kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Papstrede fordert islamische Reformer heraus 12. September 2010

Filed under: Kirche — Knecht Christi @ 01:21

Moderate Geistliche wollen den Koran in seinem historischen Kontext verstanden wissen und ihn an die Moderne anpassen.

 

       Am 15. September veröffentlichte die italienische Zeitung Corriere della Sera einen Leitartikel von Magdi Allam, Muslim und einer der angesehensten Kommentatoren des Landes. Er stellte fest, dass die Muslime sich zu einer Front gegen den Papst zusammengeschlossen hätten und damit bewiesen, dass die Wurzel des Übels eine „blinde Ideologie des Hasses unter Muslimen“ sei, eine Ideologie, die „den Glauben verletzt und den Geist verdunkelt. Wie kommt es, dass Muslime, besonders die sogenannten Gemäßigten unter ihnen, sich nie mit ähnlichem Eifer gegen die wahren Verächter des Islam erheben, die islamischen Terroristen“? Allam nannte es eine „tragische Realität“, dass es extremen Strömungen des Islam im öffentlichen Diskurs gelungen sei, einen Konsens zu verfestigen in den Köpfen der Mehrheit der Muslime, „deren Gedanken verdunkelt sind durch anti-amerikanische, antiwestliche“ Haltungen und die Ablehnung „des Existenzrechtes Israels.“ Das Problem jedoch, so schrieb er, sei gänzlich das interne Problem „eines Islam, der von Extremisten verwandelt wird von einem Glauben an Gott in eine Ideologie, die eine totalitäre und theokratische Macht all jenen aufzwingen will, die nicht so sind, wie sie“. Es mache ihm Angst, zu sehen, wie selbst gemäßigte Muslime sich diesem „Heiligen Krieg“ (gegen den Westen) anschließen, „dessen hauptsächliche Opfer sie selbst sein werden“.

Tatsächlich sind Millionen Muslime während des Karikaturenstreits gegen ein paar Zeichner zu Felde gezogen, während es eine vergleichbare weltweite Explosion muslimischen Zornes gegen Osama Bin Laden als Schänder des Islam nicht gegeben hat. Es ist auch klar, dass ein extremeres Verständnis des Islam seit Jahren stetig an Zulauf gewinnt. Die Schlussfolgerung, die friedliche Mehrheit der Muslime schaufele sich mit ihrer schwächlichen Gegenwehr dem Islam als Religion des Friedens das eigene Grab, ist also nicht von der Hand zu weisen. Anders als die Zeichner der Karikaturen suchte Benedikt XVI. nicht die Provokation, sondern eine inhaltliche Debatte zum Thema Islam und Gewalt. Die meisten Reaktionen aus der muslimischen Welt sind nicht auf das Angebot eingegangen, dennoch scheinen manche muslimische Theologen nun zu erkennen, dass man inhaltlich auf den Gewaltvorwurf antworten müsse. Das geht nur unter Bezug auf problematische Korantexte, die zum Töten aufrufen. Sie müssen deutlicher erklärt werden, nicht nur der Welt, die sich fragt, aus welchen kulturellen Wurzeln islamistischer Terror sprießt, sondern den Muslimen selbst, um jene, die anfällig sind für die Verlockungen der Gewalt, vor Missverständnissen zu bewahren.

Mohammed Sayed Tantawi, Großscheich der Kairoer Al-Azhar-Universität, äußerte sich zwar „entrüstet“ über die Äußerungen des Papstes, berief aber zugleich eine Dringlichkeitssitzung des Rates für islamische Studien ein, um eine Erwiderung auf die Worte Benedikts XVI. zu verfassen. Wenn diese Schrift Erklärungen zu Koransuren enthält wie der neunten, Vers 5, in der dazu aufgerufen wird, die Ungläubigen zu bekämpfen, es sei denn, sie nehmen den wahren Glauben an, dann kommt auch die innermuslimische Debatte vielleicht einen Schritt voran.

