kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Leserbriefe auf „Kronen Zeitung“ 2. September 2010

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 02:40

Unnötige Diskussion: Eine unnötige Diskussion hinsichtlich der Errichtungen von Moscheen mit Minaretten in allen österreichischen Landeshauptstädten hat der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Anas Schakfeh, mit seinen provokanten Aussagen zu diesem Thema vom Zaun gebrochen. Berechtigterweise reagiert die österreichische Bevölkerung in dieser Sache sehr sensibel, da es in Europa genug Negativbeispiele gibt, wo sich Moscheen in radikalislamistische Zentren verwandelten. Nicht auszuschließen ist auch, dass in weiterer Zukunft zwischen 3 Uhr und 4 Uhr Früh von den Minaretten Lautsprecher tönen und die Moslems zum Morgengebet rufen. Solche Erfahrungen habe ich bei meinem UN-Golaneinsatz gemacht. Einer arbeitenden Bevölkerung, die den Schlaf dringend braucht, ist dies keinesfalls zuzumuten. Fest steht auch, dass, obwohl die Religion des Islam bei uns staatliche Anerkennung gefunden hat, Österreich nach wie vor zum christlichen Kulturkreis zählt. {Franz Köfel, Völs}

Häupl, Strache und die Minarette: Die Forderung des Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Schakfeh, nach einer „nach außen sichtbaren Moschee inklusive Minarett in jeder Landeshauptstadt“ ist geradezu ein „aufgelegter Elfmeter“ für die Strache-FPÖ. Damit hat er Bürgermeister Häupl „ein Ei gelegt“, an dem dieser bis zum Wahltag brüten kann, denn einerseits will die SPÖ die Glaubensfreiheit nicht antasten, aber andererseits kriegt sie es mit einem großen Teil ihrer (einstigen) Anhänger zu tun, die schon deutlich genug gezeigt haben, dass sie (nicht nur in Floridsdorf oder in der Brigittenau) keine Moschee und Minarette haben wollen. Gleichzeitig ist von „bekannter Seite“ wieder einmal die Forderung nach Beseitigung der Kreuze in Schulen, Kindergärten und Gerichtssälen aufgetaucht, was natürlich auch wieder Wasser auf die Mühlen des H.-C. Strache ist – und das „Wiener Blut“ ebenfalls zum Kochen bringen könnte. Michael Häupl gegen Strache – die Wahl wird eine heiße Sache! {Franz Weinpolter, Wien}

„Vergleich Muslime und Protestanten“: Da werden doch Äpfel mit Erdbeeren verglichen, wenn der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Anas Schakfeh, die Muslime mit den Protestanten gleichsetzt. Der Herr Präsident würde über die Höhe der Minarette diskutieren und ob man für den Musizin Lautsprecher einsetzen soll oder nicht. Herr Präsident Schakfeh, Sie leben hier in Österreich und nicht in einem Islamstaat! Bitte, stellen Sie daher keine Ansprüche auf eine Moschee oder Minarette, sondern gleichen Sie sich endlich einmal dem Land an, in dem Sie leben. {Friedrich Flath jun., Himmelberg}

Josef Pröll über Schakfeh in Die Presse

Anas Schakfeh, der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, möchte a la longue eine Moschee mit Minarett in jeder Landeshauptstadt. Wie stehen Sie dazu?
Pröll: Ein klares Nein zur Zwangsverpflichtung zur Errichtung von Moscheen und Minaretten. Ja zum Dialog. Der Islam wird von vielen als intolerant, als aus- und abgrenzend erlebt. Es wäre die Hauptaufgabe der Islamischen Glaubensgemeinschaft, hier entgegenzuwirken, den Islam als offen und tolerant zu positionieren. Und nicht die Religionsfreiheit in Österreich überzustrapazieren.

Die Hinterhofmuslime: Neue Moscheen?

Sie haben Jahrzehnte lang in Kellern, Erdgeschoßen und Wohnhäusern gebetet. Nun wollen viele Muslime neue Moscheen oder eine bessere Ausstattung. Ein Besuch im Keller.

Minarett. Ein Symbol, das zurzeit wieder die Wogen hochgehen lässt. Die meisten Muslime in Österreich sind von einem Minarett allerdings weit entfernt. Sehr weit. Denn sie beten nicht in opulenten, reich verzierten Moscheen mit Minarett, sondern in Hinterhöfen, Erdgeschoßen, Kellern und umfunktionierten Wohnhäusern.

