kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Christenverfolgung in Ägypten 5. Juni 2010

Filed under: Koptenverfolgung — Knecht Christi @ 23:30

{Einwohner: 75,5 Millionen (etwas weniger als Deutschland) – Fläche: 1 001 449 qkm (fast dreimal so groß wie Deutschland) – Religion: Muslime: 84,4% – Christen: 15,1% (darunter 195 000 Katholiken) -Sonstige: 0,5%}

Der Aufstieg der Muslimbruderschaft, einer islamistischen Bewegung, setzt die Christen in Ägypten zunehmend unter Druck. Das Land verfügt über die größte christliche Bevölkerung im Nahen Osten – vermutlich mehr als zwölf Millionen Menschen. Trotz ihrer großen Zahl sind die Christen (die meisten von ihnen sind koptisch-orthodox) nur „Bürger zweiter Klasse“, mit eingeschränkter Religionsfreiheit. Inmitten zunehmender Armut und anti-westlicher Stimmung, besonders seit Beginn des “Kriegs gegen den Terror” unter amerikanischer Führung, üben Gruppierungen von muslimischen Fundamentalisten auf verunsicherte und orientierungslose Menschen eine magische Anziehung aus. Bei den letzten Wahlen konnten Mitglieder solcher Gruppen fast zwanzig Prozent Stimmenanteil erzielen. Solche Gruppen werfen der Regierung von Staatspräsident Hosni Mubarak vor, sie sei zu sehr pro-westlich ausgerichtet; sie verlangen stattdessen die Einführung des vollständigen islamischen Rechts (Schariaa) und weitere Schritte, um nicht-muslimische Einflüsse im Land zurückzudrängen.

Probleme im Alltag: Obwohl in der ägyptischen Verfassung Religionsfreiheit garantiert wird, heißt es dort zugleich, dass die Scharia die grundlegende Quelle für Gesetz und Rechtsprechung sein soll. In der Praxis ist das Problem sogar noch größer: Christen ist es offiziell verboten, neue Kirchen zu bauen, obwohl sich gelegentlich doch Schlupflöcher finden. Wenn Muslime vor Ort dann auf entsprechende Baupläne der Kirchengemeinde aufmerksam werden, errichten sie oft gleich nebenan eine Moschee, oder sie schlagen die Christen zusammen, die in der Nähe des Grundstücks wohnen, wo die neue Kirche gebaut werden soll. Jeder Bürger ist verpflichtet, einen Personalausweis zu besitzen; darauf ist auch die Religionszugehörigkeit vermerkt. Das erhöht natürlich das Risiko, in den Ausbildungsstätten oder am Arbeitsplatz diskriminiert zu werden. In vielen Schulen wird es nicht geduldet, dass Christen sich als Klassenbeste herausstellen. Koptische Christen dürfen keinen Arabischunterricht erteilen, außer in den unteren Klassen, wo der Unterricht noch ohne den Koran erfolgt.

Von einflussreichen Positionen ausgeschlossen: Die Zahl der Berichte hat zugenommen, nach denen christliche Mädchen, nicht älter als vierzehn Jahre, entführt wurden, um sie mit muslimischen Männern zu verheiraten. Christen sind von einflussreichen Positionen in der Gesellschaft ausgeschlossen. Zunehmend wird von Vorkommnissen berichtet, wo Polizeibeamte nur zögerlich oder gar nicht eingegriffen haben, um kriminelle Handlungen gegen christliche Gemeinschafen zu verhindern. Das gilt besonders für „Rache-Angriffe“ von Islamisten als Vergeltung für kleinere Vorfälle, in die Christen verwickelt waren. Allerdings gibt es auch einige Anzeichen für eine Verbesserung der Lage. Jahrelang
wurden Muslime, die zum Christentum konvertierten, angeklagt wegen Glaubensabfall (Apostasie); ihnen blieb nur, das Land zu verlassen, um dem gewaltsamen Tod zu entgehen. Hier wurde nun im Februar 2008 ein Durchbruch erzielt, als das Oberste Verwaltungsgericht in Ägypten zwölf Konvertiten offiziell erlaubte, zu ihrem ursprünglichen koptisch-christlichen Glauben zurückzukehren, nachdem sie zwischenzeitlich zum Islam übergetreten waren. Die Anwälte der Christen priesen die Gerichtsentscheidung als einen “Sieg für die Religionsfreiheit in Ägypten”. Vielen Christen, die es satt haben, immer nur schlecht behandelt zu werden, gibt dies Gerichtsurteil einen kleinen Hoffnungsschimmer.

