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Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Wie Barino aus der Islamistenszene ausstieg 22. September 2010

Filed under: Konvertiten — Knecht Christi @ 02:52

Auf der Suche nach religiöser Heimat wurde Barino Barsum erst Muslim, dann Islamist. Fünf Jahre später kehrt er dem Islam den Rücken – für einige Ex-Glaubensbrüder ein todeswürdiges Verbrechen. Der TV-Journalist Antonio Cascais begleitete ihn auf seinem Weg. Entstanden ist ein eindrückliches Porträt.

Diese Geschichte beginnt in einer langen Straße in der Kölner Innenstadt mit Bäckereien, Ein-Euro-Läden und Computer-Shops.

Ex-Muslim Barino Barsum „Ich brauche Religion“: Hier lebt Barino in einer kleinen Wohnung mit Terrasse. An dieser Straße liegt auch die Wohnung von TV-Journalist Antonio Cascais, der in den letzten fünf Jahren so etwas wie Barinos Chronist war. In dieser Straße liegt ferner der Computer-Laden von Barinos Vater, in dem der damals 18-Jährige und Cascais sich begegneten. Und heute sitzt Barino in eben dieser Straße in einem kleinen Restaurant. Er isst einen Salat mit Ziegenkäse, trinkt eine Cola und redet: über seine Vergangenheit, seine Zukunft und seinen Glauben. Und darüber, dass einige, die er gut kennt, der Ansicht sind, dass er sich eines Verbrechens schuldig gemacht hat. Denn Barino, der als 18-Jähriger erst Muslim und später Islamist wurde, hat dem Islam den Rücken gekehrt. Und deswegen bleibt der Name der Straße, in der Barino lebt, ungenannt. Auch wenn Barino sagt: „Es sind meine besten Freunde gewesen, und sie sind nicht gewaltbereit“.

„Da ist etwas gekippt“: Barinos Geschichte bündelt verschiedene Stränge. Einer ist seine Konversion zum Islam und anschließende Radikalisierung, die darin gipfelte, dass er dazu aufrief, den Dschihad „zu implementieren.“ Ein zweiter sein Weg aus dem Islam heraus. „Irgendwann konnte ich mich nicht mehr als Teil des Islam fühlen“, sagt er heute. „Ich stellte den Propheten als Gesandten Gottes in Frage – da war mir klar, dass ich nicht mehr im Islam stand“. Der dritte Aspekt ist die Beziehung zwischen dem Dokumentarfilmer Cascais und dem Konvertiten Barino, die sich kennenlernten, als der Filmemacher bei Barino eine Computer-Schulung machte. Fünf Jahre lang begleitete Cascais Barino; der erste Film, der aus dieser Beziehung hervorging, „Koran im Kopf“, erzählte von der Radikalisierung Barinos. Der zweite, „Barinos Ausstieg“ wird heute Abend im WDR ausgestrahlt.

Der vierte Teil der Geschichte schließlich ist noch nicht erzählt: Wie werden Barinos ehemalige Glaubensbrüder, seine Freunde von der Moschee, sein alter Imam auf den Film reagieren? Der Imam sagte schon im ersten Film: Wer sich öffentlich vom Islam lossagt, dem droht – theoretisch – die Todesstrafe. Muss man in Deutschland im Jahr 2008 Angst haben, seine Religion zu wechseln und darüber zu sprechen? Antonio Cascais, dunkles Hemd, Cordhose und Adidas-Retro-Turnschuhe, zählt zu einer Sorte Journalist, die selten geworden ist. Er glaubt an das Gute im Menschen, an Multikulti, an Moscheebesuchern. Als er Barino zu begleiten begann, sollte es um dessen Weg in eine neue religiöse Heimat gehen. „Ich habe ihn als einen kritischen Konvertiten kennengelernt“, erzählt Cascais. Und als einen Menschen mit Sehnsucht nach Spiritualität: „Barino will und braucht ein Leben nach dem Tod“. Doch irgendwann bemerkte Cascais: „Da ist etwas gekippt“. Barino wurde sehr streng. Eine Gruppe junger Islamisten nahm ihn auf, und bald wurde er deren Anführer. „Ich bin in der Zeit nicht richtend an ihn herangegangen“, sagt Cascais. „Es ging ja ums Dokumentieren. Barino war immer offen, aber die anderen haben abgeblockt“.

