kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Die Bibel und die Astronomie 26. September 2010

Filed under: Spiritualität — Knecht Christi @ 02:17

Unterstellen wir, die Bibel ist das Wort Gottes, versteht es sich von selbst, daß sie wahr ist. Entdeckungen der Neuzeit lassen jedoch auf den ersten Blick scheinbar an diesem Glaubensfundament rütteln. Es wäre nicht übertrieben zu behaupten, daß die christliche Welt dadurch erschüttert wurde. Der polnische Astronom Nikolaus Kopernikus liefert uns hierfür ein Beispiel, indem er in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu dem Schluss kam, das Weltbild des Abendlandes sei überholungsbedürftig. Im Mittelalter galt als unumstößlicher Glaubenssatz, die Erde sei der Mittelpunkt des Universums, um den alle Himmelskörper kreisten. Dazu der Historiker William Manchester: „Man hielt die Erde für eine unbewegliche Scheibe, um die sich die Sonne drehte … Der übrige Kosmos bestand aus dem von Engeln bewohnten, verträumt über den Wolken gelegenen Himmel und der unter dem Boden Europas brennenden Hölle. Jeder glaubte, ja waste das“ (William Manchester, A World Lit Only by Fire, Little, Brown and Co., Boston, 1993, Seite 89).

Nach jahrelangem Studium mathematischer Tafeln, ergänzt durch eigene Beobachtungen, gelangte der Domherr zu Frauenburg zu einem ganz anderen Ergebnis: Die Erde ist doch keine Scheibe, um die sich die Sonne dreht; sie ist eine Kugel, die eine eigene Laufbahn um die Sonne zieht. Diese Entdeckung des Kopernikus versetzte manche kirchliche Instanzen in heftige Erregung. Seine Sicht der Dinge wurde vom gebildeten Menschen des Mittelalters genauso begeistert empfangen wie vormals die Pest. Als er seine Beweise vorlegte, erntete er nur Verachtung und Spott. Da er die damals herrschende Lehre in Frage gestellt hatte, brandmarkte die etablierte Kirche Kopernikus als Abgefallenen. Wie entstand dieser Konflikt?

Die Kirchenmänner bezogen ihr Weltbild von dem Astronomen Ptolemäus, der im 2. Jahrhundert in Ägypten gelebt und erklärt hatte, die Erde sei der Mittelpunkt des Universums (Manchester, Seite 116). In einem wichtigen Punkt hatte Ptolemäus recht. Er „erkannte im 2. Jahrhundert n. Chr., daß die Erde eine Kugel ist“ (Carl Sagan, Blauer Punkt im All,Weltbild Verlag, Augsburg, 1999, Seite 31). Diese Erkenntnis war aber damals nicht neu: „Über 300 Jahre vor Christi Geburt kam Aristoteles zu dem Schluss, der Planet müsse eine Kugel sein.

Nach einer Mondfinsternis wies er darauf hin, daß es nur durch eine Kugel möglich ist, einen runden Schatten auf den Mond zu werfen“ (Manchester, Seite 230). Die organisierte Kirche des 2. Jahrhunderts ließ das geozentrische Weltbild des Ptolemäus gelten, verwarf aber seine Meinung zur Gestalt der Erde. Die Theologen entschieden sich statt dessen für „die absurden geographischen Aussagen, die in der Topographia Christiana, einer Abhandlung des 6. Jahrhunderts aus der Hand des Mönchs Cosmas …, der die Erde für eine viereckige Ebene hielt“, erneut festgehalten wurden (ebenda).

Im Laufe der Zeit fand Kopernikus Unterstützung für seine Ketzerei. So bestätigte der Astronom Galileo Galilei die Theorie des Klerikers, zog seine Thesen aber wegen angedrohter Folter zurück. Die Erkenntnisse der Naturwissenschaften ließen sich jedoch auf Dauer nicht unterdrücken. Der Bann, in dem die Religion den Geist des Menschen gefangenhielt, wurde gebrochen. Die Entdeckung des Kopernikus stellte die kirchlichen Autoritäten vor ihre größte Glaubwürdigkeitskrise. Zur Verteidigung ihrer Position führten sie Meinungen ins Feld, die durch wissenschaftliche Beobachtungen und Experimente zunichte gemacht wurden. Mit Bibelglauben und Kirchenvertrauen sollte es nie wieder so werden wie einst. Dadurch wurde die Legitimität der Heiligen Schrift in den Augen vieler Menschen unterhöhlt.

