthäus 24,15). Der Bibelgelehrte Hieronymus (340-420 n. Chr.) widerlegte den Standpunkt des Porphyr. Niemand nahm Porphyr jahrhundertelang danach noch ernst. „Christliche Gelehrte beachteten ihn kaum, weil sie in ihm lediglich einen heidnischen Kritiker sahen, dessen Vorliebe für weltliche Erklärungen sein Urteilsvermögen trübte. Doch während der Aufklärung des 18. Jahrhunderts galten sämtliche übernatürlichen Aspekte der Heiligen Schrift als fragwürdig“ (The Expositor’s Bible Commentary, Band 7, Seite 13). Die Gelehrten mit einer bibelkritischen Haltung haben Porphyrs jahrhundertelang verschüttete Theorie wieder ausgegraben. Der Alttestamentler Eugene H. Merrill schreibt dazu: „Sprache und Stil „Daniels“ gehören eindeutig in das 6. Jahrhundert „vor Christus“. Die Argumente, die gegen die Geschichtlichkeit Daniels vorgebracht werden, sind höchst subjektiv und bewegen sich von der Logik her im Kreis“ (Eugene H. Merrill, Kingdom of Priests, Baker Book House, Grand Rapids, 1996, Seite 484).

Phänomenale Vorhersage und Erfüllung

Die Genauigkeit, mit der Daniel Ereignisse in der fernen Zukunft voraussagte, ist spektakulär. Im „ersten Jahr des Darius“ schrieb er zum Beispiel die Prophezeiung über die „siebzig Wochen“ nieder (Daniel 9,1. 24). Das erste Jahr des Darius entspricht in etwa dem Jahr 539 v. Chr. In dieser erstaunlichen Äußerung „sagt Daniel genau voraus, in welchem Jahr Christus zuerst als Prediger auftreten würde, nämlich 27 n. Chr.“ (The Expositor’s Bible Commentary, Band 7, Seite 9). Eine weitere bemerkenswerte Prophezeiung Daniels ist seine Auslegung eines Traumes des babylonischen Königs Nebukadnezar, nachzulesen in Daniel 2. Im zweiten Jahr seiner Herrschaft beunruhigte den König ein Traum, den keiner seiner Berater deuten konnte. In der babylonischen Kultur maß man Träumen große Bedeutung bei.

Nebukadnezar war überzeugt, daß dieser Traum besonders bedeutsam war (Daniel 2,1-3). Der Traum offenbart uns „Gottes Plan für alle Zeitalter bis zum Endsieg Christi“. Er „zeigt, welche Weltmächte in welcher Reihenfolge im Nahen Osten führend sein werden, bis der Messias in den letzten Tagen den endgültigen Sieg davonträgt“ (The Expositor’s Bible Commentary, Band 7, Seite 39, 46). Ohne Nebukadnezars Hilfe beschrieb Daniel dem König den Inhalt dieses Traums: „Du, König, hattest einen Traum, und siehe, ein großes und hohes und hell glänzendes Bild stand vor dir, das war schrecklich anzusehen. Das Haupt dieses Bildes war von feinem Gold, seine Brust und seine Arme waren von Silber, sein Bauch und seine Lenden waren von Kupfer, seine Schenkel waren von Eisen, seine Füße waren teils von Eisen und teils von Ton“ (Daniel 2,31-33).

Daniel erklärte dem babylonischen Herrscher, sein Reich sei durch das goldene Haupt versinnbildlicht (Vers 37-38). Die anderen Teile des Standbildes – aus Silber, Kupfer sowie Eisen und Ton – stellten drei mächtige Reiche dar, die nach dem Niedergang Babylons aufsteigen sollten (Vers 39-40). Diese um 600 v. Chr. zu datierende Traumdeutung bot eine erstaunliche Vorschau der nachfolgenden Weltgeschichte. Das Standbild stellte eine Abfolge großer Reiche dar, die über mehrere Jahrhunderte hinweg die Weltpolitik bestimmen sollten.