„Für mich war das eine Islamisierung, keine Radikalisierung“: „Ich weiß nicht, wie du das siehst, Barino. Ich empfand das als fundamentalistische Gruppe“, sagt Cascais über den Tisch hinweg. Barino B. ist ein nachdenklicher Mensch. Er antwortet selten schnell und oft in druckreifen Sätzen. Und auch nach seinem Ausstieg liegt es ihm fern, seine alte Religion, seine alten Brüder zu kritisieren. Aber ebenso fern liegt es ihm, irgendetwas anders darzustellen, als er es damals empfand. „Für mich war das keine Radikalisierung, sondern eine Normalisierung oder Islamisierung“, antwortet er. „Ich habe nicht gedacht, dass das radikal wirkt“. Nach der Ausstrahlung von „Koran im Kopf“ 2006 wurde Barino angezeigt. Er hatte die Kofferbomber in Schutz genommen. „Ich konnte damals nachvollziehen, dass man zu diesem Schluss kommt“, sagt er. „Es war aber nicht meiner“.

Die Staatsanwaltschaft interessierte sich für ihn. In den Medien wurde Barino als tickende Zeitbombe beschrieben. Eigentlich hätte dieser Strang von Barinos Geschichte hier geendet: Cascais hatte – ungeplant – in seinem Film etwas eingefangen, was sich selten so genau beobachten lässt: die Radikalisierung eines jungen Muslims. Aber wie gesagt, Cascais ist ein etwas altmodischer Journalist. Und als er über Umwege erfuhr, dass Barino mit seinem neuen Glauben haderte, nahm er die Beziehung neu auf. So entstand „Koran im Kopf II“. Und wieder gelang es Cascais etwas einzufangen, was schwer greifbar zu machen ist: der Ausstieg eines Islamisten aus der Szene.

Ist es mehr als pubertäre Sinnsuche?

Natürlich wirft all das die Frage auf: Was ist dieser Barino eigentlich für ein Typ? Erst radikalisiert er sich, dann verlässt er den Islam gleich ganz. Und am Ende (auch das wird im zweiten Film dokumentiert) lässt er sich zum Christen taufen. Ist Barinos Geschichte mehr als die einer spätpubertären Sinnsuche? Ja, ist sie. Zumindest erhärtet sich dieser Eindruck, wenn man mit Barino spricht. „Am Anfang stand die Suche nach Spiritualität“, berichtet er. „Denn die Welt lässt sich nicht nur durch Ratio begreifen, sie hat mehr zu bieten.“ Das Christentum, in das er nominell hineingeboren war, erschien ihm kraftlos; das Judentum „zu wenig offen“.

Der Koran aber, „der hat mich fasziniert“. Barinos Vater ist Ägypter und koptischer Christ. Aber er hat muslimische Freunde, und die machten Barino mit dem Islam vertraut. Als 18-jähriger sprach er das islamische Glaubensbekenntnis. Die Abu-Bakr-Moschee in Köln, für radikale Tendenzen bekannt, wurde seine Heimat. Und schnell, vielleicht zu schnell, um es selbst zu bemerken, wurde aus dem einfachen Gläubigen ein Islamist. „Wir waren der Meinung“, sagt Barino über seine Clique, „dass der Islam auch ein politisches System ist“. Nein, niemand plante Terroranschläge. „Wir hatten nur vor, Menschen zum Islam einzuladen, Moscheen zu unterstützen, eine islamische Kindertagesstätte zu gründen“. Aber Barino war damals auch überzeugt: „Gewalt ist im Islam, so steht es in den Quellen, ein legitimes Mittel – die Frage ist nur: Wann und wo und gegen wen“?

