kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

DIE GEISELNAHME IM OPEC-GEBÄUDE 21. August 2010

Filed under: Islamischer Terror — Knecht Christi @ 03:12

Am 21. Dezember 1975 stürmte ein sechsköpfiges Terror-Kommando kurz vor zwölf Uhr mittags eine Konferenz der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) in Wien, die über die zukünftige Preisgestaltung des Öls debattierte. Das Terrorkommando unter der Führung des Venezolaners Ilich Ramirez Sanchez alias „Carlos“ nahm rund 70 Personen, darunter elf Minister bzw. Delegationschefs, als Geiseln. Erstmals hatten somit Geiselnehmer Minister in ihre Gewalt gebracht. Das OPEC-Gebäude wurde von den Geiselnehmern mit Sprengstoff und Handgranaten abgesichert. Ein österreichischer Kriminalbeamter, ein irakischer Sicherheitsmann und der libysche Delegierte Jusuf al-Azmarly wurden getötet. Der österreichische Sicherheitsbeamte Kurt Leopolder und der später als der Deutsche Hans-Joachim Klein identifizierte Terrorist verletzten sich in einem Schusswechsel gegenseitig. Die Terroristen erreichten, dass ihre Forderungen in französischer Sprache im Österreichischen Rundfunk übertragen wurden. Sie kritisierten die Friedenspolitik einiger arabischer Staaten gegenüber Israel, erklärten den Iran zum Agenten des amerikanischen Imperialismus und forderten die Verwirklichung der arabischen Einheit, die Nationalisierung des Erdöls und die Verwendung der Einnahmen für die Entwicklung des arabischen Volkes. Sie sprachen ihr Bedauern aus, dass sie gerade Österreich zum Schauplatz des Geschehens machen mussten.

ABFLUG VON GEISELN UND GEISELNEHMERN NACH NORDAFRIKA UND ENDE DES GEISELDRAMAS

Bundeskanzler Bruno Kreisky führte mittels des Geschäftsträgers der irakischen Botschaft Riyadh Al-Assawi Verhandlungen mit den Geiselnehmern mit der obersten Maxime Menschenleben zu retten. Am folgenden Tag ließen die Terroristen die in Österreich wohnhaften Geiseln frei. Den Geiselnehmern wurde im Gegenzug ein Flugzeug zur Verfügung gestellt, mit dem sie zusammen mit den 33 verbliebenen Geiseln nach Algerien und Libyen ausreisen konnten. Vor dem Abflug aus Wien gab Innenminister Otto Rösch noch in einer umstrittenen Geste Carlos die Hand. Der angeschossene schwerverletzte Klein wurde bei der ersten Zwischenlandung in Algier in ein Krankenhaus gebracht. In Algerien wurden einige Geiseln freigelassen, am nächsten Zielort Tripolis in Libyen kamen auch die Ölminister Algeriens und Libyens frei. Erneut landete das Flugzeug am 23. Dezember 1975 in Algier. Hier wurden die beiden letzten Geiseln, der saudische und der iranische Ölminister, gegen die Zusicherung des freien Geleits freigelassen. Die Terroristen durften am 31. Dezember 1975 ungehindert nach Libyen, ins Land ihres mutmaßlichen Auftraggebers Muammar el Gaddafi, ausreisen.

