kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Mohamed und die Beschneiderin 24. Juni 2010

Filed under: Pater Zakaria & co. — Knecht Christi @ 02:40

Alle 11 Sekunden wird irgendwo auf der Welt ein Mädchen Opfer weiblicher Genitalverstümmelung. Weltweit leben mehr als 150 Millionen Mädchen und Frauen, die an ihren Genitalien verstümmelt wurden. Jedes Jahr werden erneut etwa drei Millionen Mädchen Opfer dieser Praktik: das sind 8.000 jeden Tag!

Der Ursprung des Brauchs der Beschneidung ist weitgehend ungeklärt. Vermutlich haben patriarchale Stammesgesellschaften die Beschneidung beider Geschlechter eingeführt. Älteste Überlieferungen des Rituals deuten auf Volksgruppen, die in wasserarmen, wüstenähnlichen Regionen lebten. Die Nomaden insbesondere Nord- und Ostafrikas sowie Australiens und deren Nachfolgereligionen sind auch heute noch die Träger der religiösen Beschneidung.

Medizinhistoriker vermuten, dass bereits im Altertum die Beschneidung zur Kontrolle des Geschlechtslebens der Sklaven und der Unterschicht dienen sollte, ohne gleichzeitig die Fruchtbarkeit zu beeinflussen. Religionsgeschichtlich kann eine Erklärung des Brauchs als Ablösung vom Menschenopfer gesehen werden. In vorgeschichtlicher Zeit wurden den Göttern, die besänftigt und milde gestimmt werden sollten, Menschen als Opfer dargebracht. Auch war die Kastration von unterworfenen Feinden und Sklaven üblich. Im Zuge religiöser Umbrüche opferte man schließlich nurmehr etwas von jenem Teil des Mannes, der für die Weitergabe des Lebens zuständig und sogar der Ursprungsort für neues Leben war und damit Gott beziehungsweise den Göttern am nächsten stand. Diese Reform war ein Pars pro toto-Opfer (Pars pro toto = Ein Teil steht für das Ganze), das in der biblischen Tradition und für den skizzierten Zusammenhang von Menschenopfer (hier Opferung des Sohnes Isaak) Beschneidung und Fruchtbarkeit exemplarisch, Abraham als erster vornahm (Gen 17,12).

Die Beschneidung im Islam: Die Beschneidung wird zwar nicht nur in islamischen Staaten und an Moslems vorgenommen, sondern auch an Christen, Juden und Hinduisten. Man sollte aber bedenken, dass in Indonesien, dem größten islamischen Land (in Indonesien leben etwa 238 Millionen Moslems, in Saudi-Arabien dagegen etwa nur 27 Millionen), etwa 96% der Mädchen spätestens im Alter von 14 Jahren aus “religiöser Pflicht” Genitalverstümmelungen erleiden müssen (New York Times, 20. Januar 2008). Im Islam wird die Genitalbeschneidung teilweise unter Berufung auf einige Hadithe, den Worten des Propheten Mohammeds, religiös legitimiert (Vorkommen im Islam). Die Beschneidung des männlichen Geschlechtsteils und damit die Entfernung der Vorhaut ist für die muslimischen Männer Pflicht und wird in der Regel bei männlichen muslimischen Kindern schon frühzeitig, oft als Baby, von den Eltern veranlasst.

Die Beschneidung der Jungen im Islam:
Dem bereits vor-islamischen Brauch auf der arabischen Halbinsel entsprechend, wird die Beschneidung heute noch bei Muslimen als ein Zeichen der Religionszugehörigkeit im Kindesalter, bis zum Alter von 13 Jahren, durchgeführt. Die Beschneidung des männlichen Geschlechtsteils und damit Entfernung der Vorhaut ist für die muslimischen Männer Pflicht und wird in der Regel bei männlichen muslimischen Kindern schon frühzeitig, oft als Baby, von den Eltern veranlasst. Da die Beschneidung Voraussetzung für die Gültigkeit des Umkreisens der Kaaba bei der Pilgerfahrt nach Mekka ist, ist sie im Prinzip für alle männlichen Moslems Pflicht. Es entspricht dem Vorbild der Propheten beschnitten zu sein. Es gilt als eines der Zeichen des Prophetentums, dass die Propheten bereits beschnitten, also ohne Vorhaut, geboren werden.