Fehlinterpretationen der Heiligen Schrift

Der Schein, die Bibel sei widerlegt worden, war trügerisch. Nur die falschen Interpretationen einzelner Schriftstellen waren erschüttert worden, nicht die Bibel selbst. Irrtümliche Annahmen über ihren Inhalt hatten sich als nicht zutreffend erwiesen. Die Irrtümer des Ptolemäus fanden erst im 2. Jahrhundert Eingang in die Theologie. Es gibt keinerlei Anhaltspunkte dafür, daß Christus oder die Apostel an dieses Weltbild glaubten. Vom 2. Jahrhundert an vertraten die kirchlichen Führer eine falsche Meinung zum Platz der Erde im Universum, weil sie verschiedene Bibelstellen missdeuteten. So auch Psalm 93, wo es heißt: „[Der HERR] hat den Erdkreis gegründet, daß er nicht wankt“ (Vers 1). „Nicht wanken“ schließt aber keineswegs aus, daß die Erde in der ihr von Gott gewiesenen Umlaufbahn um die Sonne kreist. Zutreffend ist, daß dieses Zitat sogar bestätigt, was der Mensch durch die wissenschaftliche Erforschung des Himmels erfahren hat, nämlich, daß die Bewegung der Erde um die Sonne beständig und berechenbar ist. Gott hat der Erde ihren Lauf bestimmt und lässt sie nicht eines Tages unvermittelt aus ihrer Bahn geraten. Denn Gott herrscht über die Kräfte, die ihren Kurs bestimmen.

Die Bibel: ihrer Zeit voraus

Die Gelehrten der Renaissance, welche die Struktur des Sonnensystems richtig erkannten, lagen, wenn es um die Anordnung des Weltalls ging, Jahrhunderte hinter der Bibel zurück. Heute scheint es unvorstellbar, daß die Menschen so lange im Dunkeln bleiben konnten. Maßgeblichen Anteil daran hatte sicherlich der geistige und sittliche Niedergang in der Zeit zwischen 400 und 1000 n. Chr. Während dieser Zeit „verschwand das geistige Leben aus Europa. Selbst Karl der Große, der erste Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und der größte aller mittelalterlichen Herrscher, war Analphabet“. Dieses Zeitalter zeichnete sich durch „fast undurchdringliche Geistlosigkeit“ aus (Manchester, Seite 3). Der Glaube, die Erde sei der Mittelpunkt des Universums, war nicht so leicht zu erschüttern. Insgesamt wurde die neue Wahrheit erst 300 Jahre nach den Entdeckungen des Kopernikus von den geistlichen Führern anerkannt. Das kirchliche Christentum wurde schwer getroffen, weil viele davon ausgingen, die von Kopernikus nachgewiesene astronomische Wirklichkeit stelle die Wahrhaftigkeit der Bibel in Frage. Jedoch nicht die Bibel, sondern ihre offizielle Auslegung durch die kirchlichen Institutionen wurde in Frage gestellt. Die Tatsachen bestätigten vielmehr, daß die Aussagen der Bibel richtig sind.

Das Alter des Universums

Eine falsche menschliche Theorie zur Struktur des Universums stand im Mittelpunkt der ersten großen Kontroverse zwischen Kirche und astronomischer Naturwissenschaft. Es sollten viele weitere folgen. Eine der heftigsten Debatten entzündete sich an der Frage nach dem Alter des Weltalls. Die Astronomen haben dafür Beweise gefunden, daß das All seit Milliarden von Jahren besteht. Die meisten von ihnen glauben, das Universum sei durch einen „Großen Knall“ vor zehn bis zwanzig Milliarden Jahren entstanden. Ihnen stehen biblische Fundamentalisten gegenüber, die dogmatisch darauf bestehen, daß das Weltall erst 6000 Jahre alt ist. Auf diese Zahl kommen sie durch die verschiedenen Alters- und Datierungsangaben in der Bibel, vor allem im ersten Buch Mose. Die Astronomen haben recht, wenn sie diese Sicht der Dinge als Märchen bezeichnen, denn sie meinen, mit Hilfe von Hochleistungsfernrohren gesammelte handfeste Beweise gesammelt zu haben. Ein Sternenforscher stellt die einfache Frage: „Wieso können wir dann Himmelskörper sehen, die weiter als sechstausend Lichtjahre entfernt sind?“ (Sagan, Seite 44). [Ein Lichtjahr ist die Entfernung, die Licht in einem Jahr bei seiner Geschwindigkeit von rund 300 000 km pro Sekunde zurücklegt]. Es ist offensichtlich, daß es unüberbrückbare Gegensätze zwischen manchen Fundamentalisten und Naturwissenschaftlern in dieser Frage gibt. Nach einem Bericht der amerikanischen Wochenzeitschrift U.S. News & World Report versuchen einige Verfechter des biblischen Fundamentalismus, die Beweise dadurch zu relativieren, daß sie von einem „scheinbaren Alter“ reden, das Gott in das Universum und die Erde eingebaut habe.

