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Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Christenverfolgung im Irak – Unglaublich, aber leider real! 7. Juli 2010

Filed under: Christenverfolgung — Knecht Christi @ 03:37

{Einwohner: 28,8 Millionen – Größe: 438 317 qkm (so groß wie Deutschland und Österreich zusammen) – Religion: Muslime: 96% – Christen: 3,2% (darunter 300 000 Katholiken) – Sonstige: 0,8%}

Die Entführung und der Tod von Erzbischof Paulos Faraj Rahho im März 2008 schockierte die Welt und machte ihr plötzlich klar, dass es da einen Aspekt in der Irak-Krise gibt, der bislang weitgehend übersehen worden war: diese uralte kirchliche Gemeinschaft war in eine heftige Verfolgung geraten, mit möglicherweise fatalen Konsequenzen. Die Angriffe auf die Christen waren jetzt ebenso blutig wie unerbittlich. Schon unter der Gewaltherrschaft von Saddam Hussein mussten die Christen ihren Teil an Not und Leid ertragen, besonders bei den Massakern und Vertreibungen im nördlichen, kurdischen Teil des Irak im Jahr 1988. Aber sie hatten überlebt, und nach dem Sturz Saddam Husseins durch die Amerikaner schauten sie nun mit vorsichtiger Hoffnung auf die neue Zeit nach dem Baath-Regime.

Anfangs nur vereinzelte Angriffe auf Christen: Direkt nach der Invasion im Jahr 2003 schienen solche Hoffnungen noch berechtigt – doch nur allzu schnell sollte sich die Lage ändern. Anfangs waren es nur vereinzelte Angriffe auf Christen, auf ihre Geschäfte, auf ihre Einrichtungen; dann aber häuften sich die Attacken und richteten sich auf breiter Front gegen die Präsenz der Kirche im Irak, gegen die uralte christliche Kultur in diesem Land, die zurückreicht bis in die Anfänge der Kirche, bis in die Zeit der Apostel und ersten Missionare.

Die Angriffe auf fünf Kirchen in der Hauptstadt Bagdad und im nord-irakischen Mossul am 4. August 2004 markierten den Beginn einer systematischen Kampagne militanter Kräfte, die anscheinend das Ziel hatten, alle christlichen Spuren im Land auszuradieren. Hatte es zuvor so ausgesehen, als hätten die Christen in dem ausgebrochenen Chaos von Krieg und Bürgerkrieg einfach nur das Schicksal aller Iraker zu teilen, stellte sich nun heraus, dass gerade die Christen sich zur Zielscheibe fundamentalistischer Fanatiker entwickelten. Die Christen wurden mehr als alle anderen ethnischen oder religiösen Gruppen im Irak Opfer von Gewaltaktionen von beispielloser Brutalität und In tensität. Trotz des – wenn auch nur mühsam vorankommenden – Aufbaus neuer zivilgesellschaftlicher Strukturen und trotz der Demokratisierung mussten die Christen erleben, dass der neue Staat ihnen nur einen sehr unzureichenden Schutz gewährte.

Islam offizielle Religion: Am 15. Oktober 2005 stimmte das irakische Volk in einem Referendum über die neue Verfassung ab. Sie wurde mit großer Mehrheit angenommen. Artikel 2 dieser neuen Verfassung legt einerseits fest, dass der Islam die offizielle Religion des Landes ist und damit auch die Quelle für Gesetz und Rechtsprechung, und dass kein Gesetz erlassen werden darf, welches den universell gültigen Lehren des Islam widersprechen würde. Andererseits legt der gleiche Artikel 2 aber auch fest, dass kein Gesetz erlassen werden darf, welches den Grundsätzen der Demokratie oder grundlegenden Freiheitsrechten, darunter auch Meinungs-, Gewissens- und Religionsfreiheit, widersprechen würde. Führende Persönlichkeiten der Kirche sehen die neue Lage mit sehr gemischten Gefühlen. Zum einen ergaben sich durchaus positive Entwicklungen für die christliche Gemeinschaft: so ist es den Christen jetzt zum Beispiel erlaubt, eigene politische Parteien zu gründen; auch haben die Christen ehemals kirchliche schulische Einrichtungen zurückerhalten, die unter Saddam Hussein verstaatlicht worden waren.