So auch die Gläubigen in der Arbeitergasse in Wien-Margareten. Eren Sinasi, der Obmann des Gebetsvereines, führt durch die Keller eines ganz normalen Wohnhauses, in dem seit 20 Jahren gebetet wird. Die Wände wurden mit Holz überzogen, der Boden ist mit einem bunten Teppich ausgelegt. „Wir haben hier sehr viel Geld investiert, um die Kellerräume unseren Bedürfnissen anzupassen“, sagt der 47-Jährige mit dem dünnen Schnurrbart.
Auch wenn die Räume in den vergangenen Jahren ihren Zweck erfüllt haben: Viele Muslime sind nicht mehr zufrieden mit dem Beten im Keller. Sie wollen entweder neue, größere Bauten oder eine bessere Ausstattung in den alten Räumen. „Irgendwann hat man erkannt: Wir bleiben“, erklärt Omar Al-Rawi, Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), den Wunsch vieler Muslime nach würdigeren Gebetshäusern. Waren die Gebetsräume der Gastarbeiter noch provisorisch, „wächst nun die Sehnsucht nach größeren Räumen“. Das konstatierte kürzlich auch der Präsident der IGGiÖ, Anas Schakfeh, der sich auf lange Sicht in jedem Bundesland eine Moschee – auch mit Minarett – wünscht.

Auch in der Arbeitergasse schwindet die Zufriedenheit mit dem alten Kellerraum. „Wir haben hier oft Probleme mit der Feuchtigkeit und den alten Heizrohren“, sagt Sinasi und führt hinauf in das Erdgeschoß, wo sich das Café und der Aufenthaltsraum befinden. Auf der Treppe dreht er sich plötzlich um und fragt: „Und warum sollen wir nicht sagen dürfen: Wir wollen raus hier? Wir wollen größere Räume? Eine würdige Atmosphäre“? Es sind genau diese Fragen, die das neu gewonnene Selbstbewusstsein der muslimischen Einwohner Österreichs impliziert. „Man will stolz sein auf die Gebetsräume, die Türen öffnen für die Gäste und herzeigen, was man drinnen hat“, sagt Al-Rawi. Allerdings: Wenn von neuen Moscheen, Gebetshäusern und Minaretten die Rede ist, wird es meist emotional – unverständlich für Al-Rawi. „Einerseits wettert man gegen die Hinterhofgebetshäuser. Man sagt, dass man nicht weiß, was dort alles passiert. Andererseits will man neue Gebäude verhindern.“ Vor allem die Debatte über Minarette sei eine „Scheindiskussion“, die darauf hinauslaufe, dass keine Moscheen erwünscht sind.

Keine Terroristen: Eren Sinasi ist ein gläubiger Moslem. Er isst kein Schweinefleisch, betet, so oft er kann, und weil zurzeit Ramadan ist – der islamische Fastenmonat –, fastet er. Sinasi führt ein Leben nach den islamischen Gesetzen, er spendet für Bedürftige („Zakat“), und eine Pilgerreise nach Mekka steht ebenfalls an. Der gelernte Apotheker steht in dem kleinen Gebetsraum und zeigt auf seine ebenfalls islamische Umgebung: zwei Imame, die gerade aus dem Koran rezitieren, eine kleine Gebetskanzel, die die Richtung nach Mekka vorgibt. Den Vorwurf, dass in Gebetshäusern die Terroristen von morgen ausgebildet würden, weist Sinasi weit von sich. Man solle aber auch von muslimischer Seite nichts verklären. So weiß Sinasi durchaus von Problemen mit der Nachbarschaft zu berichten: Früher saßen und standen die Gläubigen vor dem Eingang und haben sich unterhalten. Das habe die Nachbarn gestört. Also unterlasse man das nun. Seither habe sich das Verhältnis zu den Anrainern deutlich gebessert; man habe sich eben zusammenraufen müssen. „Aber wir sind auch vor die Tür gegangen, weil es drinnen nicht so viel Platz gibt“, sagt Sinasi und kommt wieder auf die Probleme eines Kellergebetshauses zu sprechen. Dass der Wunsch nach größeren Räumen, auch mit Minarett, für viele negative Schlagzeilen sorgt, versteht Sinasi nicht. „In welchem Jahrhundert leben wir?“, fragt er, „ist eine würdige Moschee nicht unser Recht“? Von „Recht“ spricht Sinasi als österreichischer Staatsbürger. Er lebt seit 20 Jahren hier, träumt von einer Eigentumswohnung und davon, dass seine zwei Kinder einmal studieren werden.

Größere Küche: Auch Fatma Sakar hat die österreichische Staatsbürgerschaft. Sie lebt ebenfalls nach den islamischen Gesetzen, und auch sie fastet dieser Tage. Die 28-jährige Religionslehrerin – sie wurde in Wien geboren und ging hier zur Schule – sitzt auf einem Sessel zwischen zwei Räumen im Süleymaniye Gebetshaus in Wien-Favoriten und hat ein wachsames Auge auf ein paar Mädchen, die den Koran lesen. Im anderen Zimmer sitzt ein Dutzend Frauen auf dem Teppichboden und formt kleine Kugeln aus Faschiertem für das Abendessen. Sakar presst ein Lächeln hervor. Seit die Männer im ersten Stock beten, ist es eng geworden im Gebetshaus. Der Keller, in dem sich der Gebetsraum für die Männer befand, wurde nach den schweren Regenfällen vor einigen Wochen überflutet. Seither teilen sich die rund 200 Gläubigen die oberen Räume in einem ganz normalen Wohnhaus. „Wir können nur hoffen, dass es nicht noch einmal zu einer Überflutung kommt“, sagt Sakar mit starkem Wiener Akzent. Ein Umzug wird hier – anders als in der Arbeitergasse – eher nicht gewünscht. Aus mehreren Gründen. „Wissen Sie“, deutet Sakar hinaus in Richtung Quellenstraße, „die Leute haben sich an diesen Standort gewöhnt“. Auch die Anrainer, mit denen es keine Probleme gebe. Vor allem die älteren Besucher seien nach wie vor zufrieden mit dem, was sie haben. Wenn sie nicht gerade unter Wasser stehen, erfüllen die Räume schließlich ihren Zweck. „Aber eine größere Küche“, ergänzt Sakar, „die würden wir uns hier schon wünschen“. http://www.diepresse.com