Der Schöpfer habe einfach alles älter „aussehen lassen“ (23. Dezember 1991, Seite 59-60). Kritiker dieser Haltung, darunter auch Theologen, können sich kaum mit dem Gedanken anfreunden, der Schöpfer „habe es darauf angelegt, die Menschheit zu täuschen“ (ebenda). Solche weit hergeholten Argumente sind aber völlig überflüssig, denn die Bibel steht keineswegs im Widerspruch zu den Beweisen der Naturwissenschaften. Daher sind diese Theorien auch keine Widerlegung der biblischen Darstellung. Die meisten Vertreter beider Lager übersehen, daß die Bibel keinerlei Angaben über den Zeitpunkt der Erschaffung des Universums liefert.

Nach der Bibel war Adam der erste Mensch (1.Korinther 15,45; 1. Chronik 1,1). Bei der Addition der Altersangaben in den biblischen Geschlechtsregistern kommt man ferner zu dem Ergebnis, Adam müsse vor etwa 6000 Jahren geschaffen worden sein. Die Bibel behauptet aber nirgends, die Schöpfung des Menschen und die Schöpfung des Universums hätten zur gleichen Zeit stattgefunden. Das Alter des Weltalls lässt sich nicht aus der Bibel ablesen. Zehn bis zwanzig Milliarden Jahre sind nicht ausgeschlossen. Die Urknall-Theorie ist lediglich die gängigste Theorie, mit der die Entstehung eines unermesslichen und majestätischen Universums ohne die Anerkennung von Gott und der Bibel erklärt wird. Die Verfechter dieser Theorie räumen aber ein, daß das Universum in einem bestimmten Augenblick entstanden ist. Sie haben jedoch keine Erklärung für den Ursprung der Materie, die bei diesem großen Urknall bereits vorhanden gewesen sein muss. Festhalten können wir aber, Bibel und Naturwissenschaftler stimmen darin überein, daß es einen Schöpfungszeitpunkt gegeben hat.

„Am Anfang …“

Um festzustellen, was tatsächlich in dem Schöpfungsbericht steht, wenden wir uns nun dem ersten Kapitel der Bibel zu: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser“ (1. Mose 1,1-2). Der erste Satz bezieht sich auf Gottes ursprünglichen Schöpfungsakt. Auffallend ist, daß der Zeitpunkt, zu dem diese Handlung geschah, offengelassen wird. Wenn wir nun andere Schriftstellen heranziehen, wird uns klar, daß eine Lücke zwischen den beiden ersten Sätzen klafft, in der etwas geschehen sein muss, was zur Verwüstung und Entleerung der Erde führte. So lesen wir in Jesaja 45, Vers 18, daß Gott die Erde nicht geschaffen hat, damit sie leer sein soll. Nach dem ersten Schöpfungsakt aber wurde die Erde in ein Chaos gestürzt. Der zweite Vers der Bibel kann also auch folgendermaßen übersetzt werden: „Und die Erde wurde wüst und leer.“ Dies wiederum lässt den Schluss zu, daß die in dem Abschnitt ab Vers 2 beschriebene Erschaffung des Menschen zu einem späteren Zeitpunkt stattfand als die in Vers 1 erwähnte Erschaffung des Universums.