April 2007: In einem Interview mit Kirche in Not zeigte sich Bischof Johannes Zakaria aus Luxor besorgt über den zunehmenden Einfluss der Muslimbruderschaft in Ägypten. Bei Wahlen erhielten Politiker aus dieser islamistischen Bewegung immer mehr Stimmen. Sollte diese Tendenz anhalten, befürchtet der Bischof ernste Konsequenzen für die Christen im Land, denn die Muslimbruderschaft strebt danach, die Schariaa in all ihren Komponenten einzuführen und den Einfluss von Nicht-Muslimen zurückzudrängen. „Die Regierung hat große Angst vor der Muslimbruderschaft“, so der Bischof, „sie fürchtet um ihr eigenes Überleben“.

Mai 2007: Baugenehmigungen für Kirchen sind nur unter größten Schwierigkeiten zu erhalten; Moscheen sind von einem derartigen Problem nicht betroffen. Nicht selten geschieht es, dass Muslime auf die Nachricht, dass ein Kirchenbau beantragt wurde, rasch mit der Errichtung einer Moschee in unmittelbarer Nähe zu dem Baugrundstück beginnen, was den Kirchenbau dann de facto verhindert, weil Mindestabstände eingehalten werden müssen. Hin und wieder werden Muslime auch gewalttätig, um den Christen ein angemessenes Gebetshaus unmöglich zu machen. So geschah es beispielsweise Mitte Mai 2007 in dem Dorf Bamha, 25 km südlich von Kairo: Hier hatte der Imam verkündet, die “Ungläubigen” wollten ihre Kirche vergrößern (die Baugenehmigung dafür war erteilt worden), woraufhin eine Gruppe von Muslimen Häuser und Geschäfte der Kopten plünderten und in Brand steckten.

Juni 2007: In der Nacht zum 8. Juni 2007 griffen Muslime in Zawyet Abdel-Qader, einer Stadt westlich von Alexandria, zwei koptisch-orthodoxe Kirchen an; sie plünderten Geschäfte, die Christen gehörten, und verletzten sieben Christen. Am 12. Juni gab es einen weiteren Angriff, diesmal auf die Kirche Unserer Lieben Frau in Dekhila, ebenfalls westlich von Alexandria.

Februar 2008: Am 9. Februar 2008 beschied das Oberste Verwaltungsgericht die Anerkennung von zwölf Kopten, die zum Islam konvertiert und später zum Christentum zurückgekehrt waren, als “Menschen, die zu ihrer angestammten Religion zurückgekehrt sind”. “Dies ist ein historischer Entscheid. Ein Sieg für die Religionsfreiheit in Ägypten, gemäß Artikel 46 der Verfassung. Nun ist ein Grundsatzentscheid gefallen; dieser sollte gesetzlich festgeschrieben werden”, sagte Dr. Ramsis Elnagar, einer der Rechtsanwälte der Kläger. Der Gerichtsentscheid dürfte nun als Präzedenzfall für die 457 in verschiedenen Verwaltungsgerichten des Landes anhängigen Einsprüche dienen.

Mai 2008: Ende Mai 2008 wurden in Kairo in einem Stadtteil mit hohem christlichen
Bevölkerungsanteil vier koptische Christen erschossen: ein Juwelier und drei seiner Angestellten. Gestohlen wurde nichts. Am 31. Mai 2008 griffen bewaffnete Islamisten in der Provinz Minya das koptische Kloster Abu Fana an. Drei Mönche wurden misshandelt und zum Teil schwer verletzt. Ein anschließender Protestmarsch von dreihundert Kopten wurde von der Polizei aufgelöst. Dabei fielen Schüsse; ein Muslim wurde getötet, vier Christen wurden verletzt. Das Kloster soll restauriert und eine Klostermauer um das Gelände errichtet werden. Das rief Proteste von muslimischer Seite hervor.

