kopten ohne grenzen

Durch Gebet und Wort für verfolgte Kopten

Musliminnen lehnen Körperverschleierung überzeugt ab 21. Mai 2010

Filed under: Reportagen — Knecht Christi @ 23:53

Plädoyer für ein Burkaverbot in Belgien

BRÜSSEL. In Zusammenhang mit der Diskussion um das Burkagesetz in Belgien nimmt die bekannte Anthropologin und Arabistin Badra Djait, die Beraterin des flämischen Ministers für Integration Marino Keulen war, Stellung für das Burkaverbot.

       Belgien würde das erste Land der Welt werden mit einem Gesetz, das Menschen bestraft, die in der Öffentlichkeit „das Gesicht ganz oder teilweise verdecken“, so dass sie nicht mehr erkennbar sind. Obwohl es breiter gefasst ist als das, wird dieses Gesetz wohl auch als Burkaverbot bezeichnet. Mit anderen Worten, wer zukünftig eine Burka trägt, welche den ganzen Körper bedeckt, oder einen Nikab, der nur die Augen freilässt, kann mit bis zu sieben Tage Gefängnis bestraft werden.

       Als flämische Frau algerischer Herkunft kann ich den Vorschlag nur begrüßen. Wie kann man als eine westliche muslimische Frau sorglos eine Burka tragen, das international bekannte Symbol aus Afghanistan, und zugleich erklären, dass es nichts mit der ultimativen Unterlegenheit und Unterdrückung der Frau zu tun hat? Im Land meiner Eltern, Algerien, ist die „Burka“ nicht erwünscht und der aus Saudi-Arabien importierte typische lange schwarze Niqab wird verabscheut. Während in Brüssel Frauen mit einer Burka oder einem Niqab angestarrt werden, werden sie in Algier schikaniert. Vor ein paar Jahren stiegen in Algier eine Frau mit langem schwarzem Niqab und ihr bärtiger Mann in den öffentlichen Bus ein. Nach einigen Minuten verließen sie schnell den Bus. Sie wurden buchstäblich rausgemobbt von den algerischen Mitreisenden. Ich vermute, dass die Algerier in diesem charakteristischen Gesichtsschleier das Symbol der Furcht und des Schrecken vor religiösem Fundamentalismus sahen, der das Land in den neunziger Jahren terrorisierte. Sie wissen, was der Schleier, der eine religiös-politische Botschaft vermittelt, bedeuten kann.

Ich bin deshalb immer wieder überrascht, dass mehrere Organisationen bereit sind, sich diesem Gesetz zu widersetzen. Nach Amnesty International verstößt ein generelles Verbot des Schleiers gegen die Menschenrechte, insbesondere die der Religionsfreiheit und der Meinungsfreiheit. Weiß diese Organisation denn nicht, dass die religiösen Fanatiker – besonders vor den 11. September – politisches Asyl im Westen bekamen und ihren Kampf für einen religiösen Staat in ihrem Herkunftsland, unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit und das Rechts auf freie Meinungsäußerung fortsetzten? Manchmal denke ich, dass diese Organisationen sich nur mit einem rein theoretischen ideologischen Kampf beschäftigen.

       Eine andere Organisation, Human Rights Watch, ist gegen das Burkaverbot, weil die Wahlfreiheit der Frauen geschützt werden soll. Laut dieser Organisation ist ein individuelles Vorgehen notwendig um diese Frauen zu schützen. Soll die Regierung also die Tracht jeder Bürgerin untersuchen und sie fragen, ob sie ja oder nein gezwungen wurde, den Niqab oder eine Burka zu tragen? Auch islamische Organisationen sind gegen den Vorschlag. Die Organisation „Baas Over Eigen Hoofd” (Herr über den eigenen Kopf, d. Ü) (Boeh!) meint, dass es keinen spezifischen Gesetzesvorschlag geben sollte für die wenigen Frauen, die hier mit einer Burka herumlaufen. Die Bemerkung, dass dieses Problem sich kaum stellt, und so nicht dringend ist, kann nicht stimmen. Die Situation in anderen europäischen Ländern zeigt, dass das Problem sich bald auch bei uns deutlich stellen wird.