REAKTIONEN: Die PLO distanzierte sich vom Überfall auf die OPEC. Israel kritisierte Österreichs Verhalten, die Bedingungen der Terroristen widerspruchslos angenommen zu haben. Der israelische Präsident Jitzhak Rabin erklärte, jeder Kompromiss würde Terroristen ermutigen. Kreisky begründete sein Nachgeben gegenüber den Terroristen, das von der OPEC-Delegation gebilligt worden war, damit, dass es bisher keine vergleichbare Situation gegeben habe und es darum gegangen sei, Menschenleben zu retten. Bezüglich der Frage der Sicherung des OPEC-Gebäudes erklärte der Bundeskanzler, die OPEC sei eine exterritoriale Organisation und habe nicht mehr Schutzmaßnahmen gefordert. Algerien rechtfertigte die Freilassung der Terroristen mit dem Argument, damit den Wünschen der Heimatländer der Geiseln entsprochen zu haben. Die Freilassung der Geiseln sei erreicht worden, weil sich Algerien den Forderungen der Guerillas gebeugt habe. Ilich Ramirez Sanchez alias „Carlos“ wurde 1994 im Sudan verhaftet und an Frankreich ausgeliefert. Ein französisches Gericht verurteilte ihn wegen des Mordes an zwei Polizisten und eines libanesischen Informanten im Juni 1975 in Paris zu lebenslanger Haft. Hans-Joachim Klein bezeichnete zwei Jahre nach der Geiselnahme diese als völlig sinnlos und sagte sich vom Terrorismus los. Nach über 20 Jahre im Untergrund wurde er 1999 von Frankreich an Deutschland ausgeliefert, im Februar 2001 vom Landgericht Frankfurt am Main zu neun Jahren Haft verurteilt und 2003 begnadigt. Er sagte aus, dass das Attentat zwar eine deutsch-arabische Gemeinschaftsaktion der palästinensischen Befreiungsbewegung PFLP und der deutschen Revolutionären Zellen (RZ) gewesen sei. Idee, Waffen und Informationen seien aber aus dem OPEC-Mitgliedsland Libyen gekommen. Durch die Entführung ihrer Minister habe man die Petro-Länder, so Klein, „zu mehr Solidarität mit den Palästinensern“ zwingen wollen. Die deutsche Terroristin Gabriele Kröcher-Tiedemann, die einzige Frau unter den Terroristen, wurde 1990 vom Kölner Landgericht von der Mordanklage im Zusammenhang mit dem OPEC-Anschlag freigesprochen. {Quelle: http://www.historisch.apa.at}

Zeitgeschichte: 35 Jahre nach dem Überfall auf die OPEC in Wien

Der OPEC-Überfall und das Kidnapping von elf Erdölministern vor 35 Jahren war der spektakulärste Terroranschlag der Zweiten Republik. Neue Dokumente beweisen nun, dass er auch possenhafte bis groteske Züge trug. Der Polizeibeamte Helmut C. erinnerte sich danach recht gut an die jungen Leute, die da mit Adidas-Taschen das OPEC-Gebäude am Wiener Ring, gegenüber der Universität, betraten: „Die Herrschaften haben freundlich gegrüßt. Ich glaube, sie haben, Grüß Gott gesagt oder, Guten Tag“. Dann wandte sich Inspektor C. wieder den Falschparkern zu. Dass das Haus, in dem die Erdölminister der größten Förderländer an jenem 21. Dezember 1975 tagten, nur von einem Verkehrspolizisten bewacht wurde, gehört zu den Grotesken, die sich um den spektakulärsten Anschlag in Österreichs jüngerer Geschichte ranken. Diese und andere Merkwürdigkeiten hat nun der Historiker Thomas Riegler zutage gefördert. Riegler bearbeitete bisher unveröffentlichtes Material, wie etwa das Tagebuch des früheren Handelsministers Josef Staribacher und ein nicht publiziertes Interview mit einem Mitglied des Terrorkommandos. Und er befragte die noch lebenden Einsatzleiter der Polizei. Ende des Jahres sollen seine Erkenntnisse in Buchform erscheinen („Im Fadenkreuz: Österreich und der Nahostterrorismus 1973–1985“1).

Das Fehlen ernsthafter Sicherheitsvorkehrungen war umso absurder, als zwei Jahre zuvor ein Zug mit jüdischen Auswanderern aus der Sowjetunion in Marchegg von einem Palästinenser-Kommando gekapert worden war. Dennoch tagten die OPEC-Minister praktisch unbewacht. Auf dem Konferenz-Stockwerk versahen zwei Kriminalbeamte Dienst: der 60-jährige Anton Tichler und der 59-jährige Josef Janda. Beide waren angewiesen, im Gefahrenfall möglichst nicht von der Schusswaffe Gebrauch zu machen. Funkgeräte hatten sie nicht. Der Sicherheitsbeauftragte der OPEC war überhaupt unbewaffnet. Mangels Torkontrollen konnte sich einer der Terroristen bereits Tage vor dem Anschlag mit den Räumlichkeiten vertraut machen.