Wenn das Recht auf die Wirklichkeit prallt

Es muss normal werden, über Moscheen zu streiten. Die Diskussion kommt immer dann auf, wenn irgendwo Wahlen anstehen. Sollen, dürfen in Österreich Moscheen gebaut werden, und sollten diese auch ein Minarett haben? Diesmal hat nicht eine Partei die Streitfrage vom Zaun gebrochen, sondern der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Anas Schakfeh. Dummheit ist noch das harmloseste Schimpfwort, das er sich dafür anhören musste. Wie kann er nur, wieso wartete er nicht noch ein paar Wochen, ehe er über seine Hoffnung spricht, in jeder Landeshauptstadt eine Moschee zu bauen? Dann wäre die Wiener Wahl geschlagen und man könnte ganz ruhig darüber reden. Warum aber, fragt man sich, löst das Reizwort Moschee jedes Mal wieder dieselben Abstoßungsreaktionen aus? Moscheen und Minarette erinnern uns an die Wirklichkeit: Schakfeh vertritt die zweitgrößte Religionsgemeinschaft in Österreich. Es gibt rund 500.000 Muslime bei uns, etwa die Hälfte von ihnen ist eingebürgert. Zu sehen ist das aber nicht. Gottesdienste feiern die Muslime weitgehend im Verborgenen. Gäbe es nicht Frauen mit Kopftüchern, wir würden sie kaum bemerken.

Eine Moschee ändert das. Sie zwingt, nachzuvollziehen, was Kaiser Franz Joseph schon 1912 entschieden hat: Der Islam ist eine anerkannte Religionsgemeinschaft in Österreich und hat selbstverständlich das Recht, Gotteshäuser zu errichten. Auf dieser abstrakten, rechtlichen Ebene stellt sich die Frage also nicht. Die Schwierigkeiten entstehen ja auch erst, wenn es konkret wird, wenn in einer ganz bestimmten Straße gebaut werden soll. Darüber zu streiten ist völlig normal oder sollte es zumindest werden. Im Bezirk, im Ort müssen Sorgen ausgeräumt, Bedenken angehört, kurz, muss Überzeugungsarbeit geleistet werden. Denn es ist eine Illusion zu glauben, dass ein so tief greifender Wandel wie das Auftauchen einer lange Zeit fast unsichtbaren Religionsgemeinschaft ohne Ängste und Widerstände passieren könnte. Muslime können viel tun, um Ängste zu mindern. Wenn sie öffentlich sichtbar werden wollen durch den Bau einer Moschee, müssen sie sich auch der Diskussion stellen. Nicht jeder Einwand zeugt ja von faschistischem Gedankengut. Es wird Zeit, diesen Vorschlaghammer, den auch Schakfeh gerne zückt, einzupacken. Dass Kompromisse gefunden werden können, zeigen die Moscheen, die es bei uns schon gibt. Jedem einzelnen Bau ging heftiger Streit voraus. Anders geht es nur in Diktaturen. {Kleine Zeitung Von: Thomas Götz}

Jung, muslimisch, österreichisch

Der Wahlkampf in Wien heizt den Streit um Islam und Moscheen an. Doch die immer breitere Mitte – und vielleicht auch die Zukunft – besetzen andere: junge Muslime, die sich selbstbewusst für die Symbiose von „religiös“ und „österreichisch“ entschieden haben.

Was wäre ein Wiener Wahlkampf ohne das alte Thema Religionsstreit: zwischen einer „Gastkultur“, die sich aus vielen Gründen zunehmend von ihrem Glauben abwendet – siehe den Anstieg der Kirchenaustritte in diesem Jahr – und einer Zuwandererkultur, deren islamisches Glaubensbekenntnis deshalb umso mehr als Bedrohung empfunden wird.
In der derzeitigen Schlammschlacht rund um Moscheen mit und ohne Minarett, angeheizt von der steten, latenten Angst, dass dort hinter verschlossenen Türen eine gewaltbereite Gruppe unter dem Motto „jung, männlich, muslimisch“ heranwachsen könnte, geht allerdings eine andere Entwicklung unter: die einer wachsenden Mittelklasse von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die sich recht selbstbewusst in einer Symbiose von „sehr wohl religiös“ und „dennoch österreichisch“ eingerichtet haben. Deren Glauben ihre österreichischen Freunde nicht nur nicht abschreckt, sondern einige davon sogar zur Nachahmung inspiriert.