Im Herzen der Reformdebatte steht der Gedanke einer Beurteilung der Korantexte in ihrem historischen Kontext. Diese Richtung verfolgen muslimische Reform-Theologen wie Fazlur Rahman schon seit vielen Jahren, sie haben jedoch in der muslimischen Welt meist einen schweren Stand und gelten oft als Verräter. Rahman musste sich angeblich von Benedikt XVI. auf einem nicht-öffentlichen theologischen Seminar vor einem Jahr gar sagen lassen, dass der Islam seinem Wesen nach zu einer solchen Relativierung des Koran nicht fähig sei, weil (dem Islam zufolge) die Worte des Koran von Gott selbst gegeben und daher nicht relativierbar sind. Muslimische Reform-Theologen widersprechen dieser Haltung (die auch dem klassischen sunnitischen Dogma entspricht, Schiiten hingegen sehen den Koran als interpretationsbedürftig an). Sie sagen, man könne den Koran in zwei Kategorien von Aussagen teilen: Jene, die eher kosmologischer Natur sind, und jene, die in der Zeit entstanden, als Mohammed der Herrscher Medinas war. Solche Suren enthalten politische und juristische Sentenzen (Sinnsprüche), die den Reformern zufolge heute so nicht mehr angewendet werden können.
 
Ein Land, in dem der sunnitische Islam dieser Richtlinie folgt, ist seit langem die Türkei. Ali Bardakoglu, Leiter der türkischen Religionsbehörde Diyanet, sagte der WELT, Suren wie die Neunte, Vers 5 dürften nur im „historischen Kontext gesehen werden. Jede Sure ist auf ein Ereignis hin offenbart worden, um eine bestimmte Idee zu verdeutlichen“. Das sei im Fall dieser Sure das Prinzip der Selbstverteidigung, wenn Muslime angegriffen würden. Selbst eine solche Auslegung bleibt problematisch. Was stellt einen Angriff auf Muslime dar? Schon die bloße Existenz Israels? Bardakoglu sagt auch, der Dschihad (Heiliger Krieg) sei legitim, wenn Ungläubige die „natürliche Ausweitung des Islam verhindern“. Diese natürliche Ausweitung soll durch Rede und Vernunft erfolgen, durch Missionierung also. Aber umgekehrt dulden die meisten muslimischen Länder keine Missionierung durch Christen. Vielleicht hat der Papst die Debatte in der islamischen Welt mit seiner Rede beschleunigt. {Quelle: Die Welt – Von Boris Kalnoky}

 

3 Responses to “Papstrede fordert islamische Reformer heraus”

  1. angel03 Says:

    Danke lieber Papst Benedikt für deine mutigen Worte.

  2. Bazillus Says:

    Dschihad ist ein Allrountmittel, um Gewalttaten von Muslimen zu erklären, je nach dem, wie es passt. Und unseres Politiker und Eliten fallen darauf herein. Mal ist der Dschihad nichts anderes als die Einübungvon Selbstdisziplin, mal ist der Dschihad, welcher der Große genannt wird, der Kampf mit Blut und Gut gegen Ungläubige, halt korangemäß in der Verkleidung des Verteidigerstatus, wie die türkische Religionsbehörde in dem obigen Artikel so schön und scheinheilig zum Ausdruck bringt. Wie schnell die Vertreter des Islam beleidigt sind und zur Waffe greifen, haben die Karikaturen des Herrn Westergaard oder eben das Papsstzitat in seiner Regensburger Uni-Rede gezeigt. Mehrere Menschen verloren ihr Leben. Wenn wir hier den Bau einer Moschee verbieten, ist das dann das Recht auf Angriff? Oder wenn die Schweiz das Minarettverbot durchsetzt, ist das ein Recht auf Angriff? Wird da die „naatürliche“ Ausweitung dieser Pseudo- und Sektenreligion verhindert? Wer selbst in heutiger Zeit seitens eines EU-Anwärters in seiner Formulierung so schwammig bleibt, von dem ist nichts Gutes zu erwarten.