Wann genau der ursprüngliche Schöpfungsakt geschah, wird uns nicht mitgeteilt. Die Bibel deutet jedoch an, daß ihm die Rebellion eines Erzengels folgte, in deren Verlauf die Erde verwüstet wurde. In Jesaja 14, Vers 12 wird dieser Erzengel mit dem „Morgenstern“ (lat. „Lucifer“) verglichen. Nach seinem Aufstand heißt er aber „Satan“, was auf hebräisch soviel wie „Feind“ bedeutet. Die Erzählung in 1. Mose 1,Vers 3-31 scheint somit eine Erneuerung der Erde in Vorbereitung auf die Erschaffung des Menschen zu beschreiben (siehe Psalm 104,30). Die biblischen Ahnentafeln legen diese Erneuerung der Erde in die Zeit vor etwa 6000 Jahren, aber die Bibel teilt uns kein genaues Datum für die Erschaffung von Adam und Eva mit. Andererseits wird uns dargelegt, daß es ursprünglich keine Materie, also auch keine Erde, kein Sonnensystem und keine Galaxien gab. Dies ist es wohl auch, was der Apostel Paulus meint, wenn er von einer Periode „vor den Zeiten der Welt“ schreibt (Titus 1,2).

Dazu passen auch die Aussagen der Naturwissenschaft: „Gegenwärtig vertreten die meisten Kosmologen und Astronomen die Theorie, daß … in einer ungeheuren, allgemein als ,Urknall‘ bezeichneten Explosion … tatsächlich eine Schöpfung stattgefunden hat … Das Universum kann nicht schon immer existiert haben“ (Paul Davies, Gott und die moderne Physik, C. Bertelsmann Verlag, München, 1986, Seite 28, 30; Hervorhebung durch uns). Wir fassen zusammen: Bibel und Naturwissenschaften stimmen darin überein, daß die physische Schöpfung einen augenblicklichen Anfang hatte.

Das Alter der Erde: Lässt die Bibel auf eine Zeitlücke

Der Bericht über die Erschaffung der Erde beginnt in 1. Mose 1,1-2: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe …“ Aus dem Wortlaut dieser und anderer Stellen im hebräischen Grundtext haben einige Forscher den Schluss gezogen, daß zwischen den Ereignissen, die in diesen beiden Versen beschrieben werden, ein längerer Zeitraum liegt. Wenn dies zutrifft, besteht kein Widerspruch zwischen dem biblischen Bericht und den naturwissenschaftlichen Entdeckungen, die darauf deuten, daß die Erde mehrere Milliarden Jahre alt sein könnte. Gab es aber keine solche Zeitlücke, muss die Erde erst etwa 6000 Jahre alt sein, was die überwiegende Zahl der Naturforscher ausschließt. Können uns andere Aussagen der Bibel oder Kenntnisse aus der Geschichte weiterhelfen? Nach Meinung einiger Fachleute könnte bzw. sollte der zweite Vers der Bibel so übersetzt werden: „Die Erde wurde wüst und leer“. Diese Idee stößt jedoch bei anderen auf heftigen Widerstand, die davon ausgehen, daß die hebräische Verbform hajah an dieser Stelle mit „war“ wiedergegeben werden soll, und deshalb annehmen, daß die Erde zunächst einmal in einem chaotischen Zustand erschaffen wurde.

Richtig ist, wie man aus vielen Bibelkommentaren herauslesen kann, daß beide Übersetzungen möglich sind. Die Entscheidung muss sich daher am Zusammenhang des Verses und des Buches orientieren. Dazu Gleason Archer, Professor für biblische Sprachen an der Universität Maryland: „Es ist ebenso möglich, daß das Verb „war“ in 1.Mose 1,2 mit „wurde“ übersetzt … werden kann: ‚Und die Erde wurde wüst und leer.‘ Die Verwandlung der ursprünglichen Vollkommenheit der Schöpfung Gottes in ein Chaos wäre nur durch eine kosmische Katastrophe zu erklären, und gerade das scheint eine vertretbare Interpretation zu sein“ (A Survey of Old Testament Introduction, Moody Press, Chicago, 1974, Seite 184). In einer Fußnote setzt Archer hinzu: „Genaugenommen hat die Verbform hajah nie die statische Bedeutung, wie sie im Wort „sein“ enthalten ist. Die Grundbedeutung hat mit Werden und Entstehen zu tun … Mitunter wird folgende Unterscheidung gemacht: hajah bedeute nur dann „wurde“, wenn ihm die Präposition le folge. Doch diese Unterscheidung hält einer kritischen Prüfung nicht stand. So in 1. Mose 3, Vers 20: „Und Adam nannte sein Weib Eva; denn sie wurde die Mutter aller, die da leben“.

zwischen den ersten beiden Versen der Bibel schließen?

