kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Der Fall Sarrazin: Körperzellenrock 14. September 2010

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 02:31

Was Thilo Sarrazin gesagt hat, ist also nicht „auszuhalten“, seine Beschreibung der Welt „unerträglich“? Das meinen jedenfalls die intellektuellen Lobbyisten und kriegen sich kaum noch ein vor bebender Empörung. Dabei zeigt ihr Meinungskrieg in Schleimsprache nur eins: Wie unreif das deutsche Verhältnis zur Freiheit ist.

Auf dem vergilbten Foto steht ein hagerer alter Mann vor mageren Kühen, er stützt sich auf einen Knotenstock, seine Kleidung ist ärmlich. Er hütet auf irgendeinem Gut im Osten das Hungervieh der Tagelöhner, zu denen er selbst gehört hatte, im Grunde ein Sklavenstand. Einer seiner Söhne schaffte es, Handwerker zu werden, seine Enkel dann Meister oder Beamte, die Urenkel sind Ärzte, Intellektuelle und Wissenschaftler, und soweit es mich betrifft, ist dieser hagere Mann mit den klugen, heiteren Augen im knochigen Gesicht unter der Landarbeitermütze einer meiner Urgroßväter. Ich bezweifle, dass er genetische Defizite hatte, aber andere als er bestimmten über sein Leben, das für ihn vorsah, scheißenden Kühen hinterherzulaufen. Das nur, um zu beanspruchen, dass ich sehr wohl „ertragen“ kann, was Sarrazin sagt: seine schroffste, schrecklichste These ist ja, dass eine sozial durchlässige Gesellschaft eine genetisch benachteiligte Kohorte geradezu automatisch am unteren Rand chancenlos isoliert – nicht weil die Chancen fehlen, sondern die Begabungs-Chancen, sie zu nutzen. Dass es also Personen gibt, die einfach nicht Ingenieure oder auch nur Mechatroniker werden können, egal wie viel Geld oder Gutscheine man ihnen zukommen lässt. Und weiter: dass diese Unbegabteren sich stärker fortpflanzen und obendrein unter muslimischen Einwanderern klar überrepräsentiert sind. Warum soll „unerträglich“ sein, dass einer die Welt so beschreibt? Weil sie nicht so ist? Oder weil man er nicht aushält, dass sie so ist? Oder weil sie nicht so sein darf? Warum kann man nicht „ertragen“, dass jemand historische Sachverhalte wie den Zeitpunkt der polnischen Mobilmachung 1939 benennt? Weil daraus falsche Schlüsse gezogen werden könnten? Welche denn? Wer zog sie? Und darf man keine falschen Schlüsse ziehen? Wer zieht sie nicht?

Zu viele Nacktschnecken machen auf der eigenen Schleimspur Karriere: „Ertragen“ ist eines dieser Stichworte, das auch auf Steinbach und andere gemünzt wird in diesen Tagen – von intellektuellen Lobbyisten, die totale Meinungskriege führen. Es sind Wortkriege in Schleimsprache: Man kann nicht „ertragen“, dass einer was sagt oder mit am Tisch sitzt, es ist „nicht hilfreich“, wenn einer ein Buch schreibt. Nicht hilfreich, nicht zu ertragen, so lauten soziale Todesurteile unter den Nacktschnecken, die auf der eigenen Schleimspur Karriere machen, nach oben, ganz oben. Wie wunderbar schneckisch diese Erklärung des Merkel-Sprechers, es ist gut, einvernehmliche Regelung, endlich in Ruhe, wichtigen Aufgaben. Der Bundespräsident höchstselbst presst einen Bundesbankvorstand aus dem Amt, Rechtsgrundlagen: nicht nötig, zum Schluss wird geschmiert. Es ist nur noch widerlich, würdelos, pflichtvergessen. Im Milieu der Schnecken sind Säure und Seife nicht artgerecht, was ätzt oder klärt, wirkt schleimlösend. Aber wie immer ist es zu einfach, alles auf die Politik zu schieben. Deutschland hat kein Verhältnis zur Freiheit. Es straft Meinungen mit Berufsverboten, mit der öffentlichen Todesstrafe, dem Ruf-Mord. Schon vor Jahrzehnten, am Bundestagspräsidenten Jenninger, wurde demonstriert, dass nicht zählt, was einer gemeint hat, sondern ob man es ihm erfolgreich verdrehen kann, gern bis ins Gegenteil über allen Anstand hinaus. Dazu passt, dass nahezu jeder, bis ins Privateste, mit der Überzeugung durch die Gegend zu kriechen scheint, seine Gefühle seien Heiliges, das nie und nimmer verletzt werden dürfe – der heilige Schleim. Wir lieben es nicht, das offene Wort, den Freimut, die Ehrlichkeit. Nicht privat, und öffentlich erst recht nicht. Da gilt Null Toleranz. Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, aber bitte ph-neutral.