Einfluss der Scharia wächst: Zum anderen aber sehen die Kirchenvertreter mit großer Sorge, dass islamisches Denken und der Einfluss der Scharia im politischen und gesellschaftlichen Leben deutlich zugenommen haben. Durch den Ausbruch der Gewaltwelle gegen die Christen überall im Land sind solche theoretischen Erwägungen aber in den Hintergrund getreten. Für die Kirche geht es in dieser dramatischen Entwicklung jetzt um das nackte Überleben. In dem ausgebrochenen Bürgerkrieg im Irak kämpfen militante Gruppen der Schiiten auf der einen und der Sunniten auf der anderen Seite um die Vorherrschaft. Etwa zwei Drittel der Muslime im Irak sind Schiiten (die unter Saddam Hussein stark unterdrückt worden waren und jetzt ihre Chance gekommen sehen) und ein Drittel Sunniten (die unter Saddam Hussein sehr einflussreich waren und jetzt Racheaktionen der Schiiten fürchten). In den gewaltsamen Auseinandersetzungen ging und geht es unter anderem darum, “konfessionell saubere” Wohnviertel zu schaffen. Die Christen gerieten in diesem Kampf zwischen Schiiten und Sunniten schnell zwischen die Fronten. Vor allem in Bagdad, bis dahin ein wichtiges Zentrum der Christen im Irak, gingen bewaffnete Gruppen von Haus zu Haus und forderten die Christen, die sie dabei aufspürten, auf, entweder zum Islam zu konvertieren oder die Gegend zu verlassen. Manchmal forderten sie große Geldsummen für das Recht, bleiben zu dürfen (entsprechend der traditionellen islamischen Schutzsteuer, der jizja) oder sie drohten die gewaltsame Vertreibung an.

Kriminelle Banden und Lösegelderpressung: In manchen Fällen wurden die Familienväter aufgefordert, eine ihrer Töchter herzugeben, damit sie mit einem der muslimischen Männer aus der bewaffneten Gruppe verheiratet würde. Kriminelle Banden nutzten die aufgrund der chaotischen Lage im Land fehlende Strafverfolgung aus, um durch Entführung und Lösegelderpressung das schnelle Geld zu machen. Christen waren dabei ihre bevorzugten Opfer, da sie zu den besser gebildeten und damit zahlungskräftigeren Schichten im Land gehören und selbst keine bewaffneten Schutztruppen haben, die eingreifen oder Vergeltung üben könnten. Unter diesem extremen Druck von allen Seiten sahen viele verzweifelte Christen den einzigen Ausweg in der Flucht. Zu Hunderttausenden flohen sie aus ihrer Heimat, suchten Zuflucht entweder im etwas sichereren, kurdisch geprägten Norden des Irak oder gingen in die Nachbarländer des Irak, vor allem nach Jordanien und Syrien. Eine Volkszählung im Jahr 1987 ermittelte noch 1,4 Millionen Christen im Irak. Schon nach dem zweiten Golfkrieg 1990 verließen viele Christen das Land wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage unter dem UN-Embargo. Unmittelbar vor dem Einmarsch der amerikanischen Truppen im März 2003 war ihre Zahl bereits auf etwa 800 000 gesunken. Durch die nachfolgende Entwicklung ist ihre Zahl mittlerweile dramatisch geschrumpft auf heute weniger als 350 000.

Zahlreiche Christen fliehen in den Norden: Viele Christen haben die großen Städte, wie Bagdad oder Basra, wo es früher Tausende von Christen gab, verlassen und suchen nun Zuflucht im Norden, im kurdischen Teil, wo die Lage vergleichsweise ruhig und einigermaßen sicher ist. Hier sollen inzwischen um die 50.000 Christen leben, besonders in der Niniveh-Ebene nord-westlich von Mossul. Leider herrscht aber auch hier keine völlige Sicherheit für die Christen. In Mossul zum Beispiel wurde im Juni 2007 Ragheed Aziz Ganni, ein Priester der chaldäisch-katholischen Kirche, zusammen mit drei Diakonen auf offener Straße erschossen, als sie gerade von der Sonntagsmesse kamen. Neun Monate später dann wurde ihr Bischof, Monsignore Paulos Faraj Rahho, unmittelbar nach einer Kreuzwegandacht entführt. Sein Fahrer und zwei Begleiter wurden auf der Stelle erschossen. Die Entführer verlangten unter anderem ein Lösegeld in Millionenhöhe, Waffen und die Freilassung arabischer Häftlinge.