So lasch die Security, so gefährlich waren die Hintermänner des Kommandos, das an jenem Sonntag, 11.45 Uhr, mit in Sporttaschen gepackten Maschinenpistolen das Haus am Ring betrat. Auftraggeber war Wadi Haddad, geboren 1927 in Palästina – ein Arzt, dem Arafats PLO zu zahm war. Haddad spaltete sich mit seiner Gruppe von der PLO ab. Bei fast allen Flugzeugentführungen der frühen siebziger Jahre zog er die Fäden. Haddad unterhielt Kontakte zu Gesinnungsfreunden in Europa. Den Revolutionären Zellen (RZ) in Deutschland überwies er jeden Monat 3000 Dollar. Zwei der Attentäter von Wien kamen von den RZ: der 28-jährige Hans-Joachim Klein und die 24-jährige Gabriele Kröcher-­Tiedemann. Drei weitere Kommandomitglieder waren Palästinenser. Die schillerndste Figur jedoch war ihr Anführer, Ilich Ramírez Sánchez, Kampfname Carlos, geboren 1949 als Sohn eines venezolanischen Anwalts und glühenden Kommunisten. Carlos studierte folgerichtig in Moskau, wurde aber wegen „antisowjetischer Propaganda“ ausgewiesen. Radikalinskis waren den Kreml-Herren seit jeher ein Gräuel.

Seit Anfang der siebziger Jahre verübte Carlos im Auftrag extremistischer Palästinenser in Paris und London Anschläge auf jüdische Geschäftsleute und stieg damit in die Promi-Liga des Terrors auf. „Carlos, der Schakal“ nannten ihn die Medien, seit man in einer seiner Wohnungen Frederick Forsyths gleichnamigen ­Roman über einen Profikiller gefunden hatte. Carlos genoss es, zum Mythos stilisiert zu werden – und er stilisierte sich selbst. Vor dem OPEC-Anschlag kaufte er sich in einem Wiener Geschäft eine Baskenmütze, um wie Che Guevara auszusehen. Den Erdölministern stellte er sich mit den Worten vor: „Ich bin der berühmte Carlos“! Noch nach 13 Jahren in einem französischen Gefängnis versucht er, den Glamour zu wahren. Vergangene Woche protestierte er aus dem Knast gegen den am Mittwoch beim Filmfestival in Cannes gezeigten „Carlos-Film“: Darin würden seine Leute als „Hysteriker“ gezeigt, obwohl es sich doch um Vollprofis gehandelt habe.

Mordauftrag: Carlos’ sechsköpfiges Kommando – auch drei „echte“ Palästinenser waren dabei – hatte Befehl von ganz oben. Kaum jemand zweifelt heute daran, dass Wadi Haddad nur der Zwischenträger war – bestellt und bezahlt wurde der Anschlag von Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi. Der wollte die konservativen, mit den USA kooperierenden Erdölstaaten Iran und Saudi-Arabien bestrafen. Sein Auftrag: Entführung der OPEC-Minister und Erpressen von Lösegeld. Die Ölminister des Iran und Saudi-Arabiens, Amouzegar und Yamani, seien zu töten.

Als die Terroristen das Gebäude betraten, warteten im Foyer Journalisten schon auf die Pressekonferenz. Ob die Sitzung noch im Gang sei, fragte Carlos auf Französisch. „Noch eine Weile“, antwortete ein Reporter. Die Truppe stürmte ins obere Stockwerk. Der knapp vor der Pensionierung stehende Kriminalpolizist ­Tichler erkannte den Ernst der Lage und wollte in den Lift flüchten. Kröcher-Tiedemann alias „Nada“ war schneller und tötete ihn mit einem Genickschuss. Carlos selbst erschoss just einen flüchtenden libyschen Delegierten. Wer das dritte Opfer auf dem Gewissen hat, einen irakischen Sicherheitsmann, wurde nie geklärt.

14 Minuten später traf das Einsatzkommando (EKO) der Wiener Polizei ein – und setzte die Sicherheitsgroteske fort, wie die Recherchen von Zeithistoriker Thomas Riegler ergaben. Anders als die heutige Cobra waren die EKO-Männer nicht für derartige Einsätze geschult. Nur zwei der acht Beamten trugen schusssichere Westen, 15 Kilo schwere Uralt-Modelle, wie der damalige Einsatzleiter Ernst Wallaschek dem Autor verriet. Das EKO bestand aus Beamten, die jahrelang Straßendienst geleistet hatten und so vermeintlich über die größte Erfahrung verfügten.