An die Stelle von Autoritäten ist Konformitätsdruck getreten: Wie kommt das eigentlich? Die Gesellschaft ist froh, jede ihrer Körperzellen ist glücklich, sie scheint toleranter als je, jedenfalls gegen Verletzungen der Scham, übles Benehmen, Rücksichtslosigkeiten aller Art, aggressive Egonauten, offensiven Sex, Verrohen und Verderben der Kinder – aber wenn einer mal nicht „ficken“ sagt, sondern „Kopftuchmädchen“, will man ihn am liebsten vom Antlitz der Erde tilgen. Es gibt, seit der Kulturrevolution der Sechziger, keine legitimationsfreien Autoritäten mehr. Gut. An deren Stelle ist aber Konformitätsdruck getreten. Dem liegt ein Bedürfnis zugrunde: Gedanken-Sharing. Der Druck bleibt die Ausnahme, ihn fühlt nur, wer Unliebsames ahnt oder gar ausspricht, die Sarrazins, die Gehetzten, die sich die Hetzmeute als Hetzer vorstellt.

Wobei freilich ein wachsender Teil der Gesellschaft ins Schweigen oder Grummeln driftet, Nichtwähler und Nichtschnecken, Stumpfe und Stolze. Bei der Meinungsfreiheit geht es ja nicht um Abstraktes. Sondern um Macht. Darum, wer anderen das Maul verbieten kann – schon klar, nicht verbieten, nur verdreschen – und wer es verboten, verdroschen kriegt. Diese Macht haben und nutzen die Lobbyisten und Meinungszüchtiger, die Mönchskrieger der öffentlichen Sprach- und Denkwirtschaft. Und natürlich die Nacktschnecken in ihrer weltanschaulich gefestigten Neutralität. Sie wirken, laut Artikel 21 GG, an der politischen Willensbildung des Volkes mit. {faz.net:Von Volker Zastrow}

 

7 Responses to “Der Fall Sarrazin: Körperzellenrock”

  1. Bazillus Says:

    Dieser Bericht ist eie realistische Bestandsaufnahme der vergewaltigten Meinsungsfreiheit, wie sie hier in Deutschland praktiziert wird. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Ein Sarrazin, geschweige denn ein Islamkritiker wie Stadtkewitz, werden hier mit aller Vehemenz mundtot gemacht. Das klappt aber nicht mehr so wie bei Jeanne d`Arc, als ihre Stimme auf dem Scheiterhaufen erstickt wurde.

    Eine Art von gedanklichem Scheiterhaufen wird aufgestellt, um solche unbequemen „Einzelmeinungen“ öffentlich an den Pranger zu stellen und als Unpersonen hinzustellen, um sie dann später in einem Feuerwerk aus Eitelkeit, aus Egoismus, aus Intolerenz, weil die eigene 68-er Meinung zu eineme Dogma mutierte, öffentlich verbal verbrennen zu können.

    Dem obigen Bericht ist somit nichts mehr hinzuzufügen. Danke, Herr Zastrow.

  2. Christoph Says:

    Ich habe selten so eine geniale Beschreibung der aktuellen Zustände gelesen! Hut ab!

