kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Sexuelle Verwahrlosung: Voll Porno! 5. August 2010

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 04:05

Wenn Kinder nicht mehr lernen, was Liebe ist. Eltern schauen mit ihren Kindern Hardcore-Filme. 14-Jährige treffen sich zum Gruppensex. Ihre Idole singen von Vergewaltigung. Ein Teil der Gesellschaft driftet ab in die sexuelle Verwahrlosung.

Früher entdeckten Jugendliche die Sexualität noch unter sich. Heute bietet ihnen auch das Internet diese Möglichkeit – in den drastischsten Varianten. Die Fotos dieses Beitrags sind den geschilderten Situationen nachempfunden. Etwas fehlt. Man bemerkt es nicht sofort. Auch Thomas Rüth hat eine Zeit gebraucht, bis ihm klar wurde, was er vermisst, was ihn beunruhigt. Beim Beobachten von Jugendlichen ist ihm aufgefallen: „Wenn die mit jemandem gehen, dann küssen sie sich nicht“. Sie sind 12, 13 oder 14 Jahre alt und halten nicht Händchen und streicheln sich nicht. Dabei sind sie nicht schüchtern. Im Gegenteil. Viele dieser Kinder haben selbstverständlich Sex miteinander. Thomas Rüth ist Sozialpädagoge. Er leitet das Jugendhilfe-Netzwerk der Arbeiterwohlfahrt in Essen-Katernberg, einem Bezirk mit besonders großen sozialen Problemen. Regelmäßig besuchen er und seine Kollegen Familien, die ohne Hilfe nicht mehr klarkommen. Wenn die Sozialarbeiter zu Besuch sind, flimmert in den Wohnstuben fast immer die Glotze. Doch nicht jedes Mal läuft dort der Nachmittagsmüll von RTL 2. Immer öfter kommt das Programm aus dem DVD-Spieler: Pornos. Und die Kinder sitzen mit auf dem Sofa. Jugendliche küssen sich nicht. Kinder gucken Pornos. Beides hat was miteinander zu tun. Im Porno küsst man sich nicht. „Viele dieser Kinder wachsen im emotionalen Notstandsgebiet auf. Die wissen alles, wirklich alles über sexuelle Praktiken. Aber wenn wir denen etwas über Liebe erzählen, über Zärtlichkeit, dann verstehen die überhaupt nicht, wovon wir reden“, sagt Thomas Rüth. Genau das ist es, was fehlt.

„Porno – wie eine Seuche“: „Die Kinder sind voll mit diesen Bildern. Und die kriegen sie nicht aus dem Kopf“, sagt Gabriele Heinemann. Auch sie ist Sozialarbeiterin. Sie kümmert sich um Mädchen in Berlin-Neukölln, Deutschlands bekanntestem Problembezirk. Madonna heißt der Klub, den sie leitet. Vor drei Jahren hat sie zum ersten Mal das Wort „Gang-Bang“ gehört. Eine 14-jährige Neuköllner Göre prahlte: „Am Sonnabend mach ick Gang-Bang“. Heinemann recherchierte, was das bedeutet: Gang – die Bande. Gang-Bang – eine ganze Bande Männer fällt über eine Frau her. Ein Standard in aktuellen Pornofilmen. „Zuerst dachte ich, die Kleine will sich nur wichtig machen. Aber das war wirklich so. Und es breitet sich aus wie eine Seuche“. In vielen Jugendklubs in Berliner Unterschichtsvierteln bereitet die Sexualität der Heranwachsenden den Betreuern ähnliche Sorgen wie deren Gewalt. Viele trauen sich nicht mehr, 14-Jährige längere Zeit in einem Raum allein zu lassen. Sie fürchten, bei ihrer Rückkehr Jungs mit heruntergelassenen Hosen vorzufinden. Und davor knien Mädchen. Das ist mehrfach vorgekommen. „Das Bild unserer Jugendlichen von Sexualität ist total geprägt von Pornografie“, sagt Gabriele Heinemann.