In manchen Ländern (der Türkei) werden Jungen erst im späteren Kindesalter beschnitten und die Zeremonie mit einer großen Familienfeier verbunden, wobei sich islamische Elemente mit traditionellen Elementen mischen. Die Beschneidung wird im Koran nicht explizit erwähnt, ist aber ausdrücklich in der Sunna (den Worten und Handlungen des Propheten Mohammeds, die nicht im Koran stehen) beschrieben und wird heute meist als integraler Bestandteil des Islams angesehen, da sie für die rituelle Reinheit unverzichtbar ist. Die Gültigkeit ritueller Handlungen, wie etwa des fünfmal täglichen Gebets, hängt von der rituellen Reinheit des Betenden ab. Die islamischen Rechtsschulen haben die männliche Beschneidung zur Pflicht erklärt.

Aussage des Propheten in einem Hadith (die Summe der Hadithen entsprechen der Sunna): „Abu Huraira berichtete: Der Gesandte Allahs sagte: Zur natürlichen Veranlagung gehören fünf Dinge: Die Beschneidung (der Männer/Jungen), das Abrasieren der Schamhaare, das Schneiden der (Finger- und Fuß-) Nägel, das Auszupfen (bzw. Rasieren) der Achselhaare und das Kurzschneiden des Schnurrbarts.“ (Sahih Muslim: Buch 2, Nummer 495, 496).

Zur Beschneidung der Mädchen im Islam: Der Koran erwähnt weder die Beschneidung von Mädchen/Frauen noch diejenige von Jungen/Männer. In der Regel wird die Genitalbeschneidung unter Berufung auf einige Hadithe im Islam religiös legitimiert, denn Hadithe (Aussprüche, die dem Propheten Mohammed zugeschrieben werden) bilden neben dem Koran die zweite Quelle des islamischen Rechts. Hierbei handelt es sich allerdings um eine bestimmte Eingriffsform, die sogenannte „leichte Beschneidung“. Bei dieser Beschneidungsart findet nur ein leichtes Entfernen des äußerlich sichtbaren Teils der Klitorishaut statt. Extreme Formen wie die Infibulation werden vom Islam also in keiner Weise legitimiert, auch sind keine islamischen Rechtsquellen vorhanden, die eine Beschneidung der kleinen oder großen Schamlippen erwähnen.

Das am häufigsten zitierte Hadith im Zusammenhang mit der Beschneidung von Frauen gibt eine Diskussion zwischen Mohammed und Om Habiba wieder. Diese Frau war als Beschneiderin von Sklavinnen bekannt und gehörte zu den Frauen, die mit Mohammed immigriert waren. Nachdem er sie entdeckt hatte, fragte er sie, ob sie immer noch ihren Beruf ausübe. Sie bejahte und fügte hinzu: „unter der Bedingung, dass es nicht verboten ist und du mir nicht befiehlst, damit aufzuhören“. Mohammed erwiderte ihr: „Aber ja, es ist erlaubt. Komm näher, damit ich dich unterweisen kann: Wenn du schneidest, übertreibe nicht, denn es macht das Gesicht strahlender und es ist angenehmer für den Ehemann“. Nach anderen Überlieferungen sagte Mohammed: „Schneide leicht und übertreibe nicht, denn das ist angenehmer für die Frau und besser für den Mann“. (Andere Übersetzung: „Nimm ein wenig weg, aber zerstöre es nicht. Das ist besser für die Frau und wird vom Mann bevorzugt“. „Die Beschneidung ist eine Sunnah (Pflicht) für die Männer und ehrenhaft für die Frauen“.

Dieses Hadith wird verschieden interpretiert. Eine Ansicht besagt, dass sich das „ist besser für die Frau und wird vom Mann bevorzugt“ auf das „zerstöre nicht“ bezieht. Mohammed hätte dann mit der vorislamischen Tradition nicht brechen wollen, bevorzugte selbst aber deren Unterlassung. Eine andere Deutung geht davon aus, dass es sich um eine Ehrung handelt, eine freiwillige ehrenvolle Tat, deren Unterlassung nicht bestraft wird, im Gegensatz zur Sunna (Die Anhänger bezeichnen sich als Sunniten.), die ein alle (sunnitischen) Muslime verbindendes Brauchtum darstellt, das eingehalten werden soll. Zu diesen Deutungen kommt hinzu, dass der Islam das Recht der Frau auf sexuelle Befriedigung, wenn sie verheiratet ist, ausdrücklich anerkennt. Die männliche Beschneidung ist jedoch im Islam unumstritten.