Die Politologin und Islamwissenschaftlerin Amena Shakir warnt zwar davor, in Bezug auf die Religiosität „von einer homogenen Gruppe muslimischer Jugendlicher“ zu sprechen, hat bei ihrer Arbeit als muslimische Seelsorgerin diesen Trend aber ebenfalls festgestellt: Hier lebende junge Muslime verstünden sich zunehmend als Österreicher und sähen Österreich als ihr Heimatland. Ein Hinweis dafür sei der Verein „Muslimische Jugend Österreich“: „Es ist sicher neu und bemerkenswert, dass sich junge Muslime zu ihrer Religion bekennen und sich gleichzeitig auch als Österreicher bezeichnen. Vor zwanzig Jahren war das nicht so“, sagt Shakir. „Hier gibt es keine Pariser oder Berliner Verhältnisse. Auch ein Hassprediger hat in Österreich nicht wirklich Chancen, weil der Islam richtig anerkannt ist.“ Dazu komme, dass der islamische Religionsunterricht an öffentlichen Schulen von jungen Muslimen geschätzt werde. Mehr als jeder zweite nimmt das Angebot an.

„Die Presse am Sonntag“ hat muslimische Jugendliche gefragt, wie ihnen der Spagat zwischen „muslimisch“ und „österreichisch“ gelingt. Zwischen Uni und Burkinis: Wie man Muslim und Österreicher ist. „Im Cafe treffen“? Das ginge zwar schon, meint Fahad Al-Rawi am Telefon. „Nur konsumieren können wir halt leider nichts“. Ob nicht doch der Park besser wäre?

Es ist Ramadan; Fahad, sein Cousin Yassin Al-Rawi und Fatima Rahman fasten. Um vier Uhr Früh haben sie zuletzt gegessen, das nächste Mal erst wieder nach Einbruch der Dunkelheit. Dann wird gemeinsam gekocht; Familie und Freunde kommen zusammen, Fahad lädt dazu auch Nichtmuslime ein: „Sie freuen sich über das gute Essen und wir reden über alles, Fasten und Fußball.“ Denn der Ramadan, erklärt die 20-jährige Fatima, sei ein Monat, „in dem Menschlichkeit und soziales Miteinander im Zentrum stehen“. Fatima ist praktizierende Muslima. „Nicht aus Tradition, sondern aus Überzeugung, dass es wichtig ist.“ Das Gebet hält sie ein – fünfmal am Tag. „Es ist für mich immer eine Erinnerung an das, wofür ich Gott dankbar bin.“ Morgens um vier, wenn sie sich Gott zuwendet, während andere schlafen. Untertags, wenn sie sich mitten im Stress Zeit nimmt, um sich „zwei Minuten etwas Höherem zu widmen“. Abends, wenn sie, manchmal müde und genervt, noch einmal innehält.
Auch Fahad glaubt nicht aus Tradition. „Kann es einen Gott geben, oder ist alles nur Zufall? Damit habe ich mich schon beschäftigt“.

Fatima, Fahad und Yassin sind irakischer Abstammung, aber auch österreichische Großmütter finden sich. Ihre Freunde: bunt gemischt. Sie wählen nicht nach Herkunft und Glauben, sondern nach Hobbys und Sympathie; Fahads bester Freund ist ein „echter Wiener“. Echte Österreicher „sind wir auch“. Als solche wollen sie sich engagieren. Yassin, 15, will politisch „mitmischen, mithelfen“. Fahad will in die Wirtschaft, aber auch ihn reizt die Politik, „um Bildungsthemen anzusprechen“. Fatima war gerade in Jordanien, um ihr Arabisch zu verbessern. „Weil es eine Bereicherung ist, auch für meine berufliche Zukunft.“ Ab Herbst studiert sie Politik.

Berufsziel: Journalistin. Das Kopftuch trägt Fatima, seit sie zwölf ist. „Keiner zwingt mich, aber mir gefällt es.“ Sie fühlt sich durch den dünnen Seidenstoff beschützt: Vor der Sonne – und vor Blicken: „Ich möchte, dass man mich nicht auf mein Äußeres reduziert.“ Wichtig sei, „was man im Kopf hat, nicht auf dem Kopf.“ Wer eine Frau zum Kopftuch zwinge, handle wider die Religion. Sie selbst geht im Burkini schwimmen: „Wenn ich mich für etwas entschieden habe, dann konsequent“. Gewaltbereite, religiöse junge Muslime, wie sie eine deutsche Studie identifiziert, kennen die drei nicht. „Aber Gewalt hat immer mit den Personen und deren Problemen zu tun“, glaubt Yassin. „Das wäre ja paradox, wenn eine Religion Gewalt verherrlichen würde“, sagt Fatima. In die Moschee geht keiner der drei regelmäßig. Die Diskussion um Minarette ist für sie „viel Wirbel um nichts“. Überhaupt, finden sie, könne man es den „alten“ Österreichern nicht recht machen. Yassin: „Wenn wir in Hinterhöfen beten, bekommen die Leute Angst. Echte Moscheen wollen sie auch nicht. Ich bin verwirrt“.
von Teresa Schaur-Wünsch: Spiritist in Converse: Yunus Hentschel ist Wiener und Sufi

Für seine Freunde ist es ein „exotisches Hobby“, für ihn die „direkte Erfahrung des göttlichen Seins“: Der 23-jährige Yunus ist Sufi. Seine Eltern, ein Österreicher und eine Deutsche, haben die islamische Mystik einst für sich entdeckt.