Völlig unkoordiniert stürmte der kleine Trupp älterer Herren ins Gebäude – an der Spitze der 52-jährige Großvater Kurt Leopolder, zu 40 Prozent kriegsversehrt. „Die müssen verrückt gewesen sein“, meinte der Terrorist Hans-Joachim Klein noch viele Jahre später bei seiner Einvernahme. Wild ballerte Leopolder mit seiner „Uzi“ los, ein Querschläger traf Klein in den Bauch. Sekunden später brach der Polizist, in Gesäß, Wirbelsäule und Oberschenkel getroffen, selbst zusammen. Leopolder starb acht Jahre später an den Folgen dieser Verletzungen. Dann zog sich das EKO zurück. Das Kommando verlegte Drähte und Sprengstoff im Sitzungssaal. Mehr als 60 Geiseln befanden sich jetzt in seiner Gewalt, darunter elf Ölminister.

Kreisky fährt Ski: Inzwischen waren die Stapo-Spitzen im OPEC-Haus eingetroffen. Mit der Zentrale im Innenministerium konnten sie sich nur über das Telefon in der Portiersloge verständigen. Als Erstes verlangte Carlos Scheren und Stricke, um die Geiseln zu fesseln. Da müsse er Geduld haben, entgegnete die Einsatzleitung bierernst: Es sei Sonntag, alle Geschäfte in Wien hätten geschlossen. Im Kanzleramt hatten sich vier Stunden nach Beginn des Anschlags fast alle Regierungsmitglieder eingefunden. Nur einer fehlte: Bruno Kreisky war schon auf Weihnachtsurlaub in Lech und musste erst nach Wien gebracht werden.

Wie die folgenden dramatischen Stunden abliefen, illustrieren ein internes Protokoll und das Tagebuch von Handelsminister Staribacher. Gegen 16 Uhr übermittelte Carlos sein Ultimatum: Um spätestens 17.30 Uhr sei eine Propagandabotschaft in französischer Sprache im ­Radio zu verlesen, andernfalls werde die erste Geisel, der iranische Ölminister, ermordet. Um sieben Uhr Früh müsse dann ein Bus vorfahren, am Flug­hafen sei eine betankte DC9 vorzubereiten.

Finanzminister Hannes Androsch plädierte für Zeitgewinn: Man solle die Terroristen vertrösten, bis der für 18 Uhr erwartete Kreisky eingetroffen sei. „Wir sollten die harte Tour einlegen“, meinte Landwirtschaftsminister Oskar Weihs zu seinem Sitznachbarn Staribacher. Den Umschwung brachte laut Protokoll des Kanzleramts eine Wortmeldung von Wissenschaftsministerin Hertha Firnberg: „Ich bin dafür, dass die Proklamation im ORF verlesen wird“. Unmittelbar danach traf ein völlig durchfrorener Kreisky ein. Man hatte ihn mit einem Helikopter nach Salzburg und von dort in einer Cessna nach Wien geflogen. Sprechkontakt hatte man nicht zu ihm herstellen können. Kreisky, das wurde schnell klar, wollte auf alle Forderungen des Kommandos eingehen und hatte auch schon eine pfiffige Begründung für das Nachgeben ausgeheckt: Die OPEC sei exterritoriales Gelände, auf dem nur die Ölminister selbst das Sagen haben. Auf deren Wunsch müsse Österreich sie sogar ausfliegen. Man benötige aber entsprechende schriftliche Ersuchen der Geiseln, so der schlaue Kanzler.

Dass ihm das eine gute Presse garantiere, glaubte Kreisky realistischerweise nicht: „Am ekelhaftesten sind sicher wieder die Journalisten. Zuerst werden sie uns die Schuld geben“, vermerkte das interne Protokoll. Die sich abzeichnende Lösung drohte noch an für Österreich nicht untypischen Details zu scheitern. So beknirschte sich der ORF, er habe keinen Französisch sprechenden Mitarbeiter parat. Der im Foyer lauernde profil-Reporter Thomas Fuhrmann, der von der Sache Wind bekommen hatte, bot an, den Text zu verlesen. Kreisky lehnte ab: „Ziehts da niemanden hinein, das soll der Fritz Gehart machen.“ So kam der junge ­Diplomat, Mitarbeiter des Kanzlerkabinetts, zu einem großen Auftritt.