    • ReiterRoman Says:

      Rückzug und Distanz zum kalten und feindlichen Umfeld Was den selbstgewählten Rückzug angeht, spielt die Religion eine wichtige Rolle. Nach einer Befragung unter Moscheebesuchern in Duisburg Anfang der 90er Jahre durch den Publizisten Metin Gür hatten 97 Prozent keinen Kontakt zu Deutschen, noch nicht einmal zu ihren direkten Nachbarn. Ausnahmslos alle Befragten gaben an, daß sie dagegen seien, daß ihre Töchter einen Deutschen heiraten.20 Der Berliner Journalist Eberhard Seidel-Pielen erklärt den Anfang dieser selbstgewählten Isolierung folgendermaßen: „Vieles, mit dem vor allem die aus dem bäuerlichen Milieu stammenden Zuwanderer zwangsläufig konfrontiert wurden, war schlicht ,Ayip` (Schande), die man als ,bittere Pille der Fremde` notgedrungen schlucken mußte.“ Über lange Strecken hatten sie demnach nur ein pragmatisches Verhältnis zu ihrem Einwanderungsland: Deutschland war gut zum Geld-Machen, „darüber hinaus aber ein eher gefährliches, kaltes und auch feindliches Terrain, in das man sich nicht allzu weit hinauswagen wollte“. In diesen Familien wurde streng darüber gewacht, daß über die notwendige Begegnung am Arbeitsplatz oder in der Schule hinaus kein intensiver Kontakt und Austausch zwischen Türken und Deutschen entsteht, damit die eigene, als erhaltenswert eingestufte kulturelle Identität und die eigenen Werte nicht in Frage gestellt werden.

      • ReiterRoman Says:

        Zwei von drei befragten Jugendlichen sind der Meinung, daß der Islam die einzig rechtsgläubige Religion ist. Alle anderen hier auf der Erde Lebenden sind danach Ungläubige. Nach dem Ende des Kommunismus gehe es nun mit dem Kapitalismus bergab; die Zukunft gehöre allein dem Islam. Davon ist bereits die Hälfte der türkischen Jugendlichen bei uns überzeugt.

      • ReiterRoman Says:

        Hohe Übereinstimmung zwischen Eltern und Kindern Interessant ist, daß ein Teil der türkischen Jugendlichen heute ganz ähnliche Meinungen vertritt. Der 22jährige Cemal etwa fragt provokativ, an wen er sich denn bitteschön anpassen solle, „an deutsche Trinker und Schweinefleischfresser, die im Sommer nackt an türkischen Stränden liegen?“22 Mehr als die Hälfte der Eltern der befragten Jugendlichen legt großen oder sehr großen Wert darauf, daß ihre Kinder anders leben als die meisten ihnen bekannten Deutschen
        Die 17jährige Ayse meint: „Also, ich denke, daß islamische Familien viel besser sind als christliche, weil, bei islamischer Religion sagen deine Eltern, du sollst das auch nicht machen, und das kannst du machen, und bei Deutschen, da höre ich immer, die Eltern erlauben alles. … Ich finde es schon richtig, daß sie (die eigenen Eltern) etwas streng sind.“24 Damit steht sie nicht allein: Fast die Hälfte der türkischen Jugendlichen meint, ihre deutschen Altersgenossen hätten zu viele Freiheiten.25 Die „alten Werte“ stehen bei den türkischen Jugendlichen hoch im Kurs (Leistungsbereitschaft, Ordentlichkeit, Fleiß, Achtung vor den Eltern, Gehorsam – in dieser Reihenfolge). Sie haben damit eine erkennbar andere Orientierung als deutsche Jugendliche und liegen mit ihren Vorstellungen und Werten näher an denen ihrer Eltern als die deutschen Jugendlichen.

        Über 50 Prozent wollen ihre Kinder später in eine Koranschule schicken. Und deutlich mehr als zwei Drittel aller Jugendlichen – und zwar mehrheitlich Jungen – geben an, daß religiöse Ziele in der Kindererziehung für sie wichtig oder sehr wichtig seien.Geschlechtertrennung im Sport wird von jedem vierten Jugendlichen befürwortet.

      • ReiterRoman Says:

        Hohe Übereinstimmung zwischen Eltern und Kindern Interessant ist, daß ein Teil der türkischen Jugendlichen heute ganz ähnliche Meinungen vertritt
        WIE WIE wo mit was ÄNDERT Man etwas bei der Grund Einstelung.

  3. ReiterRoman Says:

    Deshalb packe jeder sein Röckchen am Zipf und komme für sich vorwärts.
    Daß ein nicht intellektueller mehr an Verggnügungen denkt ist aus der Sicht der Denkweise sehr logisch und dass ein intelligentes Weib nur an Ihren Vorteil denken kann ebenso wie der Mann.Die Folgen zu erleben oft an nur Zweiter Stelle.


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