kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Schweizer macht den Islam auf den Bühnen Europas salonfähig 5. August 2010

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 04:18

Die Bühne: So rauben uns diese Männer den Schlaf in Ägypten!

Im Jahre 2008 fing er mit vier ägyptischen Gebetsrufern an, und jetzt zeigt der Regisseur aus der Schweiz Stefan Kaegi sein Theaterstück „Radio Muezzin“ mit 30 von ihnen, wie ich auf „Alarabiya.net“ las. Am Mittwoch, den 04. August 2010, veröffentlichte die Zeitung stolz den Bericht: „30 Muezzinen aus Ägypten verzaubern das Publikum auf den Bühnen Europas“. Ausführlich wird geschildert, wie die Europäer mit Tränen in den Augen ihre Hände wundgeklatscht haben, weil die Spiritualität des islamischen Gebetsrufes sie fesselte. Erzählt wird auch über die Zusammenarbeit mit der Alazhar und dem ägyptischen Ministerium für religiöse Angelegenheiten, welche die Inszenierung voll und ganz unterstützen, um die Menschen in der ganzen Welt mit dem Islam in Kontakt zu bringen. Ich lasse Sie jetzt mit den Berichten allein, welche ich für aus „Swissinfo.ch – Tagesanzeiger.ch – Steirischerherbst.at“  zusammenstellte. Jedoch würde ich von Ihnen wissen, was dieser Schweizer damit bezweckt?
http://www.alarabiya.net/articles/2010/08/04/115683.html


Wenn im Berliner Theater der Muezzin ruft


Der Schweizer Theaterregisseur Stefan Kaegi arbeitet nicht mit Schauspielern und inszeniert auch kein Drama, sondern lässt Menschen auf der Bühne aus ihrem Leben erzählen. In seinem Stück „Radio Muezzin“ kommen vier Gebetsrufer aus Kairo zu Wort.

Hussein Goda ist seit seiner Kindheit blind und Muezzin von Beruf. Fünfmal am Tag ruft der Familienvater sein „Allah Akbar“ über die Dächer Kairos. Doch an diesem Abend sitzt der bullig wirkende Mann mit der markanten schwarzen Brille auf einem Plastikstuhl auf einer Bühne in Berlin. Hussein Goda und drei weitere Muezzine sind die Protagonisten des Theaterstücks „Radio Muezzin“, das am 3. März in Berlin Premiere hatte und diesen Sommer auf verschiedenen europäischen Theaterfestivals gezeigt wird.

„Radio Muezzin“ ist dokumentarisches Theater: Auf der Bühne stehen keine Schauspieler, sondern Menschen, die dem Publikum aus ihrem Leben erzählen, authentisch und oft sehr persönlich. Auf Dias und Videofilmen, die hinter ihnen eingeblendet werden, stellen die Muezzine ihre Familie und ihren Wohnort vor und erläutern, wie und warum sie Gebetsrufer geworden sind. Alles mit viel Gesang und Untertiteln, denn die Muezzine sprechen nur arabisch. Hinter dem Projekt, das vom Goethe-Institut in Kairo unterstützt wird, steckt der Schweizer Stefan Kaegi. Der 36-Jährige inszeniert seit vielen Jahren dokumentarisches Theater. Er hat zum Beispiel mit bulgarischen Lastwagenfahrern gearbeitet, mit Schweizer Modelleisenbahnern und multinationalen Stewardessen. Die Idee für sein aktuelles Stück kam dem gebürtigen Solothurner, als er in Amman weilte und mitbekam, dass die Regierung Kairos plant, in Zukunft den Ruf des Muezzins zentral über Radio erschallen zu lassen. Statt der „Kakophonie“ von beinahe 30’000 Muezzin-Rufern wird dann nur noch eine einzige Stimme über der ganzen Stadt zu hören sein.