„Das Silberreich symbolisierte Medo-Persien, dessen Epoche unter Cyrus dem Großen mit der Eroberung Babylons im Jahre 539 v. Chr. begann … Dieses Silberreich dominierte zweihundert Jahre lang im Mittleren und Nahen Osten“ (The Expositor’s Bible Commentary, Band 7, Seite 47). „Das Kupferreichwar das von Alexander dem Großen gegründete griechisch-mazedonische Reich … Es bestimmte 260 bis 300 Jahre die Geschichte, ehe es vom vierten Reich verdrängt wurde … Eisen steht für rücksichtslose Härte, ein Merkmal des Römischen Reiches, das seine größte Ausdehnung unter dem Kaiser Trajan erreichte“ (ebenda). Trajan war römischer Kaiser von 98 bis 117 n. Chr., und das Römische Reich hatte insgesamt mehrere hundert Jahre Bestand. Zum Sinnbild des vierten Reiches gehörten zehn Zehen. Die Füße und Zehen bestanden teils aus Eisen und teils aus Ton (Daniel 2,41). „Vers 41 hat mit einer späteren Phase dieses vierten Reichs zu tun, die durch die Füße und die zehn Zehen symbolisiert wird. Diese Körperteile aus Ton und Eisen gaben dem ganzen Standbild ein äußerst wackliges Fundament. Offensichtlich wird diese Endphase eher durch einen Völkerverband als durch ein einzelnes mächtiges Reich gekennzeichnet sein“ (ebenda).

Ein weiterer Traum liefert zusätzliche Details

Weitere Aspekte dieser Folge weltbeherrschender Reiche erhielt Daniel in einem späteren Traum. Diesmal handelte es sich um vier Reiche, die durch vier Tiere dargestellt werden, nämlich einen Löwen (babylonisches Reich), einen Bären (persisches Reich), einen Panther (griechisch-mazedonisches Reich) und ein viertes Tier, das ganz anders als die vorigen und „schrecklich“ anzusehen war (Daniel 7,1-7). Zu diesem vierten Tier heißt es in Vers 7: „Danach sah ich in diesem Gesicht in der Nacht, und siehe, ein viertes Tier war furchtbar und schrecklich und sehr stark und hatte große eiserne Zähne, fraß um sich und zermalmte, und was übrigblieb, zertrat es mit seinen Füßen. Es war auch ganz anders als die vorigen Tiere und hatte zehn Hörner“. Was ist der Inhalt dieser Beschreibung? Gemeint ist die überragende Macht des Römischen Reiches, das alles, was sich ihm in den Weg stellte, zermalmte. „Die Übermacht des römischen Riesen wird mit der Symbolik dieses furchtbaren vierten Tieres betont“ (The Expositor’s Bible Commentary, Band 7, Seite 87).

Was bedeuten aber die zehn Hörner? Die endgültige Erfüllung dieses Teils der Prophezeiung steht noch aus: „Die zehn Hörner scheinen auf eine endzeitliche Wiederbelebung des Römischen Reiches hinzudeuten …“ (ebenda, Seite 25). Diese Auslegung steht mit Daniel 2,Vers 44 im Einklang, was keinen Zweifel daran lässt, daß Christus zu einer Zeit wiederkehren wird, in der Überreste des vierten Tieres bzw. Reiches existieren werden: „Aber zur Zeit dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Reich aufrichten, das nimmermehr zerstört wird; und sein Reich wird auf kein anderes Volk kommen. Es wird alle diese Königreiche zermalmen und zerstören; aber es selbst wird ewig bleiben“. Größtenteils sind die Weissagungen der beiden Träume bereits in Erfüllung gegangen. Daß es auch in solcher Ausführlichkeit geschehen ist, bestätigt wieder einmal die Zuverlässigkeit und die göttliche Inspiration der Bibel. Es ist völlig unvorstellbar, daß ein Mensch solche Entwicklungen ohne göttliche Hilfe ankündigen könnte. Vielmehr gilt: „[Es] ist ein Gott im Himmel, der kann Geheimnisse offenbaren. Der hat dem König Nebukadnezar kundgetan, was in künftigen Zeiten geschehen soll“ (Daniel 2,28).