Mit diesem „Geist“ ist er aufgewachsen, hat aber durch Reisen und verschiedene Freundeskreise viel anderes kennengelernt. In Indien ist er etwa dem Zen-Buddhismus und der Meditation näher gekommen. „Jeder Weg der Religion beinhaltet im Herzen dasselbe“, erklärt der Wiener Arabistik-Student. Und für ihn sei der Sufismus, eine Lehre, älter als der Islam selbst, der passende Weg zu Gott. Er würde sich nicht als religiös, sondern vielmehr als spirituell bezeichnen. Als Sufi strebt er nach der „Einheit des Seins“. Ziel ist, Teil des göttlichen Prinzips zu werden, das alles durchdringt. Folglich ist auch das Böse zu akzeptieren: „Aber Gott weiß, was jeder tut – auch innerlich“. Jetzt, im Ramadan, fastet er und betet fünf Mal am Tag. Das Gebet ist ein „Innehalten im Alltagsleben“. Verrichtet wird es zu Hause in Währing. Die Moschee in Floridsdorf ist ihm zu weit weg. Als er das letzte Wintersemester in Kairo verbrachte, besuchte er jedoch regelmäßig Gebetshäuser. Ob ihm eine Glaubensgemeinschaft nicht fehle? „Durch das Leben der Religion teile ich den Glauben mit allen. Meine Gemeinschaft ist die Welt“.

Seinen Glauben lebt Yunus „offen und locker“, denn von Gesetzen als Zwängen hält er nichts: „Es gibt wesentlichere Dinge, als ob jemand ein Kopftuch trägt“. Vom „konstruierten Bild des Muslims“ erkennt man an ihm wenig, als er in Converse-Schuhen und Poloshirt im Türkenschanzpark im Wiener Cottage wortgewandt seine Hingabe an das göttliche Sein, die Wichtigkeit des Dialogs zur Lösung von Konflikten und die seiner Meinung nach „künstliche“ Separierung zwischen „Westen“ und Islam erläutert. Einzig sein Vorname verrät etwas: Er teilt ihn mit dem türkischen Sufi-Dichter Yunus Emre. Er sieht sich als Wiener und Muslim – und das ist für ihn alles andere als ein Widerspruch: „Schließlich war Österreich immer ein Vielvölkerstaat“.

von Anna Goldenberg: „Weiß nicht, wer ich bin“: Ümran Quinto lebt zwischen zwei Welten.
„Ich weiß selbst nicht, wer ich bin.“ Die 25-jährige Ümran Quinto beantwortet die Frage, ob sie sich als Österreicherin, Türkin oder Muslima fühle, mit einem Lachen, in dem auch ein wenig Verzweiflung mitklingt. In der Türkei, erzählt sie, mache man sich über ihren Akzent lustig. In Wien werde sie, die perfekt Deutsch und Türkisch spricht und als Ordinationshilfe arbeitet, oft wegen ihres Namens abgestempelt. Irgendwie sei sie überall Ausländerin, obwohl sie ihr ganzes Leben in Österreich verbracht hat. Geboren wurde sie allerdings in der Türkei – als „Urlaubskind“.

Der Zugang zum Islam, den sie vom Elternhaus mitbekam, hat ihr die Identitätsfindung auch nicht leichter gemacht: „Man muss sich – optisch – anpassen, man muss sich integrieren.“ Äußerlich zumindest sieht man deshalb der adrett gekleideten und perfekt geschminkten Wienerin den Glauben auch nicht unbedingt an. „Innerlich“ aber ist es Ümran wichtig, keine Sünderin zu sein. Sie isst kein Schweinefleisch und bedankt sich abends vor dem Einschlafen betend für den Tag. Einmal im Monat erlaubt sie sich ein Glas Wein. „Das entscheidet sicher nicht darüber, ob ich in den Himmel komme.“ Dennoch ist es ihr wichtig, den Islam an ihren vierjährigen Sohn weiterzugeben. Ihr Mann ist für sie konvertiert. Mehr Bezug zur Religion wünscht sie sich trotzdem. Ihre Religiosität stuft sie als „modern“ ein: „Ein Kopftuch hält dich noch nicht vom Sündigen ab. Vom strengen Glauben allein ist man kein guter Mensch.“ Gleichzeitig bewundert sie aber die Disziplin einer muslimischen Freundin, die im Ramadan fünf Mal am Tag betet und fastet: „Vielleicht hätte ich mehr muslimische Freunde haben sollen“. Stattdessen beneidete sie stets ihre österreichischen Freundinnen um ihre Freiheit. Heute weiß sie den starken Familienzusammenhalt unter Türken zu schätzen: „Ich war meinen Eltern nicht egal.“ Dennoch suchte sie kurz die Freiheit in Klagenfurt: „Aber der Rassismus dort war viel stärker als in Wien. Ich hatte echt keine Chance. Wenn mein Name etwas über meine Fähigkeiten sagt, ist das sehr traurig“.

