kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Antijüdisches Klischee 25. August 2010

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 02:14

Viele Menschen erklären die Politik Israels gegen die Palästinenser mit typisch jüdischer Rachsucht – und sitzen damit einem christlich inspirierten Vorurteil auf. Denn in der Thora ist „Auge für Auge“ zu lesen, nie „Auge um Auge“. Ein Essay zur Klärung einer Differenz


Eines der hartnäckigsten antijüdischen Vorurteile drückt sich in den Worten „Auge um Auge“ aus. Mit dieser angeblich aus der Thora stammenden Formel wird Juden bis heute vorgeworfen, Rache sei das Prinzip ihres Verständnisses von Gerechtigkeit, ihr Gott sei – im Unterschied zum „christlichen“ Gott – ein grausamer und rachsüchtiger Gott und Frieden mit dem Volk und Staat Israel deshalb niemals möglich.

Die Übersetzung „ajin tachat ajin“ (21:24) als „Auge um Auge“ ist vollkommen falsch. Sie widerspricht dem jüdischen Verständnis der Thora und ist meistens Ausdruck einer antisemitischen Grundeinstellung. Sie widerspiegelt häufig das Rechtsverständnis und die Rachsüchtigkeit der Person, welche die Thora falsch versteht und verurteilt. „Ajin tachat ajin“ bedeutet „Auge für Auge“ und beinhaltet ein grundlegendes halachisches Prinzip, also des jüdischen Religionsgesetzes. Ein Mensch, der einem anderen Menschen eine Verletzung zugefügt hat, wird von der Thora verpflichtet, die Verletzung finanziell zu entschädigen. Unsere mündliche Thora (der Talmud) erklärt und diskutiert ausführlich (Bawa Kama, Kap. 8), dass diese finanzielle Entschädigung auf fünf Gebieten zu leisten ist: Schadenersatz, Schmerzensgeld, Heilungskosten, Arbeitsausfallersatz und Schamgeld (wenn sich jemand geniert, mit einer körperlichen Verletzung sich öffentlich zu zeigen). In keiner jüdischen Quelle ist die Rede davon, dass einem Menschen, der einem anderen – mit oder ohne Absicht – ein Auge ausgeschlagen hat, als Strafe dafür sein eigenes Auge ausgeschlagen werden soll.

Die exegetische, also die gesamte interpretierende Literatur zur Thora kennt natürlich das alte Vorurteil von „Auge um Auge“ und wehrt sich mit drei Hauptargumenten dagegen:
{1} Tradition und Praxis: Es hat in der ganzen jüdischen Geschichte nie ein Bet Din (rabbinisches Gericht) gegeben, das einem Menschen ein Auge ausgeschlagen hat, als Strafe dafür, dass dieser einem anderen ein Auge ausgeschlagen hat. Seit der Offenbarung am Berg Sinai bis heute ist jedem rabbinischen Gericht klar, was „ajin tachat ajin“ bedeutet: Der Angeklagte muss die Verletzung, die er einem anderen zugefügt hat, finanziell entschädigen (so zum Beispiel der im 12. Jahrhundert lehrende jüdisch-spanische Philosoph Moses Maimonides, genannt Rambam). Jüdische Tradition und Praxis allein sind Beweis dafür, dass „ajin tachat ajin“ nicht „Auge um Auge“ heißen kann, sondern dass es sich hier um eine finanzielle Entschädigung handelt: Auge für Auge.

{2} Sprache: Das Wort „tachat“ in der Formulierung „ajin tachat ajin“ wird bei der falschen Interpretation der Thora als „Auge um Auge“ übersetzt und soll die Basis des alten „biblisch-jüdischen“ Prinzips von „wie du mir, so ich dir“ beinhalten. Diese Interpretation ist Zeugnis mangelnder Kenntnis und eines fehlerhaften Verständnisses des Textes und der Sprache der Thora. Es finden sich einige Stellen in der Thora, welche das Wort „tachat“ verwenden – sowohl in unmittelbarer Nähe unseres Verses (21:36, 37) als auch an ganz anderer Stelle (3. B. M. 24:18) – welche explizit erklären, dass die Strafe des Täters aus einer finanziellen Entschädigung für den zugefügten Schaden besteht. Dieses Wort findet sich also in der Thora einige Male mit einer Bedeutung, dass ein Schaden finanziell zu begleichen ist (vergleiche den im 13. Jahrhundert lebenden Bibel- und Talmud-Kommentator Nachmanides, genannt Ramban). Das Wort „tachat“ als Beweis anbringen zu wollen, das „Ajin tachat ajin“ als „Auge um Auge“ zu verstehen sei, ist demnach falsch und ist Ausdruck einer offensichtlichen Unkenntnis der Sprache der Thora.