Die ausführlichste Prophezeiung der Bibel

Eine weitere phänomenale Prophezeiung ist in Daniel 11 zu finden. Daniel empfing diese Weissagung „im dritten Jahr des Königs Kyrus von Persien“ (Daniel 10,1). Ein „Mann“, eigentlich ein Engel (Daniel 9,21), kam zu Daniel, um ihm zu erklären, was „am Ende der Tage“ geschehen wird (Daniel 10,14). Die Prophezeiung, die nun folgt, ist die ausführlichste Vorhersage in der ganzen Bibel. Das dritte Jahr des Cyrus datiert auf über 500 Jahre vor der Geburt Christi. Diese Prophezeiung kündigt Ereignisse an, die fast sofort einsetzten und sich bis zur Wiederkunft Christi erstrecken werden. Wie uns die Geschichte des persischen und griechischen Reiches zeigt, erfährt die Bibel weitere Bestätigung durch die Erfüllung der frühen Phasen dieser Weissagung. Kein Mensch könnte ohne Gottes Hilfe die Zukunft in solcher Ausführlichkeit erkennen. Der nächste Abschnitt ist etwas kompliziert und erfordert sorgfältiges Lesen. Aber ein Vergleich der Prophezeiung mit der Geschichte macht die Bedeutung verständlich.

Ausgedehnte politische Intrigen

Die ersten 35 Verse des elften Kapitels im Buch Daniel berichten – im Voraus! – von Intrigen zwischen zwei politischen Mächten, dem „König des Nordens“ und dem „König des Südens“. In der weltlichen Geschichtsschreibung erscheint der König des Südens häufig in Gestalt eines Ptolemäus. Dieser Name ist kennzeichnend für ein Herrschergeschlecht mit Sitz in Alexandria in Ägypten. Der König des Nordens regierte von Antiochien in Syrien aus und hieß meistens Seleukus oder Antiochus. Diesen Hintergrund setzen wir voraus, wenn wir die Prophezeiung jetzt kommentieren. Weitere Informationen sind im vollständigen Beitrag von Gleason L. Archer im The Expositor’s Bible Commentary, Band 7, sowie in anderen Nachschlagewerken enthalten. Lesen Sie bitte die genannten Stellen in der Bibel nach und bedenken Sie dabei, daß dieser Text zu einer Zeit verfasst wurde, als die geschilderten Ereignisse noch in ferner Zukunft lagen.

Daniel 11,2: Die „drei Könige“ sind Kambyses, der älteste Sohn des Cyrus; der Magier Gaumata, der sich als jüngerer Sohn des Cyrus ausgab (Kambyses hatte bei seinem Regierungsantritt seinen jüngeren Bruder ermordet); und Darius der Perser. „Der persische König, der Griechenland überfiel, war Xerxes, der von 485 bis 464 v. Chr. herrschte“ (The Expositor’s Bible Commentary, Band 7, Seite 128).

Daniel 11,3-4: „Der mächtige König, von dem hier gesprochen wird, ist Alexander [der Große]“ (Das Alte Testament erklärt und ausgelegt, Band 3, Seite 438). Zu Vers 4 schreibt (The Expositor’s Bible Commentary: „Innerhalb einer Zeitspanne von sieben oder acht Jahren gelangen ihm die spektakulärsten militärischen Erfolge in der Menschheitsgeschichte. Doch danach lebte er nur noch vier Jahre … Im Jahre 323 erlag er einem Fieber …“ (Seite 128).

Das Reich Alexanders wurde in „vier kleinere und schwächere Reiche geteilt“ (ebenda, Seite 129). Sein kleiner Sohn wurde im Jahre 310 ermordet. Sieben Jahre später fiel auch sein Onkel dem gleichen Schicksal zum Opfer. „Es waren also keine Blutsverwandten vorhanden, die die Nachfolge Alexanders hätten antreten können“ (ebenda). Daher konnte sein Reich nicht „auf seine Nachkommen“ aufgeteilt werden (Daniel 11,4). Die Generäle Alexanders führten um sein Erbe Krieg gegeneinander. In den verschiedenen Machtkämpfen schieden alle bis auf vier aus. Diese brachten jeweils einen Teil des griechisch-mazedonischen Reiches in ihre Gewalt. Es waren „Seleukus (über Syrien und Mesopotamien, Ptolemäus (über Ägypten), Lysimachus (über Thrazien und Teile von Kleinasien) und Kassander (über Griechenland und Mazedonien)“ (Das Alte Testament erklärt und ausgelegt, Band 3, Seite 438). Ptolemäus und Seleukus gelang es, ihre Macht und ihr Territorium auszubauen. Sie wurden König von Ägypten bzw. Syrien. Die in den nächsten Versen beschriebenen Machenschaften haben mit diesen beiden Herrschern zu tun. Von Jerusalem aus betrachtet werden Seleukus und Ptolemäus „König des Nordens“ bzw. „König des Südens“ genannt.