von Anna Goldenberg: Keine islamische Identität: Amir El-Shamy ist trotzdem ein Muslim
Abgeschottet. Geheim. Terrorzellen: Wenn Amir El-Shamy diese Wörter im Zusammenhang mit dem Islam hört, muss er den Kopf schütteln. Denn diese Wörter betreffen ihn – oder sollten ihn betreffen. Amir ist ein gläubiger Muslim. Einer, der sich seiner Religion durchaus bewusst ist, der sich aber nicht durch seine Religion definiert. Denn zuallererst ist Amir Österreicher. „Ich bin hier zu Hause, in Ägypten bin ich zu Gast.“ Ägypten, das ist die alte Heimat seines Vaters.
Der 20-jährige Schüler sitzt unter einer Brücke auf der Wiener Donauinsel und blickt auf die UNO-City. Hierher kommt er, so oft er kann, zum Fußballspielen und spazieren gehen. „Ich bin schon seit meiner Geburt Muslim“, sagt er bestimmt. Und das, obwohl er eine österreichische – katholische – Mutter hat. Seine Familie hat sich ein Leben mit den zwei Religionen eingerichtet. Dass sich Amir dennoch dem Islam näher fühlt, hat zwei Gründe. Zum einen habe er im islamischen Religionsunterricht viel gelernt. Zum anderen habe ihm sein Vater, ein religiöser Mensch, den Islam nahegebracht. Die Religiosität beider Generationen lasse sich dennoch nicht vergleichen, meint der Schüler. „Mein Vater hat den Islam sehr verinnerlicht. Für ihn ist es von großer Bedeutung, wenn er einen Tag nicht betet.“ Nicht so für Amir. „Mir ist der Islam nicht wurscht, aber bei mir ist der Glaube nicht so tief wie bei meinem Vater.“ Zudem müsse Amir noch viel lernen. Er kann nicht alle Gebete, alle Suren auswendig. „Vor allem ist meine Muttersprache nicht Arabisch, sondern Deutsch“, sagt der Schüler und kommt wieder auf „sein“ Land zu sprechen.

Trotz seiner Zugehörigkeit zum Islam: Seine Religion beherrsche nicht seinen Tagesablauf, obwohl der Islam in vielen Lebenslagen präsent sei. Mit seinen christlichen Freunden etwa geht der Schüler abends nicht so gerne aus. „Bei denen spielt Alkohol eine Rolle.“ Zigaretten und Alkohol sind für ihn, wie für andere gläubige Muslime auch, tabu. Viel eher interessiert er sich für Politik, sieht sich Nachrichtensendungen an, liest regelmäßig die Zeitung, engagiert sich politisch in der Jungen Generation und will nach seiner Matura Jus studieren. Für ihn sei es wichtig, sich seine eigene Meinung zu bilden.

Und die bildet sich Amir: Minarette seien keine politischen Machtsymbole, wie vielerorts konstatiert wird. Seiner Frau würde er nicht vorgeben wollen, ob sie arbeiten oder zu Hause bleiben soll. Es brauche einen fruchtbaren Dialog zwischen den Religionen in Österreich. Und dass junge Migranten und Muslime krimineller sind als andere, stellt er infrage. „Kein Krimineller sagt: Ich raube dir jetzt deine Handtasche, weil ich Muslim bin.“
Einen Identitätskonflikt trägt Amir dennoch aus. Dieser Konflikt sei allerdings politisch und komme von außen, von der rechten Politik, meint der Schüler. „Die sagen: ,Ich bin Patriot. Ich bin für Österreich und gegen die Ausländer.‘ Aber was ist mit mir? Ich bin auch Patriot. Ich bin auch für Österreich.“ Er hält kurz inne. „Dennoch gelte ich als Ausländer“.
http://www.diepresse.com

 

4 Responses to “Leserbriefe auf „Kronen Zeitung“”

  1. ReiterRoman Says:

    Ruft man über den Kirchentürmen Österreichs auch zum Gebet wie anno dazumal noch ?ist das denn noch erlaubt bei denen soviel ich weiß predigt ein Priester in der Kiche von der Kanzel.
    Gute Frage was will ein Minarett erst dann?rufen dann beide von den Türmen Christen und Mosleme irreführend wie am Rummelplatz.
    Und wie verwirrend das sein mag für nen Poltiker der neben einer Moschee oder Kirche dient.

