kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Athen: Moschee auf dem Parthenon 8. Oktober 2010

Filed under: Von hier und dort — Knecht Christi @ 03:26

Ferdinand Gregorovius, der neben Ranke, Mommsen und Droysen zu den großen Historikern des 19. Jahrhunderts zählt, hat nicht nur eine „Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter“ geschrieben, sondern auch eine „Geschichte der Stadt Athen im Mittelalter“. Man kann es sich heute nicht mehr vorstellen, aber Athen war über viele Jahrhunderte völlig unbedeutend geworden und regelrecht vergessen. Es wurde kaum von Fremden besucht, die Einwohnerzahl sank in den schlimmsten Jahren auf 6.000 bis 10.000 Seelen herab, und es gingen immer wieder Gerüchte im Abendland um, daß Athen gar nicht mehr existiere. Das lag auch daran, daß Byzanz im glänzenden Mittelpunkt des hellenischen Ostens stand und Athen an keinem Pilger- oder Kreuzzugsweg oder einer sonstigen wichtigen Route gelegen war. Nachdem Konstantinopel gefallen war, wurde kurze Zeit später auch ganz Griechenland erobert.

Gregorovius schreibt im entsprechenden Kapitel (http://gutenberg.spiegel.de):
{Denn am 29. Mai 1453 war Konstantinopel in die Gewalt Mehmeds II. gefallen, und der letzte der Konstantine hatte auf den Trümmern des Reichs den Heldentod gefunden. Die Eroberung der großen Weltstadt, die ein Jahrtausend lang der Geschichte des Ostens ihren Namen und Charakter gegeben, die antike Bildung mit dem Christentum verbunden und der griechischen Kirche Beistand und Einheit verliehen hatte, besiegelte die Knechtschaft der hellenischen Hälfte des alten Römerreichs. Diese versank jetzt, vom lateinisch-germanischen Europa abgerissen, in die Barbarei des Türkentums. Der gewaltsame Versuch, den das Abendland seit den Kreuzzügen gemacht hatte, den griechischen Orient mit dem Westen wieder zu vereinigen, hatte nur die Folge gehabt, das Reich Konstantins in Stücke zu zerschlagen und um so leichter zur Beute der Osmanen zu machen. Der Orient, einst blühend unter den Hellenen, den Römern, den Byzantinern, wurde unter der türkischen Herrschaft nur das Leichenfeld seiner ehemaligen Kultur. Die Mächte Europas, durch dynastische Kriege miteinander beschäftigt, zertrennt und gelähmt, waren, wenige erfolglose Anstrengungen abgerechnet, tatenlose Zuschauer erst des planvollen Vorschreitens, dann des Triumphs der osmanischen Eroberer geblieben. Der erschütternde Fall Konstantinopels erweckte nur das eitle Klagegeschrei der abendländischen Humanisten und die wirkungslosen Aufrufe des Papsts zu einem neuen Kreuzzuge. Da jeder große und kleine Unglücksfall die darunter leidenden Menschen aufreizt, seine Ursachen zu erforschen, die eigene Schuld zu leugnen und auf andre Schultern abzuwälzen, so betrachteten die Griechen die Eroberung der Hauptstadt des Reichs als ein Strafgericht, welches Gott über die Palaiologen wegen der kirchlichen Union verhängt habe. Der Papst aber und das ganze von Hass gegen die Byzantiner erfüllte Abendland behaupteten, daß die schreckliche Katastrophe die verdiente Strafe für das kirchliche Schisma sei}.

Und was speziell die Moschee in Athen angeht, erfahren wir: {Wenn die Parthenonkirche nicht schon im Jahre 1458 zur Hauptmoschee des türkisch gewordenen Athen eingerichtet worden war, so wird der erzürnte Sultan im Jahre 1460 den Befehl dazu gegeben haben}.

Der Prachttempel der Pallas Athene erlitt demnach seine zweite geschichtliche Verwandlung. Wie vor neun Jahrhunderten die Christen dort den Altar der Parthenos und ihr heiliges Kultusbild vernichtet hatten, so stürzten jetzt den Altar der Jungfrau Maria die Bekenner jener zweiten semitischen Religion um, welche die Fahne Mohammeds schon längst auf der Tempelkirche in Jerusalem und eben erst auf der Kuppel der heiligen Sophia aufgepflanzt hatten. Der Mariendom Athens wurde zur Moschee. nennt ihn bereits der Pariser Anonymus. Der Altar, die Ikonostasis verschwanden, die christlichen Malereien wurden mit Tünche zugedeckt. Im innern Raum der Kirche wurde der Mirbar, die mohammedanische Kanzel, aufgestellt und die nach dem heiligen Mekka gekehrte Gebetnische Mihrab eingerichtet. Bald erhob sich auch in der südwestlichen Ecke des Tempels, in der ehemaligen Schatzhalle der Pallas Athene, ein schlankes Minarett, welches höher als die eherne Pallas in alter Zeit und als der Frankenturm, das weithin sichtbare Wahrzeichen der Türkenherrschaft war. Auf einem aus antiken Werkstücken erbauten Treppenhause stieg seither der Muezzin zu den Galerien dieses Minaretts empor, um über die in das dumpfe Schweigen der Knechtschaft versunkene Stadt des Solon und Plato hinzurufen, daß Allah der alleinige Gott und Mohammed sein wahrer Prophet sei {Quelle: Fakt-Fiktion}

 

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