Kaum war dieses Problem gelöst, machten die AUA-Piloten Probleme: Sie weigerten sich zu fliegen, sollte das Kommando nicht vorher die Waffen abgeben – eine höchst unrealistische Forderung. Auch die Post hatte Sorgen: Man habe keine Busse mit Vorhängen, wie die Terrorgruppe sie wünsche. Sollen sie halt etwas anderes hinhängen, murrte Kreisky. Als die Ärzte im AKH, wo der verletzte Terrorist Klein behandelt wurde, monierten, sie hätten kein für ein Flugzeug geeignetes Beatmungsgerät, fuhr ihnen Kreisky in die Parade: In Rettungsautos werde doch auch beatmet, man müsse eben ein solches Gerät ausbauen.

Telefonisch informierte der Kanzler den Oppositionsführer, ÖVP-Obmann Josef Taus, über den Stand der Dinge. „Also Sie geben den Forderungen der Terroristen nach“, habe Taus spitz geantwortet, erzählte Kreisky seiner Ministerrunde, war darob aber nicht empört: „Ich erwarte von den Herren in der Opposition ja nicht, dass sie unsere Verantwortung übernehmen.“
Inzwischen hatte im Burgtheater die Abendvorstellung begonnen, wie Hannes Androsch konsterniert feststellte – obwohl der mit Sprengstoff beladene Tatort kaum 100 Meter entfernt lag. Noch in letzter Minute gab es eine haarsträubende Panne: Zwei Bauarbeiter traten just in dem Moment aus der Universität auf die Straße, als Carlos und seine Geiseln in den Bus stiegen – man hatte schlicht auf die Sicherung des Geländes vergessen.

Handschlag: Am Flughafen streckte Carlos plötzlich dem neben der Maschine stehenden Innenminister Otto Rösch die Hand hin. Dieser ergriff sie. Das verstörende Bild ist heute Teil der Ikonografie der Zweiten Republik. Die Sache endete glimpflich: Nach einem Zwischenstopp in Libyen landete die AUA-Maschine in Algier, wo Carlos seine Geiseln freigab. Der Iran und die Saudis mussten je zehn Millionen Dollar Lösegeld bezahlen. Carlos residierte für einige Tage in einem Luxushotel und tauchte dann im Jemen unter.

In den folgenden Jahren wurden vier der sechs Täter in anderen Ländern geschnappt. Das in Terrorangst lebende Österreich tat alles, um ihre Auslieferung zu verhindern. In den Prozessen wurden abenteuerliche Ermittlungs­pannen bekannt. So hatten es die österreichischen Behörden unterlassen, die Kommandomitglieder zu fotografieren. „Kameras mit Teleobjektiven zählen offenbar nicht zum technischen Standard der Hauptstadt-Polizei“, ätzte der „Spiegel“. Auch Fingerabdrücke hatte man nicht genommen. Das deutsche Bundeskriminalamt hatte den Österreichern ein Band mit Bildmaterial über „Nada“ Kröcher-Tiedemann geschickt, um diese von Zeugen identifizieren zu lassen. Das Band ging unbesehen zurück. Begründung: Nur der ORF verfüge über ein entsprechendes Abspielgerät – und ­dieser habe es gerade selbst gebraucht. Beim Prozess in Frankfurt wurde Kröcher-Tiedemann mangels Beweisen freigesprochen. Nur einer zeigte sich vom Kooperationswillen Wiens angetan. Zwei Jahre später erteilte Staatschef Muammar Al-Gaddafi der Voest den Auftrag zu einem Kraftwerksbau im Umfang von zwei Milliarden Euro.

{http://www.profil.at – Von Herbert Lackner}

Top-Terrorist Carlos unterhielt Netzwerk mit RAF und Revolutionären Zellen
Deutsche Behörden schweigen bis heute zum Ausmaß der Zusammenarbeit

Ilich Ramirez Sanchez, besser bekannt unter dem Namen „Carlos, der Schakal“ (www.washingtonpost.com), galt in den 80-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts als der gefährlichste und meistgesuchte Terrorist der Welt. Der Mann, der als Terror-Söldner quer über den Erdball eine blutige Spur zog, hatte auch enge Verbindungen zu deutschen Terrororganisationen. Doch über das wahre Ausmaß dieser Zusammenarbeit schweigen die Sicherheitsbehörden bis zum heutigen Tag. Im Hauptstaatsarchiv Stuttgart lagernde Akten des BKA beweisen: RAF und Carlos hatten auch ein Attentat auf Walter Scheel (FDP) geplant.

