kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Kopten in Ägypten: „Es ist kein Geheimnis, dass wir Angst haben“ 28. September 2010

Filed under: Koptenverfolgung — Knecht Christi @ 04:34

Kloster des Hl. Bischoy im natrontal

Die Kopten sind in Ägypten eine Glaubensminderheit. Jahrhundertelang wurden die orthodoxen Christen diskriminiert, verfolgt. Viele haben aufgegeben und das Land Richtung Europa verlassen – doch es gibt auch Ansätze zur friedlichen Verständigung.


Kairo: In der Arabischen Republik Ägypten mit dem Islam als Staatsreligion und 75 Millionen Einwohnern leben mehr als zehn Millionen Christen, vor allem Kopten, orthodoxe Christen, die lange vor den Muslimen in Ägypten siedelten. „Wir sind besorgt um die Lage der Kopten in Ägypten“, heißt es in einem Bericht der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in Göttingen. „In der Vergangenheit wurden sie immer wieder von muslimischen Ägyptern schikaniert“. Kopten würden bei der Job- und Wohnungssuche benachteiligt, seien praktisch chancenlos, wenn sie sich um ein öffentliches Amt oder gar einen Regierungsposten bewerben oder auch nur eine Kirche renovieren wollten.

1,5 Millionen Christen haben das Land verlassen: Die Zahlen, die die GfbV vorlegt, basieren auf den Forschungen des Kairoer Ibn Khaldoun Centers, das Menschenrechtsverletzungen religiöser Minderheiten in der arabischen Welt dokumentiert. Demnach kam es in den vergangenen vier Jahrzehnten zu mehr als 120 größeren Übergriffen auf Kopten und ihre Kirchen, Häuser und Geschäfte. Mehr als 4000 Kopten seien ermordet oder schwer verletzt worden. Präsident Mubarak, der laut GfbV öffentlich bestritten hat, dass Kopten bedrängt würden, hat dennoch Zeichen gesetzt: Er machte 2003 den 7. Januar, an dem Kopten das Weihnachtsfest feiern, zum nationalen Feiertag und ernannte 2006 erstmals einen Kopten zum Gouverneur. „Doch diese Gesten werden nicht ausreichen, um den Kopten die Angst zu nehmen“, sagt Ulrich Delius. Der GfbV-Afrika-Referent befürchtet einen Massenexodus, wenn die Kopten weiterhin bedroht und diskriminiert würden.

1,5 Millionen Christen haben ihr Ursprungsland im Lauf der Jahrzehnte bereits verlassen, die meisten in Richtung USA und Europa. Marina und Ajat können diese Feindschaft zwischen den Religionen nicht verstehen. „Wir sind doch alle gleich“, sagt Marina. „An unserer Schule gibt es sogar einen gemeinsamen Unterricht in christlicher und muslimischer Lehre“. Die beiden besuchen allerdings eine besondere Schule: die Deutsche Schule der Borromäerinnen, die vor gut hundert Jahren durch Schwestern dieses katholischen Ordens im Zentrum von Kairo gegründet wurde. Knapp 800 Mädchen lernen hier bis zum Abitur, ihre Eltern sind meist Akademiker und glauben an Allah. Marina und rund ein Drittel ihrer Mitschülerinnen gehören zur ägyptischen orthodoxen Christengemeinde der Kopten.

Mönche mit langen Bärten, Handys und Computern: „Unsere Kultur ist 7000 Jahre alt“, bemerkt Pater Cedrack in perfektem Deutsch noch vor der Pforte seines Wüsten-Klosters St. Bischoy, das mit seinen Reliquien und Bilderwänden als schönstes Kloster im ganzen Wadi Alnatron gilt. Das Kloster St. Bischoy wurde zu Beginn des 4. Jahrhunderts im Natron-Tal gegründet, ein heiliges Tal zwischen Kairo und Alexandria. Denn schon im Altertum wurde aus seinen Salzseen Natron gewonnen für die Einbalsamierung der Gottkönige. Die Heilige Familie soll auf der Flucht nach Ägypten durch dieses Tal gezogen sein; zu frühchristlicher Zeit entstanden hier zahlreiche Klöster und Einsiedeleien. „Wir sind direkte Nachfahren der Pharaonen – Kopte ist einfach die alte griechische Bezeichnung für Ägypter“, erklärt Pater Cedrack. Der Apostel Markus gründete in Alexandria die erste christliche Kirche, der Glaube breitete sich schnell über ganz Ägypten aus – bis im 7. Jahrhundert die Araber kamen. Die Christen, die nicht wie die Mehrheit der Bevölkerung zum Islam konvertierten, nannten sich weiterhin Kopten, Ägypter. Nur vier Anlagen haben Beduinen-Angriffen und der Zeit getrotzt, St. Bischoy ist das größte von ihnen, eingebettet in blühende, bewässerte Wüstenlandschaft. Die Mönche von heute gehen durchaus mit der Zeit, auch wenn sie mit ihren langen Kutten, Bärten und Kapuzen nicht so aussehen. Sie haben Handys und Computer, sind Agrarexperten, Ärzte, Apotheker, Tischler, Bäcker – St. Bischoy lebt rund um die alten Klostermauern wie eine erfolgreiche autonome Stadt, mit 175 Mönchen.

