kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Gemeint war ein Hut 7. Oktober 2010

Filed under: Von hier und dort — Knecht Christi @ 03:36

Die türkische Hochschulbehörde (YÖK) hat eine Anordnung zur Aufhebung des Kopftuchverbotes an den Universitäten des Landes gegen Kritik verteidigt. In der Anordnung sei mit keinem Wort vom Kopftuch die Rede, sagte YÖK-Chef Yusuf Ziya Özcan am Dienstag. Vielmehr sei der Hut – nicht das Kopftuch – einer Studentin der Anlass für die Entscheidung gewesen. Eine grundsätzliche Lösung der Kopftuchfrage durch die Parteien in Ankara sei aber schon in Kürze zu erwarten. {Quelle: http://www.stern.de}

Die türkische Gesellschaft islamisiert sich
Moden der Macht

Die Entwicklung war absehbar: Wer die türkische Politik beobachtet, musste mit der Aufhebung des Kopftuchverbots rechnen; und wer regelmäßig in die Türkei reist, ohnehin: Denn immer mehr Frauen bedecken ihr Haar, immer mehr Burkaträgerinnen sind zu sehen, die Gesellschaft islamisiert sich – langsam, aber stetig. Die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan will mit der Gesetzesänderung nach eigenen Angaben Demokratie und Freiheit stärken. Viele Türkinnen fürchten jedoch, dass sie mit dem Fall des Kopftuchverbots unter Druck geraten, ihren ganzen Körper zu verhüllen. Und von säkularer Seite werden die Motive Erdogans in Zweifel gezogen, der sich einst dafür stark gemacht hatte, Ehebruch unter Strafe zu stellen.

Nach dem Putsch von 1980 erließen die Militärs das Kopftuchverbot: Verschleierte Frauen haben seitdem in staatlichen Einrichtungen nichts zu suchen, die Frauen und Töchter religiös Konservativer wurden ausgeschlossen. Aber genau diese sind wieder auf dem Vormarsch: Vor wenigen Wochen gab es eine spektakuläre Verfassungsreform, das Militär hat seitdem weniger Rechte. Die islamisch-bürgerliche Elite löst die Generäle ab und entscheidet über den Kopf der Frauen. Erdogans zwei Töchter mussten wegen ihres Kopftuchs zum Studium ins Ausland, auch seine Frau wird wegen ihres „Turbans“ angegriffen. „Ich bin ein leidender Vater“, sagte der Ministerpräsident einst und setzt dem nun ein Ende.

Cigdem Akyol ist Redakteurin bei tazzwei: Von dem Leid der Kopftuchträgerinnen, die nicht in die Universitäten dürfen, handelt der Roman „Schnee“ des Nobelpreisträgers Orhan Pamuk. Er stellt die Frage, warum der Streit um die großen Fragen der Politik ausgerechnet von alten Männern auf den Köpfen junger Mädchen ausgetragen wird. „Die konservativen Väter befehlen: Du trägst das Kopftuch! Die Generäle befehlen: Weg mit dem Kopftuch!“, schreibt Pamuk. Aber hier geht es nicht nur um Mode, sondern um Macht. Die Frauen sind lediglich ein Spielball der Obrigen. {Quelle: http://www.taz.de – Kommentar Von Cigdem Akyol}

 

Türkei: Kopftuch wird nicht mehr bestraft

ISTANBUL. Das Kopftuchverbot an türkischen Universitäten ist seit Jahren ein heißes Thema. Jetzt deutet sich ein unspektakuläres Ende des Verbots an.

Mit einem Kunstgriff hat die türkische Hochschulbehörde den Bann gegen die islamische Kopfbedeckung umgangen. Möglich wurde dies nicht nur durch findige Beamte, sondern auch durch einen entstehenden politischen Konsens in Ankara. Die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan ist ohnehin für Freiheit im Umgang mit dem Kopftuch, jetzt hat auch die Führung der laizistischen Opposition eingesehen, dass sie ohne Lösung des Problems bei den Parlamentswahlen im kommenden Jahr chancenlos sein wird.

