kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Diese Türkei hat in Europa nichts verloren 16. Juni 2010

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 21:22

Der türkische Premier Erdogan kehrt zu den antiwestlichen Wurzeln des politischen Islam zurück und entfremdet sein Land von der EU. Es ist ein Mythos, dass die Türkei als Brückenkopf in den Nahen Osten dienen kann. Die Türkei driftet derzeit in eine völlig andere Richtung.

Vor einigen Tagen hat US-Verteidigungsminister Robert Gates ungewöhnliche Kritik an der EU geübt. Angesichts der antiwestlichen Politik Ankaras warf er Europa vor, die Türkei abgewiesen und vom Westen entfremdet zu haben. In einem Interview mit der FAZ pflichtete Italiens Außenminister Franco Frattini ihm bei und sagte, er wolle sich mit seinem deutschen Kollegen dafür einsetzen, dass das Thema Türkei innerhalb der EU diskutiert werde. Rom möchte den Beitrittsprozess gerne beschleunigen. Frattini und Gates pflegen hier einen weitverbreiteten Mythos. Dabei ist Ankara genauso an der gegenseitigen Entfremdung schuld wie Europa. Es gibt jedenfalls eine Reihe von Staaten in der Welt, die sich zum Westen zugehörig fühlen, ohne – wie die Türkei – in der Nato zu sein oder gar in der EU, und die sich dennoch nicht dem Iran und der Hamas an den Hals werfen. Die Umorientierung der Türkei entspringt denn auch keiner Kränkung durch die EU, sondern strategischem Kalkül und der islamistischen Ideologie der herrschenden AKP.

So stürmte Israel das Gaza-Schiff: Die Türkei will einer der bedeutenden Spieler auf der nahöstlichen Bühne werden und positioniert sich deshalb als Konkurrent des Westens und seiner Führungsmacht USA. Und der gegenwärtige heftige Antiisraelismus der türkischen Regierung ist auch durchsetzt mit Ablehnung des Westens als Ganzes.

Die Türkei für diesen Kurs belohnen? In gewisser Weise kehrt Premier Recep Tayyip Erdogan zu den antiwestlichen Wurzeln des politischen Islam zurück. Die seit einiger Zeit zu beobachtende tektonische Verschiebung der türkischen Außenpolitik wird aber im Westen weiter hartnäckig geleugnet. Lieber hält man an der Fiktion fest, die Türkei könne als Brückenkopf nach Nahost dienen. Aber wann genau hat Ankara sich zum letzten Mal in der Region für westliche Werte eingesetzt oder westliche Interessen befördert? Eben.

Israelisches Militär veröffentlicht Videobilder: Sturm auf ein Schiff der türkischen Freedom Flotille: Das israelische Militär hat nun Videobilder veröffentlicht. Sie sollen zeigen, dass Passagiere zunächst mit Stühlen und Eisenstangen auf israelische Soldaten eingeschlagen haben. Viel zu erkennen ist allerdings nicht. An der Brutalität der Auseinadersetzung lassen die Fotos keinen Zweifel. Mit schweren Eisenstangen gehen Passagiere des Schiffes und Soldaten aufeinander los. Die Situation eskaliert. Laut israelischen Militärberichten wird hier ein Soldat von Demonstranten auf dem Schiff über Bord geworfen. Passagiere der „Mavi Marmara“ sollen hier eine Blendgranate auf israelische Soldaten geworfen haben. Ein Speedboat eskortiert die Mavi Marmara. Demonstranten protestieren nach dem Angriff der Mavi Marmara in Istanbul gegen Israel. Keine 24 Stunden nach dem israelischen Militäreinsatz hat die UN in New York eine Dringlichkeitssitzung einberufen. Vor allem die Türkei machte Israel schwere Vorwürfe. Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu verurteilt den israelischen Sturm auf das Schiff, das Hilfsgüter geladen hatte, scharf. Der stellvertretende israelische UN-Botschafter Daniel Carmon: Das Land spricht von Notwehr.

Geradezu aberwitzig wäre es da, die Türkei für ihren neuen Kurs auch noch mit einem beschleunigten Beitritt zur EU zu belohnen. Es ist schlimm genug, dass es in der Nato nun einen Staat gibt, der gegen westliche Interessen agiert. Diese Türkei hat in Europa jedenfalls nichts verloren. Stattdessen sollte die EU einen Preis für Erdogans unverantwortliche Politik definieren. Denn der glaubt ja, dass er den Westen ohnehin in der Tasche hat und sich deshalb ohne Risiko mit dem Iran, Syrien und der Hamas verbrüdern kann. Diese Illusion sollten wir ihm nehmen.

 

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