Alleingelassen, isoliert, vergessen: Appelle aus aller Welt (darunter auch von Papst Benedikt XVI.) an die Entführer, den Erzbischof freizulassen, hatten keinen Erfolg. Nach zwei bangen Wochen wurde der Erzbischof dann tot aufgefunden. In einem Interview versuchte der chaldäisch-katholische Erzbischof der nord-irakischen Stadt Kirkuk, Monsignore Louis Sako, im Sommer 2008 die Welt zum wiederholten Male auf die dramatische Lage der Christen aufmerksam zu machen. “Die Christen gehören zu den ältesten Bewohnern des Iraks.” Sie leben dort praktisch seit Anbeginn des Christentums. “Doch sie werden oft Opfer von Gewalt allein deshalb, weil sie Christen sind. Die irakischen Christen fühlen sich alleingelassen, isoliert und vergessen”!

Januar 2007: Auf einer Erkundungsreise von Mitarbeitern von KIRCHE IN NOT in den Norden des Iraks (in das autonome kurdische Gebiet, nach Ankawa und nach Kirkuk) wurden die Verzweiflung und das Leid von Tausenden von Christen offenbar, die aus den südlichen Landesteilen hierher geflohen waren, als man sie mit brutaler Gewalt aus ihren Wohngebieten verjagte. Die Erkenntnisse dieser Erkundungsreise waren grundverschieden von denen, die man bei der vorherigen Reise in das gleiche Gebiet im Juni 2003 gesammelt hatte, nur wenige Wochen nach Einmarsch der amerikanischen Truppen. Im Reisebericht heißt es: “Nach dem Sturz Saddam Husseins gab es so viele Zeichen der Hoffnung! Jetzt aber haben die Menschen das verzweifelte Gefühl, nur Gott selbst könne ihnen noch helfen”. Der Bericht schließt mit einem dringenden Aufruf zu massiver Hilfe für die verfolgten und vertriebenen Christen im Irak, für ihr tägliches Überleben, aber auch für ihre kirchlichen Einrichtungen: für ihre Universität, das Babel-Kolleg für Theologie und Philosophie, und für ihr Priesterseminar St. Peter; beide mussten aus dem gefahrvollen Bagdad verlegt werden nach Ankawa im Norden des Irak. Dort leben die Studenten in Wohncontainern unter einfachsten Bedingungen; auch brauchen sie dringend theologische Literatur und vernünftige Unterrichtsräume.