{3} Verstand: „Ajin tachat ajin“ als „Auge um Auge“ zu interpretieren, widerspricht jeglicher Vernunft und jeglichem Sinn für Gerechtigkeit. Die der antijüdischen Polemik ausgesetzten jüdischen Exegeten und Denker weisen in ihrer differenzierten Argumentation auf eine Fülle von juristischen Fällen hin, in denen die Sinnlosigkeit und Ungerechtigkeit des Prinzips „Auge um Auge“ offensichtlich wird. Wenn beispielsweise ein Mensch, der nur auf einem Auge sieht, einem anderen Menschen, der zwei gesunde Augen hat, ein Auge ausschlägt und ihm zur Strafe das eine gesunde Auge ausgeschlagen werden soll, so zeigt sich die Ungerechtigkeit dieses Prinzips. Denn während der eine dem anderen durch das Ausschlagen eines Auges einen schmerzhaften dauernden Schaden zugefügt hat, würde die Strafe in keinem vernünftigen Verhältnis zum zugefügten Leid stehen, da dem Täter das Augenlicht genommen und er somit erblinden würde.

Da für Juden klar ist, dass die Thora keine sinnlosen, jedem Sinn von Gerechtigkeit entgegengesetzten Prinzipien aufstellt, kann mit den Worten „ajin tachat ajin“ nur gemeint sein, dass der Täter seinen Schaden finanziell zu begleichen hat. Eigentlich wollen und dürfen wir uns keine Illusionen machen, dass es uns mit einigen, wenn auch noch so schlagkräftigen und überzeugenden Argumenten gelingen könnte, einem uralten und tief verwurzelten Vorurteil den Boden unter den Füßen zu nehmen. Für uns wollen wir, erstens, wissen, weshalb „ajin tachat ajin“ „Auge für Auge“ bedeuten muss, und zweitens wird es uns dadurch in kleinen Schritten vielleicht doch eines Tages gelingen, zu beweisen, was die Thora mit den Worten „ajin tachat ajin“ wirklich meint.

Rabbiner David Bollag, Jahrgang 1958, lehrt an der Hochschule für jüdische Studien in Heidelberg. Momentan lebt er in Jerusalem. Sein exegetischer Text erschien zunächst in der schweizerischen Zeitschrift Tachles. {Quelle: taz Magazin vom 2.3.2002 – von David Bollag}

Richter will Verurteilten lähmen lassen

Ein Richter in Saudiarabien sucht laut Medienberichten nach einem Weg, einen Verurteilten lähmen zu lassen und hat dazu Experten befragt.

Das Gericht in der nordwestlichen Provinz Tabuk habe mehrere Krankenhäuser gefragt, ob sie das Rückenmark des Mann operativ beschädigen könnten, damit dieser eine Querschnittslähmung erleide, berichteten mindestens zwei saudiarabische Medien am Donnerstag. Der Verurteilte wurde schuldig gesprochen, einen anderen Mann mit einem Beil angegriffen und ihn dabei gelähmt zu haben. Ein Krankenhaus in Riad hätte den Eingriff abgelehnt, schrieb die Tageszeitung „Okas“. In Saudiarabien gilt eine besonders strenge Auslegung des islamischen Rechts, der Scharia. Dort werden Strafen oft nach dem Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ verhängt. {Quelle: Tagesanzeiger}

 

2 Responses to “Antijüdisches Klischee”

  1. Bazillus Says:

    In der westlichen Welt wäre ein solche OP völlig undenkbar. An diesem Gedankengang des islamischen Richters ist zu erkennen, dass den Islam viele Missverständnisse begleiten.

    Wie der Rabbi des ersten Artikels so toll zum Ausdruck bringt, birgt die Bibel vom Verständnis her noch einige Missverständnisse, die in der Folgezeit zu geistigen Verwerfungen und Ungerechtigkeiten großen Stils geführt haben. Da wäre zum Beispiel das Kainsmal, als welches die schwarze Hautfarbe eines Menschen lange Zeit angesehen wurde und die farbigen Menschen lange Zeit von anderen unterdrückt wurden, Stichwort „Sklaverei“.

    Ein ebensolches Missverständnis ist eben auch der Ausspruch „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Mag die Übersetzung stimmen. Die wörtliche Auslegung dieses Satzes war Jahrhundertelang ebenso fatal wie ungerecht.

    Der Islam, diese unselige Religion, greift dieses Wort auf und kommt noch heute zu solch idiotischen Urteilen.

    Das alles zeigt: Der Umgang mit den Worten von heiligen Schriften muss immer wieder hinterfragt werden und der Wille Gottes muss erspürt werden.

    Ich persönlich denke, dass alle Worte in heiligen Schriften, die den Menschen mit dem Zorn oder der Rache Gottes drohen, wurden Gott von Menschen in den Mund gelegt. Sie stammen von aufbrausenden und rachsüchtigen menschlichen Charakteren. Gott will keinen Krieg, keine Rache und kein Morden und Töten und er will auch keine Ungläubigenausgrenzung und Frauenungleichstellung im täglichen Leben. Wann begreift der Mensch dies endlich einmal.