  2. Jonathan Says:

    ja, die kirche ruft zum gebet auf indem Sie, Herr Reiter, die wunderschönen Glockenklänge hören. Diese sind dazu gedacht die Menschen an das Gebet bzw. an Gott zu erinnern.

  3. ReiterRoman Says:

    HERR JONATHAN

    Stellen Sie sich vor ich kenne sogar den Hintergrund des Geläutes der Glocken.
    Anscheinend verstehen SIE den Hintergrund und Logig und Maßreglung
    (der für den Moslem war der hinter dem Satz steckt nicht)
    dieser Aussage nicht,sonst täten Sie so eine Anschuldigung nicht äußern ich verhöhne das Christentum .

    Die Geschichte aber lehrt seit 5000 Jahren und dies ohne jede Ausnahme: Schweigen Glocken, sind Leben, Freiheit und Menschlichkeit unmittelbar bedroht. Schweigend beklagten sie dann auch den Verlust von Toleranz und Menschenwürde.
    Damit weiß Herr Reiter sowohl was er schreibt:Läuten (das das eher belächelnder Satz war für Muslime dürfte Ihnen entgangen sein.
    rufen tun nur die Moslem würden wir auch das tun rufen, wären wir keine Christen der Islam fordert uns nur heraus!

    Den geistigen Ursprung der Europäischen Glocke finden wir in den Ländern der Bibel. So lesen wir im 2. Buch Mose an zwei fast gleichlautenden Stellen: „Und sie machten an seinem Saum Granatäpfel aus blauem und rotem Purpur, Scharlach und gezwirnter feiner Leinwand und machten Glöckchen aus feinem Gold; die taten sie zwischen die Granatäpfel ringsherum am Saum des Obergewandes, je ein Granatapfel und ein Glöckchen ringsherum am Saum, für den Dienst, wie der HERR es Mose geboten hatte.“ An anderer Stelle im gleichen Buch ist zu lesen: „Und Aaron soll ihn anhaben, wenn er dient, daß man seinen Klang höre, wenn er hineingeht ins Heiligtum vor dem HERRN und wieder herauskommt. So wird er nicht sterben.“

    Nach der Geburt Jesu lesen wir zuerst beim Apostel Paulus von Glöckchen: „Wenn ich mit Menschenund mit Engelszungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz, eine klingende Schelle (Glöckchen).“ Diese Zeilen von Paulus könnten heute geschrieben sein. Eine Glocke ohne Liebe und Wärme in ihrer Stimme, ohne christliche Botschaft in ihrem Ruf, verkommt zu tönendem, oft genug zu dröhnende Erz.
    Für die ersten christlichen Schriftsteller wie z.B. Justinus (100-165 n. Chr.) und Origines (185-254 n. Chr.) sind die 12 Glöckchen am Rocksaum des Hohenpriesters und die „neue Glocke“ das unumstrittene akustische Symbol der Verkündigung der christlichen Botschaft. Und dies legt doch den Schluß nahe: Die philosophischen und geistigen Hintergründe des Glockenläutens, der Auftrag der Glocke wurde von christlichen Schriftstellern bereits vorgedacht, als Christen sich noch lange nicht öffentlich äußern konnten, als noch keine Glocke die bis ins vierte Jahrhundert n. Chr. verfolgten christlichen Gemeinden zusammenrufen durfte. Koptische Mönchsgemeinschaften Ägyptens haben wohl als erste die Glocke als Ruferin zum Gebet geläutet oder angeschlagen. Ein bis heute beliebter und verehrter koptischer Mönch war der heilige Antonius (+356). Sein Erkennungszeichen und Atribut ist die
    Zunächst dürfte die Glocke – zum Beginn des 5. Jahrhunderts n. Chr. – in Klostergemeinschaften Einzug gehalten haben. Unter ihnen war das berühmte Kloster Lerinum, auf einer kleinen Insel südlich von Cannes, im Jahre 395 vom hl. Honoratius gegründet, durch Beziehungen zu den koptischen Mönchsgemeinschaften Ägyptens und Galliens bekannt geworden. Die Insel Lerins war dann auch wichtiger Übergangspunkt der Glocke von Vorderasien, den Landschaften der Bibel, zu uns nach Europa