Ein typischer Blindenberuf: „Ich wollte mehr wissen über den Beruf des Muezzins“. Also hat Kaegi, der in Giessen Theaterwissenschaften studiert hatte, rund 40 Muezzine in Kairo besucht und sie mit Hilfe eines Dolmetschers „gecastet“, bis er die vier gefunden hat, die in Berlin auf der Bühne zu sehen sind. Laut Kaegi repräsentieren sie den typischen Querschnitt ihres Berufs. So waren die meisten Gebetsrufer früher, als sie für ihren Ruf noch auf das Minarett stiegen, blind – damit sie nicht bei den Nachbarn in die Häuser schauen konnten. Heute nimmt Hussein Goda wie alle anderen ein Mikrofon in die Hand und lässt seine Stimme per Lautsprecher über die Dächer erklingen. Sein älterer Kollege Abd El-Mursi Abdel Samia mit schlohweißem Bart war Elektriker, bevor ihn ein Unfall zwang, seinen Beruf aufzugeben. Als er in einer Moschee aushalf, entdeckte man seine schöne Stimme. Der dritte Muezzin in Kaegis Stück heisst Mansur Abdel Salam, stammt vom Land und arbeitet nebenbei in einer Bäckerei, um seinen Lohn von 50 Euro im Monat aufzubessern. Der vierte schließlich ist ein Mann von Welt. „Als Kind wollte ich Fußballstar werden“, erzählt Mohammed Aly Farag in Anzug und Krawatte. Heute ist er ein preisgekrönter Koranrezitator, der an internationalen Wettbewerben teilnimmt. Der Mittdreißiger repräsentiert nicht nur die neue Generation von Gebetsrufern – er ist auch einer der insgesamt 30 Muezzine, deren Stimmen für den künftigen Radio-Ruf ausgewählt wurden.

Dominospielen geht nicht: Die Arbeit mit den Muezzinen stellte sich für Kaegi als Gratwanderung heraus. Was interessiert den westlichen Zuschauer? Wie vermeidet man Klischees über den Islam? Wie viel Freiraum gestattet man den Protagonisten? „Es ist ein enges Korsett, in dem wir uns bewegen“, sagt Kaegi. Kompromisse seien unumgänglich. Anders als beim Dokumentarfilm, wo die besten Interviews zusammengeschnitten werden, hat der Theatermacher keine Macht über den Originalton seiner Darsteller. „Es gab viele Textstellen, die ich wieder kippen musste, weil sie den Muezzinen im Verlauf der Proben missfallen haben“. Manches verweigerten die vier Männer auch schlichtweg. Etwa, Domino auf der Bühne zu spielen – obwohl das zu ihrem Alltag gehört. Oder sich auf der Bühne hinzulegen. „Sie sind stolz auf ihren Beruf und wollen sich von der besten Seite zeigen“, erklärt Kaegi. Ein gewichtiges Wort mitzureden hatten auch die Imame der Moscheen, aus denen die Gebetsrufer stammen. Und das ägyptische Staatsministerium für religiöse Stiftungen, der offizielle Arbeitgeber der Muezzine.

Dem Ministerium missfiel unter anderem, dass die Kandidaten nicht so gebildet waren und ein Blinder darunter war. Doch zu guter Letzt bekamen die Muezzine tatsächlich Urlaub. Allerdings hat Kaegi „Radio Muezzin“, das von der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia gefördert wurde, vor der Abreise nur einmal in Kairo gezeigt. Der Regisseur wollte nicht riskieren, dass seinen vier Hauptdarstellern womöglich doch noch im letzten Moment die Ausreise verboten wird. {www.swissinfo.ch, Paola Carega, Berlin – 09. März 2009}

http://www.swissinfo.ch/ger/kultur/Wenn_im_Berliner_Theater_der_Muezzin_ruft.html?cid=948716

Schweizer inszeniert in Kairo ein Muezzin-Theater

Der Schweizer Regisseur Stefan Kaegi hat in Kairo ein Theaterstück über Muezzins inszeniert. Noch ist nicht klar, ob die Aufführung auch in Europa auf Tournee gehen kann.