Dem Verb in diesem Satz folgt kein le. Hajah wird auch in 1. Mose 4, Vers 20 ohne le verwendet, wo es heißt: „Und Ada gebar Jabal; dieser wurde der Vater derer, die in Zelten und unter Herden wohnen“. Einige Gelehrte lehnen die Übersetzung von hajah als „wurde“ in 1. Mose 1, Vers 2 ab, weil sie davon ausgehen, daß diese Auslegung erst aufkam, nachdem Geologen ein viel höheres Alter für die Gesteinsschichten der Erde festgestellt hatten als ursprünglich angenommen. Sie sehen in dieser Erklärung den Versuch, den biblischen Schöpfungsbericht mit der modernen Geologie in Einklang zu bringen. Die Unterstellung einer nicht näher bestimmten Zeitspanne zwischen dem in 1. Mose 1, Vers 1 beschriebenen Schöpfungsakt, der von Schönheit gekennzeichnet war, und der Verwandlung der Erde in eine wüste Wildnis (Vers 2), wird oft die „Lückentheorie“ genannt, wobei oft ein Unterton der Missbilligung mitschwingt.

Diese Kritiker übersehen, daß über das Wort „wurde“ in Vers 2 – „die Erde wurde wüst und leer“ – schon seit fast 2000 Jahren diskutiert wird. Die älteste, uns bekannte Auseinandersetzung zu diesem Thema wird jüdischen Weisen Anfang des 2. Jahrhunderts zugeschrieben. Diese hebräischen Gelehrten, die am Targum des Onkelos, einer der ältesten aramäischen Übersetzungen des Alten Testamentes, mitwirkten, gaben 1. Mose 1, Vers 2 sinngemäß mit „und die Erde wurde verwüstet“ wieder.

In seinem Werk De Principiis schreibt der katholische Theologe Origenes (186-254) zu 1. Mose 1, Vers 2, die ursprüngliche Erde sei „hinabgeworfen“ worden (Ante-Nicene Fathers, Christian Literature Publishing Co., Buffalo, 1917, Seite 342). Der flämische Gelehrte Hugo St. Viktor (1097-1141) schrieb zu 1. Mose 1, Vers 2: „Bis auf die Frage, wie lange wohl die Unordnung angehalten hat, ehe Gott mit der Neuordnung der Erde begann, dürfte dieses Thema schon ausreichend behandelt worden sein“ (De Sacramentis Christianae Fidei, Buch 1, Teil 1, Kapitel 6). Auch andere mittelalterliche Gelehrte, wie Dionysius Peavius und Pererius, waren der Ansicht, die Geschehnisse der ersten beiden Verse der Bibel hätten zeitlich auseinander gelegen. Offensichtlich vertrat auch der niederländische Gelehrte Simon Episcopius (1583-1643) den Standpunkt, die Erschaffung der Erde habe längere Zeit vor den in 1. Mose 1 beschriebenen sechs Schöpfungstagen stattgefunden (The Schaff-Herzog Encyclopedia of Religious Knowledge, Baker Book House, Grand Rapids, 1952, Band 3, Seite 302). Dies war bereits 200 Jahre, bevor die Geologen auf erste Belege für das Alter der Erde stießen.

Diese Beispiele zeigen, daß die Annahme einer Zeitlücke zwischen den ersten beiden Versen der Bibel eine lange Geschichte hat. Die Behauptung, sie sei erst viel später aufgekommen, um die Bibel mit den Erkenntnissen der modernen Geologie zu harmonisieren, ist falsch. Die ausgewogenste Behandlung dieses Themas dürfte das Buch Without Form and Void: A Study of the Meaning of Genesis 1:2 des Kanadiers Arthur Custance (1910-85) sein. Dort lesen wir: „Für mich ist diese Frage wichtig, und seit 30 Jahren lese ich ohne Rücksicht auf den jeweiligen Standpunkt alles, was ich darüber in die Hände bekommen kann. Zum Buch 1. Mose habe ich bisher über 300 Kommentare gesammelt, wobei das älteste Werk aus dem Jahre 1670 stammt. Nach gründlicher Abwägung aller Argumente bin ich überzeugt, daß ‚Die Erde wurde wüst und leer‘ eine bessere Wiedergabe des Grundtextes ist als die Formulierungen, die man in den meisten modernen Bibelübersetzungen findet“ (1970, Seite 7).

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s