„Wir respektieren eure Religion“: Pater Cedrack, ein 55-jähriger Tierarzt, spricht mehrere Sprachen und bereiste die Welt, bevor er sich für das Klosterleben entschied. Wenn er Pilger durch die uralten Räume führt, lenkt der Mönch das Gespräch auch auf die Lage seiner Glaubensbrüder. „Wir respektieren eure Religion, es gibt doch auch Freundschaften zwischen Moslems und Kopten“, sagt Ahmed, muslimischer Reiseleiter einer deutschen Pilgergruppe. „Und sitzt nicht sogar ein Kopte als Finanzminister in der Regierung“? „Ja, einer von 30 Ministern, ein Feigenblatt“, entgegnet Cedrack. Hinter Klostermauern spricht der koptische Mönch aus, was sich sonst nur die emigrierten Kopten trauen. Selten wird man in Ägypten offiziell hören, dass die Kopten benachteiligt oder verfolgt werden. „Wir verstehen, uns anzupassen“, sagt Cedrack und wirbt trotz allem für Toleranz. „Ich bin zuerst Ägypter und dann Christ. So wie jeder für mich zuerst Mensch ist. Die Muslime sind meine Brüder“.

Tausende Kilometer weiter nördlich, in einem Barockkloster bei Höxter, sagt ein Mann genau dasselbe – Bischof Damian, Mediziner, vor 53 Jahren in Kairo geboren. Auch Bischof Damian spricht perfekt Deutsch, auch er hat sich für das Klosterleben entschieden. In St. Bischoy ließ er sich zum Priester weihen, zusammen mit Pater Cedrack. 1995 schickte ihn das Kirchenoberhaupt Papst Schenuda III nach Deutschland und machte ihn hier zum Generalbischof der koptischen Kirche. 8000 Mitglieder hat seine Gemeinde in der Bundesrepublik – mit besten Kontakten zu heimischen Christen. „Bis auf das Amt des Papstes unterscheiden sich Kopten und Katholiken kaum“, sagt der Bischof. „Unser Patriarch und Papst Schenuda III. ist Nachfolger des Evangelisten Markus, Papst Benedikt XVI. Nachfolger des Heiligen Petrus“.

„Seit 1300 Jahren leben Kopten mit Muslimen zusammen“: In den fünfziger Jahren kamen die ersten Kopten nach Deutschland, sie verließen ihr Land, weil Präsident Nasser nach seiner Revolution die Landbesitzer enteignete – viele von ihnen waren Kopten. Nicht wenige Christen würden auch heute auswandern, wenn sie Mittel und Möglichkeiten hätten, meint Bischof Damian. „Es ist kein Geheimnis, dass wir Angst haben“. Gegen diese Angst setzt der Bischof auf den Dialog zwischen Moslems und Christen. „Seit 1300 Jahren leben die Kopten in Ägypten mit den Muslimen zusammen. Wir kennen ihre Mentalität, ihre Sprache, ihren Glauben“, sagt der Bischof. „Deshalb können wir vermitteln und Verständigung schaffen. Wir können eine Brücke des Friedens bauen zwischen Christentum und Islam“. Damit eines Tages im Großen gelingt, was im Kleinen sogar in Ägypten möglich ist.

{Quelle: http://www.spiegel.de – Von Christiane Zander}

 

3 Responses to “Kopten in Ägypten: „Es ist kein Geheimnis, dass wir Angst haben“”

  1. ReiterRoman Says:

    1,5 Millionen Christen haben das Land verlassen:
    das gibt zu denken.
    Wir sind direkte Nachfahren der Pharaonen
    um keinen nahe zu treten,aber waren die nicht auch nicht immer zimperlich,hat das Blut Christi auch sie friedlich zu einer Gottes Religion geführt ,ist zu hoffen für die Mosleme.

  2. ReiterRoman Says:

    zwischen Christentum und Islam“. Damit eines Tages im Großen gelingt, was im Kleinen sogar in Ägypten möglich ist.

    denke alleine werden Sie es nicht schaffen,dazu gehöre Gottes Hilfe und Gerechtigkeit.

  3. ReiterRoman Says:

    wie kann man den Kopten helfen.
    Durch Patenschaft von Kindern oder Jungen benachteitigten Frauen.

    Exzellenter Artikel. Gut recherchiert und sauber. Mehr davon bitte. Mit solchen Artikeln kann man diesen Phänomenen besser begegnen als mit durchsichtigen, einseitigen Äusserungen von gewissen anderen Zeitungen


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