Vers 5: „Der König des Südens war Ptolemäus I“. (The Expositor’s Bible Commentary, Band 7, Seite 130). Der biblische Ausdruck „einer seiner Fürsten“ bezieht sich auf Seleukus, der ursprünglich unter Ptolemäus diente. Während der Intrigen, die auf Alexanders Tod folgten, konnte Seleukus Syrien in seine Gewalt bringen und sich zum König des Nordens machen. Im Laufe der Zeit wurde Seleukus mächtiger als Ptolemäus. Seine Nachkommen blieben bis 64 v. Chr. an der Macht.

Der laodikäische Krieg

Vers 6: Das Verhältnis zwischen dem König des Südens und dem König des Nordens war ständig von Spannungen und Feindseligkeit gekennzeichnet. Ptolemäus I. starb im Jahr 285 v. Chr. Die beiden Mächte versuchten 252 v. Chr. eine Annäherung durch einen Vertrag. Danach sollte Berenike, die Tochter des Ptolemäus II., den König des Nordens, Antiochus II., heiraten. Aber die erste Ehefrau des Antiochus II., Laodike, wollte sich an ihrem Mann rächen, weil er sie verstoßen hatte. Deshalb organisierte sie von ihrem Verbannungsort aus eine Verschwörung, die zur Ermordung Berenikes und ihres kleinen Sohnes führte. „Kurz darauf wurde der König selbst [Antiochus II.] vergiftetet …“ (ebenda). Da ihr Sohn, Seleukus II., noch unmündig war, machte sich Laodike selbst zur Königin. Die Ankündigung, „sie wird preisgegeben werden“, bezieht sich auf die Beseitigung Berenikes auf Geheiß der Laodike. Einige Adlige, die Berenike als Königin unterstützt hatten, verloren ihre Stellung.

Vers 7-9: Die Vergeltung ließ nicht lange auf sich warten. Es kam zu militärischen Auseinandersetzungen, die als Laodikäischer Krieg in die Geschichte eingegangen sind. Nachdem Laodike Berenike, die Tochter des Ptolemäus II., ums Leben gebracht hatte, lebte Ptolemäus II. nicht mehr lange. Ptolemäus III. setzte sich zum Ziel, den Tod seiner Schwester zu rächen. Er griff den König des Nordens an und nahm die syrische Hauptstadt Antiochien ein. Dabei gelangte er in den Besitz „der Götzenbilder und heiligen Schätze“, die Kambyses 524 v. Chr. von Ägypten gestohlen hatte (siehe Vers 8 und The Expositor’s Bible Commentary, Band 7, Seite 131). Im Jahr 240 v. Chr. schlossen Ptolemäus III. und Seleukus II. einen Frieden, der bis zum Tode des Ptolemäus 221 v. Chr. anhielt.

Vers 10-12: Nach dem Tod Seleukus II. griffen seine Söhne den König des Südens an. Einer dieser Söhne, Seleukus III., herrschte nur drei Jahre, unternahm militärisch wenig und starb an einer Vergiftung. Ein weiterer Sohn, nämlich Antiochus III. („der Große“), ist tatsächlich „wie eine Flut“ herangebraust (Vers 10) und hat Palästina erobert. Ptolemäus IV., der König des Südens, schlug zurück (Vers 11) und brachte der zahlenmäßig überlegenen Streitmacht des Antiochus III. in der Schlacht von Raphia eine Niederlage bei. Nach seinem Sieg wandte sich Ptolemäus einem liederlichen Leben zu, ließ Zehntausende von Juden in Ägypten niedermetzeln (Vers 12) und schwächte damit seine Herrschaft.

