kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Ein Mufti, der wie gerufen kam 31. Mai 2010

Filed under: Von hier und dort — Knecht Christi @ 03:06

Am vergangenen Mittwoch war der Großmufti von Syrien, Ahmad Badr Aldin Hassoun – er ist auch Vorsitzender des syrischen Schariarates – zu Gast bei der Konrad-Adenauer-Stiftung der CDU in Berlin. Dass gerade bei den Christdemokraten Orientschwärmer unter Karl-May-Niveau allzu häufig ihr Unwesen treiben, hat sich dabei wieder einmal erwiesen. Eine naive Idealisierung des „edlen Wilden“ und die uneingestandene Sympathie mit arabischem Chauvinismus jeder Art trieben viele peinliche Blüten beim ehemaligen Präsidenten des Europäischen Parlaments Hans-Gert Pöttering sowie bei Botschafter a.D. Gunter Mulack.

Ahmad Hassoun, der wechselweise als „Exzellenz“, „Eminenz“ und „Scheich“ tituliert wurde und zu den hochrangigen Vertretern seiner Religion gehört – ist in Deutschland und Europa kein Unbekannter. 2007 sprach er in Marburg, 2008 lud ihn Hans-Gert Pöttering bereits zu einer Rede ins EU-Parlament. Pöttering, seit vergangenem Jahr Vorsitzender der KAS, ließ es sich nicht nehmen, den Vortrag des Großmuftis ausführlich zu bevorworten. Hassoun erschien mit großem Gefolge sowie eigenen Sicherheitskräften, die das Publikum – etwa 700 Zuhörer waren gekommen – filmten und sorgfältig durchfotografierten.

Pöttering appellierte ans Gefühl und erinnerte sich an das köstliche Essen, das er bei Hassouns in Aleppo genossen hatte. Auch die Republik Syrien habe ihn durch das friedliche Miteinander der Religionen beeindruckt. Das Thema „Religion und Staat“ sei komplex und brisant, aber seine Exzellenz Hassoun habe sich ausdrücklich gegen Gewalt gewandt. Angesichts der chaotischen Verhältnisse im Irak habe Syrien zwei Millionen Christen aufgenommen (wie es denen dort geht, erwähnte er nicht). Auch Deutschland werde einen Teil von ihnen im Asylverfahren aufnehmen, wie ja auch viele der 4,5 Millionen Moslems Asylmigranten seien. Die Moslems in Deutschland seien im Übrigen voll integriert; dazu nannte er als Stichworte Köln, Marxloh, „Dialog“ und Islamkonferenz. Dann stellte er den Referenten des Abends mit einem kurzen Lebenslauf als Vertreter des moderaten Islam vor.

Scheich Hassoun, mit gepflegtem Turban und Bart, in wallendem Gewande, sprach nun über „Religionsfreiheit als Menschenrecht“. Er käme aus einem gesegneten Land. Abraham, Moses und Jesus kämen von dort und seien von dort gen Himmel aufgestiegen. „Wer den Glauben an einen dieser Propheten ablehnt, hat sie alle abgelehnt“. Warum seien diese Propheten nicht in ein anderes Land gesandt worden, warum alle nach (Groß-)Syrien, das derzeit aus fünf Staaten bestünde? Weil der Weg des Himmels ein Weg sei. Daher müssten alle Menschen, ob sie nun Thora, Bibel oder Koran folgten, auch Gott annehmen. Allerdings dürfe kein Mensch zur Religion gezwungen werden, diese müsse aus Liebe angenommen werden. Ziel jeder Religion sei der Frieden auf Erden. Hassoun beklagte, dass Waffen produziert und Menschen durch die Religion getrennt würden, die doch verbinden sollte. Ursachen von Kriegen sei jedoch nicht die Religion, sondern die Verhinderung der Religion. In diesem erbaulichen Stile ging es eine Weile weiter, und um die versteckten Tretminen zu erkennen, musste man schon ein geschulter Kenner der arabisch-islamischen Welt sein.