Mutter hat Sex – Kind schaut zu: Die Klage über lockere Sexualmoral ist älter als der Minirock. Doch diesmal warnen keine verklemmten Spießer, Fundamentalfeministinnen oder prüde Kirchenmänner. Es sind Lehrer, Sozialpädagogen, Erziehungswissenschaftler, Hirnforscher, Therapeuten, Sexualwissenschaftler und Beamte in Jugendämtern. Sie beobachten nichts Geringeres als eine sexuelle Revolution. Doch dabei geht es nicht um freie Liebe. Mit Freiheit und mit Liebe hat es nichts zu tun. Der Motor für diese Umwälzung der Sexualität sind keine Ideale. Es ist Pornografie. Womit Thomas Rüth oder Gabriele Heinemann täglich konfrontiert werden, ist eine Form der Verwahrlosung: sexuelle Verwahrlosung. „Das ist doch nur Sex. Ist doch ganz normal.“ Ob auf dem Handy oder im Bad – die tabufreien Zonen werden größer. Jeden Nachmittag beobachtete die Streetworkerin Ayten Köse eine Gruppe Jungen, die auf der Straße direkt vor ihrem Neuköllner Büro rumhängen. „Die waren so neun, zehn Jahre alt. Und ständig haben sie den einen gehänselt. Es wurde immer schlimmer“, erzählt sie. Schließlich sprach sie den Jungen an. Der druckste rum. Es sei, na ja, wegen seiner Mutter, ihren Männern und so. Die Mutter veranstaltete kleine Shows für den Sohn und seine Freunde. Wenn die ihn zu Hause besuchten, dann zeigte sie ihnen gern einen Pornofilm. Ab und zu durften sie auch zuschauen, wie sie mit einem Liebhaber Sex hatte. „Natürlich habe ich die Mutter angesprochen“, sagt Ayten Köse. „Aber die hat nur gesagt: „Ich weiß gar nicht, was sie wollen. Das ist doch nur Sex. Ist doch ganz normal“. „Bernd Siggelkow ist ein evangelischer Pfarrer. „Bernd, Bernd. Trägst du Tangas?“, ruft eine Neunjährige durch den Speisesaal. „Der Freund von meiner Mutter hat immer so superscharfe Dinger an“. Siggelkow lächelt etwas verlegen. 1995 hat er in Berlin-Hellersdorf die „Arche“ gegründet. Dort finden die Kinder aus dem Viertel, was sie in ihren Familien nicht bekommen: Zuwendung, Erwachsene, die sich mit ihnen beschäftigen, und eine warme Mahlzeit. In den vergangenen Jahren hat Siggelkow eine deutliche Veränderung an den Kindern festgestellt. „Das Leben dieser Kinder ist komplett sexualisiert“, sagt Siggelkow. Oft kommen die Kinder mit ihren Problemen zu ihm. „Gerade gestern erst wieder eine Elfjährige. Die wollte wissen, ob sie noch normal ist, weil sie noch nie Sex hatte“. Wenn Siggelkow mit den Eltern der Arche-Kinder spricht, dann fast immer mit den Müttern. „Väter gibt’s hier nicht“. Manche Mütter beklagen sich, dass ihre Kinder sie stören. „Dann frage ich, wobei die stören. Und die antworten: beim Sex“. Siggelkow trifft Mütter, die sich entscheiden, „mal lesbisch auszuprobieren“. Weil sie es im Porno so schön finden. Er trifft Mütter, die nicht verstehen, dass es ihre Kinder verstört, wenn sie beim Sex mit fremden Männern die Schlafzimmertür offen lassen. Er trifft Mütter, „bei denen Sex das absolute Highlight ihres Lebens ist“. Meistens das einzige.

Sex als Erfolgserlebnis: Die Beziehungen verändern sich rasant, insbesondere in der Unterschicht. Die Männer sind häufig nicht mehr die Ernährer der Familie. Diese Rolle übernimmt immer öfter der Staat. Das macht es den Partnern leichter, sich zu trennen. Männer und Frauen sind immer weniger eine ökonomische Einheit, immer weniger Schicksalsgemeinschaft, immer weniger Lebenspartner. Was bleibt, ist die Sexualität. Sie bekommt eine neue Wichtigkeit. Gerade im Leben vieler Frauen. Ohne gute Schulbildung, ohne Berufsausbildung haben Frauen heute keine realistische Chance auf einen guten Job. Für Frauen aus der Unterschicht ist es daher häufig schwierig, Anerkennung zu erfahren, gelobt zu werden, erfolgreich zu sein. Doch in der Sexualität, da können sie „erfolgreich“ sein. Die Sexualität wird umgedeutet. Sie bekommt eine neue Rolle, eine neue Funktion im Leben. Sex wird das, was für andere der Beruf ist, das Studium, der Sport oder das Spielen eines Instruments – die Möglichkeit, den eigenen Ehrgeiz auszuleben und zu befriedigen.

Von Walter Wüllenweber

 

One Response to “Sexuelle Verwahrlosung: Voll Porno!”

  1. Bazillus Says:

    Ich glaube nicht, dass diese Seuche nur die Unterschicht trifft. Die Unterschicht ist am ehrlichsten und hat wenig Möglichkeiten, dies verschleiern zu wollen, warum auch? Wie oft höre und lese ich, wie sich Kinderpornos auch auf den PC von Intellektuellen und hochgestellen Persönlichkeiten finden. Die Sexualität ist durch die Bewegung eines Kolle zu etwas Normalem geworden, sie wurde bagatellisiert. Die Sexualität ist aus der Liebe herausgerissen worden. Sie hat sich nun verselbständigt. Genau das wollten unsere freizügigen Ideologen doch, oder? Sie haben es offensichtlich geschafft, dass Sexualität ohne Tabus auskommt. Die Kehrseite wird sich nun bemerkbar machen. Sexuell verwahrloste Menschen, die in der Sexualität eine Art Ersatzrelgion finden. Den anderen Menschen nur noch als Spielzeug zu benutzen, ist in, nicht nur in der Sexualität. Die Schranken zur Gewalt werden immer dünner, wenn der Partner nicht mehr den pornografischen Denkweisen genügen kann. Wenn die Sexualität von der Liebe losgekooppelt wird, kommen vielfach seelische Verunstaltungen und Verkrüppelungen dabei heraus, ja bis hin zur Entmenschlichung. Selbst Tiere haben einen „sexuellen“ Rythmus. Der Mensch stellt sich mit seinen von der Liebe losgelösten Sexualpraktiken freiwillig noch unter diese tierische Verhaltensweise und nennt sie auch noch Freiheit, nicht merkend, dass die ungezügelte Sexualität süchtig macht und die Freiheit nur noch einen faden Beigeschmack bekommt.


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