Vers 13-16: Der Ausdruck „nach einigen Jahren“ in Vers 13 bezieht sich auf einen Angriff, den Antiochus III. vierzehn Jahre nach seiner Niederlage gegen den erst vierjährigen PtolemäusV. führte (Ptolemäus IV. war im Jahre 203 v. Chr. gestorben). Wegen der ausschweifenden Lebensführung Ptolemäus IV. herrschte Unruhe in den ägyptischen Provinzen. Viele Bewohner des Landes, einschließlich vieler Juden, die mit dem König des Nordens sympathisierten, verbündeten sich mit Antiochus gegen den König des Südens. Der Aufstand wurde aber von Skopos, einem ägyptischen General, schnell niedergeschlagen (Vers 14). Als Skopos im Winter des Jahres 201-200 v. Chr. einen Angriff des Antiochus abwehrte, versuchte es der König des Nordens mit einem weiteren Überfall, in dessen Verlauf er die Stadt Sidon („eine feste Stadt“) einnahm, wo Skopos sich ergab. Antiochus brachte das Heilige Land („das herrliche Land“, Vers 16) vollständig in seine Gewalt.

Vers 17: „Und er wird seinen Sinn darauf richten, daß er mit Macht sein ganzes Königreich bekomme, und sich mit ihm vertragen und wird ihm seine Tochter zur Frau geben, um ihn zu verderben. Aber es wird ihm nicht gelingen, und es wird nichts daraus werden“. Nach seinem Sieg über Skopos wollte Antiochus Ägypten an sich reißen. Antiochus gab Ptolemäus V. seine Tochter Kleopatra zur Frau, weil er hoffte, sie werde ihren Mann und seine Vorhaben an ihn verraten. Doch Kleopatra durchkreuzte die Pläne ihres Vaters und hielt zu ihrem Gemahl.

Vers 18-19: Zornig wegen dieses Rückschlags überfiel Antiochus mehrere Inseln und Städte an der Mittelmeerküste. Die Angegriffenen baten Rom um Hilfe, die sie auch erhielten. Eine römische Streitmacht schlug Antiochus und nahm ihm einen Großteil seines Territoriums ab. Nach römischer Sitte wurden Geiseln nach Rom gebracht, darunter ein Sohn Antiochus’. Seine Schmähungen zahlte Rom Antiochus gründlich heim (Vers 18). Damals kehrte Antiochus erniedrigt zu seiner Festung Antiochien zurück. Da er nicht in der Lage war, den von Rom geforderten Tribut zu leisten, wollte er sich an einem heidnischen Tempel schadlos halten. Die örtliche Bevölkerung war darüber derart aufgebracht, daß sie ihn mit Schmach und Schande umbrachten (Vers 19).

Vers 20: Nach 2. Makkabäer 3,7-40 war Seleukus IV., der andere Sohn des Antiochus, ebenfalls unfähig, den Tribut zu zahlen. (Die Bücher der Makkabäer gehören zu den sogenannten „Apokryphen“ und geben Aufschluss über die Ereignisse dieser Zeit.) Seleukus IV. sandte einen Juden namens Heliodor mit dem Auftrag nach Jerusalem, den Tempel zu plündern. Heliodor drang zwar in die heilige Stadt ein, musste aber mit leeren Händen wieder abziehen. Später vergiftete Heliodor Seleukus. So wurde er „umgebracht, aber weder öffentlich noch im Kampf“.