    Was ist das für eine Religion, die Gewalt als legitimes Mittel zur Erreichung ihrers Zweckes, nämlich der Ausbreitung auf der ganzen Erde, ansieht oder verkündet, übrigens noch heute untermauert durch entsprechende Fatwen in heutiger Zeit.

    Fatawa zu Fragen von Angriff und Verteidigung des Islam
    Der Islam ist eine dominierende Religion, die angreifen darf, wenn sie sich in der Lage dazu sieht
    Von dem saudischen Rechtsgutachter Scheich Muhammad bin Saleh al-Uthaimin, einem der einflussreichsten muslimischen Gelehrten des sunnitischen Islam des 20. Jahrhunderts

    Frage: „Ist der Islam eine Religion der Verteidigung oder des Angriffs?“

    Antwort: „Was bedeutet ‚Angriff‘? Allah sagte im Islam: ‚Und kämpft gegen sie, bis es keine Verwirrung [mehr] gibt und bis nur noch Allah verehrt wird‘ (Sure 2,193). Das ist das Prinzip. Deshalb erlaubt der Islam Nichtmuslimen, ihre Religion beizubehalten, wenn sie einen Tribut [an Muslime] zahlen. Das bedeutet, dass der Islam eine dominierende, öffentliche Religion ist.“

    Frage: „Diese Vorschriften [bezüglich der Nichtmuslime] werden jedoch nicht beachtet.“

    Antwort: „Doch, doch, sie werden beachtet. Momentan haben wir mit ihnen [den Nichtmuslimen] Vereinbarungen geschlossen, allgemeine Vereinbarungen und Sonderabkommen. Haben Muslime etwa heutzutage kein Potenzial, um den Jihad zu kämpfen? Ich sage: Nein! Muslime sind derzeit nicht in der Lage, zu kämpfen. Das hat zwei Gründe:

    Erstens: Die Muslime sind selbst unterentwickelt. Einige von ihnen möchten sogar gegeneinander kämpfen.

    Zweitens: Muslime haben keine ausreichenden Materialien und Mittel, die ihnen den Sieg über die Ungläubigen ermöglicht.

    Aus diesem Grund sagen wir nicht, dass der Jihad eine Pflicht für Muslime ist: Muslime sind nicht in der Lage, Erfolg darin zu haben [zu siegen].

    Allah hat seinem Propheten, Muhammad, nicht befohlen, gegen die Ungläubigen zu kämpfen, als er in Mekka war, weil er damals [militärisch] schwach war. Er [Allah] hat Muhammad erst befohlen zu kämpfen, als er in al-Medina einzog und einen Staat gründete.

    Frage: „Falls der Angriff eine Pflicht ist: Würde das bedeuten, dass wir die Länder [der Ungläubigen] angreifen müssen?“

    Antwort: „Ja. Falls wir in der [günstigen militärischen] Lage sein sollten, würden wir sie [die Ungläubigen] in ihren Hauptstädten und Ländern angreifen. Wir bitten Allah darum, uns dies zu ermöglichen.“

    Quelle: audio.islamweb.net/audio/index.php?page=FullContent&audioid=112943

    Gibt es angesichts solcher Fatwen noch Zweifel an der aggressiven Ausrichtung des Islams? Wieder einmal ist der Beweis erbracht, dass der Islam eben nicht beherrscht wird, sondern herrscht. Und wieder einmal ist der Beweis erbracht, dass der Islam keine friedliche, sondern eine aggressive Ideologie mit Machtanspruch vergleichbar mit anderen diktaorischen Ideologien wie der Kommunismus und der Nationalsozialismus darstellt.

    Wie sollen die Äußerungen eines Herrn Baradoglu und des Fatwaschreibers sonst interpretiert werden?


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