Keine der vier sunnitischen Rechtsschulen (Schafiiten, Hanbaliten, Malikiten, Hanafiten) spricht sich gegen die Mädchenbeschneidung aus, denn sie findet Erwähnung in den Überlieferungen. Die Schafiiten halten sie sogar für eine religiöse Pflicht. In den Ländern des Nahen Ostens und Ostafrikas, in denen die schafiitische Rechtsschule dominiert, ist sie deshalb auch allgemein verbreitet. Auch einer überlieferten hanbalitischen Position zu Folge ist die Mädchenbeschneidung Pflicht. Die Malikiten sehen die Beschneidung von Mädchen als Prophetentradition (Sunna) und dementsprechend als empfehlenswerte Tat an. Die Hanafiten wie auch manche Hanbaliten halten sie für lediglich ehrenhaft (Ehrung).

In den alten Schriften findet sich keinerlei Kritik an der Mädchenbeschneidung. Heutige Gegner der Beschneidung argumentieren mit Koranversen, die hervorheben, dass der Mensch von Allah in seiner optimalen Form geschaffen wurde: „Allah, der alles gut gemacht hat, was Er erschuf. Und Er begann die Schöpfung des Menschen aus Ton“ (Sure 32,7). „Ich (Satan) werde sie (die Diener Allahs) verführen und falsche Wunschvorstellungen in ihnen erwecken, und ich werde ihnen befehlen, manchem Herdentier die Ohren einzuschlitzen und die Schöpfung Allahs zu verunstalten. Wer den Satan anstatt Allah zum Beschützer nimmt, der hat gewiss verloren“ (Sure 4,119).

Der oben zitierte Hadith gilt aber als daif, also als schwach. Dies bedeutet, der Hadith ist inhaltlich und bezüglich des Isnad* unzulänglich: er hat demzufolge eine unvollständigen Isnad (Zeugenkette), einen Sammelisnad, der die Rücküberprüfung, ob der Prophet dies tatsächlich aussagte, nicht zulässt. Es war den Muslimen bereits im 2. Jh. islamischer Zeitrechnung bekannt, dass Hadithe gefälscht wurden. [Der Isnad ist die Kette der Überlieferer eines Hadith, die als Stütze für die Authentizität einer Aussage des Propheten Mohammed dient]. Auf Initiative des Menschenrechtsaktivisten Rüdiger Nehberg beschloss am 23. November 2006 eine internationale Konferenz von Islam-Gelehrten in der Al-Azhar-Universität Kairo, dass die Beschneidung weiblicher Genitalien nicht mit der Lehre des Islams zu vereinbaren sei. Bereits im Jahre 2005 hatten islamische Gelehrte in Somalia, wo die Infibulation nahezu flächendeckend praktiziert wird, eine Fatwa, ein islamisches Rechtsgutachten, veröffentlicht, die sich gegen die Beschneidung an Mädchen richtet.

Die Beschneidung im Judentum:
Folgt man der Bibel (Gen 17,10–14), so wurde die Beschneidung unter den Israeliten von ihrem mythischen Stammvater Abraham eingeführt, der meist auf etwa 1800–1600 v. Chr. datiert wird. Neuere Forschungen gehen davon aus, dass erst unter Mose, also etwa 1400–1200 v. Chr. beziehungsweise erst während der babylonischen Gefangenschaft um etwa 600 v. Chr. die Juden diese Praktik übernahmen und ritualisierten. Dadurch wurde die Beschneidung von Neugeborenen (Brit Mila), die am achten Tag nach der Geburt stattzufinden hat, zur Pflicht. Die Beschneidung wird im Judentum als Eintritt in den Bund mit Gott angesehen. Diesen Bund ging Gott nach jüdischer Überlieferung mit Abraham (und seiner Familie) ein; daher wird der Beschneidungsbund auch als „Abrahams Bund“ bezeichnet. Die Juden berufen sich dabei auf (Gen.17:10.14). Dort heißt es in der Übersetzung Martin Luthers: „Das aber ist mein Bund, den ihr halten sollt zwischen mir und euch und deinem Geschlecht nach dir: Alles, was männlich ist unter euch, soll beschnitten werden; eure Vorhaut sollt ihr beschneiden. Das soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und euch. Jedes Knäblein, wenn’s acht Tage alt ist, sollt ihr beschneiden bei euren Nachkommen. Wenn aber ein Männlicher nicht beschnitten wird an seiner Vorhaut, wird er ausgerottet werden aus seinem Volk, weil er meinen Bund gebrochen hat“ (Gen.17:10-14).