Der letzte Ton der Koranverse ist verklungen, das Licht auf der Bühne erloschen und der Applaus verstummt. Das Team um den Schweizer Regisseur Stefan Kaegi hat es geschafft, ihr dokumentarisches Theaterstück „Radio Muezzin“ in Kairo aufzuführen, allerdings nur ein Mal und nur in einer geschlossenen Veranstaltung vor geladenem Publikum. Bis zuletzt hatte es Befürchtungen gegeben, die ägyptischen Behörden könnten das Vorhaben noch stoppen. Die Bühne im Sawy-Kulturzentrum, das unter einer der meistbefahrenen Brücken in der 18-Millionen-Metropole liegt, ist eine Mischung aus Moschee und Radiostudio. Ausgestattet mit roten Teppichen, Schuhgestell, elektronischer Uhr mit den Gebetszeiten, Deckenventilatoren und grünen Lampen, wie sie zur typischen Einrichtung jedes muslimischen Gebetshauses in Kairo gehören. Die Protagonisten sind zwei Muezzins, ein pensionierter Muezzin, ein Vizeweltmeister im Koransingen und ein Radioingenieur, die ihre eigene Geschichte erzählen. Auf Fotos und Videoprojektionen ist das Milieu zu sehen, in dem sie sich bewegen.

Am Rand der Gesellschaft: Das Stück ist eine Teamarbeit zwischen Stefan Kaegi, vier jungen ägyptischen Künstlern (Dramaturgie, Bühnenbild, Video, Musik) und den ägyptischen Darstellern. Ursprünglich sollte der Regisseur sich den Taxifahrern in der Megacity annehmen. Er entschied sich aber für die Gebetsausrufer, nachdem er erfahren hatte, dass das ägyptische Religionsministerium dabei ist, den fünfmaligen Gebetsruf zu zentralisieren und damit das traditionelle Stimmengewirr in der Stadt der 30000 Moscheen abzuschaffen. „Mich hat dieser Übergang interessiert, der Menschen betrifft, die im sozialen Leben keine Rolle spielen“, erklärt Kaegi im Gespräch. Er hat seine Darsteller selbst gesucht und den Wünschen des Ministeriums nicht entsprochen, sich auf den Kreis der 30 Auserwählten zu beschränken, die in Zukunft den zentralisierten Gebetsruf rezitieren. Es sollte keine Propagandashow werden. Auf der Bühne steht nun ein Blinder und Muezzins, die nicht die offizielle Ausbildung von Alazhar, der wichtigsten muslimischen Ausbildungsstätte, durch­laufen haben. Sie singen für wenig oder gar kein Geld. Dieses ungeschönte Bild war es, das den ägyptischen Behörden zu schaffen macht, und nicht etwa der Inhalt oder das Konzept des Stückes, das eine Produktion des HAU Berlin in Zusammenarbeit u. a. mit dem Goethe-Institut Kairo, Pro Helvetia und dem Steirischen Herbst ist. Weder der Minister noch die Protagonisten hatten Mühe mit der Idee, die Moschee auf die Theaterbühne zu bringen. Muslime können ihre Religion überall ausüben. In Kairo gibt es keinen Ort, an dem nicht gebetet würde. Bei den Proben wurde auch mal gelacht, etwa bei der Demonstration der rituellen Waschungen vor dem Gebet. Anklang fanden vor allem der dokumentarische Charakter und die Tatsache, dass keine fabulierenden Schauspieler eingesetzt werden, sondern Betroffene in ihrer eigenen Sprache erzählen. Sie sind aber sehr zurückhaltend, oft muss der Zuschauer kleine Nuancen deuten. Am wenigsten gibt der Vizeweltmeister im Koransingen – er ist einer der 30 Auserwählten – von sich preis. Sein teurer Anzug lässt aber darauf schließen, dass er mit seiner schönen Stimme sehr viel Geld verdient.

