kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

„Primitiv-Islamismus“ 7. August 2010

Filed under: Pater Zakaria & co. — Knecht Christi @ 23:19

Muslime streiten über britischen Scharia-Vorstoß

 

„Wichtiger Diskussionsbeitrag“ oder Vorschub für einen „Primitiv-Islamismus“? Britische Muslime streiten über den Scharia-Vorstoß von Erzbischof Williams. Immerhin: Erstmals wird in Großbritannien überhaupt öffentlich über Recht und Praxis des Islam diskutiert.

London – „Schariaa“, sagt der liberale Moderator des BBC-Radiomagazins Today, „da denken die meisten Leute sofort an Enthauptungen und Verstümmelungen“. Dementsprechend feindselig war auch die Reaktion der meisten britischen Medien auf Überlegungen des Oberhaupts der anglikanischen Staatskirche, Rowan Williams. Dem Zusammenhalt der britischen Gesellschaft würde es nützen, so der Erzbischof von Canterbury in einer Vorlesung vor den höchsten Richtern des Landes, wenn islamische Gerichtsbarkeit im Familien- und Eherecht größere Legitimität bekäme – als einer Art Schlichtungsstelle unterhalb des eigentlichen Zivilrechts. Im BBC-Interview sprach der Geistliche sogar davon, die Einführung der Schariaa. Die Betroffenen teilen diese Einschätzung keineswegs.

Wie viele andere Briten muslimischen Glaubens zeigt sich auch der Strafverteidiger Zubair Ahmad zunächst einmal „verwirrt“ über Williams‘ Äußerungen. Natürlich gebe es mancherlei Probleme im Spannungsfeld zwischen Religion und Zivilgesellschaft: „Dafür muss man Lösungen finden“. Aber die Schariaa sei doch ein „sehr viel weitreichenderes Konzept“, sagt Ahmad. Auf seinem Spezialgebiet, dem Strafrecht, spielten islamische Rechtsvorschriften keinerlei Rolle. Daran soll sich auch in Zukunft nichts ändern, selbst wenn Williams‘ Anregungen umgesetzt würden: Ausdrücklich distanzierte sich der Erzbischof von Enthauptungen und Verstümmelungen sowie der Unterdrückung von Frauen im Namen Allahs und dem „Primitiv-Islamismus“, der solches für gut heiße.

Die Rechtsanwältin Sayeeda Warsi, eine von drei Musliminnen im britischen Oberhaus, will grundsätzlich nichts wissen von Schariaa und anderen religiösen Gesetzen. „Wir sind allesamt dem gleichen Gesetz unterworfen, und sollten auch gleich behandelt werden“, sagt die Baronin, 36, die dem Schattenkabinett von Oppositionsführer David Cameron angehört.

„Der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert“: Schärfer äußert sich einer der drei islamischen Labour-Abgeordneten im Unterhaus. Der Erzbischof habe ja gute Absichten, ätzt Khalid Mahmoud: „Aber der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert“. Die überwältigende Mehrheit seiner Glaubensbrüder sei gegen jede Einführung der Schariaa in Großbritannien. „Das würde nur Verärgerung darüber verursachen, dass Muslime angeblich bevorzugt behandelt werden“. Die Autorin Khola Hassan schreibt derzeit an einem Buch „Zwischen London und Mekka“, das den Zwiespalt von Muslimen im Westen zum Thema hat. Die in Saudi-Arabien geborene Muslimin empfindet Williams‘ Gedanken als „wichtigen Diskussionsbeitrag“: Der Erzbischof habe die Schariaa ausdrücklich als dem englischen Zivilrecht untergeordnet bezeichnet. Hassan gibt sich durch ihre Kleidung und ihr Kopftuch zwar als strenggläubig zu erkennen, redet der Schariaa in Ehe- und Familienfragen aber keineswegs das Wort. Erst müssten mancherlei Unvereinbarkeiten zwischen muslimischer Praxis und englischem Recht gelöst werden, glaubt Hassan. Zum Beispiel? „Es gibt Polygamie“ – von der Schariaa erlaubt, in Großbritannien offiziell verboten.

„Es geht nicht um ein Parallelsystem“: Befürworter der Anerkennung religiöser Gesetzgebung beteuern, es gehe nicht um ein Parallelsystem, sondern „um Ehen, Scheidungen, Erbschaftsprobleme“, erläutert Ibrahim Mogra vom Britischen Muslimrat, der Williams‘ Initiative begrüßt. Derzeit können auf der Insel Angehörige der anglikanischen Staatskirche in einer religiösen Zeremonie heiraten, die automatisch vom Staat anerkannt ist; Paare aller anderen Konfessionen müssen zusätzlich noch aufs Standesamt pilgern. Wer hingegen im Ausland ausschließlich nach islamischem Recht geheiratet hat, gilt in England auch zivilrechtlich als Mann und Frau. Das sorgt gerade unter Einwanderern aus Pakistan und Bangladesch häufig für Verwirrung. Eines immerhin haben die unausgegorenen Einlassungen des Erzbischofs von Canterbury bewirkt: Erstmals wird auf der Insel außerhalb des kleinen Zirkels religiöser Gelehrter über Rechtsgrundlagen und Praxis des Islam diskutiert. Welche Folgen dies für die rund 1,7 Millionen Muslimen haben wird? Williams‘ Vorstoß werde „den anti-islamischen Extremismus stärken und die Arbeit an einer besser integrierten Gesellschaft beschädigen“, fürchtet Trevor Phillips von der staatlichen Menschenrechts-Kommission. Optimistischer gibt sich Mohammed Shafiq von der Ramadhan-Stiftung: Er hofft auf mehr „Respekt und Toleranz“. Diesen frommen Wunsch dürfte Erzbischof Williams teilen.

 

One Response to “„Primitiv-Islamismus“”

  1. Bazillus Says:

    Ich bin der Meinung, dass es in Europa schädlich ist, Teile der Scharia – wenn auch nur im Zivilrecht – einzuführen. Haben sich diese Anfänge in der Verfassung eines europäischen Landes einmal etabliert, sind wo die Grenzen? Wir kennen doch unseren Islam. Er fängt immer klein an und deren Vertreter fordern immer mehr bis die in diesem Fall englische Verfassung durch entsprechende Mehrheiten im Sinne der Scharia geändert werden.

    Wehret den Anfängen. Wenn das Rechtssystem eines Hitlers auch nur in Teilen eingeführt würde, würde es zu Recht Demonstrationen und Totalablehnung geben. So ist es auch mit der Scharia. Sie ist im Ganzen gesehen ein Unrechtssystem wie Hitlers Rechtssystem auch. Wer mit ihr meint experimentieren zu sollen, hat schon verloren. Auch Sie lässt auch gerade im Ehe- und Familienrecht Benachteiligungen für Frauen zu. Es wird sich ein Parallelrechtssystem in jedem europäischen Land entwickeln und bilden, werden erst einmal auch nur kleine Teile der Scharia in die Verfassung eingebunden.


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