Wie in deutschen Ämtern und Behörden üblich, geben auch heute noch Bundeskriminalamt und Bundesinnenministerium immer nur jene Informationen an die Öffentlichkeit, die sich sowieso nicht mehr verbergen lassen. Darüber hinaus herrscht das berühmte Schweigen im Walde. So auch im Fall Carlos. Dass der Venezulaner mit deutscher Terroristen-Hilfe am 12. Dezember 1975 in Wien die Konferenz der Minister der Erdöl exportierenden Länder, OPEC, u.a. zusammen mit Gabriele Kröcher-Tiedemann und Hans-Joachim Klein (beide Revolutionäre Zellen) überfiel, drei Menschen erschoss und mit 33 Geiseln per Flugzeug in Richtung des arabischen Raums flüchtete, ist hinreichend bekannt.

Auch der durch Carlos‘ palästinensischer Stammorganisation PFLP initiierte und durchgeführte „Fall Entebbe“ (www.newssearch.bbc.co.uk) fand unter wesentlicher deutscher Beteiligung statt und ist der Öffentlichkeit nicht verborgen geblieben. In der Nacht vom 4. auf den 5. Juli 1976 endete auf dem Flughafen der ugandischen Hauptstadt Entebbe die Entführung einer Air-France-Maschine auf ihrem Weg von Tel Aviv nach Paris blutig. Nachdem die Entführer die Freipressung von 35 Terroristen aus der Haft gefordert hatten (unter ihnen auch die Stammheimer RAF-Gefangenen), dirigierten sie die Maschine nach Uganda, wo ein israelisches Spezialkommando die Geiseln in einer wilden Schießerei befreite. Dabei kamen die deutschen Terroristen Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann von den RZ ums Leben.

Auch der Sprengstoffanschlag auf das „Maison de France“ am 25. August 1983 in Berlin (West), bei dem zwei Menschen ums Leben kamen und über zwanzig verletzt wurden, ging von Carlos aus. Sein deutscher Intimus Johannes Weinrich sitzt dafür noch heute in Berlin-Moabit. Er hatte den für das Attentat benötigten Sprengstoff in Ost-Berlin zwischengelagert und anschließend über die Grenze zum Kurfürstendamm gebracht. Genau an diesem Punkt enden – offiziell – die Aktivitäten der Carlos-Gruppe in der Bundesrepublik. Was der Mann aus Carracas in Deutschland sonst noch alles trieb, halten die Sicherheitsbehörden geflissentlich zurück.

Dazu lohnt sich ein Blick in ein amtliches Dossier mit dem Titel „Der Fall Carlos“, 75 Seiten stark und als geheime Verschlusssache gestempelt. In diesem Papier, geschrieben vom BKA und gespickt mit französischen und britischen Geheimdiensterkenntnissen, wird die gesamte Rolle Carlos‘ in Deutschland deutlich. Demnach hatte der Terrorist im Juni 1975 im Pariser Studentenviertel Quartier Latin, Rue Toullier 9, eine konspirative Wohnung, in der er in diesem Sommer einen Komplizen und einen französischen Kriminalbeamten erschoss. Nur Minuten danach, Carlos befand sich bereits auf der Flucht und die Polizei in der Wohnung, wurde klar, dass der Venezulaner auch in der französischen Hauptstadt enge Verbindungen zu Deutschen aus der Terror-Szene unterhielt. Vor der Wohnungstür stand plötzlich eine Ulrike S. aus Tuttlingen im Schwarzwald und wollte Carlos besuchen. Weil ihre Erklärung, sie habe Carlos in einem Pariser Cafe kennen gelernt und sei über seine wahren Aktivitäten nicht orientiert, so das Dossier, doch eher widersprüchlich klang, wurde die Frau mit Verbindungen zu deutschen Terroristen zunächst einmal festgenommen. Über Ermittlungen zu ihrer Person stießen die französischen Behörden schließlich auf ein ganzes Netz, das der „Schakal“ in der Bundesrepublik unterhielt, und leiteten die Erkenntnisse von Paris aus ans BKA in Wiesbaden weiter.