  2. Gottes Auge Says:

    Das Neue Jerusalem

    Ich glaube, dass ein wirklicher Friedensprozesses genau mit solcher Erkenntnis seinen Anfang nehmen muss. Keine administrativen Anmaßungen, die die Parteien ungern akzeptieren, führen zu wirklichem Frieden. Der einzige Weg wie wahrer und herzerfüllter Frieden in diesen Gebieten real erreicht werden kann, ist wenn Menschengruppen hier wie dort alle Ansprüche auf religiöse Oberherrschaft, oder Aufrufe alle anderen Religionen zu bekämpfen, die sich nicht unterordnen, aufgeben. Es ist möglich, dass solche Einsichten nur aufgrund von zerstörerischen Schlachten herbeigeführt werden, doch geschehen wird es trotzdem.

    Wenn die Moslems natürlich die Juden dazu einladen würden, den Tempelberg miteinander zu teilen, um miteinander einen Tempel zu errichten, und diesen auch mit den Christen zu teilen, dann wäre dies der Frieden.

    Wenn die Juden wirklich die Palästinenser einladen würden, um mit ihnen das Gebiet zu teilen, das sie bis jetzt kontrollieren und auch den Anspruch auf einen eigenen jüdischen Staat abgeben würden, dann wäre dies der Frieden
    Vielleicht ist es der wahre Grund und die Berufung von Israel, warum sich ein Konflikt erhob, der die größten Weltreligionen mit hineinzog, dass das Gleichgewicht der linken Gehirndominanz, sich genau dort ausgleichen muss, wo es aus dem Gleichgewicht gebracht wurde. Vielleicht ist es Gottes Aufruf an Israel und Palästina, dass es ein Land werden soll, dem alle Religionen angehören,Nur solch eine multireligiöse Gegenwart würde in diesem Gebiet den Weg zum Neuen Jerusalem ebnen. Und wenn es tatsächlich Herz-gefühlt ist, dann ist es das Neue Jerusalem. Das ist das A und O, das Alpha und Omega und ist die Rückkehr zum Garten Eden auf neuer und höherer Ebene.

    Einige werden jetzt sicher behaupten, dass diese meine Perspektive äußerst naiv ist, aber wiederholt muss ich fragen : hat irgend jemand schon wirklich versucht, das in die Praxis umzusetzen? Millionen von Menschen haben für den Sieg ihrer Religion in Israel gebetet, aber wie viele haben gebetet oder gewünscht, dass keine Religion über andere siegen sollte, und dass die alten Schriften wirklich transzendiert werden müssen?
    Deshalb denke ich, dass die Menschen überall damit beginnen sollten, sich zu fragen, ob sie wirklich eine Transformation von Israel/Palästina als multireligiöses Land sehen wollen oder nicht? Die größte Herausforderung ist es für die, die in diesem Gebiet leben, aber weil die gegenwärtige Situation den Frieden auch im Rest der Welt bedroht, haben die Völker in anderen Ländern ebenfalls das Recht an der Auflösung des Konfliktes mitzuwirken. Da mehr als die Hälfte der Erdbevölkerung den Religionen Abrahams angehören, oder schließlich viele Völker auch außerhalb des Gebietes, zusammenhängen, ergibt sich eine direkte Möglichkeit an der Einsetzung eines tieferen Friedens mitzuwirken. Wir haben das Recht auf unsere eigenen Visionen, egal ob sie in die Oberhoheits-Schemata dieser Religionen passen, oder nicht. Und weil doch Jerusalem der Fokus des Konfliktes ist, stellt es auch eine Gelegenheit dar, an der der ganze der Rest der Welt, am ewig andauernden Friedensreich mitwirken, und beisteuern sollte
    Das Wagnis scheint monumental, aber das galt auch für die wettkämpfenden Rassen bisher. Ich möchte auch sagen, dass es zu gewöhnlich ist für den Frieden zu beten. Wir müssen sachbezogener vorgehen und für einen konkreten Prozess eintreten, um die Mauern zwischen den Schrift begründeten Religionen niederzureißen. Eine gute Sache wäre, für eine Moschee,
    einer Kirche und einen Tempel einzutreten, um den Tempelberg entsprechend aufzuteilen
    Eine gute Sache wäre, dafür zu beten, dass keine Religion in diesem Gebiet gegen die anderen aufbegehren sollte. Vieles dieser Gedanken wird die Reaktion einer dualistische Mentalität in uns öffnen, und dabei wird klar, dass wir selbst Teil des Problems sind, das den Konflikt im Mittleren Osten hervor gebracht hat.

    Da mehr als die halbe Erdbevölkerung ihre Wurzel in den Religionen Abrahams hat, kann jede Erleuchtungs – Erfahrung für das Vorbereiten des Pfades zur messianischen Einheit sehr bedeutsam werden.

    Darum ist die individuelle Einheit, Teil des Friedensschlusses in der äußerlichen Welt, und niemand muss dabei Zuschauer sein. Die Miesmacherei ist in Wahrheit der gefährlichste Feind in uns selbst. Das Durchbruchserlebnis wird sich über die Zeit hinweg, auf verschiedene Weisen fortsetzend erstrecken, und wird eine bedeutsame Quelle, die sich einen Weg zum Frieden bahnt


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