Die Beschneidung im Christentum: Die Christen übernahmen zuerst die Beschneidung vom Judentum. Mit dem Ende des antiken Judenchristentums als eigener Strömung verschwand dann die Beschneidung im Christentum zunächst fast ganz, außer bei einigen orientalischen und afrikanischen Völkern, die die Beschneidung aus ihrem vorchristlichen Glauben übernommen hatten. Einige christliche Kirchen wie die Koptisch-Orthodoxe Kirche, Äthiopisch-Orthodoxe Kirche sowie die Eritreisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche praktizieren allerdings die Beschneidung der Knaben weiterhin.

Die Beschneidung der Mädchen: Zunächst sollen einmal vier unterschiedliche Beschneidungsmethoden vorgestellt werden, die bei Mädchen praktiziert werden:
= Klitoridektomie: die Klitoris wird zum Teil oder ganz weggeschnitten.
= Exzision: die Klitoris und die inneren Labien (Schamlippen) werden entfernt.
= Introcision: zusätzlich werden Haut und Gewebe aus der Vagina ausgeschabt
= Infibulation: zusätzlich zu den inneren Labien (Schamlippen) werden auch noch die äußeren Labien teilamputiert und der Rest so zusammengenäht, dass nur eine ca. reiskorngroße Öffnung zum urinieren und zum Blutabfluss bleibt.

Welche Auswirkungen hat das? Bei der Infibulation bedeutet das, das urinieren dauert ca. eine halbe Stunde, die Menstruation mehr als 2 Wochen. Es bleiben Reste des Blutes und abgestorbene Schleimhautreste in der Vagina und es kommt zu Entzündungen. Manchen Kindern werden die Schamlippen zusammengenäht, anderen werden sie mit Dornen zusammengedrückt und die Oberschenkel zusammengepresst und umwickelt, bis nach 2 Wochen die Zusammenwachsung beginnt. Viele Kinder sterben, verbluten nach dem Ritual oder sterben am Wundfieber der Entzündung. Da die „Instrumente“ nicht sterilisiert werden, wird so auch AIDS übertragen. Anhaltende Schmerzen, chronische Entzündungen (vor allem der Blase), Inkontinenz (Harnschwäche), Sterilität (Unfruchtbarkeit) sind oft die Folgen. Die psychischen Folgen sind Schlaf-, Ess-, Konzentrationsstörungen, Depressionen bis hin zu Selbstmorden. So ist es wohl auch verständlich, dass eine sexuelle Abneigung besteht.

Sexuelle Kontakte sind mit großen Schmerzen verbunden, bei manchen Frauen wird die Vagina teilweise vom Ehemann zum Zwecke des Geschlechtsverkehrs aufgeschnitten. Auch zur Geburt werden die Vaginen der jungen Frauen, auf Drängen der Verwandten und vor allem des Ehemannes, wenn alles normal läuft, für eine erneute Hochzeitsnacht, erneut aufgeschnitten, und danach wieder zugenäht. Bei der weiblichen Genitalverstümmelung handelt es sich um Eingriffe an den äußeren weiblichen Genitalien: Fast ausnahmslos wird die Klitoris zum Teil oder vollständig amputiert (Klitoridektomie). Bei der Exzision werden über eine teilweise oder vollständig Entfernung der Klitoris hinaus auch die inneren Labien (Schamlippen) teilweise oder vollständig herausgeschnitten. Es kommt vor, dass zusätzlich Haut und Gewebe aus der Vagina ausgeschabt werden (Introcision). In etwa 15 Prozent aller Fälle werden außerdem die äußeren Labien (Schamlippen) teilamputiert und über der Vagina so miteinander vernäht, dass lediglich eine reiskorngroße Öffnung für Urin und Menstruationsblut verbleibt (Infibulation).

Genitalverstümmelung wird vor allem in 28 afrikanischen Ländern praktiziert, kommt aber auch im Süden der arabischen Halbinsel (Vereinigte Arabische Emirate, Oman, Jemen: siehe: Afrikakarte) und in Teilen Asiens vor (Indonesien, Malaysia, Indien). Die Begründungen, die zur Rechtfertigung dieser Praktik angebracht werden, sind vielfältig, meist widersprüchlich und variieren von Ethnie zu Ethnie sowie regional. Sie beruhen zumeist auf Mythen und Überlieferungen, der Unkenntnis biologischer und medizinischer Fakten oder dem (missinterpretierten) Islam. In der Regel handelt es sich um eine gesellschaftliche Norm, deren Missachtung mit Ächtung bestraft wird. Tatsächlich geht es um die Kontrolle weiblicher Sexualität und Fruchtbarkeit im Rahmen männlicher Machtansprüche!