    Der Nachfolger von Papst Gregor dem Großen, Papst Sabinian (604-606), ordnete dann das Läuten einer Glocke auch außerhalb der Klostermauern zu den sieben in den Klostermauern längst üblichen Gebetszeiten an. Vom Klang der Glocke sollte die damals noch verstreute christliche Gemeinde zu gemeinsamem Gebet aufgerufen werden. Mit der Christianisierung durch IroSchottische Wandermönche wie die Hl. Columban, Gallus und Bonifatius, fand die Glocke dann Verbreitung in weiten Bereichen Europas. Kein geringerer als Karl der Große sorgte durch verschiedene Edikte für eine Siegeszug der Glocke durch seinen Herrschaftsbereich, durch Glockeneuropa, wie der Wiener Kunsthistoriker Friedrich Heer die abendländischen Völker in seinen Schriften
    nannte.
    Bedeutung die Glocke für Europa erlangte, zeigt ihre sehr unterschiedliche und äußerst vielfältige Verwendung läutete jeweils zu kirchlichen und weltlichen Anlässen die Bet-, Angelus-, Friedens-, Vaterunser-,
    Tauf-, Toten-, Kreuz-, Evangelien-, Wandlungs-, Festtags-, Wetter-, Irr-, Pest-, Zins-, Rats-, Stadt-, Stadttor-,
    Uhren-, Richt-, Mord-, Revolutionsund viele weitere Glocken mit dem Namen des jeweiligen Anlasses. Zum Läuten für Gottesdienst und Gebet, aber auch zum Ordnen des städtischen Lebens bestimmt ließ sie, zur Kanone umgegossen und mißbraucht, ihre todbringende Stimme auf den Schlachtfeldern Europas „erklingen“.
    Und ausgerechnet Napoleon Bonaparte, der wie kein Anderer – vor und nach ihm – Glocken zu Kanonen umgießen ließ, war ein glühender Verehrer der Glocke. Auf seinen Feldzügen ließ der eine ganze Armee stillstehen, nur um einer Glocke, einem Geläute zu lauschen. Und noch aus Elba schrieb er an einen Freund, daß er sich mit der Verbannung abgefunden habe. Daß er aber keine Glocke hören könne, betrübe ihn sehr.

    Die Zeiten, in denen Glocken verstummten, gleich in welcher Region der Welt, gleich in welchem Jahrhundert, waren immer auch schlechte Zeiten für die Menschen. Diktatoren und Revolutionäre brachten nicht nur die Glocke zum Verstummen. Das letzte und gravierendste Beispiel dafür liegt uns sehr nahe und hat unsere Gesellschaft nachhaltig verändert.
    Sechzig Jahre war im östlichen Teil Deutschlands und in weiten Teilen Osteuropas der Atheismus „Die Staatsreligion“. Und jeder dieser Staaten hatte das ausdrückliche Ziel: Die Vernichtung der christlichen Religion. Gleichzeitig wurde die Stimme der Glocke hörbar leiser, mancherorts war sie gänzlich verstummt, mit ihr die Menschen.

    Und von den Nazis war der Mord an Juden, Sintis und Romas auch nur als Probelauf für diejenigen gedacht, denen man zunächst nur die Glocken – angeblich zu Kriegszwecken – wegnahm. Der wahre Grund für die Enteignung der Glocken war aber ein ganz anderer. Nach dem „Endsieg“ sollten nach dem ausdrücklichen Willen der Nazis nur noch 12 Glocken in Deutschland läuten: Über dem Reichstag in Berlin. Und auch bei uns ging das Schweigen der Glocken mit dem Stummwerden der Menschen und dem Dröhnen der Kanonen Hand in Hand
    Da scheint es doch weit sinnvoller, wir beschäftigen uns wieder mehr mit dem Sinn ihres Läutens und mit der Eindringlichkeit ihrer Botschaft, denn mit der angstvollen Ungewißheit ihres Schweigens“ schreibt der Bischof von Erfurt, Dr. Joachim Wanke, im Rückblick auf die wechselvolle Geschichte der Glocke. Und in der Tat. Die Glocke wird, dessen bin ich sicher, zu einem wichtigen Testfall für unsere Kultur im Gesamten Europas werden. Denn wenn es der Ratio gelingen sollte, das „nutzlos Schöne“ – wie der berühmte rheinische Kunsthistoriker Heinrich Lützeler einmal formulierte – aus unserem Alltag zu verbannen, dann werden wir auch endlich vom „widrigen Geklingel“ – wie Goethe im Faust Mephisto fluchen läßt – der Glocken befreit sein.
    ICH DENKE DAS WAR INFO GENÜGEND

  4. ReiterRoman Says:

    Die philosophischen und geistigen Hintergründe des Glockenläutens, der Auftrag der Glocke wurde von christlichen Schriftstellern bereits vorgedacht, als Christen sich noch lange nicht öffentlich äußern konnten, als noch keine Glocke die bis ins vierte Jahrhundert n. Chr. verfolgten christlichen Gemeinden zusammenrufen durfte. Koptische
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    Mönchsgemeinschaften Ägyptens haben wohl als erste die Glocke als
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    und verehrter koptischer Mönch war der heilige Antonius (+356). Sein
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    Erkennungszeichen und Atribut ist die
    Zunächst dürfte die Glocke – zum Beginn des 5. Jahrhunderts n. Chr. – in Klostergemeinschaften Einzug gehalten haben. Unter ihnen war das berühmte Kloster Lerinum, auf einer kleinen Insel südlich von Cannes, im Jahre 395 vom hl. Honoratius gegründet, durch Beziehungen zu den koptischen Mönchsgemeinschaften Ägyptens und Galliens bekannt geworden. Die Insel Lerins war dann auch wichtiger Übergangspunkt der Glocke von Vorderasien, den Landschaften der Bibel, zu uns nach Europa


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