Die muslimische Exekutive, der offizielle Ansprechpartner in Bezug zum Islam in Belgien, die vor einigen Jahren in den Medien noch erklärte, dass die Burka kein religiöses Symbol ist, und sie dem Islam nicht adäquat wäre, nennt das Verbot heute „Freiheitsberaubung“ und „diskriminierend“. Auch sie berufen sich auf die Religionsfreiheit. Anfangs dachte ich, dass der Kampf von einigen muslimischen Organisationen eigentlich nicht um das Recht auf Nikab oder Burka geht, sondern vielmehr ein Kampf ist um Anerkennung, die Akzeptanz der muslimischen Bürger als Mitbürger. Ich glaube nicht wirklich mehr an diese edlen Motive Einiger. Denken Sie bloß an die Organisation Sharia4Belgium, die kürzlich öffentlich erklärte, sich für einen islamischen Rechtsstaat in Belgien einzusetzen (Übersetzung aus Liberales.de von R. Mondelaers).

muslimische Autorin Emel Zeynelabidin im Interview über Integration „Das Kopftuch ist überflüssig“

Emel Zeynelabidin hat den Kopf frei bekommen. Seit 2005 trägt die gläubige Muslimin kein Kopftuch mehr und hat damit große Kontroversen unter Muslimen ausgelöst. HNA.de hat mit ihr gesprochen

Kassel – Emel Zeynelabidin (49), geboren in Istanbul, lebt seit ihrem zweiten Lebensjahr in Deutschland. Mit 16 wurde sie ihrem zukünftigen Ehemann versprochen, gleich nach dem Abitur heiratete sie. 2005 trennte sich die sechsfache Mutter von ihrem Mann und legte nach 30 Jahren ihr Koptuch ab. Heute arbeitet sie als freie Autorin und engagiert sich in islamischen Vereinen in Berlin.

HNA.de: Frau Zeynelabidin, sind Sie ohne Kopftuch ein freierer Mensch?
Zeynelabidin: Ohne Kopftuch lebt es sich heute eindeutig besser. Ohne Kopftuch habe ich mich von neuem kennen lernen können und ich wundere mich sehr darüber, dass dieser Prozess von Selbsterkenntnis solchen Einflüssen wie einem kollektiven Religionsverständnis unterworfen sein kann. Ich erlebe mich vor allem als Frau anders als vorher, aber auch als Mitglied dieser Gesellschaft, in der ich lebe: ich bin eine von vielen und falle nicht mehr mit dem Kennzeichen einer Gruppenzugehörigkeit auf. Wer sagt, dass eine Frau ihren Glauben wie eine Fahne heraushängen muss?

Ist die Diskussion ums Kopftuch entscheidend für die Integration in Deutschland?
Zeynelabidin: Es geht um die kritische Situation der verhüllten Frauen seit der Kopftuchdebatte. Es gab Fälle von Gewalt an verhüllten Frauen, die auf das Tragen eines Kopftuchs zurückzuführen waren, weil das Kopftuch provozierte. Es gibt Einschränkungen in Ausbildung und Beruf für diese Frauen. Es gibt soziale Distanz zu diesen Frauen, und es gibt dadurch eine zunehmende Tendenz von Isolation und Abschottung in die eigene Welt. Es gibt diejenigen Frauen, die in den eigenen Kreisen diskriminiert werden wenn sie ihr Kopftuch ablegen. Es gibt den modischen Missbrauch, der bis zur Lächerlichkeit reicht. Ich frage mich deshalb ernsthaft, warum muslimische Männer nicht schon längst grünes Licht gegeben haben, um diese Zustände zu beenden, denn um sie geht es doch bei der Verhüllung. Brauchen Männer heute noch die Verhüllung, so wie es damals als praktische Maßnahme für sie eingeführt wurde? Laut der religiösen und historischen Quellen sollten sie mit der Verhüllung die gläubigen Frauen von den Sklavinnen unterscheiden können, und sie sollten nicht mehr von weiblichen Reizen abgelenkt sein. Wenn sich Frauen heute noch verhüllen, wie die gläubigen Frauen das damals aus diesen Gründen tun sollten, dann haben wir es heute diesen verhüllten Frauen zu verdanken, dass muslimische Männer, die im Kopf wie ein Mann aus jenen Zeiten tickt, die nicht so verhüllten Frauen als „Sklavinnen“ von heute betrachten! Bei dem Thema Integration in Deutschland muss erst einmal dieses Bild von Mann und Frau geklärt werden. In meinem Leserbrief an die ZEIT beklage ich die politischen Interessen an einem bestimmten Frauenbild mit bestimmten Werten und Maßstäben, mit dem in das Wertesystem und die Maßstäbe von Frauen ohne diese Verhüllung bestimmend eingegriffen wird.