Antiochus Epiphanes
Daniel 11,21-35: In diesem Abschnitt geht es um den berüchtigten Antiochus Epiphanes, der sich eine Zeitlang als Geisel in Rom befand. Antiochus, Bruder des Seleukus IV., versuchte „den Judaismus auszulöschen und die Juden zu hellenisieren. Darum verbot er ihnen die Befolgung ihrer religiösen Praktiken (wozu auch ihre Feste und die Beschneidung gehörten“ (Das Alte Testament erklärt und ausgelegt, Band 3, Seite 441). Die Grausamkeit von Antiochus Epiphanes kannte keine Grenzen. Auf seinen Befehl hin „wurde Eleasar, ein alter Schriftgelehrter, zu Tode gepeitscht, weil er sich weigerte, Schweinefleisch zu essen. Eine Mutter und ihre sieben Kinder waren nicht bereit, einem Bildnis zu huldigen. Daher ließ er sie nacheinander vor seinen Augen abschlachten. Zwei andere Mütter, die ihre neugeborenen Söhne beschnitten hatten, ließ er durch die Stadt treiben und von der Mauer hinunterstoßen“ (Charles F. Pfeiffer, Between the Testaments, Baker Book House, Grand Rapids, 1974, Seite 81-82).

Vers 31: Dieser Vers ist ein Hinweis auf die Greueltaten des 16. Dezember 168 v. Chr. An jenem Tag marschierte ein wütender Antiochus in Jerusalem ein und ließ 80 000 Männer, Frauen und Kinder töten (2. Makkabäer 5,11-14). Dann entweihte er den Tempel, indem er dort dem heidnischen Gott Jupiter Olympus Opfer darbrachte. Für die Endzeit hat Jesus Christus Ähnliches prophezeit (Matthäus 24,15).

Vers 32-35: Hier lesen wir die Geschichte des unbeugsamen, mutigen Willens der Makkabäer, einer Priesterfamilie, die Antiochus und seinen Nachfolgern Widerstand leisteten. Der makkabäische Aufstand gegen den syrischen König wurde ausgelöst, als „Mattatias, der führende Priester der Stadt Modein … den Beamten erschlug, der im Auftrag des Antiochus für die Pflege des neuen Götzendienstes sorgen sollte, und mit einer Gruppe Freischärler ins Gebirge flüchtete“ (The Expositor’s Bible Commentary, Band 7, Seite 141). Mattatias bekam Unterstützung von seinen fünf Söhnen, besonders von Judas, der den Beinamen Hammer erhielt. Viele der Patrioten starben bei diesem Unternehmen, doch ihre Heldentaten sorgten dennoch dafür, die Syrer aus dem Land zu vertreiben. An dieser Stelle wird der Ton der Prophezeiung Daniels anders, und in Vers 35 wechselt der Blick auf „die Zeit des Endes“. „Mit dem Abschluss der Perikope in Vers 35 hört das prophetische Material, das sich eindeutig auf die hellenistischen Reiche und den Kampf zwischen den Seleukiden und den jüdischen Patrioten bezieht, auf. Obwohl manches sowohl auf Antiochus IV. als auch auf sein endzeitliches Abbild, „das Tier“, zutreffen könnte, erwähnt dieser neue Abschnitt (Vers 36-39) Eigenschaften, die man Antiochus kaum zuschreiben kann“ (The Expositor’s Bible Commentary, Band 7, Seite 143). Kritische und konservative Theologen „sind sich einig, daß das ganze elfte Kapitel bis zu diesem Punkt erstaunlich genaue Vorhersagen macht über größere Entwicklungen von der Regierungszeit des Cyrus … bis zum fehlgeschlagenen Versuch des Antiochus Epiphanes, den jüdischen Glauben zu vernichten“ (ebenda).

Deutung der prophetischen Beweise

In beiden Lagern besteht aber keine Einigkeit über die Bewertung dieser Tatsache. Der Expositor’s Bible Commentary stellt dazu fest: „Die Übereinstimmung zwischen Vorhersage und Erfüllung ist ein zwingender Beweis für die göttliche Inspiration und Autorität der heiligen hebräischen Schriften. Nur Gott kann die Zukunft wissen und dafür sorgen, daß sein angekündigter Plan genaustens in Erfüllung geht. Für die Rationalisten aber, die davon ausgehen, daß es gar keinen persönlichen Gott gibt …, kann es auch keine wirkliche Erfüllung einer Prophezeiung geben. Alle Beispiele erfüllter biblischer Prophetie müssen als frommer Betrug abgetan werden, wobei die angebliche Prophezeiung erst nach den betreffenden Ereignissen gedichtet wird. So behandeln die Rationalisten alle Vorhersagen der Bibel. Für sie gibt es keine göttliche Offenbarung künftiger Ereignisse. Wäre es anders, müssten sie ihren grundsätzlichen Standpunkt aufgeben und die Möglichkeit des Übernatürlichen einräumen, wie hier im Buch Daniel bei der genauen Erfüllung einer detaillierten Vorhersage, die von einem Propheten Gottes über 360 Jahre vor den betreffenden Ereignissen getroffen wurde“ (Band 7, Seite 143-144).