Juni 2008: Der koptisch-katholische Bischof von Guizeh, Antonios Aziz Mina, hat angesichts der Ausschreitungen gegenüber Christen, zu denen es Anfang Juni gekommen war, dazu aufgerufen, dass die Christen weiterhin ein Gesicht der Liebe, der Freundschaft und der Brüderlichkeit zeigen. Das Böse sei leider immer laut und sichtbar, erklärte er gegenüber Kirche in Not. Daher sei es wichtig, ein authentisches Zeugnis der Liebe zu geben. Für Gewalt und Extremismus seien vor allem zwei Faktoren verantwortlich: Armut und Unwissenheit. Der Bischof rief dazu auf, beides in verstärktem Maße zu bekämpfen. Dies würde auch helfen, die Auswanderung zu verringern.

 

2 Responses to “Christenverfolgung in Ägypten”

  1. Leoni-Emilie Says:

    Durst nach gerechtem Frieden
    Gott, Heilige Weisheit,
    wir bitten Dich für die Opfer von Bequemlichkeit, Hass und Egoismus überall in der Welt.

    In vielen Ländern dieser Erde leiden Menschen unter Terror und Krieg. Sie leben in der Angst, die nächste Woche nicht mehr lebend zu erreichen, sie trauern um Angehörige, die bei Selbstmordattentaten oder im Krieg starben. Frauen werden vergewaltigt, Säuglinge sterben, Männer werden zum Militärdienst gezwungen, Kinder haben keine andere Perspektive, als sich als Kindersoldaten dem Bürgerkrieg anzuschließen. All dies ist keine Naturkatastrophe, sondern von Menschen gesteuert, die das Leiden ausnutzen und durch Halbwahrheiten Angst zu Hass verdrehen.

    Gott, Heilige Weisheit,
    öffne die Münder zum Widerspruch gegen vorschnelle Schuldzuweisungen und tödlichen Hass. Lass Deinen Geist der Gerechtigkeit durch die Herzen wehen, damit der Durst nach gerechtem Frieden nie aufhöre.

    Tag für Tag kämpfen viele Menschen gegen Hunger und Verelendung. Unzählige Menschen leiden unter dem globalisierten Wirtschaftssystem, das arme Länder mehr und mehr ins Elend treibt. Oft sehen wir nur die Probleme der deutschen Wirtschaft und übersehen dabei, wie viel größer das Elend bei unseren Handelspartnern ist.

    Gott, Heilige Weisheit,
    öffne Augen und Ohren für die Leiden unserer Mitmenschen. Erfülle unsere Herzen mit mitfühlender Weisheit, schenke uns Aufrichtigkeit und Selbstkritik.

    Gott, das Böse dieser Welt wird allzu oft auch noch in deinem Namen verübt. Unter Berufung auf dich wurden und werden überall fast auf der Welt Frauen diskriminiert, Minderheiten unterdrückt, Andersgläubige verfolgt, Terroranschläge verübt, Ungerechtigkeiten gerechtfertigt und Opfer zu vorschnellem Verzeihen genötigt.

    Umgekehrt begeben sich immer wieder viele Menschen in größte Gefahr, wenn sie sich zu Recht auf Deinen Namen berufen und gegen solches Unrecht protestieren.

    Gott, Heilige Weisheit,
    stärke diejenigen, die in Deinem Namen gegen Ungerechtigkeiten ankämpfen, und schenke ihnen Freunde und Mitstreiterinnen. Erfülle unsere Herzen mit mutiger Weisheit, schenke uns Tapferkeit und Ausdauer.

    Überall auf der Welt leiden Menschen an unheilbaren Krankheiten. Ihre Verwandten und Freunde müssen hilflos zuschauen, und würden doch gern helfen. Auch gibt es viele Menschen, denen psychische Konflikte den Weg in die Zukunft versperren. Hier fühlen wir uns hilflos und ratlos.

    Gott, Heilige Weisheit,
    heile, was zerbrochen ist, und steh denen bei, für die es keinen Trost gibt. Lass Deinen Geist des Trostes durch unsere Herzen wehen, damit bereits jetzt die Heilung beginnt, die Du dereinst vollenden wirst.

  2. Bazillus Says:

    Ein sehr schönes und insbesondere intensiv-sinnvolles Gebet. Danke.


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