Mai 2007: In Bagdad, im südwestlichen Stadtteil Dora, der wegen der vielen Christen dort scherzhaft auch als der „Vatikan des Irak” bezeichnet wurde, steckten randalierende Muslime die assyrisch-orthodoxe Kirche des Heiligen Georg in Brand.
Mai 2007: Drei Tage nach seiner Entführung wurde der chaldäische Priester Nawzat Hanna wieder freigelassen. Die Geiselnehmer hatten ein hohes Lösegeld gefordert; nach schwierigen Verhandlungen hatte man sich schließlich geeinigt.
Mai 2007: Nach dem Angriff auf die Kirche des Heiligen Georg kam es in Bagdad-Dora zu weiteren Gewaltaktionen. Hunderte von Christen wurden brutal vertrieben. Extremisten gingen von Haustür zu Haustür, um Christen aufzuspüren, und forderten sie auf, zum Islam überzutreten. Sollten sie dieser Aufforderung nicht nachkommen, müssten sie eine “Schutzgebühr” bezahlen (bis zu 100.000 US-Dollar wurden verlangt) oder das Gebiet verlassen. Falls nötig, würde man mit Gewalt “nachhelfen” oder sie töten.
Als weitere Möglichkeit, sich das Bleiberecht zu “erkaufen”, wurde gelegentlich angeboten, eine der Töchter herauszugeben, damit sie mit einem Muslim verheiratet werde. Ein islamischer Geistlicher gab sogar eine Fatwa heraus, in der er erklärte, die Häuser der Christen seien jetzt rechtmäßiger Besitz der muslimischen Gemeinde. Weihbischof Shlemon Warduni gegenüber KIRCHE IN NOT: “Die Christen im Westen glauben nicht mehr an die Hölle. Sie sollten einmal hierher kommen – dann würden sie ihre Meinung schnell ändern. Hier finden sie die Hölle auf Erden”. Die Kirche half denjenigen, die am stärksten bedroht und gefährdet waren, in den als sicherer geltenden Norden des Iraks umzusiedeln. Allerdings hat das auch fatale, aber wohl unvermeidliche Folgen für die christliche Gemeinde in Bagdad. Dazu der Redemptoristenpater Bashar Warda: “Wenn die Dinge so weitergehen, wird es bald kaum noch Christen in Bagdad geben”.
Juni 2007: Am 3. Juni 2007 wurde in Mossul der chaldäisch-katholische Priester Ragheed Aziz Ganni zusammen mit drei Subdiakonen, die ihn begleiteten, kurz nach der Sonntagsmesse erschossen. In den Monaten vor seiner Ermordung hatte er drei Briefe erhalten, die ihm verbieten wollten, eine Kirche zu betreten, die Messe zu feiern oder Versammlungen abzuhalten.
Juni 2007: Im Juni 2007 wurde in dem stark islamistischen Bagdader Stadtteil Dora das Kloster der chaldäischen Schwestern vom Heiligen Herzen von einer Gruppe Terroristen umzingelt, als die zwei dort wohnhaften Nonnen gerade abwesend waren. Bei ihrer Rückkehr fanden sie das Kloster geplündert und in eine Militärstation verwandelt vor. Am gleichen Tag wurden die Kirchen St. Johannes der Täufer und St. Jakob im Bagdader Stadtteil Dora angegriffen. Die letztere soll in eine Moschee verwandelt worden sein.
Juni 2007: Zwei Wochen nach seiner Entführung wurde der chaldäisch-katholische Priester
Hanni Abdel Ahad aus dem Stadtteil Suleikh im Nordosten Bagdads wieder freigelassen, gegen Zahlung eines hohen Lösegelds. Er war am 6. Juni 2007 zusammen mit fünf jungen Christen verschleppt worden.
Juli 2007: Der chaldäisch-katholische Weihbischof Andreas Abouna berichtet, dass in
Zusammenarbeit mit Gemeinden anderer Riten in weniger bedrohten Zonen von Bagdad Notaufnahmelager für vertriebene Christen eingerichtet wurden. Etwa 6000 Christen seien dort schon aufgenommen worden. Sämtliche Kirchen im Stadtteil Dora hätten wegen der andauernden Gewalt geschlossen werden müssen. Auch im Stadtteil Karkh sei es inzwischen zu Anschlägen auf die Christen gekommen.
Oktober 2007: Der chaldäisch-katholische Bischof Antoine Audo aus Aleppo im Norden Syriens, der sich dort intensiv um irakische Flüchtlinge kümmert, sagte während eines Vortrags in London: “Dies alles könnte das Ende der Christenheit im Irak bedeuten. Es wäre sehr traurig, aber auch gefährlich: für die Kirche, für den Irak und für die Muslime selbst. Denn es wäre zugleich das Ende eines jahrhundertelang bewährten Zusammenlebens von Muslimen und Christen. Wenn Muslime und Christen im Nahen Osten nicht in der Lage sind, friedlich zusammenzuleben, bedeutet dies auch für den Westen eine große Gefahr in der Zukunft”.
Oktober 2007: Am 13. Oktober 2007 wurden in Faisaliya, einem Stadtteil in Mossuls Norden, zwei syrisch-katholische Geistliche, der Priester der St. Thomas-Gemeinde Mazer Ishoa Mattoka und sein Vikar Pios Affas, auf dem Weg zur Kirche Unsere Liebe Frau von Fatima entführt, wo sie eine Trauerfeier abhalten sollten. Die Entführer forderten Lösegeld.
Januar 2008: Eine Serie von Sprengstoffanschlägen traf am 6. Januar 2008 insgesamt sechs Kirchen in Bagdad und in Mossul. Eine Person wurde verletzt. Der Sachschaden hielt sich zum Glück in Grenzen. Der Termin schien bewusst gewählt zu sein: an dem Tag feierten viele orthodoxe Kirchen ihr Weihnachtsfest und die katholischen Gemeinden ihr Fest “Erscheinung des Herrn”.
Januar 2008: Nur drei Tage später, am 9. Januar 2008, explodierten in Kirkuk im Norden des Irak zwei Autobomben: die eine vor der chaldäisch-katholischen Kathedrale vom “Heiligen Herzen”, die andere vor der syrisch-orthodoxen Kirche “Mar Ephrem”. Zum Glück gab es auch hier keine Toten und Verletzten, nur Sachschaden. Der chaldäisch-katholische Erzbischof von Kirkuk, Monsignore Louis Sako, verstand die offenbar koordinierten Anschläge als eine “politische Botschaft an die Christen”. Erzbischof Sako erhielt umgehend Bekundungen der Anteilnahme und der Bestärkung, insbesondere auch von führenden Muslimen seiner Stadt, zu denen er gute Beziehungen unterhält: “Als erstes kamen die einfachen Leute aus der Nachbarschaft und erklärten ihre Solidarität, dann die führenden Leute, Politiker, und auch sunnitische und schiitische Geistliche”.
Februar 2008: Im Februar 2008 wurde auf Initiative von Erzbischof Louis Sako in Kirkuk ein überkonfessioneller “Rat der Christen” gegründet, zu dem 30 Mitglieder aus den unterschiedlichen christlichen Kirchen gehören: aus der assyrischen, chaldäischen, armenischen, syrisch-orthodoxen und syrisch-katholischen Kirche. Er soll die Zusammenarbeit und den Zusammenhalt der Christen fördern im sozialen, kulturellen und interreligiösen Bereich.
Februar 2008: Am 29. Februar 2008 wurde Erzbischof Paulos Faraj Rahho aus Mossul im Nordirak nach einer Kreuzwegandacht von Entführern verschleppt. Sein Fah rer und zwei Begleiter wurden auf der Stelle erschossen. Kurz darauf forderten die Entführer Lösegeld, zunächst eine, später drei Millionen US-Dollar, und stellten politische Forderungen. Die Christen sollten sich beteiligen am Kampf gegen die amerikanischen Truppen, entweder durch die Bereitstellung von Waffen oder durch Geld. Und schließlich forderten sie die Freilassung arabischer sunnitischer Gefangener. Erzbischof Rahho war schwer herzkrank und auf Arzneimittel angewiesen, deswegen war die Sorge um ihn groß. Zwei Wochen später kam dann der Anruf von den Entführern, Erzbischof Rahho sei tot, man habe ihn provisorisch bestattet, der genaue Ort wurde mitgeteilt. Erzbischof Louis Sako aus Kirkuk, der an den Verhandlungen mit den Entführern beteiligt war, sagte: “Anfangs glaubte ich, es handle sich um Kriminelle, die auf das Geld aus waren. Inzwischen glaube ich etwas ganz anderes. Das Ganze hat System”. Und ein Priester aus Kirkuk ergänzte: “Sie setzen uns unter Druck, damit wir Mossul verlassen und die Kirche aufgeben. Viele christliche Familien in Mossul haben inzwischen Angst: erst haben sie Priester und den Bischof getötet; wer kommt als nächstes”?