Es ist wichtig, die volle Bedeutung dieser Aussage zu verstehen! Diejenigen, die auch nur die Möglichkeit biblischer Prophetie in Frage stellen, sind von dem Wunsch motiviert, alles Übernatürliche leugnen zu können. Sie lehnen selbst die Existenz eines Gottes ab, der in der Lage ist, künftige Ereignisse bis in alle Einzelheiten vorherzusagen. Verschiedene Atheisten geben diese Denkweise zu. Der englische Schriftsteller Aldous Huxley (1894-1963) schreibt in seinem Buch Ends and Means: „Ich hatte meine Beweggründe dafür, im Leben keinen höheren Sinn erkennen zu wollen. Ich ging also von dieser Prämisse aus und konnte leicht Gründe finden, warum sie wahr sein musste … Dem Philosophen, der im Leben keinen Sinn erkennt, geht es nicht allein um eine theoretische Frage. Er will sich auch beweisen, daß es keinen Grund gibt, sein Tun zu unterlassen … Wir lehnten die Moral ab, weil sie unsere sexuelle Freiheit eingeschränkt hätte“ (Chatto & Windus, London, 1938, Seite 270, 272-273).

Das dürfte deutlich genug sein! Sein Bruder Julian Huxley (1887-1975), Biologe und ebenfalls Autor, fügte hinzu: „Die innere Entkrampfung, die sich einstellt, wenn man nicht mehr an die Existenz eines höheren Wesens glaubt, ist gewaltig“ (Essays of a Humanist, London, Penguin Books, 1966, Seite 223). Es gibt also Menschen, die die Glaubwürdigkeit der Bibel leugnen wollen, weil sie nicht möchten, daß der Gott der Bibel ihnen in ihrem Leben etwas vorschreibt. Es ist freilich sehr fraglich, ob diese Art Vorgehensweise den Anforderungen der objektiven wissenschaftlichen Methode genügt, die solche Menschen auf anderen Gebieten anzuwenden bereit sind.

 

2 Responses to “Die Bibel und Prophetie”

  1. Nach meinen Beobachtungen besteht die Bibel aus vier Teilen:

    a) Die guten Lehren für die Menschen

    b) Die Verheissungsprophetien für das Volk Israel, dabei eingeschlossen auch für die Christen.

    c) Die Gerichtsprophetien, die z.T. parallel zu den

    d) Die Geschichtsbücher, wo sich G’tt gegenüber seinem Volk manifestiert.

    Zudem hat sie noch eine Feinheit, die, wenn man nur flüchtig darin liest, nicht bemerkt werden kann.

    In den Texten befinden sich kleine, erläuternde und spezivierende Zwischensätzlein.

    z.B. Daniel 8:
    5 Und indem ich darauf merkte, siehe, so kommt ein Ziegenbock vom Abend her über die ganze Erde, daß er die Erde nicht berührte; und der Bock hatte ein ansehnliches Horn zwischen seinen Augen.
    6 Und er kam bis zu dem Widder, der zwei Hörner hatte, den ich stehen sah vor dem Wasser, und er lief in seinem Zorn gewaltig auf ihn zu.

    Das Sätzchen – dass er die Erde NICHT berührte – zeigte mir, dass das Flugzeuge sein müssen, die im Nonstoppflug aus Amerika in den vorderen Orient fliegen – was im Golfkrieg (1990) erfolgt ist!!
    Damals wurden 13’000 Jüdische Soldaten im Nonstoppflug aus Amerika in die Golfregion geschickt!!

  2. Ingo Müller Says:

    Danke, ein wirklich sehr interessanter Artikel.


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