Kemalisten verlieren an Einfluss: Bis vor wenigen Jahren war die Hochschulbehörde YÖK eine Hochburg der Kemalisten, die sich auf Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk berufen und in der religiös-konservativen Regierung von Erdogan eine Islamisten-Truppe sehen. Doch inzwischen wird die YÖK-Führung von regierungsnahen Akademikern dominiert. Und die dachten sich jetzt eine Kopftuchlösung aus, nach der das Tuch zwar offiziell verboten bleibt, praktisch aber freigegeben wird. Anlass war die Beschwerde einer Studentin, die aus einem Istanbuler Hörsaal verwiesen wurde, weil sie ihr Haar unter einem Hut verbarg. Die YÖK ordnete daraufhin an, dass Studierende bei disziplinarischen Verstößen nicht mehr vom Unterricht ausgeschlossen werden dürfen. Professoren und Dozenten sollen vielmehr den Regelverstoß – etwa den Hut – registrieren und der Uni-Leitung melden. Welche Disziplinarstrafe die Studentinnen dann zu erwarten haben, ließ die YÖK offen. Sie stellte aber klar, dass sie gegen alle Lehrkräfte ermitteln wird, die weiter Studentinnen aus dem Hörsaal werfen.

Niemand soll rausgeschmissen werden: Listig betonte der als Gegner des Kopftuchverbots bekannte YÖK-Chef Yusuf Ziya Özcan, in seiner Anordnung sei vom Kopftuch keine Rede. „Wir sind lediglich dagegen, dass Studentinnen wegen ihrer Kleidung aus dem Unterricht entfernt werden.“ Und das habe man der Istanbuler Universität nach dem Hut-Vorfall auch mitgeteilt. Sollte es an anderen Unis ähnliche Probleme geben, gelte dort dasselbe Prinzip. Übrigens sei er sicher, dass die Parteien in Ankara ohnehin bald eine generelle Lösung für das Kopftuchproblem finden würden, fügt Özcan hinzu. Da könnte er recht haben. Noch vor zwei Jahren war die kemalistische Oppositionspartei CHP laut schimpfend vor das Verfassungsgericht gezogen, um die Kopftuch-Freigabe zu stoppen. Sie argumentierte, das Tuch sei ein Symbol des politischen Islam; den Hinweis der Erdogan-Regierung auf das Recht auf Bildung wollte sie nicht geltenlassen. Auch die Tatsache, dass Erdogan das Kopftuchverbot für Schülerinnen und Beamtinnen nicht antasten will, beeindruckte die Kemalisten damals nicht.

CHP will offizielles Ende des Kopftuchverbots: Nun ist es anders. Die CHP-Führung selbst strebt offiziell ein Ende des Kopftuchverbotes für Studentinnen an. Der neue CHP-Chef Kemal Kilicdaroglu ist entschlossen, das Thema anzupacken. Da zwei von drei türkischen Frauen das Kopftuch tragen, kann die CHP mit ihrem bisherigen strikten Nein zum Kopftuch den Traum einer Rückkehr an die Macht vergessen, ist Kilicdaroglu sicher. In einer internen Sitzung soll er gesagt haben, seine Partei hätte schon im Wahlkampf vor dem Verfassungsreferendum im September mit Fotos von Kopftuch-Frauen um Stimmen werben sollen. Kemalistische Hardliner sind empört. Kilicdaroglu, der die aktuelle Kopftuch-Debatte mit der Ankündigung einer Lösung losgetreten hatte und sich seit Wochen mit Erdogan über das Thema streitet, sei dem Premier in die Falle gegangen, wetterte die CHP-Abgeordnete Canan Aritman. „Ich finde es nicht richtig, dass wir ein Thema anschneiden, dass selbst die AKP nicht mehr anspricht“. Während die Politiker streiten, richten sich die Blicke auf die Justiz. Bisher vereitelten die kemalistisch geprägten Gerichte alle Versuche zur Kopftuch-Freigabe. Ob das auch diesmal so sein wird, ist noch offen. Noch liegt keine Klage gegen die „Hut-Verordnung“ von YÖK-Chef Özcan vor. {Quelle: http://www.nachrichten.at}

 

2 Responses to “Gemeint war ein Hut”

  1. Sabina Says:

    Guten Tag,

    ich finde diese Entwicklungen, wie sicherlich viele andere auch, sehr bedenklich. Ich bin mir einfach nicht sicher, wohin das noch führen soll. Mode sollte schließlich meiner Meinung nach das ausdrücken, was man ist, wenn es aber andere verletzt oder zum Symbol der Unterdrückung wird, dann bin ich stark für das Verbot des entsprechenden modischen Accessoires.

  2. Hutshop Says:

    Ich gebe Sabine da Recht. Die Frage, die sich aber stellt ist folgende:

    Wieso sollen/können wir die Kopftuchfreiheit hier tolerieren um Religionen zu schützen, aber wenn wir in diese Länder fahren müssen wir uns auch danach richten. Entweder beide, oder keiner!

    Danny


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