Verglichen mit anderen prominenten Gelehrten der arabischen Welt kann Ahmad Hassoun zu Recht als moderat gelten. Allein, was heißt das schon? Und weswegen sollte er als Dialogpartner für eine westliche Demokratie von Interesse sein? Baschar Al-Assad regiert Syrien mit militärischer Gewalt, seinem Geheimdienst werden politische Morde im Libanon zugeschrieben und die finanzielle und militärische Unterstützung von Hamas und Hizbollah ist ein offenes Geheimnis. Trotz des säkularen Anscheins, den der Staat sich gibt, ist die Scharia als wichtigste Quelle der Gesetzgebung in der Verfassung festgeschrieben. Dass der Großmufti Syriens öffentlich sowieso nichts äußern darf, was nicht auf der Linie von Assad liegt, macht ein Gespräch mit ihm umso überflüssiger. Es sei denn, Pöttering als Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung, setzt solche Einladungen und Auftritte gezielt ein, um die Platte vom friedfertigen Islam immer wieder ertönen zu lassen. Auch eine gewünschte Beeinflussung der Nahostpolitik seiner Partei ist denkbar.

Wenn sich Israel doch nur an die UN-Konventionen halten würde, dann würden Hamas und Hizbollahs Milizen schon am nächsten Tag ihre Waffen niederlegen, versicherte uns der Mufti. Den Gesichtern des gutmenschlichen Pensionärspublikums nach zu schließen, wurde die frohe Botschaft von mindestens zwei Dritteln gutgläubig geschluckt und für bare Münze genommen.

Seine originelle Erklärung für die bürgerkriegsähnlichen Erschütterungen im Irak oder für die gewalttätigen Wellen der Empörung, von denen die Umma bei jedem kritischen Windhauch erfasst wird, bestätigte den Verdacht, dass es sich auch bei dem friedlichen Mufti um einen eingefleischten Antisemiten handelt. Die Medien sind schuld! Sie säen absichtlich Zwietracht, emotionalisieren Konflikte und bringen die Religion überhaupt erst ins Spiel. Überraschend daran – oder eher doch nicht – dass selbst Al Jazeera dem Mufti zufolge von BBC und CNN kontrolliert wird, also von London und New York aus, um nicht zu sagen, vom jüdischen Großkapital? Märchenstunde statt Selbstkritik, das immer wiederkehrende Muster im fruchtlosen Dialog mit muslimischen Funktionären. Direkt aus dem Fabelreich kam auch das Lob auf seine Heimat Syrien und dessen Präsidenten. Der bräuchte keine Leibwächter, da ihn 22 Millionen Syrer einmütig mit ihrem Leben beschützten. Es gäbe dort auch keine Diskriminierung von Minderheiten, nur gleichberechtigte syrische Bürger, denn die Religionszugehörigkeit würde nicht im Pass vermerkt – außer bei Juden, vergaß Dr. Hassoun zu erwähnen. Ebenso wie er verschwieg, dass nicht alle Einwohner Syriens überhaupt einen Pass erhalten. Soweit im Osten nichts Neues.

Die Empörung über die Einladung des Muftis in die Konrad-Adenauer-Stiftung muss dennoch groß gewesen sein, denn sicherheitshalber wurden im Anschluss keine kritischen Nachfragen aus dem Publikum zugelassen. Stattdessen erging sich Botschafter a.D. Gunter Mulack, heute Vorsitzender der illustren Orient-Stiftung, in weitschweifiger Schmeichelei. Zerknirscht über Kreuzzüge und Inquisition lobte er den friedfertigen Islam, verunglimpfte das Alte Testament und pries dagegen den Koran und dessen wunderschönes Arabisch. Wenn doch nur alle Muslime den Koran im Original lesen und sich vernünftig über ihre Religion bilden könnten, säuselte Mulack.

Doch damit nicht genug, dieser ehemals ranghohe Vertreter deutscher Interessen schob dem „individualisierten und exzessiv materialistischen“ Westen auch noch die Hauptverantwortung an den Konflikten mit der islamischen Welt zu. Uns mangele es am Respekt für die Traditionen und Werte gläubiger Menschen. So endete der Abend im ungetrübt harmonischen Gespräch zwischen dem Mufti und seinem deutschen Adlatus.

Fazit: Eine schauerlich verlogene Veranstaltung, die sich nur dadurch erklären lässt, dass der Syrer von Pöttering eingeladen wurde, um die CDU-nahe Öffentlichkeit an israelfeindliche Positionen zu gewöhnen und die Verharmlosung der Islamisierung in permanenter Gehirnwäsche zu etablieren.

 

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