Einblick in den ägyptischen Alltag: Kommt die Zentralisierung, würden die gezeigten Muezzins ihren Beruf oder ihre Berufung verlieren. „Warum nehmen sie uns Gottes Lohn, wie er uns im Koran versprochen wird?“, sagt der eine. Sie sollten die Vielfalt belassen, aber nur Muezzins mit schönen Stimmen auswählen, meint der zweite, und der dritte erklärt, er warte, bis ihm das Ministerium sage, was er jetzt zu tun habe; ein Spektrum von Reaktionen und Meinungen, wie sie auch in der ägyptischen Bevölkerung zu finden ist. „Das Stück schafft einen Einblick in den ägyptischen Alltag, wie man ihn als Tourist nicht zu sehen bekommt“, begründet Kaegi seine Überzeugung, dass „Radio Muezzin“ auch beim europäischen Publikum auf Interesse stößt. Gibt es Gelegenheit für weitere Proben, würde er gerne die Konturen der einzelnen Charaktere noch weiter schärfen. Bei der Aufführung in Kairo war auch ein Vertreter des Religionsministeriums anwesend und hat sich fleißig Notizen gemacht. Noch gibt es keine Hinweise, ob die Behörden den ägyptischen Darstellern die Ausreise erlauben und damit die Tournee, die im August 2009 ans Theater-Spektakel nach Zürich, aber auch nach Berlin und Graz führen sollte, zustande kommt. Kaegi hofft, dass die Diskussion und die Öffentlichkeit um das Theaterstück bei einer Tournee in Europa auch dazu führen, dass anschließend weitere Aufführungen, dann vor einem größeren Publikum, in Ägypten möglich sind. {Von Astrid Frefel, Kairo. Aktualisiert am 11.12.2008}

http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/theater/Schweizer-inszeniert-in-Kairo-ein-MuezzinTheater/story/10196715

Ihr Leben ist meist alles andere als glamourös, sie leben fern von ihren Familien und oft sind sie nicht viel mehr als die Hausmeister ihrer kleinen Moscheen; Staubsaugen und Lampenwechseln gehört oft ebenso zu ihrem Job wie der Gebetsaufruf für die Gläubigen. Sie mögen das Bild des Islam prägen, doch der Alltag der Muezzine ist karg. Rund dreißigtausend Muezzine rufen allein in Kairo sechsmal täglich um die Wette – und setzen dabei nicht selten auf Lautstärke mehr als auf Virtuosität. Das soll sich jetzt ändern: Der ägyptische Minister für religiöse Angelegenheiten will im kommenden Jahr den zentralisierten Muezzin einführen. Über Radio sollen nur noch dreißig auserwählte Ausrufer in alle Moscheen gleichzeitig übertragen werden – tausende Muezzine verstummen. Rimini Protokoll, bekannt für ihr dokumentarisches Theater, das stets „echte Menschen“ mit ihren eigenen Geschichten auf die Bühne bringt, stellt nach indischen Callcenter-Angestellten, arbeitslosen Fluglotsen, Trauerrednern und bulgarischen Fernfahrern nun jene in den Mittelpunkt, die in den heißen politischen Debatten um den Islam nicht auftauchen: einen blinden Koranlehrer, der jeden Tag zwei Stunden mit dem Minibus zur Moschee fährt; einen oberägyptischen Bauernsohn und ehemaligen Panzerfahrer, der täglich den Teppich seiner Moschee saugt; einen Elektriker, der nach einem schweren Unfall begann, den Koran auswendig zu lernen, und einen Bodybuilder und Vizeweltmeister im Koranrezitieren, dessen Kassetten sich unter Taxifahrern großer Beliebtheit erfreuen. Sie sind Hauptdarsteller einer Rekonstruktion ihres eigenen Lebens, Ich-Vertreter einer religiösen Kultur, deren vielfältige Gesichter in Europa oft auf einfache Feindbilder reduziert werden.

http://www.steirischerherbst.at/2009/deutsch/kalender/kalender.php?eid=8

 

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