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Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Bischof Kapellari: „Bereit sein, Tabus zu brechen“ 4. Oktober 2010

Filed under: Kirche — Knecht Christi @ 01:06

Das Europahaus und die Kleine Zeitung luden zu einer Diskussion mit dem Thema „Hat Europa noch christliche Werte“ an der Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt. Das Gespräch drehte sich auch um die „Islamisierung Europas“.

Nicht zuletzt aufgrund der Vorkommnisse im steirischen Wahlkampf mündet derzeit jede Diskussion zu den Themen „Europa“ und „Glaube“ in eine Auseinandersetzung über die Islamisierung Europas. So geschehen auch am Dienstagabend an der Klagenfurter Universität nach einem Vortrag des steirischen Diözesanbischofs Egon Kapellari zum Thema „Hat Europa noch christliche Werte“? Moderator Adolf Winkler, stellvertretender Chefredakteur der Kleinen Zeitung, initiierte das Frage-Antwort-Spiel mit der provokanten Frage, ob die katholische Kirche auszusterben drohe. Kapellaris Replik: Die Kirche trage noch immer einen großen Teil der Zivilgesellschaft und müsse daraus mehr Selbstbewusstsein schöpfen. Ein Aussterben der Kirche befürchtet Kapellari nicht, allerdings werde sie in der „heutigen Breite“ nicht zu erhalten sein. Auf das Skandalbuch des deutschen Bankers Thilo Sarrazin („Deutschland schafft sich ab“) angesprochen, betonte Kapellari, dass man vor der Islamisierung nicht die Augen verschließen dürfe: „Dieses Thema muss offensiv angegangen werden und zwar nicht mit der Pinzette. Wenn die Gesellschaft nicht bereit ist, Tabus zu brechen, werden die Populisten immer stärker“. Die Stimme des Volkes erhob sich im Publikum. Ein Diskutant meinte: „Die Moslems wissen, dass die Christen in Europa schwach sind und nutzen das aus. Sarrazin hat ganz recht mit seinen Ansichten.“ Darauf konterte der Bischof: „Ich verstehe ihre Emotion. Aber ich gebe zu bedenken: Der Preis der Vereinfachung heißt Gewalt“.

Ja zum Kopftuchverbot?

Hubert Lengauer, Vizerektor der Alpen-Adria-Universität, wollte von Kapellari wissen, wie er zu einem Kopftuchverbot für islamische Frauen stehe. Er bekam zur Antwort, dass man als Christ Frauen mit großer Liberalität begegnen müsse. Zudem hätten auch Moslems das Recht auf öffentliche Religionsausübung. Welche Bedeutung das Kopftuch für die Mohammedaner habe, müssten diese untereinander ausmachen. „Schwächeln Europas Christen?“ lautete die bange Frage von Ilse Gerhardt, Leiterin der Österreichisch-Israelischen Gesellschaft in Kärnten. Sie bekam die überraschende Antwort: „Wir sind nicht die Vitalsten. Aber wir sind aufgefordert, nicht die Realität zu verdrängen, sondern Denkarbeit zu leisten, um Zukunftslösungen zu erarbeiten“. {Quelle: http://www.kleinezeitung.at – Foto Die Bischöfe Alois Schwarz und Egon Kapellari mit Nikolaus Lanner vom Europahaus}

Ein Auszug aus dem Impulsreferat des steirischen Diözesanbischofs Egon Kapellari zum Thema.

Der vielgestaltige Islam erweckt als eine in vielen Ländern Europas wieder oder ganz neu angekommene und zahlenmäßig rasch anwachsende Religion inmitten einer schrumpfenden und überalterten angestammten Bevölkerung rational begründete Sorgen, aber auch irrationale Ängste.