In Deutschland scheint eine sachliche Debatte über dieses Thema noch nicht möglich zu sein. Wie kann sich das ändern?
Zeynelabidin: Wie kann man Bereitschaft, um über seine Selbstverständlichkeiten nachzudenken schaffen? Ich halte die Bereitstellung von Schutzräumen für offene Gespräche als eine mögliche Lösung für diese fehlende Bereitschaft sich zu öffnen. Die Konflikte werden sehr wohl wahrgenommen, aber nicht ernst genug genommen. Vielleicht haben bisher polarisierende Berichterstattungen und politisches Einmischen seitens des Staates eine Menge Vertrauen zerstört und Muslime in die Defensive geführt. Wer hat sich mal die Mühe gemacht, in deren Köpfe hinein zu schauen und ein wenig zur Selbstreflektion zu locken? Und zwar mit Fragen wie z.B. „Was hat Allah eigentlich gegen Damenfrisuren?“

Ist es hinderlich, dass beim Thema Islam sehr schnell über Verbote gesprochen wird?
Zeynelabidin: Das Kopftuchverbot ist ein großer Fehler gewesen, weil es den Prozess der Auseinandersetzung stark beeinträchtigt hat. Ich glaube immer noch daran, dass der beste Weg für eine Veränderung aus Einsicht über die umfassendere Aufklärung stattfinden kann, mit dem Ergebnis, dass diese Verhüllung keine Frage von Religion war und sich bis heute als Wüstentradition gehalten hat. Sehen denn Muslime im europäischen Alltag und in der Arbeitswelt und überall nicht, wie überflüssig heute solch eine Verhüllung für eine Frau geworden ist? Oder dient diese ganze Aktion dazu, sich an dem Schutz der Religionsfreiheit zu bereichern?

Was erwarten Sie von der Berliner Islamkonferenz?
Zeynelabidin: Ich wünsche mir sehr, dass dieses sehr unterschiedliche Bild vom Menschen und der Sinn des Lebens bei Muslimen und nicht-muslimen geklärt werden, unter Einbeziehung von Psychologen und auch modernen Theologen, die in der Gegenwart leben und mutig sind. Denn es sind diese Menschen, die Probleme verursachen, an denen die Islamkonferenz noch scheitern wird, wenn diese Grundsatzthemen nicht geklärt sind.

Ihr Vater ist Mitbegründer der Organisation Mili Görus, die der Verfassungsschutz als islamistisch einstuft. Wie hat das Ihr Verständnis von Religion geprägt?
Zeynelabidin: Mein Verständnis von Religion hat sich völlig unabhängig von den politischen Aktivitäten meines Vaters entwickelt. Für mich war mein Vater eigentlich auch ausschließlich mein Vater und nicht der Führer einer Organisation. Er hat mich als Mensch mit seinem frommen Glaubensverständnis, das die Liebe zum Menschen als Geschöpf des Schöpfers im Mittelpunkt hatte, sehr geprägt, und nicht etwa indiskutable Regeln und Rituale und deren Einhaltung mit Angst und Druck.

In Deutschland diskutieren oft Außenstehende über den Islam. Muss auch innerhalb der Religion über Emanzipation und Aufklärung geredet werden, um die Integration voranzutreiben?
Zeynelabidin: Das angstfreie Gespräch findet nicht statt. Es wird vieles befolgt ohne infrage gestellt zu werden. Dieses System von Scharia ermöglicht gegenseitige Kontrolle und Verurteilung, dem sich niemand in den eigenen Kreisen gerne aussetzten möchte.

Was würde sich verändern, wenn mehr Menschen ihr Moslem-Sein selbst definieren würden – so wie Sie es tun?
Zeynelabidin: Ein Muslim ist derjenige, der das Glaubensbekenntnis ausspricht, und nicht derjenige, der die Scharia befolgt.Ein Muslim ist ein Vorbild.Ein Muslim ist für mich auch derjenige, der erlebt hat was Hingabe bedeutet. Das ist die eine Bedeutung des Wortes Islam.Ich habe meine eigene Definition von Islam gefunden, weil ich mich mit meiner Biographie auseinander gesetzt habe, und zwar ohne mir dafür erst eine Erlaubnis von irgendeinem Gelehrten einzuholen. Das politische System der Scharia muss durchschaut und überwunden werden, damit sich jeder diese Erlaubnis geben kann und erkennen kann, dass es das eigene Leben ist, welches Fragen beantwortet und Erklärungen gibt.

 

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