Die Verstümmelungen verursachen bei den Frauen körperliche, seelische und sexuelle Schäden, die zu drastischen Beeinträchtigungen der Lebensqualität, häufig sogar zum Tod führen können. Gesundheitliche Folgen können u.a. sein: hoher Blutverlust, andauernde Schmerzen, (chronische) Infekte (einschließlich HIV-Übertragung), Inkontinenz (Urinverlust) oder Sterilität (Unfruchtbarkeit). Die Infibulation kann zu immensen Beschwerden bei Wasserlassen, Menstruation und Sexualverkehr führen, und stellt ein erhebliches Geburtsrisiko für Mutter und Kind dar. Darüber hinaus können auch psychische Wunden entstehen, u.a. wird von Schlaf-, Ess- und Konzentrationsstörungen sowie Depressionen bis hin zum Suizid berichtet. Viele Frauen leiden aufgrund der extremen Tabuisierung still.

Die Beschneidung der Jungen:
Nun einige Worte zur Beschneidung der Jungen. Die Beschneidung von Jungen ist übrigens weiter verbreitet als die Beschneidung von Mädchen. Bei der Beschneidung der Jungen wird normalerweise die Vorhaut entfernt. Bei den meisten Beschneidungen bleibt das Vorhautbändchen, das sogenannte „Frenulum breve“, erhalten. Allerdings lassen sich manche aus eigenem Willen aus das Vorhautbändchen wegschneiden. Die Vorhaut bezeichnet beim Mann die Eichel des Penis umgebende Haut, die hinter die Eichel zurückgezogen werden kann. Auch die Klitoris, das bei der Frau dem Penis entsprechende Organ, ist mit einer Vorhaut versehen. Die Vorhaut ist eine Reservefalte für die Verlängerung des Penis bei der Erektion. Dass die männliche Vorhaut und dem Frenelum bei der Sexualität eine wichtige Bedeutung zukommt, kann man der folgenden Beschreibung entnehmen: „Jedoch muss beachtet werden, dass die Vorhaut einen der sensibelsten Bestandteile des Penis darstellt, dessen Funktion für die Sexualität deshalb nicht außer Acht gelassen werden kann. Sie ist etwa so sensibel wie die Lippen oder die Fingerspitzen. Folglich beinhaltet die durchschnittliche Vorhaut über 73 Meter Nervenfasern und über 20.000 Nervenenden. Die Beschneidung der Vorhaut ohne Betäubung ist wahrscheinlich in etwa so schmerzhaft, als ob man den kleinen Finger ohne Betäubung abschneidet.

Für viele Männer spielt die Vorhaut aufgrund ihrer Erogenität eine bedeutende Rolle in ihrem Sexualleben (so ist beispielsweise oft durch ihre alleinige Stimulation ein Orgasmus möglich). Auch eine Beschädigung oder Entfernung des Frenulums im Zuge der Beschneidung kann kritisch betrachtet werden. Dieser Teil des Penis ist bei vielen Männern empfindsamer als die Eichel selbst und kann auch bei einigen sexuellen Praktiken wie z. B. Fellatio (orale Sexualität) eine bedeutende Rolle spielen. Dies gilt freilich auch für den hochsensible Bereich der Vorhaut, in dem die äußere Haut in die innere Schleimhaut übergeht, der wie viele Schleimhautgrenzen eine hocherogene Zone ist“. „Die Beschneidung birgt ebenfalls ein Risiko für bewusste oder unbewusste Operationstraumata. So zeigt Menage, dass Behandlungen im Genitalbereich bei Angehörigen beiderlei Geschlechts zu einer posttraumatischen Belastungsstörung (kurz: PTBS bzw. PTSD= posttraumatisches Syndrom) führen können. Entscheidende Faktoren für die Ausprägung der PTBS sind nach Menage: 1. Gefühle der Machtlosigkeit und des Kontrollverlusts, 2. fehlende Zustimmung, 3. fehlende Information darüber, was während der Untersuchung gesehen soll, 4. fehlendes Einfühlungsvermögen durch den untersuchenden Arzt und 5. die Erfahrung von physischem Schmerz“. „Die Beschneidung von Jungen stellt objektiv eine körperliche Verletzung dar, die ohne Betäubung starke Schmerzen verursacht und in Ausnahmefällen dauerhafte Schäden oder gar den Tod nach sich ziehen kann.“ Siehe auch Anteil der beschnittenen Männer an der Gesamtbevölkerung:

Religiöse Begründung für die Beschneidung: Wie sehr die Beschneidung religiös begründet ist, kann man an folgender Aussage erkennen: „Im Jahr 2008 kam es zu einem Streit zwischen Autoren, die im Deutschen Ärzteblatt einen Artikel veröffentlichten und zahlreichen muslimischen und jüdischen Verbänden wie der muslimischen Vereinigung Millî Görüş und Vertretern jüdischer Gemeinden auf der orthodoxen Rabbinerkonferenz. In dem Artikel begründeten diese Autoren (die Ärzte) ihre Ansicht, dass es strafbar sei, sich an einer religiösen Beschneidung zu beteiligen“.

Die Rechtslage bei der Beschneidung: „Wird eine Beschneidung bei einem nicht einwilligungsfähigen muslimischen Jungen ohne wirksame Einwilligung der oder des Personensorgeberechtigten (also in der Regel der Eltern) vorgenommen, stellt dieser Eingriff nach einer Entscheidung des Oberlandesgerichtes Frankfurt a. M. eine Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts und eine rechtswidrige Körperverletzung dar, wobei insofern nach bisheriger Rechtsprechung ein Neunjähriger nicht, ein Zwölfjähriger hingegen in der Regel durchaus einwilligungsfähig bzw. einsichtsfähig ist“. Von einem Zwölfjährigen allerdings zu erwarten, er könne die Tragweite solcher Entscheidungen überblicken, empfinde ich als einen Skandal.

 

4 Responses to “Mohamed und die Beschneiderin”

  1. Patriot Says:

    Die Beschneidung, unabhängig ob bei Mädchen oder Jungen, aus religiösen Gründen, ist eine barbarische Sitte.
    Sie sollte, nein sie muss gesetzlich verboten werden. Lediglich aus gesundheitlichen Überlegungen mag eine solche berechtigt sein, doch gibt es dafür keinerlei Fakten.
    Auch muss das Mindestalter auf 18 Jahre herauf gesetzt werden. Ein unmündiges Kind darf auf keinen Fall beschnitten werden.

  2. Bazillus Says:

    Die Beschneidung bei Minderjährigen sehe ich persönlich als einen direkten Eingriff in die Persönlichkeitsrechte in Form einer vorsätzlichen Körperverletzung an und lehne sie ab. Ich meine, wenn ein 18-jähriger Mann sich aus religiösen Gründen beschneiden lassen will, soll er dies ausführen lassen. Gleiches gilt für die Frau, die es mit Sicherheit ablehnen würde, wenn sie wählen dürfte. Ich meine, dass es eines körperlichen Zeichens der Zugehörigkeit einer Religionsgemeinschaft, egal welcher, absolut nicht bedarf. Der bewusste Zugehörigkeitswille ist eher eine geistige Komponente. Als Christ kann man ein Kreuz tragen, als Jude eine Kippa oder ein Muslim ein Schwert. Kein Elternteil weiß, ob sein Kind einmal Muslim, Jude oder Christ bleiben will. Die folgen dieser Körperverstümmlung kann nicht zurückgenommen werden. Von der Taufe, die ja ein geist(l)iges Sakrament ist, kann sich jeder Christ bewusst lossagen.

    Ich meine, dass die Beschneidung insbesondere von Mädchen ein Verbrechen ist. Die Jungenbeschneidung hat zwar uralte Tradition, ist meines Erachtens jedoch bei auch religiösem Denken kein Erfordernis, das Himmelreich zu erreichen. Denn Gott hat den Menschen nun einmal so erschaffen, wie er geboren wurde, mit Vorhaut. Er sah, dass seine Schöpfung gut war. Wollen wir ihm ins Handwerk pfuschen und Kritik an Gottes Schöpfung in der Durchführung einer Beschneidung üben? Ist das nicht eine menschliche Anmaßung? Selbst wenn die Beschneidung im alten Testament verlangt worden ist, so weiß man, wie einige Negativworte Gott von den Menschen in den Mund gelegt wurden. Würden diese Worte nicht dazu gehören?

  3. Bazillus Says:

    Sorry, Tippfehler: Folgen, geist(l)iches,

  4. Mohamed Says:

    vielen Dank für diese interessante These die ich nirgendwo im deutschsprachigen Web gefunden habe


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