Diese Sorgen oder Ängste wurden durch lange Zeit von manchen europäischen Eliten in Politik und Medien ignoriert und als political non correct eingestuft. Eine solche Verdrängung löst aber keine Probleme, sondern vermehrt sie und liefert Wasser auf die Mühlen von Populisten, die sich schrecklicher Vereinfachungen bedienen. Abseits eines solchen Populismus einerseits und eines naiven Optimismus andererseits ist ein Weg zu suchen, um Muslime so zu integrieren, dass muslimische Parallelgesellschaften nicht weiter anwachsen können. Diesbezüglich ist in Jahrzehnten viel versäumt worden und ungelöste Probleme kehren auch in diesem Bereich der Gesellschaft verstärkt zurück. Ohne falsche Tabus müsste man z. B. mit islamischen Verbänden in Europa auch darüber reden dürfen, ob sie nicht gegen grobe Menschenrechtsverletzungen und -beschränkungen z. B. der Religionsfreiheit in ihren Herkunftsländern öfter und deutlich ihre Stimme erheben sollten, um Misstrauen bei der hiesigen angestammten Bevölkerung abzubauen. Die Frage einer solchen Reziprozität wurde bisher von den genannten Eliten immer wieder tabuisiert. Ein solches Tabu ist aber rational nicht überzeugend begründbar. Die christlichen Kirchen tun in Europa auf vielen Ebenen viel, um ein friedliches Zusammenleben mit anderen Religionen und besonders auch mit dem Islam zu fördern. Sie können daher auch glaubwürdig Reziprozität einmahnen. Ich selbst darf in diesem Zusammenhang erwähnen, dass ich während der 17 Jahre meines Wirkens als Grazer Hochschulseelsorger an jedem Tag durchschnittlich mehr als eine Stunde lang mit Studierenden aus dem Iran, aus arabischen Ländern und aus der Türkei gesprochen habe. (Und das Ergebnis dieser 5000 Stunden Diskussion?)

Mehrheit der Deutschen sieht Muslime als Belastung

Die Deutschen sehen muslimische Migranten mehrheitlich als Belastung. Besonders in Ostdeutschland ist die Skepsis groß. Die Mehrheit der Deutschen sieht einer Umfrage zufolge in muslimischen Migranten eine Belastung für Deutschland. In einer repräsentativen Umfrage des Allensbach-Instituts urteilten nach Angaben der „Financial Times Deutschland“ 55 Prozent, dass diese Einwanderergruppe „sozial und finanziell wesentlich mehr gekostet als wirtschaftlich gebracht hat“. Lediglich ein Fünftel der Befragten ziehe eine positive Bilanz. Besonders groß falle die Skepsis in Ostdeutschland aus, berichtet die Zeitung. Dort hätten 74 Prozent ein negatives Urteil über muslimische Migranten gefällt, im Westen seien es 50 Prozent. Darüber hinaus glaubt der Umfrage zufolge mehr als ein Drittel der Bevölkerung, dass Deutschland durch die Einwanderer „auf natürlichem Wege durchschnittlich dümmer“ werde.

Die Migranten seien im Schnitt schlechter gebildet und bekämen mehr Kinder, heiße es. In Ostdeutschland stimmen sogar 37 Prozent den Angaben zufolge der Verdummungs-These zu, nur 33 widersprechen ihr. Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin erhält für seine kritischen Äußerungen zur Migration den Angaben zufolge weiter großen Zuspruch: 60 Prozent geben ihm überwiegend recht, nur 13 {Quelle: Die Welt}.

 

2 Responses to “Bischof Kapellari: „Bereit sein, Tabus zu brechen“”

  1. bazillus Says:

    Er bekam zur Antwort, dass man als Christ Frauen mit großer Liberalität begegnen müsse. Zudem hätten auch Moslems das Recht auf öffentliche Religionsausübung. Welche Bedeutung das Kopftuch für die Mohammedaner habe, müssten diese untereinander ausmachen.

    Das sind die Antworten, die man einfach nicht mehr hinnehmen kann. Jeder Atheist, jeder Mensch, jeder Außenstehende darf sich in die Problematik der inneren Angelegenheiten der Kirche einmischen, wie Zölibat und Frauenordination. Aber wir Außenstehenden dürfen die islamischen Traditionen nicht in Frage stellen? Wir müssen ihnen mit Liberalität begegnen.

    So wie ich jede Ideologie und jede Religion in Frage stellen darf, darf ich auch den Islam und seine Traditionen in Frage stellen, auch wenn er in vielerlei Gestalt daher kommt. Meine Meinung dazu ist, solange das Kopftuch immer noch als Flagge der Ausgrenzung, als Druckmittel auf junge Mädchen verwendet werden kann, ist dieses in öffentlichen Räumen wie Schulen und Universitätetn rundweg abzulehnen.

    Jede Aufnahmegesellschaft darf die Regeln bestimmen, nach denen die Bürger dieser Gesellschaft zu leben haben und jede Aufnahmegesellschaft darf regeln, nach welchen Vorschriften Einwanderung überhaupt statt zu finden hat.

  2. bazillus Says:

    Mein Kommentar richtete sich nicht gegen die öffentliche Religionsausübung durch Bau von Moscheen, aber schon gegen das Tragen von Kopftüchern in öffentlichen Gebäuden.

    Im Übrigen vermisse ich die Liberalität in muslimischen Ländern. Darüber wird nie gesprochen. Das Problem wird in den westlichen Medien erst garnicht zur Kenntnis genommen und angetastet. Etwas mehr Gegenseitigkeit sollte schon sein dürfen.


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