April 2008: Am 5. April 2008 wurde der syrisch-orthodoxe Priester Youssef Adel Abody aus dem Stadtteil Karrada in Bagdad auf offener Straße erschossen. Er war Leiter einer Oberschule, die sowohl von muslimischen als auch christlichen Schülern besucht wurde. Mehrfach schon hatte er Drohbriefe erhalten, die ihn aufforderten, die Gegend zu verlassen.

Juli 2008: Kirche in Not erhält Berichte aus Mossul, dass die Zahl der Flüchtlinge, die sich in den Nordirak gerettet haben, insbesondere in die Niniveh-Ebene, bereits bei 50 000 liegt. Die meisten seien in den letzten zwei Jahren hierher gekommen. Angesichts des Massen-Exodus der Christen aus ihren Heimatgebieten steigt die Sorge über die Zukunft der Christen im Irak. In einigen Gegenden, wo es in der Vergangenheit größere christliche Gemeinden gegeben habe, stehe inzwischen das Überleben der Kirche auf dem Spiel.

September 2008:
Auf Initiative des chaldäisch-katholischen Erzbischofs von Kirkuk, Louis Sako, trafen sich zum Auftakt des Fastenmonats Ramadan in der katholischen Kathedrale führende Persönlichkeiten der verschiedenen Religionen und Kon fessionen: Christen und Muslime, Sunniten und Schiiten, Araber, Kurden und Turkmenen, Geistliche, Stammesführer, Politiker, Angehörige des Militärs. Ziel war es, für den Frieden im Land zu beten. Während des Treffens wurden von verschiedener Seite Gebete, Texte aus den Heiligen Schriften, Lieder, Hymnen und Psalmen vorgetragen. “Nur das Gebet vermag Versöhnung zu stiften und Frieden herbeizuführen. Gebet ändert unsere Herzen und unser Denken und hilft uns, offen füreinander zu sein und die Unterschiede zwischen uns in positiver Weise anzunehmen”, so Erzbischof Sako. Ein sunnitischer Imam erinnerte daran: “Im frühen islamischen Kaliphat gab es zahlreiche dynamische Christen, die auf vielfache Weise mit den Muslimen zusammenarbeiteten. Heute brauchen wir das wieder. Wir danken der katholischen Kirche, dass sie uns hier zusammenbringt”.

 

One Response to “Christenverfolgung im Irak – Unglaublich, aber leider real!”

  1. ChristeIrakerAraber Says:

    Israel und USA sind schuld ohne deren Krieg in unserem IRAK würde es diese Verfolgung nicht geben


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