Freunde und teilweise deren verwandtschaftlichen Beziehungen hatten dafür gesorgt, dass Carlos in Deutschland Fuß fassen konnte. So legt „Der Fall Carlos“ das genaue Gegenteil dessen dar, was die deutschen Sicherheitsbehörden der Bevölkerung bis dato noch immer verkaufen: Es habe nie ein Netz des Südamerikaners hierzulande gegeben, und abgesehen von den oben geschilderten Aktionen seien Deutsche nicht in seine Anschläge und Aktivitäten involviert gewesen. Immerhin waren die Aufenthalte Carlos‘ in Deutschland derart selten, dass er bereits Mitte der 70-er Jahre im „Hotel Cafe Europa“ auf der Baseler Straße 17 in Frankfurt/Main einen Stammplatz hatte. Es war der Tisch Nummer 6, an dem der untersetzte Terrorist Platz zu nehmen pflegte, wenn er Freunde aus der linksradikalen Szene der hessischen Metropole traf, aus der auch einer seiner besten Männer, Hans-Joachim Klein, stammte. In diesem Cafe, so der Bericht BKA SO/TE-6885, Tagebuchnr. 300/75 VS V, wurde denn auch eine Kooperation zwischen Carlos und den Deutschen vereinbart. Er versorgte sie über einen Mittelsmann mit Geld und sie unterstützten ihn bei Aktionen.

Seine ausgezeichneten Verbindungen bestanden u. a. zu einem arabischen Arzt, der in einem Krankenhaus in Oberhausen (NRW) arbeitete und zu einer gewissen Karoline K. in Alsdorf, einem unscheinbaren Dorf bei Aachen. K. war ehemaliges KPD-Mitglied und unterhielt beste Kontakte zur DDR, indem sie Reisen von Jugendgruppen zur FDJ (Freie Deutsche Jugend) organisierte. Auch Ralph Reinders, eines der bekanntesten RAF-Mitglieder, traf sich häufig mit Carlos. Bei einem Besuch in Paris heckten beide den Plan aus, einen Anschlag auf den heutigen Alt-Bundespräsidenten Walter Scheel zu verüben. Doch bei der Ausspähung Scheels wurde das Vorhaben wieder fallen gelassen. Die Sicherheitsvorkehrungen für ihn waren zu scharf.

Der Clou der Kontakte des Top-Terroristen nach Deutschland war allerdings eine Deckadresse im schwäbischen Schwaigern. Dort, in der Sollenbergstraße, wohnte der ahnungslose Schwiegervater eines Carlos-Freundes aus Paris. Urlina Luis Angel Urdaneta von der feinen Rue du Montparnasse, der auch bei der Schießerei in der Wohnung Rue Toullier 9 anwesend war, hatte die Tochter des Mannes geehelicht. Für Carlos ein gefundenes Fressen. Bevor dieser zu einer Reise nach oder durch die Bundesrepublik aufbrach, bildete Urdaneta eine Art Vorauskommando, prüfte, ob die Luft in Schwaigern rein war und ließ seinen Chef nachkommen.

Bundesdeutsche Behörden waren auch darüber orientiert, dass der „Schakal“ per Auto ungehindert vom Gebiet der DDR in die Bundesrepublik fahren konnte. Laut einer Stasi-Unterlage diente ihm die RAF-Terroristin Juliane Plambeck in einem Wagen mit französischem Kennzeichen dabei als Chauffeuse. Als Plambeck 1981 zusammen mit Wolfgang Beer auf einer Kreisstraße bei Bietigheim-Bissingen (Baden-Württemberg) tödlich verunglückte, trug der rote Golf, in dem sie fuhren, Pariser Kennzeichen. Im Fahrzeuginneren fanden Polizisten eine Maschinenpistole der Marke Heckler & Koch, ein HK 93 mit abgesägtem Schaft und Lauf, das Spuren aus dem Tatkomplex Buback trug.

Carlos verfügte offenbar auch über Detailkenntnisse aus dem deutschen Sicherheitsapparat. So soll er nach Angaben des britischen Autors David Yallop („Die Verschwörung der Lügner“, 1994) nach dem OPEC-Überfall im Flugzeug erklärt haben, dass es zwischen RAF und Bundesregierung ein Abkommen gegeben habe. Der Inhalt: Dafür, dass die Nachfolgegeneration Baaders und Ensslins keine Lufthansa-Maschinen entführe und keine Aktionen auf deutschen Flughäfen durchführe, habe die Regierung jährlich 2,5 Millionen D-Mark (etwa 1,25 Millionen Euro) Schutzgeld gezahlt. Tatsächlich griff die RAF weder Lufthansa-Flugzeuge noch deutsche Flughäfen an. Die Entführung der „Landshut“ im Herbst 1977 war das Werk arabischer Terroristen, nicht der RAF.