Wie aus dem Islamisten Barino ein koptischer Christ wurde

„So steht es in den Quellen“: Das war Barinos Art zu glauben – und es ist zugleich der Schlüssel, um seine Radikalisierung nachzuvollziehen. Barino studierte den Koran und die Aussprüche des Propheten, und da er Muslim war, musste er sie ja für wahr halten und wörtlich nehmen. Kein Komma dürfe er anzweifeln, trichterte man ihm ein. Dass er an der Moschee mit nichts anderem an islamischen Schriftgut vertraut gemacht wurde, kam hinzu.

Filmemacher Cascais: „Ein kritischer Konvertit“: Doch ab und an beschlichen ihn dennoch Zweifel. Aber als er Fragen zu stellen begann, über Gewalt als Mittel zum Zweck, über die Behandlung von Sklaven, „da kamen keine Antworten“. Bestimmte Gedanken, sagte man ihm, führten zur Sünde. Oder auch: „Es geht nicht darum, was du findest“!

Barino ist jetzt koptischer Christ: Es gab kein einzelnes Ereignis, das Barino dem Islam entfremdete. Aber im Nachhinein sagt er: „Weiterdenken war verboten, die Wahrheit vorgegeben.“ Das sei ihm schließlich wie „eine geistige Gefangenschaft “ vorgekommen.

Barinos Umfeld nahm den Wandel wahr. Man bot ihm persönliche Gespräche an. Es nutzte nichts. Nach fünf Jahren sagte Barino sich los. Die Suche nach Spiritualität freilich ging weiter. Der Pater der koptischen Gemeinde in Düsseldorf meldete sich nach dem ersten Film bei ihm. Schon kurz vor seinem Ausstieg hatte Barino Jesus auf seine Art wieder entdeckt: Als er in der Moschee einen Vortrag über Jesus aus muslimischer Sicht hielt. Im Frühjahr 2008 ließ er sich taufen. Dass Barinos Ausstieg heute Abend im Fernsehen dokumentiert wird, weiß an der Moschee noch niemand. Es wird ihm nicht positiv ausgelegt werden, dass er ihn öffentlich macht. „Am Ende“, prophezeit Barino, „werde ich Jude sein und vom Mossad bezahlt.“ Andere, vermutet er, werden sagen: „Das Urteil, die Todesstrafe, ist klar. Aber wir leben in Umständen, in denen das niemand umsetzen kann“.

Zugleich wird Barino nicht müde zu betonen, wie gerne er mit seinen Ex-Brüdern befreundet wäre. „Ich mag diese Menschen sehr, sie sind wenigstens ehrlich“. Barino hat sich entschlossen, den Film nicht zu stoppen und keine Aussage zurückzuziehen. Er wird weder umziehen noch verreisen. Er hat die Polizei nicht um Personenschutz gebeten. Er glaubt nicht, dass jemand, den er kennt, ihm etwas antun wird. „Wir sehen die Gefahr nicht als unmittelbar oder groß an“, ergänzt Filmemacher Cascais. „Sonst würden wir den Film nicht ausstrahlen“.

Die Sicherheitsbehörden kennen Barinos Fall ebenfalls. Noch haben auch sie nicht von konkreten Drohungen erfahren. Muss man in Deutschland im Jahr 2008 Angst haben, seine Religion zu ändern und darüber zu sprechen? „Barinos Ausstieg“ ist nicht nur ein eindrückliches Porträt. Es ist auch ein Film, der einer wichtigen Frage nicht aus dem Weg geht.

„Koran im Kopf II – Barinos Ausstieg“, WDR Fernsehen“ – SPIEGEL ONLINE – Aus Köln berichtet Yassin Musharbash – barino@dasistislam.de

 

2 Responses to “Wie Barino aus der Islamistenszene ausstieg”

  1. ReiterRoman Says:

    Es ist möglich wenige aber stetig
    http://www.borgward.com/ZeugnisseihresGlaubens.htm

  2. jackdaw Says:

    „Wie aus dem Islamisten Barino ein koptischer Christ wurde“

    Wenn er sich wohlfühlt, sich und andere als fühlende Menschen jetzt versteht, jetzt ein Mann und kein Verführter ist, – so soll er ein gutes Leben haben und eine schöne Familie gründen – und es genießen !!!


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