[Udo Schulze 16.06.2010] http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32755/1.html
Bild Walter Scheel: Bundesarchiv (Bild 146-1989-047-20). Lizenz: CC-BY-SA-3.0

 

One Response to “DIE GEISELNAHME IM OPEC-GEBÄUDE”

  1. Gottes Auge Says:

    Soldaten vertrauen auf Vergebung

    Für das „Bundesministerium der Verteidigung“ in Deutschland gibt es viele Ausnahmen. So hätten z. B. die für ihre Tat geehrten Attentäter eines Diktators unter einem „außergewöhnlich hohen Abwägungsdilemma“ gestanden (Brief liegt der Redaktion vor). Ähnliches hörte man zu Beginn des Kosovo-Krieges im Jahr 1999, als man – wie sich jetzt herausstellte – auch auf Grund massiv gefälschter Zahlen über Opfer der jugoslawischen Armee entschied, einen Krieg zu beginnen und notgedrungen viele Menschen töten ließ, die man gar nicht töten wollte.

    Angesprochen auf das Gebot „Du sollst nicht töten“, erklärte das Verteidigungsministerium, in Wirklichkeit heiße das Gebot „Du wirst nicht töten“ und schrieb:

    „In letzter Konsequenz bedeutet es …, dass, wer in einer solchen Situation unabweisbar auch Schuld auf sich lädt, um in diesem Falle unsagbares Übel zu beenden, fest auf die Vergebung vertrauen darf.“
    Ministerium empfiehlt Luther

    Der Sprecher des deutschen Verteidigungsministeriums empfiehlt das Lesen einer Biographie des Theologen Walter von Loewenich über Martin Luther, der es durch eine gefälschte Übersetzung sogar schaffte, Jesus von Nazareth eine Erlaubnis zum Töten zu unterschieben. Wie war das möglich? Jesus rief seinen Jünger Petrus, der zum Schwert greifen wollte, mit den Worten zur Besinnung: „Wer das Schwert nimmt, wird durchs Schwert umkommen.“

    Todesstrafe

    Er warnte Petrus also vor dem Gesetz von Saat und Ernte: Wenn du heute zum Täter wirst, wirst du morgen das Opfer sein! Der Gründervater der evangelischen Kirche jedoch veränderte das Wort „wird“ in der Jesuserzählung in das Wort „soll“ (gerade andersherum als beim 5. Gebot, siehe oben). Wer das Schwert nimmt, „soll durch das Schwert umkommen“, heißt es bei Luther. Damit hat er die Bedeutung des im griechischen Urtextes korrekt wiedergegebenen Jesuswortes gefälscht. Denn Jesus sprach nie von einem „soll getötet werden“. Doch Luther behauptete sogar, mit diesem Zuruf an Petrus hätte Jesus die Todesstrafe eingesetzt, wovon der „Reformator“ auch reichlich Gebrauch machen ließ.
    Dr. theol. Diabolos

    In der Religionsgeschichte nennt man den Teufel oder Satan auch „Diabolos“, das bedeutet „Durcheinander-Bringer“. Deshalb musste wieder ein Prophet in unserer Zeit kommen, durch den Christus dem Übel der kirchlichen Bibelfälschungen ein Ende machte. Und Er warnt auch vor den verhängnisvollen Lügen der Militärpfarrer, dass es für den Zugang zum Himmel keine Rolle spiele, ob meine „Tötungs“- oder „Mordopfer“ mir verzeihen. Hauptsache, Gott verzeihe

    Dr. theol. Diabolos

    In der Religionsgeschichte nennt man den Teufel oder Satan auch „Diabolos“, das bedeutet „Durcheinander-Bringer“. Deshalb musste wieder ein Prophet in unserer Zeit kommen, durch den Christus dem Übel der kirchlichen Bibelfälschungen ein Ende machte. Und Er warnt auch vor den verhängnisvollen Lügen der Militärpfarrer, dass es für den Zugang zum Himmel keine Rolle spiele, ob meine „Tötungs“- oder „Mordopfer“ mir verzeihen. Hauptsache, Gott verzeihe


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